Die Odette

Man könnte meinen, sie sei Französin. Russischer Vater,
Mutter aus Belgien. Flämin….. Das erzählte mir letztens eine Künstlerin über
eine ihr Bekannt, die anlässlich dieser DaDa-Geschichte Zürich besuchte.
Manifesta heisst das Teil. Also der Kunstanlass. Nicht die Künstlerin.
Bernadette hiess die. Oder Barbara. Irgendwas mit B. Könnte aber auch ein C
gewesen sein. Man kann sich ja nicht alles merken, Herrgott. Letzteres darf ich
jetzt aber glaub, nicht mehr tun. Den/Einen Herrgott anrufen. Weil ich diesen
Verein verlassen habe. Der Mitgliederbeitrag war mir zu hoch. Für das, was
geboten wird. Ausserdem. Wir leben im 21 Jahrhundert. Ohne jetzt näher darauf
eingehen zu wollen. Wer glauben will, der soll. Von mir aus. aber mich
gefälligst damit in Ruhe lassen. Ich glaube schon auch. Aber eher an anderes.
Wir waren bei Odette. Und ihrer internationalen Herkunft. In
Zürich. Weil ich die Künstlerin fragte, wie man nur nach Zürich reisen könne.
Aus Norddeutschland. Wenn man eh schon so wenig Zeit hätte. Wie sie sagte.
Lebenszeit. Man könnte doch auch nach New York. Oder London, so lange man noch
kann. Der war jetzt bös, ich weiss. Kann ja verstehen, dass die Briten ihren
eigenen Weg gehen wollen. Aber wo all diese Alleingänge hinführen? Da bin ich,
ehrlich gesagt, ja so etwas von gespannt. Ich für mich persönlich denke ja, da
haben die Alten den Jungen wieder einmal eine schöne Suppe eingebrockt.
Eigentlich sollte man wie beim Führerschein. Über 65? Alle zwei Jahre zur
Kontrolle. Und wenn’s Augenlied zuckt, abgeben. Den Führerschein. Und die
Berechtigung zum Wählen auch. Weil, wenn man schon Links und Rechts im
Strassenverkehr nicht mehr unterscheiden kann, wie dann in der Politik?
Ich schweife schon wieder ab. Ist halt zu viel passiert in
letzter Zeit. Zürich. Warum ausgerechnet Zürich, wenn man eh schon keine Zeit
hat. Warum nicht New York, oder London oder sonst eine Weltstadt? Wir kommen
gerade aus New York. Amerika kannten wir. Schon öfter besucht. New York noch
nie. Erstes Mal. Und ich muss sagen. Ich weiss gar nicht was ich sagen soll.
Bin immer noch überwältigt. Wir sind überwältigt. Es brodelt. Und kocht. Und
dampft. Und zischt.
Zürich hingegen. Ich weiss, ich wohne hier. Mittendrin, Das
macht es einigermassen erträglich. Und das es Orte gibt, die einen Hauch von
Internationalität ausstrahlen. John Baker am Helvetiaplatz zum Beispiel. An
einem Samstagmorgen. Dann könnte man fast meinen…..ein bisschen Grossstadt,
oder so. Aber sonst?
Wobei. Kürzlich besuchte ich einen anderen Kanton.
Beruflich. Östlich. Sehr schön. Landschaftlich. Und selbige hat es viel.
Landschaft. Man wird fast erschlagen. Und ein Café hat es auch. Da bin ich kurz
eingekehrt. Einen Eiskaffee. Weil es so heiss war. Beim Zahlen dann Hallo:
> Zahlen, Bitteschön
> Macht sechsfuffzig
> Kann ich mit Karte zahlen?
> Wir nehmen keine Karten!
> Auch keine Postcard?
> Wir nehmen keine Karten. Aber gegenüber hat es einen
Bancomaten
> Dann gehe ich schnell rüber und lass etwas Geld zum
bezahlen raus
> OK
…….
> So, jetzt kann ich zahlen!
> 50 Franken? Haben sie es nicht kleiner? Und wir nehmen
keine neuen 50er!

Ich freue mich auf Zürich…!

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Veröffentlicht von

Der Nachtwanderer

Der Nachtwanderer ist freier Autor, Zürcher Fels in der alltäglichen Brandung, Szenebeobachter, diffundierender zwischen den Welten Bummler und moderner Geschichtenerzähler. Mit einer gewissen Sehnsucht nach Weite strickt er aus alltäglichen Erlebnissen und Beobachtungen kleine Kurzgeschichten. Mit feinem Humor, einer Prise Ironie und etwas Schalk, eröffnet sich deren versteckter Sinn manches mal erst beim wiederholten Lesen. Und nicht selten entdeckt man sich selbst in seinen Geschichten wieder.

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