Wenn nichts mehr geht….

Ich denke, Sie kennen das. Zur Genüge. Die wohlgemeinten Unterstützungsfloskeln und -sprüche. Vonwegen, etwas als Chance begreifen und Neuanfang und so. Hat natürlich was. Das Körnchen Wahrheit. Braucht aber seine Zeit. Wie wollen Sie etwas als Chance begreifen, wenn’s schon mit dem Begreifen an und für sich hapert? Sehen Sie. Braucht seine Zeit.

Kürzlich traf ich Jemanden, dessen Credo lautet: Etwas geht immer. IMMER! Geht eine Türe zu, öffnen sich zwei Neue. Man müsse einfach Geduld haben. Und Tee trinken. Man könne sich dann in Ruhe an einen Fluss setzen und dabei zusehen, wie die Seelen seiner Widersacher an einem vorbei treiben. Mit der Zeit. Fand ich noch spannend. Zumindest den Teil mit dem Tee trinken. Weil, ich ja passionierter Kaffeetrinker. Schon immer. Und jetzt ja alles neu. Und Türe auf. Und warum nicht mal was neues probieren. Also her mit dem Tee. Und nicht irgendwelcher Tee, irgendwo. Nein, Teehaus. Muss es dann schon sein. Probiere ich also Teehäuser. Und stelle fest. Publikum ein anderes. Ganz anders. Irgendwie Peace und Love und am Fluss sitzen und warten. Jetzt, wer mich kennt…..warten nicht so ganz meine Stärke. Motto eher lieber falsch handeln als gar nicht. Aber, ich bin ja offen. Wenn also schon Neuanfang, dann vielleicht auch innere Einstellung.

Aber zurück zu Eingangs erwähntem Spruch, etwas ginge immer. Mit Betonung auf IMMER!! Den habe ich gleichentags noch widerlegt. Leider. Aber mittlerweile kennen Sie mich ja schon ein bisschen 😉

Neuanfang auch äusserlich. Ein paar Kilo weniger. Eine Dame meinte kürzlich, schön, ich lege auch äusserlich Altlasten ab. Nun gut. Soll so sein. Hat aber auch Nachteile. Quasi gewichtige. Weil, wenn weniger Gewicht, und zwar massiv weniger, dann was? Geeenau. Des Kaisers neue Kleider. Nicht das Sie jetzt denken, blutt und so. Das dann doch nicht. Daher? Neue Gardarobe. Und letztens Zeit für neue Hosen. Und Hammer, ich trage wieder Grösse 38. Hat auch etwas Gutes, dass Ganze. Also ab in ein Kaufhaus meines Vertrauens und Hosen. Und weil in letzter Zeit viele neue Gesichter und neue Menschen und so, längeres Gespräch über warum und hin und her und neuer Stil? Also nicht einfach wie früher ans Regal, Hose raus, kurz angesehen und blind gekauft. Nein, ab in die Kabine und aus gefühlten 100 neuen Stilhosen rein und wieder raus. Zuerst aus den Hosen, dann aus der Kabine, Besprechung und wieder rein. Und bei der einhundertsten Hose war’s soweit. Ich hatte das schon einmal erlebt. Und wusste darum genau, diese letzte Bewegung des Beines war diese eine Bewegung zu viel. Ich spürte direkt und ohne Umschweife, wie sich der Nerv verklemmte. Und stand wie ein Storch auf einem Bein in der Kabine. Und? NICHTS GING MEHR!! Und zwar rein GARNICHTS! Nicht mal setzen. Quasi stehen, bis der Arzt kommt. Kennt man sonst ja eher vom Trinken, den Spruch. Der kam dan auch. In Form einer Notfallärztin mit einer Spritze, von der Grösse einer 5 Liter Gieskanne. Ich erspar Ihnen den Rest. War auch für mich etwas peinlich.

Die Hosen habe ich dann aber doch noch gekauft. Weil, wenn schon am Fluss sitzen und warten, dann aber mit Stil 😉

Veröffentlicht von

Der Nachtwanderer

Der Nachtwanderer ist freier Autor, Zürcher Fels in der alltäglichen Brandung, Szenebeobachter, diffundierender zwischen den Welten Bummler und moderner Geschichtenerzähler. Mit einer gewissen Sehnsucht nach Weite strickt er aus alltäglichen Erlebnissen und Beobachtungen kleine Kurzgeschichten. Mit feinem Humor, einer Prise Ironie und etwas Schalk, eröffnet sich deren versteckter Sinn manches mal erst beim wiederholten Lesen. Und nicht selten entdeckt man sich selbst in seinen Geschichten wieder.

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