Männer

Also. Männer. Die meisten Männer sind ja Abenteurer. Piraten. Verwegene Entdecker. Freibeuter. Rocker. Harley Fahrer. Beschützer. Forscher, Jäger, Sammler. Und Helden. Die meisten. Ein paar sind auch Banker. Oder Schrebergärtner. Oder Hobby-Modell-Eisenbahner. Jetzt, nichts gegen Hobby-Modell-Eisenbahner. Manch Eisenbahner mehr Held als sonst was. Wenn er sich Tage- oder Nächtelang im Hobbykeller einschliesst. Auf jegliche Nahrungsaufnahme verzichtet. Keine Kommunikation nach aussen mehr. Bis die bessere Hälfte an die Türe poltert. Er möge sich doch wieder einmal aus seiner Einsiedelei bewegen. Und zum Beispiel den Abfall entsorgen. Helden des Alltags.

Dann gibt es da aber auch wirkliche Abenteurer. Wie Max. Und Nicki. Geht her und gibt alles auf. Haus, Garten, gewohntes Leben, die Modelleisenbahn. Und kauft sich einen Van. Mit Bett, Küche, Dusche und seiner Nicki. Packt noch ein paar Klamotte zusammen und macht einen Abgang. Für immer. Oder ganz lang. Weil, Max ist 72. Da kann ganz lang auch schon mal für immer sein.

Also während sich so mancher Mann in diesem Alter in seinen Hobby-Keller verzieht, oder den Schrebergarten. Verzieht Max sich in ein Abenteuer. Respekt. Grosser. Fast ein bisschen neidisch. Wir trafen Max und Nicki anlässlich eines unserer Weekend-Trips. Da lernten wir sie kennen. Auf Ihrer Reise ins Unbekannte. Jetzt noch Schweiz, aber sobald die Grenzen wieder offen? Vogelfrei. Alles Gute Ihr beiden. Geniesst es.

Hat mich insbesondere beeindruckt. Weil, in so einen Van, da passt nicht viel rein. Man muss sich trennen können. Von vielen Dingen. Ich bin ja eher der Sammler. Sag nicht ich. Sagt bessere Hälfte. Wenn ich zum Beispiel eine alte Jacke, ja? Also, wenn ich dann mal eine alte, ganz liebgewonnene Jacke, dann durch eine neue ersetze. Was ja, zwei, dreimal im Leben sein muss. Sagt bessere Hälfte. Dann heisst das noch lange nicht, wenn die neue Jacke denn da ist, dass die alte Jacke dann entsorgt wird. Weil. Vielleicht. Und unter Umständen. Und auch um die neue noch etwas zu schonen. Kann man die alte ja noch ein wenig tragen. Männer sind da anders. Also. Eigentlich. Weil Frauen? Mit ihren Schuhen? Ganz ähnlich, oder? Jetzt haben wir einen Deal. Wenn ich meine alte Jacke entsorge, muss bessere Hälfte ein paar Schuhe entsorge. Gezeter. Und Patt-Situation. Männer hängen halt an Dingen. Und Gewohnheiten.

Wie mein Arzt zum Beispiel. An dem häng ich auch. Der kennt mich schon ziemlich lange. Ist auch etwas älter schon. So ein typischer Typ Landarzt. Etwas rauh im Umgangston. Gewöhnt man sich aber. Wenn mal zum Arzt, dann weiss man. Was auf einen zu kommt. Meistens. Jetzt ist dieser Arzt. Auch mein Urologe. Also quasi. Grunduntersuchung macht er selber. Wenn was wäre, dann weiter. Nächster Arzt. Aber Grunduntersuchung? Jetzt ist es bei Männern oft so. Wenn es etwas peinlich wird. Für den Patienten. Dem Arzt vielleicht auch. Dann flüchten wir uns gerne in Floskeln. Und Heldentum. Auch die Schrebergärtner. Dann heisst es schon mal, wenn sie vornübergebeugt mit heruntergelassenen Hosen vor Ihrem Arzt stehen. Dann heisst es vielleicht schon mal, man sei heute vielleicht etwas empfindlich. Weil was Falsches gegessen. Und der Arzt? Ja, höhöhö, was Falsches gegessen, was? Keine Angst. Ich fahr schon nicht bis zum Ellenbogen rein. Und sie, als Patient? Ja, höhöhöhö, Ellenbogen? Höhöhöh. Schluck! Und Zack und gut ist.

Aber so ganz grundsätzlich? Alles kein Problem. Man kennt sich ja. Ein paar lockere Sprüche. Hose hoch und gut.

Letztens war wieder mal ein Untersuch fällig. Und weil mein Arzt nun halt doch schon etwas sehr älter und wohl auch nicht mehr so gut in Bezug auf seine Sehkraft. Und die Finger auch nicht mehr ganz so. Beweglich. Überweist mich zu einem Kollegen. Also, für diese Untersuchung gehen sie dann da und da hin. Alter Kollege. Volles Vertrauen. Wird schon nicht bis zum Ellenbogen…höhöhöhö…und sie selber…auch höhöhöhöhö…Ellenbogen. Und haben die letzte Sendung von Netz Natur im Hinterkopf. Bei der gezeigt wurde, wie ein Tierarzt auf der Alm eine Kuh besamt. Also künstlich. Bis zur Achsel. Und übersehen dabei das Grinsen im Gesicht ihres Hausarztes. Resp. Sie sehen es, messen ihm aber keine Bedeutung bei. Weil, vielleicht denkt er ja gerade an die gleiche Kuh.

Mit diesen Gedanken machen sie sich dann auf den Weg. Zu besagten Kollegen. Und nehmen sich ganz fest vor. Männer ja Helden. Und Freibeuter. Und Abenteurer. Und das alles. Und wird schon gut gehen. Ist ja auch nur ein Mann. Der Doktor. Schon mal vorsorglich ein paar flotte Sprüche parat.

Dann liegen sie im Behandlungszimmer. Und die Assistentin sagt der Doktor kommt gleich. Und dann geht die Türe auf.

Und vor ihnen steht eine UroloGIN. Aus Holland. Mit einem herzerfrischenden „So, nun lassen wir aber mal die Hosen runter“……

Männer sind Helden. Nicht immer. Nicht alle…..Und mit meinem Hausarzt rede ich noch ein Wörtchen!

Frühlingserwachen, das….

So langsam beginnt sie sich zu legen. Ich spüre es. Ganz deutlich. Ich schwör. Ging zwar länger als gedacht. Kam auch ziemlich überraschend. Für mich zumindest. Bin normalerweise nicht so. Zimperlich. Robust eigentlich. Mehr so Motto Eiche. Kennen sie nicht? Was juckt es eine Eiche im Wald, wenn sich ein Wildschwein an ihr scheuert? Eben. So.

Das hier beschäftigte mich aber. Und erst noch länger als gedacht. Darum auch etwas Schadenfreude. Nur so ein bisschen. Dass es ihm nicht gerade den Kopf kostet. Aber ein bisschen schon. Es gibt es sie ja jedes Mal. Gewinner und Verlierer. In allen Situationen. Auch in der aktuellen. Einigen wird es den Kopf kosten. Andere profitieren. Und die Dritten tun schon die ganze Zeit über, als wäre nix. Den, den ich meine, der wird’s auch schaffen. Streifschuss vielleicht. Aber so Typ Mensch, der geht nicht unter.

Eigentlich ein Bootsverleih. Tretboot. Aber ohne Seenot. Seit Jahren schon. Und neben Tretboot auch noch was zu trinken. Bar/Restaurant darf man ja nicht sagen. Von wegen der Bewilligung. Also bezeichnet man es als Warteraum. Wenn Tretboot grad anderweitig in Besitz. Und damit die Warterei nicht allzu ungemütlich? Dafür gibt es ein paar Sitzgelegenheiten und etwas zu trinken. Auf einer Art Terrasse. Mitten im See. Eigentlich eines, wenn nicht sogar das schönste Restaurant/Bar am See. Respektive im. See. Aber man darf es ja nicht sagen. Weil nur Bewilligung als Warteraum.

Jetzt spannend. Weil Kontrolle. Und damit kein Problem, bekommt ein Jeder im Warteraum ein Ticket. Für eine Tretbootfahrt. Die gibt es als Einzelticket. Oder, damit bequemer, auch als Mehrfahrtenkarte. Wie im Tram. Oder Zug. Ob man die dann auch wirklich einlöst? Das steht auf einem anderen Blatt. Hauptsache man hat und kann. Sich als im Warteraum berechtigt Wartender ausweisen. Sitzend. Mit einem Drink in der Hand. Also kauft man halt so eine Mehrfahrtenkarte. Früher gab es eine kleine Plastikkarte. Als Inhaber dieser Karte war man ebenso berechtigt, den Warteraum zu nutzen. Zum Zuge einer späteren Tretbootfahrt. Früher. Die musste man ersetzen. Also ging ich eines schonen Sonntagvormittags auf die Plattform. Mich zu erkundigen. Wie das denn nun sei. Vor dem ganzen Virus. Knapp vorher.

Da hies es dann. Keine Karte mehr. Ich brauche jetzt einen Fahrausweis. Quasi. Und am besten nehme ich gleich eine Mehrfahrtenkarte. Dann könne ich gleich in den Warteraum. Und müsse nicht extra jedes Mal anstehen. Mache alles etwas einfacher. Was denn so eine Mehrfahrtenkarte koste? Wollte ich wissen. Die gäbe es für so und soviel Franken. Worauf ich etwas zuckte. Mit der rechten Augenbraue. Was mein Gegenüber durchaus war genommen. Daher sofort Argumentation nachgeschoben. Ich könne die für mich alleine nutzen. Aber auch anders. Zum Beispiel auch für eine Fahrt mit meinen Enkeln. MIT MEINEN ENKELN…..

Ich bin 58. Ich habe gar keine Enkel. Noch nicht. Und will auch nicht. Was ich im Anschluss mit meiner Jungmannschaft geklärt habe. Die gerade mit ihrer Freundin in die erste eigene Wohnung gezogen ist. Sie sollen sich gefälligst zusammenreissen. Das habe ich auch getan. Und meine Entrüstung verborgen. So gut als möglich. ENKEL!

Die Tage danach kam der Lockdown. Auch für die Plattform. Jetzt geht es aber wieder weiter. Frühlingserwachen. Manche werden auf der Strecke geblieben sein. Andere werden auferstehen. Aus der Asche. Die auch. Freuen wir uns. Ich freue mich. Auch ohne Enkel.

Aber so ein kleiner Streifschuss. Der muss schon sein.

Französisches Flair

Für Anhänger von Lokalen mit französischem Flair gibt es in Zürich mittlerweile eine passable Auswahl. Grosser Beliebtheit erfreut sich zum Beispiel das Café-Bistro «Franzos» am Limmatquai. Wir besuchten dessen Schwester, das Café-Bistro «Montmartre» an der Weggengasse.

Weil es Sonntag war und wir den Tag einmal anders als sonst beginnen wollten, entschieden wir uns für einen Brunch. Wir waren gerade noch vor der Corona-bedingten Schliessung der Restaurants unterwegs. Das Platzangebot im «Montmartre» ist etwas beschränkt. Es verfügt im Innenraum nur über knapp dreissig Plätze, wenn man eng zusammenrückt. Sobald es die Temperaturen (und Corona) zulassen, kann man auf die kleine Terrasse ausweichen. Daher hiess es früh reservieren. Mit Glück bekamen wir noch einen der raren Plätze in der ersten Schicht am Morgen. Also etwas früher aus dem Bett und ab an die Weggengasse. Und wirklich. Man erlebt auf der Türschwelle einen abrupten Wandel von Zürcher Urbanität hin zu Pariser Charme. Gestützt wird dieser durch die kleinen Bistrotische und die Bilder und Spiegel an den Wänden. Passend dazu war, dass unsere Reservation im Vorfeld zunächst auf Französisch und dann erst auf Deutsch, mit französischem Akzent, angenommen wurde. – Die kleine und übersichtliche Karte ist schnell studiert. Den Brunch gibt es in drei Variationen und er folgt dabei den Farben der französischen Trikolore, Blau, Weiss, Rot: Ein einfacheres «Petit déj’bleu» (Fr. 10.50.–), das mittlere «Petit déj’blanc» (Fr. 19.50) und das von uns gewählte «Petit déj’rouge» zu Fr. 29.50. Wir entschieden uns zu teilen und es noch mit Saumon fumé (Fr. 3.50) anzureichern.

Etagenfrühstück
Serviert wird dieses Frühstück auf einer dreistöckigen Etagere. Es besteht aus Croissant, Baguette, Confiture, Miel, Beurre, Fromages, Jambon cru, Oeufs brouillés et Yaourt bio avec Fruits de Saison. Dazu tranken wir zwei Cafés au Lait (à Fr. 5.50) und zwei frisch gepresste Jus d’Orange, das Glas zu Fr. 6.80. Die Portionen eines «Petit déj’rouge» waren für meine Partnerin und mich durchaus ausreichend. Der gut assortierte Käse wie auch die übrigen Komponenten überzeugten durch hohe Qualität und hübsche Präsentation. Alles kam frisch und geschmacklich ausgewogen daher. Faszinierend fanden wir auch die Geschicklichkeit unserer sehr freundlichen und kompetenten Kellnerin Afomia. Es gelang ihr mühelos, alle Zutaten unseres Brunchs, immerhin Geschirr und Besteck für zwei Personen, Getränke und Etagere, auf einem Bistrotisch mit gerade mal fünfzig Zentimeter Durchmesser zu platzieren. Beide sind wir ausgesprochene Kaffeeliebhaber. Darum bezogen wir Nachschlag. Mit, in Summe, vier Cafés au Lait, zwei Jus d’Orange und einem «Petit déj’rouge», ergänzt durch Saumon fumé, bezahlten wir schlussendlich überaus angemessene Fr. 69.

Überraschung zum Schluss
Das Café et Bistro «Montmartre» ist übrigens etwas mehr als nur Café et Bistro. Es ist auch noch Hotel und verfügt über zwei Bijoux von Hotelzimmern. Diese nennen sich Joséphine und Maurice und werden für je Fr. 220.– pro Nacht vermietet. Es handelt sich dabei eigentlich weniger um Hotelzimmer als um zwei kleine Appartements. Wobei sich Maurice über zwei Etagen erstreckt und über einen kleinen Balkon verfügt. Beide Zimmer sind mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und ermöglichen einen speziellen Aufenthalt in der Altstadt. Dazu noch der Brunch im «Montmartre»… – Was braucht es mehr für ein echt französisches Wochenende in Zürich?

Alexander Villiger

«Montmartre», Haus zum Weggen, Weggengasse 4, 8001 Zürich. Tel. 044 211 19 20, bonjour@lemontmartre.ch. (Reservationen telefonisch, nur für Brunches, Mittag- und Abendessen.) Geöffnet (ausser Coronakrise) von Montag 8 bis 18, Dienstag bis Donnerstag bis 23, Freitag bis 24, Samstag 9 bis 24, Sonntag 10 bis 18 Uhr. (Küche Montag bis 17, Dienstag bis Donnerstag bis 21.30, Sonntag bis 17 Uhr.)

Muster im Leben

Die momentane Situation hat auch ihre Vorteile. Wirklich. Gut. Vielleicht nicht aus der Sicht derer, die daran zu Grunde gehen. Aus deren Sicht vielleicht nicht. Aus meiner schon. Man wird wieder ein wenig auf sich selbst zurückgeworfen. Gezwungenermassen. Weil. Man verreist etwas weniger. Zur Zeit. Quasi. Jetzt nicht das wir uns unbedingt aufhalten lassen. Wir reisen einfach zu gerne. Sind auch etwas unstet. Aber wir finden es nicht fair den anderen gegenüber. Selber merkst Du es vielleicht gar nicht. Dem anderen, dem Du danach die Hand schüttelst, der dann vielleicht schon. Darum. Nicht nur an sich selbst denken. Auch ein bisschen an die anderen. In der Regel.

Jetzt der Vorteil an dieser Situation? Wenn man nicht ständig unterwegs ist? Man reflektiert. Sich selbst. Oder liest ein Buch. Was soll man auch sonst? Und wenn das Buch nicht spannend genug? Dann wieder mal in die eigene Stadt. Schauen, was gibt es Neues. Einiges. Stellt man fest. Ein ständiger Wandel und Veränderung.

Nur weniger an sich selbst. Vielleicht auch schon zu alt und zu eingefahren. Wobei eingefahren nicht unbedingt die richtige Bezeichnung. Sagen wir mal so. Man kennt sich selbst. Weiss wie man auf etwas reagiert. Was man gerne hat und was nicht. Was einem etwas bedeutet und was weniger. Sie nicht? Schade. Dann entgeht ihnen etwas. Wirklich. Ich schwör. Solche Abende. In dieser Stimmungslage. Die verbringt man dann am besten an Orten, die man kennt. Sonst Katastrophe. Wäre ich Psychiater? Oder Psychologe? Wäre das erste, was ich raten würde. Meinen Patienten. Suchen sie sich einen Ort. An dem sie zuhause sind. Oder sich zumindest so fühlen. Nur sie allein. Also sie sich selbst ertragen. Und von Vorteil ist dieser Ort ein anderer. Also nicht zuhause zuhause. Nicht vom Sofa ins Schlafzimmer und wieder zurück. Oder so. Nein. Gehen sie raus. Fühlen sie. Spüren. Hören. In sich selbst. Und finden. Den Ort. Der gehört dann nur ihnen. Versuchen sie es erst gar nicht. Jemand anderes zu erklären. Warum und wieso. Nix. Ist ihr Ort und Ende.

Ich habe so einen Ort. Mehrere. Weil auch hier immer wieder Veränderung. Daher Ausweichmöglichkeit. Wenn einer wegfällt. Dann sofort Ersatz. Dient dem Gleichgewicht. Dem inneren.

Jetzt habe ich mich ein wenig verzettelt. Was wollte ich eigentlich? Stimmt. Zum Ausdruck bringen, dass, ich, auch im fortgeschrittenen Alter immer noch offen bin. Für Neues. Und neuen Orten, an dem man sich zuhause fühlt. Immer. Offen. Mit einer Ausnahme. Klassiker. Darum heissen sie so. Klassiker sollten Klassiker bleiben. Auch an neuen Orten. Sonst wird er nicht zum zuhause. Da bin ich wenig flexibel. Wenn ich zum Beispiel das Bedürfnis habe. Das Bedürfnis, mich zu betrinken? Jack Daniels, Cola. Besteht aus einem Glas. Aus Eiswürfel. Jack Daniels und einer Cola. In der Flasche. Zur Not auch Büchse. Dann aber schon grosse Not. Beides wird frisch geöffnet. Und es besteht nicht aus einem (vielleicht) Jack Daniels in einem Glas und Cola schon drin. Dann fertig zuhause. Wie gesagt. Ich bin offen für neues. Ich trinke auch einmal eine Bloody Mary. Oder eine Pina Colada. Beides so, wie es sich gehört. Ich muss keine „Neuinterpretation“ eines Klassikers haben. Ein Jack/Cola ist schwarz. Eine Bloody Mary rot. Und eine Pina Colada weiss. Darum hätte mich der Name schon vorsichtig stimmen müssen. Christal Colada. Irgendwie lass ich nur Ananas und Kokos. Das Christal ist mir entgangen. Bis es vor mir stand. Ein Glas. Mit Eis. Darin eine durchsichtige Flüssigkeit. Obendrauf etwas das aussah wie ein Stück Ananas aus dem letzten Jahrhundert. CHF 20.-

Wie es geschmeckt hat? Nicht. Nach. Zuhause. Aus.

Fertig. Zuhause.

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Zweckoptimismus

Es kommt jetzt darauf an. Also nicht so generell. Eher allgemein. Ob man eher Optimist. Oder dann doch negativ. Grundsätzlich. Von der Lebenseinstellung her. Weil. Der Pessimist. Also der Negative. Der würde jetzt ja behaupten. Von wegen mit Absicht. Man hätte es mit Absicht eskalieren lassen. Man. Also ich. Um genau zu sein. Der Optimist? Der eher nicht. Aber die Meisten je eher negativ. Darum haben die ja so viel Erfolg. Diese Medien. Mit vier Buchstaben. Ohne direkt Namen zu nennen. Aber da können sie sich selber ein Bild davon machen. In Deutschland. Oder einen Blick drauf werfen. Hier in der Schweiz. Weil, wenn die Stimmung eher positiv? Dann wischt man sich nicht mal den Hintern damit ab. Wenn negativ. Die Stimmung. Oder die Neuigkeiten. Dann Auflagensteigerung. Obwohl’s dann eher erst recht zum Abwischen wäre.

Ich hab so ein kleines schwarzes Notizbuch. Da schreibe ich rein. Was mir so begegnet. Tagsüber. Und dazu dann in den Sinn kommt. Weil, es kommt mir soviel dazu in den Sinn. Was ich tagsüber so sehe. Und wenn ich ganz hinten bin, mit dem Sinnen, dann habe ich vorne schon wieder vergessen. Darüber ärgere ich mich dann. Hin und wieder. Aber nicht negativ. Weil vom Grundsatz her dann schon eher positiv. Also Optimist. Ich werde dann melancholisch. Ob all der vergessenen Pointen.

Genau darum sind wir ja trotzdem gefahren. Nach Italien. Jetzt. Vor nicht allzu langer Zeit. Weil wir finden. Also ich. Ich finde. Zuviel Theater. Um dieses Virus. Ich will jetzt nicht statistisch werden. Ausserdem erwischt es einen sowieso. Früher oder später. Im Leben. Der Tod. Jeden. Darum lebe ich ja so wie ich lebe. Jetzt. Hier und heute. Damit ich dann nicht sagen muss. Wenn’s mich dann erwischt. Oh, hätte ich nur. Wie so viele andere.

In eben dieses schwarze Buch. In welches ich schreibe. Mit Datum. Habe ich vorhin reingesehen. Ende Dezember. Der letzte Eintrag. Gab mir zu denken. Daher beschlossen. Wird nun wieder anders. Ich schwör. Nicht dass ich dann noch sagen muss. Hätte ich nur. Wegen Italien. Und dem Virus. Wobei. Das Virus eigentlich gar nicht das Problem. Sondern die Negativen. Und damit kommen wir wieder auf den Punkt. Eskalation. Und Absicht oder nicht. Dabei habe ich es nur gut gemeint. Vorhin. Im Tram. Weil alle ein bisschen negativ. Zuweilen hysterisch. Wenn vorne im Tram einer hustet. Jetzt gerade. Verlassen sie es hinten fluchtartig. Ob all dieser Negativheit war ich so melancholisch, dass ich ganz froh war. Als das Telefon klingelte. Ein guter Freund am Apparat. Dem habe ich dann ein bisschen erzählt. Von Italien. Und unserer Reise. Am Telefon. Um etwas gute Laune und so. Vielleicht ein wenig lauter als üblich. Und weil Winter. Und so viele Menschen im Tram. Und die Luft. Die Luft etwas trocken. Wurde ich vom vielen Reden auch etwas trocken. Im Hals. Und während sie so trockneten. Meine Stimmbänder. Und ich immer noch erzählte, von Italien. Wurde der Platz um mich herum immer grösser. Und die Blicke. Die immer giftiger. Nur darum. Darum habe ich meine Erzählung noch ein bisschen angereichert. Mit ein paar kleinen Hustern. Und nicht, weil ich es eskalieren lassen wollte. Wirklich. Ich schwör.

In diesem Sinne. Und auch im Sinne von Allgemein. Wie eine Kollegin heute sagte. Volle Kraft. In diesen nicht ganz einfachen Zeiten. Zuversicht. Und Optimismus. Und volle Kraft voraus. Wie das der Kapitän der Titanic im Angesicht des Eisbergs auch befahl. Volle Kraft voraus! Und immer schön positiv bleiben.

oznorCO

Es weihnachtet sehr

Das mit den Traditionen. Das ist so eine Sache. Weil relativ tief verankert. In den Menschen. Bei den Tieren übrigens auch. Ein Rudel Kampfhunde zum Beispiel. Sagen wir mal, sie laufen durch einen Park. Und Kommen an eine Wiese. Auf der ein Rudel Kampfhunde sich gerade traditionell einem kleinen, freilaufenden Pudel annimmt. Und jetzt, wie sie da so vorbeilaufen, vielleicht etwas zu Nahe als beabsichtigt, meint der Chefkampfhund, sie hätten bezüglich deren Traditionen vielleicht eine etwas andere Meinung. Würden eventuell gar in Erwägung ziehen, dem schon leicht zerzausten Pudel beizustehen. Dann kann es ganz schnell sein und sie kommen mit den Urtraditionen eines Rudels Kampfhunde im Blutrausch in Kontakt. Näher als Ihnen lieb ist. Weil die darauf beharren. Auf ihren angeborenen Traditionen.
Oder der Religion. Versuchen sie einmal in einem muslimisch geprägten Land, auf ihren christlichen Traditionen zu beharren. Öffentlich. Da kocht es dann schon mal hoch. Das Weihwasser. In der brennenden Kirche. Zusammen mit den Emotionen.
Sie sehen, das ist so eine Sache. Mit den Traditionen. Und der Vernunft. Mit der ist es auch so eine Sache. So ein Kampfhund, der ist in der Regel eigentlich ganz vernünftig. Der geht auch schon mal bei Fuss. Wenn er Lust hat. Und nicht gerade ein kleiner Pudel seinen Weg kreuzt. Dann Risiko gross. Und ruck zuck Tradition. Da können sie pfeifen und rufen wie sie wollen.
Jetzt sagen wir mal. Sie sind so ein Mensch. Grundsätzlich. Eher ambitioniert unterwegs. Vor allem sportlich. Also wenn Sport, dann gerne auch vorne. Wenn schon. Und jetzt ist das so ein Traditionsevent. Hat am Rande auch mit Sport zu tun. Geht aber generell mehr um Spass. Dem Spass an der Freude. Was auch äusserlich zum Anschein beiträgt. Der Mensch verkleidet sich halt auch gerne. Und wenn verkleidet. Dann gerne auch Alkohol. Auch Tradition. Ich sag nur Karneval. Oder Fasching. Oder Vormarsch in ein fremdes Land. Da auch Verkleidung. Und Alkohol. Weil Hemmschwelle dann niedriger. Ähnlich wie beim Karneval. Oder an diesem Bierathlon. Eigentlich geht es um den Spass. Und der Tradition. Verkleidet und Alkohol mit sich führend zu zweit einen Parcours abzuarbeiten. Damit das Ganze nicht allzu sehr ausartet legt man den Teilnehmern noch ein Limit auf. Nur eine bestimmte Menge Alkohol. Und Zeit. Der Lauf ist auch unter einem zeitlichen Aspekt. Und da liegt der Hund begraben. Also nicht der kleine Pudel, der mit den Kampfhunden auf Tradition Bekanntschaft machte. Von dem ist nichts mehr übrig, was man noch verscharren könnte. In der Regel. Nein, der Hund liegt sinnbildlich. In den Traditionen ambitionierter Menschen. Da kann der Anlass noch so schräg, die Kostüme noch so ungewöhnlich und der Alkohol in Strömen. Wenn so ein Mensch sportliche Ambitionen und immer vorne? Dann auch dann. Erst recht. Und schnell ist fertig lustig. Das war spannend zu sehen. Und dabei zuzusehen. Wie Menschen an Traditionen festhalten. Unter allen Umständen. Und Alkohol.
Jetzt komme ich noch einmal zurück. Auf den Hund. Allgemein. Weil da, wo der Anlass stattfand? Der Ort ist, ohne Anlass, als Hundewiese bekannt. Und Freilaufzone. Eine der wenigen noch vorhanden in der Stadt. Für Tier UND Mensch. Und diese Hundemenschen, die haben eben auch Ihre Traditionen. Nämlich den Vierbeiner seinem freien Lauf zu lassen. Damit er sich und sein Herrchen erfreue. Wenn jetzt just beim Vollzug dieser Freude, ein als Tannenbaum verkleideter Mensch unter Alkohol am Hund vorbeiläuft? Da kann es schon zu Missverständnissen kommen. Ruck zuck.

Und sei es auch nur hebt der Hund sein Bein. Weil Baum. Das auch Tradition.

Unser Kulinarier ist im Restaurant «Blockhus» eingekehrt. Das an ein Blockhaus erinnernde Lokal bietet eine Wohlfühlatmosphäre und gute Gerichte.

Selbst alteingesessene Zürcher sind immer wieder erstaunt, wenn man das Restaurant «Blockhus» erwähnt. «Blockhus»? Wo? Dabei liegt es an ziemlich prominenter Lage. Nämlich beim ehemaligen Hafen des mittelalterlichen Zürich. Heute noch Schifflände genannt. Den Hafen gibt es schon lange nicht mehr. Die Buchten wurden seinerzeit aufgeschüttet und zu Schifflände und Hechtplatz. Die Stadt wuchs und es brauchte Land, um bauen zu können.
Seit mehr als dreissig Jahren kenne ich nun schon dieses Lokal und stelle fest: Einer der herausragenden Punkte ist das langjährige Personal. Holger, Janosch, José und Antonio halten gefühlt schon seit Ewigkeiten die Treue. Wo findet man das heute noch?

Heimelige Atmosphäre
Der Eingang des Lokals ist nicht unbedingt für Menschen gemacht, die eine Grösse von über 1.88 Meter aufweisen. Zum Glück geht es gleich zwei Stufen tiefer. Und schon steht man vor der den Raum beherrschenden Bar und somit mitten im Lokal. Holz! Viel Holz. An den Wänden und an der Decke. Blockhausmässig halt. Man fühlt sich entweder sofort heimisch oder nicht. Die sehr freundliche Servicemannschaft nimmt einen familiär in Beschlag. Im Vorteil ist, wer eine Reservation vorzuweisen hat. Ansonsten muss man gerne auch mal mit einem Platz an der Bar vorliebnehmen. Wir haben bewusst an der Bar reserviert. Zwecks des Überblicks.

Fein gegessen
Unter Kennern ist das «Blockhus» bekannt für seine Tatar-Kreationen. Von Tatar klassisch für Fr. 29.50 bis hin zu dem etwas ausgefallene Tatar Paesana mit würzigem Schnittlauch-Sauerrahm und Rohschinkenstreifen für Fr. 33.– kann man zwischen sieben Varianten wählen. Dazu immer auch noch im Modus mild, scharf oder ganz scharf. Meine Partnerin Maria und ich liessen das Tatar diesmal links liegen und entschieden uns für eine saisongerechte, sehr sämige Kürbissuppe (Fr. 12.50) und den sehr pikanten Crevetten-Pil-Pil, (Fr. 19.50). Beides war wirklich fein. Kleine Randbemerkung: Das Küssen lässt man nach den Pil-Pil besser bleiben, Stichwort Knoblauchfahne.
Zur Hauptspeise reichte man uns je eine halbe Portion frische Taglierini mit frisch gehobeltem weissem Trüffel. Meine Portion ergänzt mit einem Spiegelei, zu je Fr. 30.–, und jeden Rappen wert. Ein Gedicht. Die halbe Portion deshalb, weil es noch Platz brauchte im Magen für ein weiteres Highlight des Hauses.

Highlight: Käse
Selten isst man in Zürich so ausgesuchten Käse zum Nachtisch. Man kann sich zwischen verschiedensten Sorten entscheiden und die Menge selber bestimmen. Für uns waren es drei Sorten sanft vor sich hinfliessender Weichkäse (Fr. 20.50). Die Schieferplatte, auf der der Käse dargereicht wird, kommt einher mit Trauben, Birnen und selbstgemachtem Quittenmus. Nach einer kurzen Plauderpause mit unserem Kellner beendeten wir das Menu mit nur einer Crema Catalana und zwei Löffeln (Fr. 10.–). Wir waren einfach wirklich satt.
Unser Essen liessen wir begleiten von einem halben Liter Tinto de Casa zu Fr. 6.50 der Dezi und schlossen es ab mit zwei Carajillo zu je Fr. 7.50. Während unseres Aufenthalts wurden die Tische fast komplett zweimal besetzt. Wie bereits erwähnt: Zu reservieren lohnt sich.

Alexander Villiger

Restaurant «Blockhus», Schifflände 4, 8001 Zürich, Tel. 044 252 14 53.
Geöffnet Montag bis Mittwoch 11.30 bis 23, Donnerstag bis Samstag bis 24 Uhr, Sonntag geschlossen. http://www.restaurant-blockhus.ch.

Golden Dragon

Ich sage das nur, damit keine Missverständnisse entstehen. Wirklich. Ich schwör. Ich bin grundsätzlich nicht rassistisch. Also. So allgemein. Kann ich gar nicht. Wegen der Voraussetzungen. In meiner Familie tummeln sich etliche Ethnien. Schweiz. Deutsch. Spanisch. Italienisch. Schwedisch. Etliche. Vermutlich noch mehr. Weiss mans so genau? Nein. Also international. Mindestens. Und bayrisch. Bayrisch auch. Weil damals, auf der grossen Flucht. Von Schlesien über Berlin nach München. In die Nähe von. Zumindest. Weil das Kaff sonst niemand kennt. Darum München.
Jetzt muss man wissen. Der Bayer. So allgemein gesehen. Der eigentlich auch nicht rassistisch. Nicht dass ich jetzt etwas behaupte. Und dann Ärger. So allgemein. So lange sie ein „Hiesiger“ sind. Sind sie ein sogenannter „Zugereister“? Dann wird’s schon schwieriger. Meine Eltern wohnten auf dem Dorf. Zunächst. Dann zogen Sie aufs Alter in das andere. Nachbardorf. Keine drei Kilometer. Und waren damit sogenannte „Zugereiste“. Keine „Hiesigen“. Damit wurde es dann schon etwas schwieriger. Aber grundsätzlich ist der Bayer an und für sich aufgeschlossen. Anderen Ethnien gegenüber.
Das muss man wissen, um zu verstehen, wenn ich wieder eine Frau zuhause vorstellte. Die sich vielleicht etwas komisch ausdrückte. Weil Italienerin. Oder Schwedin. Also keine „Hiesige“! Bedurfte dann immer wieder eines, sagen wir mal, aufklärenden Gesprächs. Mitunter auch etwas energischer Natur. Man muss meiner Verwandschaft denn immer wieder gerne mal erklären, dass der Bau von als Autobahnen getarnter Vormarschstrassen, dass dies nicht das fabrikmässige Vernichten von Millionen von Menschen rechtfertigt. Schon gar nicht zur Aussage berechtigt, „Er sei ja gar nicht so schlimm gewesen weil immerhin hätten wir dank ihm jetzt ja Autobahnen!“
Jetzt ist der verbliebene Teil meiner Erzeugerschaft bereits in etwas fortgeschrittenem Alter. Was es nicht unbedingt besser macht. Aber seniler. Darum freut es mich ja so. Heimlich. Wegen dem 80zigsten Geburtstag. Den man im kommenden Januar begeht. In einem Restaurant. In dem man vor vierzig Jahren schon die Taufe meiner Schwester feierte. Jetzt ist Bayern durchaus den Traditionen verbunden. Wie die meisten dieser Bergvölker. Aber ein Restaurant, das nach vierzig Jahren noch existiert? Hm. Nicht das ich Vorurteile hätte. Wirklich nicht. Aber Erfahrung. Und die lehrt einem was. Mir zumindest. Besonders, wenn es heisst, man hätte angerufen. Und es heisst immer noch Dragoner. Aber die waren wohl gerade beim Essen. Während des Anrufs. Weil etwas undeutliche Aussprache und so nuscheln. Aber man hätte jetzt reserviert. Es gäbe Ente. Und Wein.
Letztens war ich zu Besuch. Wegen der kommenden Feiertage. Und so. Die Gelegenheit nutzend und weil Hunger. Dachte mir, schaust Du Dir doch mal den Dragoner an. Testessen. Quasi. Jetzt. Ich bin , wie Eingangs erwähnt, aufgeschlossener. Ich mag auch Ente. Wirklich. Besonders Peking. Peking Ente. Der Dragoner? Den gibt es noch. Also das Gebäude. Die Telefonnummer auch. Er heisst jetzt nur nicht mehr so. Sondern Dragon. Golden Dragon. Und ist ein Chinesisches Restaurant. Von Chinesen betrieben. Keine „hiesigen“!! Wie gesagt. Ich freu mich. Tierisch. Auf Peking Ente. Und auf gewisse Gesichter.

Können sie Überraschungen auch nur so schwer für sich behalten?

Dampfende Rösser

Wer im Glashaus sitzt, werfe nicht mit Steinen. Allenfalls nur ganz winzigen. Oder so ähnlich. Dann nehme man aber in Kauf, bitteschön, es scherbelt. Umständehalber vielleicht auch ganz heftig. Darum lass ich es mal ein wenig scherbeln. Ich entstamme einer Raucherfamilie. Keine Kampfraucher. Also mit Ausnahme meines Grossvaters. Mütterlicherseits. Aber der Rest? Eher so Gelegenheitspaffer. Wenn’s grad eine hatte. Oder einer da war. Der eine hatte. Eine Zigarette. Oder mehrere. Den man deshalb eine abschnorren konnte. Einfach weils gemütlich war. Lustigerweise war es das eigentlich immer. Mindestens aber interessanter. Bei den Rauchern. Draussen. Als drinnen mit den Omis über weiss Gott was zu palavern. Darum stellte ich mich auch meistens mit dazu. Und schnorrte eine. Manchmal kaufte ich mir auch ein eigenes Päckchen. Von dem paffte ich eine. Oder zwei. Den grossen Rest lies ich mir abschnorren. Auch von meiner Familie. Nicht nur. Aber oft. Und in der Regel waren es es ganz harmlose. Kaum Nikotin. Aber einen Filter wie heutzutage eine Kehrichtverbrennungsanlage. So standen wir draussen und taten interessant. Mit Ausnahme meines Grossvaters. Weltkriegsgeneration. Der Erste so ein bisschen, der Zweite dann aber ganz schön heftig. Inklusive Kriegsgefangenschaft in Russland. Ihn sah ich nie ohne. Ich glaub, er ging sogar mit einer Kippe im Mund schlafen. Damit er morgens beim Aufwachen nur noch das Feuerzeug dranhalten musste. Marke weiss ich nicht mehr. Irgendetwas aus dem Ausland. Ohne Filter. Seine rechte Hand war gelb. Sonnenblumengelb. Die Ganze. Hand. Er hielt die Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit der Glut nach innen. In die Handfläche. Damit man sie nicht sah. Weltkrieg. Einmal. Einmal habe ich eine bei ihm geholt. War irgendwas mit einem Mädchen. Ich wollte ein bisschen markieren. Oder so. Markieren konnte man zwar allein schon mit so einem Grossvater. Er war bekannt. Im ganzen Landkreis. Wegen seines Kadett. Opel Kadett. Feuerrot. Der an und für sich weniger spektakulär. Mehr, dass er damit täglich von einem Dorf zum anderen fuhr. Mit ca. 75 Stundenkilometer. Im ersten Gang. Weil Weltkrieg nicht nur Zigaretten. Auch ein bisschen Kopf. Wenn man in die Schule kam und das Gespräch auf einen kam, der da wieder röhrend mit seinem Kadett durch die Gegend orgelte? Konnte man sagen, ja, kenn ich. Ist mein Opa. Anerkennung und Respekt drei Punkte höher. Was Grossvater auch noch konnte? Wegen des Rauchens? Sich räuspern. Und dabei einen „Grünen“ hochziehen und von sich geben. In einem weiten Bogen. Hochpräzise. Auf den Punkt. Dabei produzierte er ein Geräusch. DR 18 201, sage ich nur. Auch da kann sich die spukende Jugend von heute eine Scheibe abschneiden. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ja, man konnte beeindrucken mit ihm. Aber besser noch mit seinen Zigaretten. Darum eine von ihm. Er gab mir sogar Feuer. Den tiefen Blick, den er mir dabei schenkte, den konnte ich erst im Anschluss richtig interpretieren. Als ich wieder von der Toilette zurück war. Weil erster Zug. Ganz tief. Von wegen Kehrichtverbrennungsanlage. Ganz tief. Bis runter zu den Zehen. Wirkung unmittelbar. Mein Vater war beeindruckt. So schnell sei noch niemand auf der Toilette gewesen. War das einzige Mal. Danach nie wieder. Er rauchte zwei davon. Schachteln. Pro Tag. Grossvater. Und wurde alt. Sehr alt. Kein Wunder. Innerlich vermutlich Mumie.
Ich erzähle das nur zum Verständnis. Dass ich Raucher durchaus verstehen kann. Raucher. Richtige. Nicht die, die meinen, zwischendrin mal eine paffen zu müssen. Oder, ganz übel. An einer mobilen Nikotinwasserflasche nuckeln. Und dabei dampfen wie eine DR 180201. Schnellzugdampflok aus dem Jahr 1960/61. Die versteh ich. Dass sie einen Platz brauchen. Um es zu tun. Gestehe ich Ihnen auch zu. Ohne Probleme. Ich schwör. Wenn so einer vor mir raucht, dann wechsle ICH den Platz. Ohne zu murren. Weil, von denen gibt es nicht sehr viele. Nicht mehr. Aus nachvollziehbaren Gründen. Weniger verstehe ich alle diese Paffer, die meinen, sich darüber aufregen zu müssen. Das im öffentlichen Raum immer weniger geraucht werden dürfe. Man beschneide ihre persönliche Freiheit. Meinte die junge Dame. Die sich paffenden an den Tisch neben dem Meinen setzte. In der seit einigen Wochen rauchfreien Bar am Bahnhof. Den Rauch in meine Richtung blasend.
Ich rauche schon lange nicht mehr. Auch mein Grossvater ging schon vor vielen Jahren. Was er mir aber hinterlies, war ein Talent. Nicht unbedingt einen Grünen zu produzieren. Von dem man sich eine Scheibe abschneiden kann. Aber die dabei von ihm produzierten, nicht weniger beeindruckenden Geräusche, die kann ich. Und zielen auch.

Das hörte auch die junge Dame. Mit Schrecken im Gesicht.

Ich liebe rauchfreie Bar

Renitent

Mann! Zum Glück muss ich mir das nicht antun. Ich hätte echt die Nerven nicht. Ich schwör! Mir reicht es schon als Passagier. Mit dem Tram durch die Stadt zu fahren. Geschweige denn, als Fahrer. Wirklich nicht. 20 Minuten. Von der Haltestelle Kunsthaus bis Leutschenbach. Quer durch die Stadt. Morgens um 07:00 Uhr. Jedes Mal. Alle. Auto, Velo, Fussgänger. Alte, Junge, Kinder. Männlich und weiblich. Die irgendwo dazwischen auch. Es ist nur dem Zufall zu verdanken. Eigentlich müsste es jeden Tag ein paar erwischen. Final.
Autofahrer haben den Aussen- und Rückspiegel nur zur Zierde. Oder noch schlimmer. Nach einem Crash. Den der Fahrer verschuldet hat. Weil er einfach aufs Tramtrasse auswich. Wegen dem Velo vor ihm. Kein Schuldbewusstsein. Er hätte ja ausweichen müssen. Grossartiges Argument. Zack! Zurück auf null. Noch einmal in die Fahrschule und von vorne. Alles andere? Vergebene Liebesmüh. Fussgänger. Kopfhörer im Ohr. Verträumter Blick. In die Ferne. Mit sofort anschliessendem Hechtsprung auf den Gehweg. Weil im Delirium vors Tram gelaufen. Noch übler. Kinder. Gamend. Gebeugter Rücken. Handy vor dem Gesicht. Ansatzlos rechts schwenkt und vor das Tram. Die Passagiere? Begeistert. Besonders die Stehenden. Kommt man sich so doch mal wieder ungewohnt nahe. Sehr nahe. An der Wand der Fahrerkabine. Der Fahrer? Auch begeistert. Wenn er dann seinen Herzinfarkt überwunden hat. Wie gesagt. Zum Glück muss ich mir das nicht antun. Ein herzliches Dankeschön an Alle die das jeden Tag mitmachen. Eine Kollegin, die als Tram-Fahrerin arbeitet. Die meinte einmal, ca. 5 – 10. 5 – 10 Personen rettet Sie das Leben. Tagtäglich. Da nehme sie es gerne in Kauf. Dass es ab und zu an die Wand der Fahrerkabine wumst. Mit Schwung. Quasi. Liebe Mitmenschen! Ist ganz einfach. Wenn sie stehen. Still. An einem Ort. Oder sitzen. Dann von mir aus. Tun sie was sie wollen. Wenn sie sich bewegen? Nase nach vorne. Augen auch. Handy weg. Zeitungen auch. Ihr macht nicht nur Euch das Leben einfacher.Jetzt. Wenn sie meinen, es gehe nicht schlimmer. Ha! Letzte Woche. Italien. Eine Insel. Welche spielt ja keine Rolle. Oktoberferien. Wenig Touristen. Wetter und Wasser aber noch erträglich warm. Personal hat, wieder, Zeit für einen. Freut sich, wenn man sich freut. Und umgekehrt. Viele meinen zwar. Italien? Ans Meer? Im Oktober? Schneit es da nicht schon? Nein. Tut es nicht. Ist Hammer. Aber zurück zum Thema. Weil, Handy auch in Italien. Ein Thema. Aber weniger der jungen Mitmenschen. Eher der älteren. Senioren. Und -innen. Die haben es auch die ganze Zeit vor der Nase. Aber nicht wegen Spielen oder sonstigem. Nein. Ganz übel. FaceTime!Sie wissen was das ist. Telefonieren über Lautsprecher und Video. Man hat es in Italien erfunden. Für die älteren Mitmenschen. Ich schwör. Und jetzt. Nicht das sie glauben von wegen lass sie doch. Geht ja nur kurz. Ist sicher gleich fertig. Nein. Ist es nicht. Und obendrein noch hemmungslos. Hemmungslos überall. Auch im Restaurant. Oder dem Museum. Oder auf der Promenade. Oder dem Strand. Sie glauben die allgegenwärtigen Drohnen sind ein Problem? Nein. Es sind Damen und Herren im Rentenalter. Vorwiegend. Die sich stundenlang über FaceTime banalste Tagesgeschichten erzählen.
Hat aber auch einen Vorteil. Wenn sie sich dann als Brei unter dem Auto, Tram oder Bus breit machen. Dann hat es wenigstens jemand gesehen. Live. Und kann gleich ein neues Handy bestellen.