Golden Dragon

Ich sage das nur, damit keine Missverständnisse entstehen. Wirklich. Ich schwör. Ich bin grundsätzlich nicht rassistisch. Also. So allgemein. Kann ich gar nicht. Wegen der Voraussetzungen. In meiner Familie tummeln sich etliche Ethnien. Schweiz. Deutsch. Spanisch. Italienisch. Schwedisch. Etliche. Vermutlich noch mehr. Weiss mans so genau? Nein. Also international. Mindestens. Und bayrisch. Bayrisch auch. Weil damals, auf der grossen Flucht. Von Schlesien über Berlin nach München. In die Nähe von. Zumindest. Weil das Kaff sonst niemand kennt. Darum München.
Jetzt muss man wissen. Der Bayer. So allgemein gesehen. Der eigentlich auch nicht rassistisch. Nicht dass ich jetzt etwas behaupte. Und dann Ärger. So allgemein. So lange sie ein „Hiesiger“ sind. Sind sie ein sogenannter „Zugereister“? Dann wird’s schon schwieriger. Meine Eltern wohnten auf dem Dorf. Zunächst. Dann zogen Sie aufs Alter in das andere. Nachbardorf. Keine drei Kilometer. Und waren damit sogenannte „Zugereiste“. Keine „Hiesigen“. Damit wurde es dann schon etwas schwieriger. Aber grundsätzlich ist der Bayer an und für sich aufgeschlossen. Anderen Ethnien gegenüber.
Das muss man wissen, um zu verstehen, wenn ich wieder eine Frau zuhause vorstellte. Die sich vielleicht etwas komisch ausdrückte. Weil Italienerin. Oder Schwedin. Also keine „Hiesige“! Bedurfte dann immer wieder eines, sagen wir mal, aufklärenden Gesprächs. Mitunter auch etwas energischer Natur. Man muss meiner Verwandschaft denn immer wieder gerne mal erklären, dass der Bau von als Autobahnen getarnter Vormarschstrassen, dass dies nicht das fabrikmässige Vernichten von Millionen von Menschen rechtfertigt. Schon gar nicht zur Aussage berechtigt, „Er sei ja gar nicht so schlimm gewesen weil immerhin hätten wir dank ihm jetzt ja Autobahnen!“
Jetzt ist der verbliebene Teil meiner Erzeugerschaft bereits in etwas fortgeschrittenem Alter. Was es nicht unbedingt besser macht. Aber seniler. Darum freut es mich ja so. Heimlich. Wegen dem 80zigsten Geburtstag. Den man im kommenden Januar begeht. In einem Restaurant. In dem man vor vierzig Jahren schon die Taufe meiner Schwester feierte. Jetzt ist Bayern durchaus den Traditionen verbunden. Wie die meisten dieser Bergvölker. Aber ein Restaurant, das nach vierzig Jahren noch existiert? Hm. Nicht das ich Vorurteile hätte. Wirklich nicht. Aber Erfahrung. Und die lehrt einem was. Mir zumindest. Besonders, wenn es heisst, man hätte angerufen. Und es heisst immer noch Dragoner. Aber die waren wohl gerade beim Essen. Während des Anrufs. Weil etwas undeutliche Aussprache und so nuscheln. Aber man hätte jetzt reserviert. Es gäbe Ente. Und Wein.
Letztens war ich zu Besuch. Wegen der kommenden Feiertage. Und so. Die Gelegenheit nutzend und weil Hunger. Dachte mir, schaust Du Dir doch mal den Dragoner an. Testessen. Quasi. Jetzt. Ich bin , wie Eingangs erwähnt, aufgeschlossener. Ich mag auch Ente. Wirklich. Besonders Peking. Peking Ente. Der Dragoner? Den gibt es noch. Also das Gebäude. Die Telefonnummer auch. Er heisst jetzt nur nicht mehr so. Sondern Dragon. Golden Dragon. Und ist ein Chinesisches Restaurant. Von Chinesen betrieben. Keine „hiesigen“!! Wie gesagt. Ich freu mich. Tierisch. Auf Peking Ente. Und auf gewisse Gesichter.

Können sie Überraschungen auch nur so schwer für sich behalten?

Dampfende Rösser

Wer im Glashaus sitzt, werfe nicht mit Steinen. Allenfalls nur ganz winzigen. Oder so ähnlich. Dann nehme man aber in Kauf, bitteschön, es scherbelt. Umständehalber vielleicht auch ganz heftig. Darum lass ich es mal ein wenig scherbeln. Ich entstamme einer Raucherfamilie. Keine Kampfraucher. Also mit Ausnahme meines Grossvaters. Mütterlicherseits. Aber der Rest? Eher so Gelegenheitspaffer. Wenn’s grad eine hatte. Oder einer da war. Der eine hatte. Eine Zigarette. Oder mehrere. Den man deshalb eine abschnorren konnte. Einfach weils gemütlich war. Lustigerweise war es das eigentlich immer. Mindestens aber interessanter. Bei den Rauchern. Draussen. Als drinnen mit den Omis über weiss Gott was zu palavern. Darum stellte ich mich auch meistens mit dazu. Und schnorrte eine. Manchmal kaufte ich mir auch ein eigenes Päckchen. Von dem paffte ich eine. Oder zwei. Den grossen Rest lies ich mir abschnorren. Auch von meiner Familie. Nicht nur. Aber oft. Und in der Regel waren es es ganz harmlose. Kaum Nikotin. Aber einen Filter wie heutzutage eine Kehrichtverbrennungsanlage. So standen wir draussen und taten interessant. Mit Ausnahme meines Grossvaters. Weltkriegsgeneration. Der Erste so ein bisschen, der Zweite dann aber ganz schön heftig. Inklusive Kriegsgefangenschaft in Russland. Ihn sah ich nie ohne. Ich glaub, er ging sogar mit einer Kippe im Mund schlafen. Damit er morgens beim Aufwachen nur noch das Feuerzeug dranhalten musste. Marke weiss ich nicht mehr. Irgendetwas aus dem Ausland. Ohne Filter. Seine rechte Hand war gelb. Sonnenblumengelb. Die Ganze. Hand. Er hielt die Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit der Glut nach innen. In die Handfläche. Damit man sie nicht sah. Weltkrieg. Einmal. Einmal habe ich eine bei ihm geholt. War irgendwas mit einem Mädchen. Ich wollte ein bisschen markieren. Oder so. Markieren konnte man zwar allein schon mit so einem Grossvater. Er war bekannt. Im ganzen Landkreis. Wegen seines Kadett. Opel Kadett. Feuerrot. Der an und für sich weniger spektakulär. Mehr, dass er damit täglich von einem Dorf zum anderen fuhr. Mit ca. 75 Stundenkilometer. Im ersten Gang. Weil Weltkrieg nicht nur Zigaretten. Auch ein bisschen Kopf. Wenn man in die Schule kam und das Gespräch auf einen kam, der da wieder röhrend mit seinem Kadett durch die Gegend orgelte? Konnte man sagen, ja, kenn ich. Ist mein Opa. Anerkennung und Respekt drei Punkte höher. Was Grossvater auch noch konnte? Wegen des Rauchens? Sich räuspern. Und dabei einen „Grünen“ hochziehen und von sich geben. In einem weiten Bogen. Hochpräzise. Auf den Punkt. Dabei produzierte er ein Geräusch. DR 18 201, sage ich nur. Auch da kann sich die spukende Jugend von heute eine Scheibe abschneiden. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ja, man konnte beeindrucken mit ihm. Aber besser noch mit seinen Zigaretten. Darum eine von ihm. Er gab mir sogar Feuer. Den tiefen Blick, den er mir dabei schenkte, den konnte ich erst im Anschluss richtig interpretieren. Als ich wieder von der Toilette zurück war. Weil erster Zug. Ganz tief. Von wegen Kehrichtverbrennungsanlage. Ganz tief. Bis runter zu den Zehen. Wirkung unmittelbar. Mein Vater war beeindruckt. So schnell sei noch niemand auf der Toilette gewesen. War das einzige Mal. Danach nie wieder. Er rauchte zwei davon. Schachteln. Pro Tag. Grossvater. Und wurde alt. Sehr alt. Kein Wunder. Innerlich vermutlich Mumie.
Ich erzähle das nur zum Verständnis. Dass ich Raucher durchaus verstehen kann. Raucher. Richtige. Nicht die, die meinen, zwischendrin mal eine paffen zu müssen. Oder, ganz übel. An einer mobilen Nikotinwasserflasche nuckeln. Und dabei dampfen wie eine DR 180201. Schnellzugdampflok aus dem Jahr 1960/61. Die versteh ich. Dass sie einen Platz brauchen. Um es zu tun. Gestehe ich Ihnen auch zu. Ohne Probleme. Ich schwör. Wenn so einer vor mir raucht, dann wechsle ICH den Platz. Ohne zu murren. Weil, von denen gibt es nicht sehr viele. Nicht mehr. Aus nachvollziehbaren Gründen. Weniger verstehe ich alle diese Paffer, die meinen, sich darüber aufregen zu müssen. Das im öffentlichen Raum immer weniger geraucht werden dürfe. Man beschneide ihre persönliche Freiheit. Meinte die junge Dame. Die sich paffenden an den Tisch neben dem Meinen setzte. In der seit einigen Wochen rauchfreien Bar am Bahnhof. Den Rauch in meine Richtung blasend.
Ich rauche schon lange nicht mehr. Auch mein Grossvater ging schon vor vielen Jahren. Was er mir aber hinterlies, war ein Talent. Nicht unbedingt einen Grünen zu produzieren. Von dem man sich eine Scheibe abschneiden kann. Aber die dabei von ihm produzierten, nicht weniger beeindruckenden Geräusche, die kann ich. Und zielen auch.

Das hörte auch die junge Dame. Mit Schrecken im Gesicht.

Ich liebe rauchfreie Bar

Renitent

Mann! Zum Glück muss ich mir das nicht antun. Ich hätte echt die Nerven nicht. Ich schwör! Mir reicht es schon als Passagier. Mit dem Tram durch die Stadt zu fahren. Geschweige denn, als Fahrer. Wirklich nicht. 20 Minuten. Von der Haltestelle Kunsthaus bis Leutschenbach. Quer durch die Stadt. Morgens um 07:00 Uhr. Jedes Mal. Alle. Auto, Velo, Fussgänger. Alte, Junge, Kinder. Männlich und weiblich. Die irgendwo dazwischen auch. Es ist nur dem Zufall zu verdanken. Eigentlich müsste es jeden Tag ein paar erwischen. Final.
Autofahrer haben den Aussen- und Rückspiegel nur zur Zierde. Oder noch schlimmer. Nach einem Crash. Den der Fahrer verschuldet hat. Weil er einfach aufs Tramtrasse auswich. Wegen dem Velo vor ihm. Kein Schuldbewusstsein. Er hätte ja ausweichen müssen. Grossartiges Argument. Zack! Zurück auf null. Noch einmal in die Fahrschule und von vorne. Alles andere? Vergebene Liebesmüh. Fussgänger. Kopfhörer im Ohr. Verträumter Blick. In die Ferne. Mit sofort anschliessendem Hechtsprung auf den Gehweg. Weil im Delirium vors Tram gelaufen. Noch übler. Kinder. Gamend. Gebeugter Rücken. Handy vor dem Gesicht. Ansatzlos rechts schwenkt und vor das Tram. Die Passagiere? Begeistert. Besonders die Stehenden. Kommt man sich so doch mal wieder ungewohnt nahe. Sehr nahe. An der Wand der Fahrerkabine. Der Fahrer? Auch begeistert. Wenn er dann seinen Herzinfarkt überwunden hat. Wie gesagt. Zum Glück muss ich mir das nicht antun. Ein herzliches Dankeschön an Alle die das jeden Tag mitmachen. Eine Kollegin, die als Tram-Fahrerin arbeitet. Die meinte einmal, ca. 5 – 10. 5 – 10 Personen rettet Sie das Leben. Tagtäglich. Da nehme sie es gerne in Kauf. Dass es ab und zu an die Wand der Fahrerkabine wumst. Mit Schwung. Quasi. Liebe Mitmenschen! Ist ganz einfach. Wenn sie stehen. Still. An einem Ort. Oder sitzen. Dann von mir aus. Tun sie was sie wollen. Wenn sie sich bewegen? Nase nach vorne. Augen auch. Handy weg. Zeitungen auch. Ihr macht nicht nur Euch das Leben einfacher.Jetzt. Wenn sie meinen, es gehe nicht schlimmer. Ha! Letzte Woche. Italien. Eine Insel. Welche spielt ja keine Rolle. Oktoberferien. Wenig Touristen. Wetter und Wasser aber noch erträglich warm. Personal hat, wieder, Zeit für einen. Freut sich, wenn man sich freut. Und umgekehrt. Viele meinen zwar. Italien? Ans Meer? Im Oktober? Schneit es da nicht schon? Nein. Tut es nicht. Ist Hammer. Aber zurück zum Thema. Weil, Handy auch in Italien. Ein Thema. Aber weniger der jungen Mitmenschen. Eher der älteren. Senioren. Und -innen. Die haben es auch die ganze Zeit vor der Nase. Aber nicht wegen Spielen oder sonstigem. Nein. Ganz übel. FaceTime!Sie wissen was das ist. Telefonieren über Lautsprecher und Video. Man hat es in Italien erfunden. Für die älteren Mitmenschen. Ich schwör. Und jetzt. Nicht das sie glauben von wegen lass sie doch. Geht ja nur kurz. Ist sicher gleich fertig. Nein. Ist es nicht. Und obendrein noch hemmungslos. Hemmungslos überall. Auch im Restaurant. Oder dem Museum. Oder auf der Promenade. Oder dem Strand. Sie glauben die allgegenwärtigen Drohnen sind ein Problem? Nein. Es sind Damen und Herren im Rentenalter. Vorwiegend. Die sich stundenlang über FaceTime banalste Tagesgeschichten erzählen.
Hat aber auch einen Vorteil. Wenn sie sich dann als Brei unter dem Auto, Tram oder Bus breit machen. Dann hat es wenigstens jemand gesehen. Live. Und kann gleich ein neues Handy bestellen.

Konfusius

Eigentlich ist es ganz einfach. Es bedarf keiner grossen Kunst und geht ruck zuck. Ausserdem muss ich gestehen, ich mache es ab und zu noch ganz gerne. Menschen aus der Fassung zu bringen. So ganz nebenbei. Wirklich kein grosses Drama. Mehr so eine kleine, feine Bemerkung. Aus dem Hinterhalt. Quasi im Vorbeigehen. Wie letztens in der Stadt. Begegnet mir doch eine Bekannte, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Von der ich aber wusste, sie war längere Zeit Single und auf der Suche. Nach dem passenden Deckel. Wobei, für diesen Topf einen Deckel zu finden? Gar nicht so einfach. Weil, sagen wir mal. Sehr individuelle Form. Der Topf. Also nicht das sie meinen, einfach so in einen Laden und mal eben zur Verkäuferin und ich besitze einen Topf dieser oder jener Marke in der Grösse und suche jetzt einen Deckel. Und die Verkäuferin, ja, also, alles kein Problem und ich geh jetzt nur mal schnell ins Lager. Und kommt nach zwei Minuten mit drei verschiedenen Deckeln und alle passen wie angegossen und quasi nur noch eine Sache der Entscheidung, welcher. Aber so oder so sicher einen Deckel im Angebot. Passend auf den Topf.
Nein, so gar nicht. Kurz und gut. Auf solch einen Topf passt einfach kein Deckel. Nicht mal mit Biegen und Brechen. Daher war es so unwahrscheinlich. Quasi ausgeschlossen. Und sie wusste auch, dass ich das wusste. Darum eröffnete ich unser Gespräch mit den Worten: «Heh, Du!» «Schön Dich zu sehen!» «Und die Beziehung scheint Dir wirklich gut zu tun!».
Fassungslosigkeit beim Gegenüber. Wie käme ich nur drauf, sie sei in einer Beziehung? Weil, es stimme zwar, aber das könne ich doch gar nicht wissen? Wusste ich auch nicht. Ich habe geraten. Aufgrund dessen, dass dieser Topf, wenn wir mal bei dem Vergleich bleiben wollen, dass dieser Topf auf einmal etwas dickwandiger war. Und jetzt sind Frauen da gar nicht so viel anders als Männer. So lange Single, schöne, stylische Bratpfanne. Sobald Beziehung? Römertopf. Ich glaube, sie verstehen schon, was ich meine.
Andersrum ist es schwieriger. Also mich. Mich aus der Fassung zu bringen. Gelingt nur wenigen. Wenn überhaupt. So wie heute. Wir haben uns einen Weinkeller gemietet. Also keinen Ganzen. Nur ein Abteil in einem. Geht auch weniger um das Abteil, als dem, dem Abteil vorgelagertem, Degustationsraum. Den brauchen wir ab und zu. Aufmerksam darauf wurden wir durch Freunde. Die auch in einem Weinkeller ein Abteil haben. Und uns dies zeigten. Worauf wir uns ebenfalls um eines bewarben. Viel Schrift- und Telefonverkehr später, erhielten wir den Zuschlag. Einige Zeit später auch den Schlüssel. Und den probierten wir heute aus. Pilgerten also zu «unserem» Weinkeller, voller Stolz und Vorfreude und Fassung. Fassung auch. Standen vor der Türe, schoben den Schlüssel ins Schloss. Ging auch ganz leicht. Danach ging aber nichts mehr. Er lies sich nicht drehen. Auch nicht mit viel hin und her und auf und ab und zug und druck. Nichts. Also die Telefonnummer des Vermieters rausgesucht. Mit dem wir vorgängig viel Schrift- und Telefonverkehr. Der meldete sich auch gleich. Und meinte auf meine Frage, ob beim Öffnen der Türe allenfalls ein mir unbekannter Trick angewendet werden müsste. Was er verneinte. Sollte ganz leicht gehen. Ging aber nicht. Nach einigem hin und her dann die Frage. Äehm, wo stehen sie denn? Na wo wohl? Vor der Türe des Weinkellers. Der Weissen. Der Weissen? Äehm, die sollte aber rot sein! Rot? Aber die ist weiss. Wo wir den stünden, Adressenmässig? Na hier, an der XXX-Strasse Nr 14. Aha! Der Weinkeller befindet sich aber an der XXX-Strasse Nr 11. Sie stehe gerade vor dem Keller der Konkurrenz.
Fassungslosigkeit. Ein bisschen auf beiden Seiten. Ist, wie wenn sie eine Wohnung mieten. Die sie vorher besichtigt haben. Also wirklich drin waren. Dann mit dem Vermieter darüber sprachen, die Konditionen verhandelten, beide quasi stundenlang über die Wohnung reden und es nicht merken. Beide reden von jeweils etwas ganz anderem.
Er lotste uns dann per Telefon zum richtigen Keller. Unserem. Und hier zum zweiten Mal fast etwas fassungslos. Weil noch schöner als der erste. Sie werden es sehen. Wenn wir sie denn mal einladen.

Aber bewahren sie bitte Fassung.

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Die sieben Zwerge

Stellen sie sich vor, sie laufen durch den Wald. Die Sonne scheint. Die Vögel krakeelen voller Inbrunst im Geäst. Ab und an duftet eine Hundehinterlassenschaft mit ein paar Kräutern um die Wette. Oder dem Leder ihrer Schuhe. Sie verstehen schon. So für sich betrachtet, ist ein Wald was Wunderschönes. Voller Ruhe. Wenn denn Ruhe herrscht. Weil der Ruhesuchende ja dazu neigt, dabei Geräusche zu machen.  Auf seiner Suche nach der Stille. Meistens pfeift er. Als Jogger entweder aus dem letzten Loch. Oder als halbwegs musisch Begabter aus Ersterem. Was er nur selten tut, ist, sich unsichtbar zu machen. Optisch, wie akustisch. Wenn doch, ist er entweder Jäger und auf der Pirsch oder gerät dann mitunter unter Generalverdacht. Irgendetwas Halbseidenes oder gar illegales vorzuhaben. Jedenfalls. Egal wie. Es fällt auf. Immer. Je mehr sie sich darum bemühen, es gerade nicht zu tun.
Sie laufen also durch den Wald, querfeldein, wo noch erlaubt. Geniessen die Ruhe, nachdem sie eben noch von einem Mountain-Biker fast ins Jenseits oder zumindest ins Krankenhaus befördert wurden. Und auf einmal? Auf einmal stehen sie auf einer Lichtung. Umrahmt von Bäumen. Sanftes Sonnenlicht bildet goldene Inseln. Und mit ihnen sieben Zwerge. Also etwas Grössere. Damit man sie auch sieht. Wobei sie eigentlich ja gar nicht gesehen werden wollen. Die Zwerge stehen völlig unauffällig auf dieser Lichtung rum. Um Nichtsichtbarkeitbemüht . Der eine Zwerg hat die Hände in der Hosentasche, den Blick auf den Boden gerichtet. Sich möglichst klein machend. Der zweite Zwerg, etwas entfernt, tut noch unschuldiger, hat zwar auch die Hände in der Hosentasche, schaut dabei aber nach oben. Einem imaginären Vogel nach. Der dritte Zwerg steht nur da und schaut ins Leere. Der Vierte bohrt in der Nase, wobei ihm der Fünfte möglichst unauffällig zusieht. Nr. Sechs pinkelt gerade an einem Baum und der siebte Zwerg schliesslich, riecht an einer Blume und versteckt sich dahinter.
Sie tun alles, um möglichst nicht gesehen zu werden. Schon gar nicht soll jemand auf die Idee kommen sie seien «Die sieben Zwerge». Auf einer einsamen Lichtung im Wald. Bei der angekommen, jeder unbedarfter Waldwanderer sofort denkt: «Oh, hoppla, so ein Zufall. Diese Überraschung! Die sieben Zwerge, was tun die denn hier!?»
Genauso war es gestern Morgen. Wirklich. Ich schwör. Nur nicht im Wald. Sondern an der Tramhaltestelle. Irgendwo auf meinem Arbeitsweg. Und es waren nicht die sieben Zwerge. Es waren sieben VBZ-Kontrolleure, die aber analog der Zwerge im Wald auf dieser Lichtung, möglichst unverdächtig und vor allem unsichtbar an dieser Haltestelle rumstanden. Einer bohrte sogar in der Nase. Ich habe nämlich den anderen dabei zugesehen, wie er den Nasebohrer beobachtet hat. Unverdächtigkeit zu erregen hoffend.
Und während sie draussen an der Haltestelle so rumstanden, weil sie wohl erst auf das nächste Tram warteten. Wohl in der Hoffnung, darin dann mehr Schüler ohne gültiges Ticket zu erwischen. Währenddessen begannen all die Menschen in meinem Tram zu schmunzeln. Offensichtlich. Belustigt über das Schauspiel, dass sich ihnen so unverhofft an diesem Morgen bot.
Vielleicht sah der Eine oder Andere auch «Die sieben Zwerge!»

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Das Ende

Ich will ja nichts beschwören. Keinesfalls. Nicht das es noch heisst, ich wäre ein Pessimist. Wirklich nicht. Ich schwör. Das Positive sehen. Oder wie meine Mutter immer sagte: «Keine Türe schliesst sich, ohne dass dafür nicht eine andere aufgeht!» Nun ist mein Verhältnis zu meiner Mutter ein eher, sagen wir mal durchaus ambivalentes. Regelmässige Leser wissen das. Aber wo sie recht hat, hat sie recht. In dieser Beziehung immer. Ich bin durch viele offene Türen gegangen. Ein paar gingen auch direkt vor meiner Nase schon wieder zu. Während ich noch im Schwung drauflos. Darum meine Nase. Etwas tendenziös nach links. Wenn man von rechts schaut. Nichts beschwören. Aber. Es muss einmal gesagt sein. Die Welt geht den Bach runter. Punkt. Und nicht nur einen. Marker! Es gibt Marker, an denen lässt sich das festmachen. Quasi. Grossbritannien zum Beispiel. Weltmacht. James Bond. The Kingsman. Harry Potter. Monty Phyton. Mr. Bean. Lamm mit Pfefferminzsauce. Die Queen. Die Welt versank im Wahnsinn? Auf Grossbritannien war verlass. Argentinien wollte auf die Falklands? Die eiserne Lady nahm mal kurz den grossen Hammer aus der Kiste und haute drauf. Krise erledigt. Dabei? Schuldiger war ein kleiner Schrotthändler aus Argentinien. Namens Constantino Davidoff. Wer hätte das gedacht. Ist übrigens der zweite Vorname meines jüngsten Sohnes. Constantino. Eine gewisse Ironie im Leben sei mir gegönnt.
Und jetzt das! Zuerst Brexit und dann auch noch Johnson. Das ist wie Mexiko und Trump. Oder AFD und Sachsen/Brandenburg. Nur schlimmer. Sie wissen, was ich meine. Immer wenn ich denke, schlimmer kann es nun nicht mehr kommen? Rumms! Geht es nochmals drei Etagen tiefer. Jedes Mal. Und oben sitzt einer auf dem Lokus und kackt noch einen dicken Haufen drüber. So wie damals bei einem blind Date. Übers Telefon. Das Gegenüber eine Stimme, wie ein Reibeisen. Bei jedem Ton läuft es in Wellen über den Rücken. Angriff! Abmachen! Zusage. Zittrig im Café sitzen. Mit Blick auf die Strasse. Und dann segelt da eine Fregatte auf dich zu. Aufgetakelt bis über die Toppen. Weit ausladende Hüften. Sehr weit. Nicht nur die. Sie schwitzen schon. Weil instinktiv. Wissen sie es. Es ist die Stimme, die da auf dich zu segelt. Und wäre das nicht schon schlimm genug, denken sie an die drei Etagen, kackt noch Einer einen obendrauf. Sie trägt einen Rock mit Leopardenmuster. Leopardenmuster. Meine sehr verehrten Damen. Es folgt nun eine komplette Liste mit Dingen, denen Leopardenmuster stehen:

Leoparden!

Bitte. Verschonen sie mich. Aber! Jetzt! Wenn sie meinen, das könnte man nicht mehr schlagen? Weit gefehlt. Neben Optimist bin ich auch noch ziemlich tolerant. Gut. Ausser gegenüber Leopardenmustern. Aber sonst schon. Wirklich. Ich schwör. Bis kürzlich auf der Terrasse meines derzeitigen Lieblingsrestaurants. Am Tisch neben unserem. Eine, ziemlich sicher, italienische Familie. Kleines Gedeck. Mit allem. Also rund 20 Personen. Und dem Schwiegersohn. Ein Zweimetermann. 130 Kilo. Mindestens. In Shorts und T-Shirt. Tattoos von oben bis unten. Und nix mit Blümchen oder Herzchen oder Leopardenmuster, oder so. Nein, von der sehr deftigen Sorte. Normalerweise, wenn mir abends so etwas entgegenkommt? Wechsel der Strassenseite durchaus opportun. Also ein Tier. Wirklich. Er grunzte sogar ein bisschen. Mit seiner Vorderseite. Weil ich ihn erst von hinten sah. Bis er sich setzte. Und mir damit seine Vorderseite zudrehte.

Ein Tragegeschirr. Mit Inhalt. Zwei Wochen alt. Ich weiss es. Ich habe gefragt. Während sich seine Partnerin/Kindsmutter daneben Einen hinter die Binde kippte.

Ein Tier. Mit einem Tragegeschirr. Es geht bachab.

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Alltag

Geschafft. Fast, beinahe. Die (Schul-) Ferien sind vorbei. Der Nachwuchs wieder platziert. Der Alltag aufgegleist. Zumindest arbeiten wir daran. Es bleiben noch zwei Tage, während derer wir uns vom Urlaub erholen dürfen. Wenn wir es denn können. Die Stadt füllt sich mit Leben. Auf unseren Spaziergängen durchs Revier begegnen wir wieder bekannten Gesichtern. Hie und da gibt es einen kurzen Schwatz. Manchmal sogar bei einem kleinen Apéro. Zentrales Thema? Wo wart Ihr? Und vor allem, wie seid ihr da hingekommen? Darf man heutzutage noch mit dem Auto oder dem Flugzeug? Darf man überhaupt noch? Wegen Klima. Und Schnitzel. Und Greta.
Wieso Schnitzel? Das stammt vom Schwein oder Kalb oder Rind. Oder irgendwelchen pflanzlichen Ersatzprodukten. Das richtige Schnitzel aber hat gelebt. Vorher. Und dabei gefurzt. Dies nicht zu knapp. Damit gelangt Methan in die Umwelt. Massenhaft. Es ist die Rache des Schlachtviehs am Menschen. Quasi, ihr behandelt uns unwürdig, wir furzen euch dafür ins Jenseits. Darum, wenn sie beim Wandern an einer Herde grasender Kühe vorbei kommen. Und sie den Eindruck haben, die eine Kuh, die sie so langweilig wider käuend, mit dumpfen Gesichtsausdruck beobachtet. Die beobachtet sie gar nicht einfach so. Die zielt auf sie. Lässt dabei Einen fahren und denkt sich: „Treffer!“ Achten sie mal darauf. Auf ihrer nächsten Wanderung. Soviel zum Schnitzel. Und zum Klima. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Meine Meinung ist gemacht. Ganz einfach. Wir werden es nicht schaffen. Als Menschheit. Im Grossen und Ganzen. Da hilft auch keine Greta. Und auch keine für einen Klimastreik schwänzende, von einer Greta aufgewiegelten Schulkinder. Die im Anschluss daran in die Ferien fliegen. Warum nicht? Weil wir Individuen sind. Und kein Kollektiv. Und jedes Individuum nur bis zur eigen Nasenspitze denkt und handelt. Und dann irgendwelche 16jährige Gören zur Meinungsmache missbrauchen, statt ihnen eine schöne Kindheit zu gönnen. Ich übertreibe? Finden sie? Machen wir doch einen kurzen Test. Erinnern sie sich noch an den Anfang des Flüchtlingsdramas auf dem Mittelmeer? Und dem toten Kind, welches an einen Strand gespült und medienwirksam aufbereitet wurde? Sein Name? Wie war sein Name? HALT!!! Nicht googeln! Aylan Kurdi. September 2015. Ein Aufschrei ging um den Globus. Alles wird anders. Heute? Nur vier Jahre später? Was ist anders? Man liegt sonnenbadend an einem Strand am Mittelmeer. Wenn dann mal wieder ein toter Flüchtling angespült wird, ruft man die Strandaufsicht. Zum Aufräumen. Und sonnenbadet ungeniert weiter. Darum, meine Damen und Herren. Darum werden wir es nicht schaffen. Die Politik versagt am laufenden Band. Weil sie gar kein Interesse daran hat, das (und andere) Problem in den Griff zu bekommen. Die gesamte Menschheit versagt am laufenden Band, weil es sie nur solange interessiert, wie es einen nicht persönlich betrifft.
Jetzt hypt man eine Greta. Ein 16jähriges Kind. Vom Leben in etwa soviel Ahnung wie ein Frosch vom Jodeln. Hypt einen Teenager anstatt darüber nachzudenken, wie unsere Politiker versagen. Lieber lassen wir eine 16jährige deren Job machen? Denken sie mal ein bisschen darüber nach. Wenn sie denn in der Lage dazu sind. Gestern Abend am Flughafen. Habe bessere Hälfte in Empfang genommen. Ja, sie ist geflogen. Ja, tue ich auch ab und zu. Will mich auch gar nicht dafür entschuldigen. Habe sie abgeholt. Stand also an der Ankunft. Mit rund 200 grob geschätzten, anderen Menschen. Zumeist Männer. Mitunter auch ein Paar. Aber mehrheitlich Männer. In der Ankunft auch ein Bildschirm. Läuft gerade ein Bericht. Greta auf dem Segelboot. In der Halle zumeist Männer. Die sehr oft eine Frau abholten. Dem Küssen nach die Lebenspartnerin. Und wie ich da so ganz hinten stehe und das Treiben vor mir beobachte? Und die Männer, die auf den Bildschirm schauen? Da denke ich mir, vielleicht ist ja doch mehr Mitgefühl in uns Menschen als angenommen. Vielleicht täusche ich mich ja. Bis auf einmal sie aus der Ankunft tritt. Ich schätze mal Südamerika. Um die 20. Hautenger Hosenanzug, lange dunkle Haare. 90-60-90. Mindestens. Sie tritt aus der Ankunft und läuft rechts den Gang entlang Richtung Ausgang. Ich schwör! Ich habs selber gesehen. Weil ganz hinten. Die rund 200 Köpfe vor mir. Die bewegten sich auf einmal synchron von links nach rechts. Darunter auch der eine oder andere Vierbeiner. Und auch die.
Darum. Genau darum werden wir es nicht schaffen. Weil, was ist schon eine Greta und das Klima gegen einen südamerikanischen Körperbau.
Genau darum nicht.

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Werte

Wir sind selber schuld. Die Meisten von uns jedenfalls. Ein paar schaffen es wohl. Eltern. Ihren Kindern. Etwas zu vermitteln. Werte. Werte wie Anstand, Fleiss, Zuverlässigkeit, Disziplin. Durchhaltevermögen. Sinn für Ordnung, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit. Und, ganz wichtig, Empathie. Anderen Menschen gegenüber. Auch anderen Kulturen und anderen Wertvorstellungen. So in diese Richtung. Sie wissen, was ich meine. Fifty-Fifty würde ich sagen. Was man so mitbekommt, wenn ich mich durchs Leben bewege. Und die Ergebnisse wahrnehme. Die einen 50% halten einem die Türe auf und gewähren den Vortritt. Auch wenn sie dann hinten in der Reihe stehen. Am Postschalter. Zum Beispiel. Die anderen 50% erkennt man daran, wie sie mit anderen Menschen und der Umwelt umgehen. Mitunter auch mit sich selber. Das bedenklichste finde ich ja die Wertschätzung. Keine Wertschätzung sich selber gegenüber. Oder dem Geld. Pumpte er mich doch tatsächlich an. Um ein paar Franken. Was er den damit machen will, wollte ich wissen. Vielleicht aufs Sparkonto? In Aktien investieren? Ein Buch kaufen? Man darf ja noch hoffen, nicht wahr? Er wollte es für eine Wertkarte für ein Onlinespiel. Weil man „schenke“ sich da gegenseitig immer etwas. Leichtes Zusammenzucken. Meinerseits. Weil mich anpumpen und dann schenken? Da klingelts bei mir in der Wertekiste.
Sie merken? Etwas gereizt. Ich. Meine Laune. Lag vielleicht auch etwas an meinen Mitreisenden. Aber eigentlich nicht. eigentlich liegts ja immer an einem selber. Wie man auf etwas reagiert. Sich von etwas beeinflussen lässt. Aber sie haben es mir nicht leicht gemacht. Im Zug von Meiringen zurück nach Zürich. Voller Touristen. Junior und ich in einem Vierer. Neben uns ein ältere Paar aus Amerika. Daneben im Zweier ein Paar aus Indien. Offensichtlich. Die kamen miteinander ins Gespräch. Wer, Wie, Wo, Was und Wohin. Es gab mal einen Werbefilm. In Deutschland. Über die Sparkasse. „Mein Haus, mein Auto, Mein Boot“. Kennen Sie nicht? Ziehen sie sich den ruhig mal rein: https://www.youtube.com/watch?v=U0MU-2_MuUE
So wars zwischen Amerika und Indien. Wirklich. Ich schwör. Bis dann das weibliche Indien fragte, ob Kinder und was die so machen würden. Weil ihr Sohn ja studiert an der Uni und den Job und den Verdienst. Da hätten sie Amerika erleben sollen. Das weibliche Amerika. Eine Tochter! Die arbeitet bei einer Pharmafirma. Im HR. Und ist dort Dr. so und so. Und verantwortlich für dies und das. „WORLDWIDE!“ Dieses „WORLDWIDE!“ wurde gefühlte 25 mal wiederholt. Und ein bisschen gespuckt dabei. Nur ein bisschen. Ich schwör. Vielleicht sassen auch die Dritten nicht mehr so fest. „WORLDWIDE“!
Indien wechselte dann schnell das Thema. Also das männliche Indien. Fragte das männliche USA wo sie denn schon überall gewesen seien. In der Schweiz. Natürlich überall (in einer Woche!!). Sei ja alles so klein hier. Nicht mal richtige Häuser hätten sie. In der Schweiz. Nicht so wie in USA. Mit einem Seitenblick auf Indien. Indien hat’s nicht gesehen. Und fragte „in Zürich auch?“
Das war dann der Moment, wo ich von „nur ein bisschen“, auf „sehr genau“ umgeschaltet habe. Zuhören, meine ich. Weil, wenn Indien und USA neben einem Zürcher Geschichtenschreiber anfangen über Zürich zu reden. Dann warnt man sie entweder vor (wegen der Werte und so und man würde das unter Umständen in einer Geschichte gegen sie verwenden!) Oder man warnt nicht. Ich vergass meine Werte für einen Moment. Weil Indien noch einmal nachfragte. „Ja, Zürich hätte man auch gesehen.“ Wie es Amerika denn gefallen hätte? DAS würde mich nun auch interessieren!? Und habe mich nur ein bisschen hinübergelehnt. „Zürich. Yes. What should I say?“ „It’s a City“. „A small one!“. Und man hätte hier nur einen halben Tag VERSCHWENDET und sei dann gleich nach Interlaken. Sagt Amerika. Zu Indien.
Mein Sohn? Was sagte mein Sohn zu mir? „Papa? Warum bist du gerade schon wieder so zusammengezuckt?“ Wissen sie. Ich bin 57. Jetzt gibt es so Augenblicke mit 57, da wissen sie bereits im vornherein. Es ist vergebens. Da können sie machen und erzählen und argumentieren was und wie sie wollen. Für die Katz! Da dringen sie nicht durch. Schon gar nicht gegen „WORLDWIDE!“. Und habe es beim Zucken belassen.
Aber mit meinem Sohn. Mit dem spreche ich dann noch einmal über Werte. Und 20 Franken. „WORLDWIDE!“

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Sport ist Mord

Ich komme drauf, weil Iron Man. Letztes Weekend. In Zürich. Zum letzten Mal übrigens. Nächstes Mal, geht es dann nach Thun. Also die Veranstaltung als solches. Weil für Zürich? Zu demoralisierend. Nicht am Anfang. Nicht die Profis. Das ist ja eigentlich ein schönes Bild. Bis in die letzte Haarspitze durchtrainierte Frauen und Männer. Wenn sie denn noch Haare haben. Weil rasiert. Überall. Wegen der Windschnittigkeit. Oder so. Ein schönes Bild, wenn solche Menschen vom Start weg locker lässig durch die Landschaft hopsen, schwimmen, rennen und pedalen. Und am Ende mit einer Zeit von 8:17:04 frischer durch das Ziel laufen als ich nach nur 20 Minuten aus meiner Lieblingsbar komme. Zum letzten Mal. Der Iron Man Switzerland. In Zürich. Der nächste ist in Thun. Die können vielleicht eher damit umgehen. Weil schön und lässig? Das sind nur die ersten 20 Teilnehmer. Danach beginnt das Desaster. Und wenn dann man dann spätnachmittags durch die City schlendert. Wie viele andere Menschen auch. Dann sehen sie nur noch das hintere Feld. Die hopsen nicht mehr. Oder nur noch ganz selten. Also Bilder gibt es da. Sie werden es nicht glauben. Durch die Innenstadt. Vorbei an den Nobelboutiquen der grossen und sehr teuren Marken. Da kommen sie aus eben einem dieser Läden. Links die Einkäufe. In mehreren Taschen. Rechts die dazugehörige Partnerin. Träumen von einem Glas Prosecco oder zwei oder drei. Und dann hatscht ihnen so ein Zombie direkt vor der Nase vorbei. Und nicht nur einer. Dutzende. Da kann einem der Prosecco schon im Halse stecken bleiben. Da hat man dann gar keine Lust mehr drauf. All diese armen, leidenden Sportler. Darum sagt Zürich nein zu Iron Man 2020. Und schickt sie nach Thun.

Diese Kurzgeschichte ist eigentlich nur der Einstieg. Zum eigentlichen Thema. Welches die brutalste Sportart ist. Dachte ich nämlich auch immer. Iron Man. Oder Boxen. Oder Formel 1. Ich wurde eines Besseren belehrt. Letzen Dienstag erst. Und wirklich. Ich schwör. Es ist das Fahrradfahren. Also Velo. Rennrad, um genau zu sein. Und nicht, dass sie jetzt denken „klar, Recht hat er!“ Es werden ja ab und zu Fahrradfahrer auf freier Wildbahn abgeschossen. Meine Herren. Das auch. Aber wir waren auf der Rennbahn. Einer Radrennbahn. In Zürich. Da ist nix mit freier Wildbahn. Da kommt auch kein 45 Tonner um die Seite und drückt ihnen mal so eben ein Zwillingsrad ins Kreuz und sie damit in den Teer. Mitsamt ihrem Velo. Und trotzdem. Weil, es ist die Sprache. Und das Publikum. Jetzt muss man wissen, es gibt nicht so derart viele Radrennbahnen. Daher kommen die Menschen, die Velofahrer, oft von weiter weg daher. Um hier zu trainieren. Sie haben dann nicht nur ihre Velos im Gepäck. Oft auch noch ihre halbe Entourage. Oder die ganze. Und oft kommen diese Fahrer aus dem benachbarten Deutschland. Und Österreich. Die trainieren dann da. Während die Entourage als Publikum figuriert und dabei zusieht. Jetzt muss man auch noch wissen. Die sind meistens älter. Eine andere Generation. Die Zuschauer. Und in Deutschland und Österreich sind gewisse Themen aus der Vergangenheit. Sagen wir mal, etwas behaftet.

Und wenn dann der Richter, also der, der sagt, welcher Velofahrer denn nun gewonnen hat und welcher nicht. Also wenn der Schweizer ist. Und sich einer etwas eigenen Sprache bedient. Und dazu noch einer der Fahrer Eichmann heisst. Also aus Versehen. Wenn der dann ausscheidet aus dem Rennen und der Richter über Mikrofon ins Rennbahnrund schreit „EICHMANN!! Eichmann wurde soeben ELEMINIERT!!“ Da kann man schon verstehen, dass die gesamte Haupttribüne zusammenzuckt.
Kollektiv. Also ziemlich viele. Weil halt noch etwas behaftet. Nicht dass sie meinen das wars jetzt. Oh nein. Der Richter doppelt dann noch nach: „Das wars denn!“ „Jetzt hats ihn erwischt!“
Und wenn dann einer der wenigen Schweizer auf der Tribüne, wenn der dann auch noch neben einem Angehörigen des Eichmanns sitzt. Und der Geschichte nicht so ganz mächtig ist. Wenn der dann zu eben diesem Angehörigen auch noch sagt: „Ach, machen sie sich nichts draus!“ „Der Eichmann, der war halt nicht effizient genug!“ Da kann man es schon verstehen:

Brutal! Brutal wie’s dem die Augen aus den Höhlen treibt.

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Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens mit diesem Geisterfahrer. Autobahn. 83 Jahre alt. Der Fahrer. Die Autobahn nicht. Rammt als Geisterfahrer auf der Autobahn frontal ein anderes Auto. Er danach effektiv. Ein Geist. Zukünftig. Die Gerammten? Leben noch. Inskünftig wahrscheinlich mit einem Trauma. Aber immerhin. Datum, Uhrzeit, Automarke, Wetter. Fertig. Sie meinen, da gäbe es keinen zweiten Ausdruck, den der Schreiber rüberbringen wollte? Mal davon abgesehen, dass er mit der Angabe des Alters des Geisterfahrers zum Ausdruck brachte, dass seiner Meinung nach so alte Menschen nicht mehr in ein Auto und schon gar nicht auf eine Autobahn gehören. Sondern doch am besten zuhause bleiben und in mehr oder weniger grossen Würde alleine das zeitliche zu segnen hätten. Aber ich sag ja nix. Respektive nur zu meinen Söhnen. Nicht alles glauben, was euch so gesagt wird. Und ab und zu mal Dinge hinterfragen.
Darum sind sie heute wie ich. Und glauben nicht mehr alles, ohne es zu hinterfragen. Wie zum Beispiel, dass die Schweizer ein unfreundliches Volk seien. Und extremst abweisend gegen alle anderen. Und es sei nicht möglich mit „denen“ eine Freundschaft aufzubauen. Hört man ja immer wieder. Respektive liest man auch. Auch hier gibt es zwei Seiten. Ich habe öfters festgestellt, dass Menschen, die eine solche Aussage machen…nun ja..sagen wir mal, nicht immer ganz einfach im Umgang sind. Und man deshalb dann eher meidet. Dann ist es aber auch egal, was sie für eine Nationalität die haben. Dann finden nämlich auch Schweizer eher weniger Freunde. Wenn schwierig im Umgang. Lassen wir das mal so stehen. Weil, generell kann man sagen. Berührungsängste haben auch die meisten Schweizer eher weniger. Manche sogar sehr wenige.
Unter der Woche trage ich gerne weisse Hemden. Weil Kundenbesuche und seriöser Eindruck und so. Darüber meistens ein Jackett. Ausser wenn hochsommerlich. Dann trage ich zum weissen Hemd zwar auch ein Jackett. Aber über dem Arm. So. Wenn man nun mit so einem weissen Hemd und Jackett überm Arm durch den Hochsommer läuft? Was passiert dann ab und zu? Man wird zur Landezone. Diverser Insekten. Manche werden auch zur Landezone von Spritzern diverser Saucen. Beim Mittagessen. Oder Abends. Da hat man dann doch eher Berührungsängste. Also nonverbal gesehen. Verbal nicht. „Oha!? Gab’s Spaghetti zum z’Mittag?!!“ Süffisantes Lächeln inklusive. Manchen Menschen verderben sie damit locker den Rest des Arbeitstages. Spannend. Ich habe darum immer ein zweites Hemd im Büro. In einer Schublade. Weil man sagt den Schweizern auch nach, sie seien Vorsichtig. Und vorbereitet. Ha! Also Sauce auf weissem Hemd eher nicht. Aber Insekten. Die sitzen dann so rum. Auf dem Hemd. Und lassen sich mittragen. Ohne dass es der Träger bemerkt. Ich auch nicht. Bis in den Lift. Da stand eine mir persönlich nicht bekannte Dame mir gegenüber. Und fixierte mein Hemd. Das weisse. Ich denke mir noch, was fixiert die mich so? Gab doch gar keine Spaghetti. Da tritt die Dame forschen Schrittes auf mich zu. Hebt ihre Hand, sagt „Äxgüsi!“, und scheucht ein Insekt von meiner Landezone. Auch wildfremd. Und mir persönlich nicht bekannt. Das Insekt. Wenn ich das machen würde? Als Mann? Bei einer Frau? Einer fremden Frau? Die schauen einen in Zürich schon komisch an, wenn man ihnen ein Kompliment wegen ihres Outfits macht. So mit einem Blick von wegen „Ey, Alter!!!!??“ „Was ist los? Willst Du mich anmachen?“ Vielleicht ja Berührungsängste. In dem Moment.
„Äxgüsi!!“ Einem Wildfremden gegenüber. Nix mit Berührungsängsten. Wir Schweizer. Und ich?Stehe noch zwei Sekunden verdattert im Lift. Sag artig danke. Und bin froh, noch ein zweites Hemd auf Reserve zu haben. Man weiss ja nie…

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