Geköche

Also bitte. Immer diese Hysterie. So schlimm war es
nun wirklich nicht. Ganz ehrlich. Ich schwör. Aber man kann’s auch übertreiben.
War ja nur ein kleiner Scherz.
Ein guter Freund veranstaltete in seiner Location
einen Liederabend. Motto. Südamerikanische Töne. und bat mich, den
kulinarischen Teil zu übernehmen. Sprich, zu kochen. Jetzt bin ich ja durchaus
ein risikofreudiger Mensch. Und gehe gerne ab und zu ein Wagnis ein. Wie
letztens zum Beispiel mit meiner Partnerin zusammenzuziehen. Weil, no risk, no
fun. Aber bei gewissen Dingen wiederum bin ich dann ganz vorsichtig.
Liederabende zum Beispiel. Insbesondere des Publikums wegen. Jetzt nichts gegen
Liederabende an und für sich. Oder das Publikum, welches solche dann beehrt.
Mit Anwesenheit. Die Erfahrung lehrt aber, diese Art von Publikum nicht unbedingt
kompatibel mit meiner Art Humor.
Man ist ja immer, was man ist. Oder mal war. Ich
ein Koch. Das sage ich hier durchaus mit einem gewissen Mass an Stolz. Gute
Köche kann man überall brauchen. Stressressistent, belastbar, behalten auch im
grössten Chaos den Überblick, phantasievoll, um nur einige Eigenschaften zu
erwähnen. Aber, sie haben mitunter einen etwas speziellen Sinn für Humor. Und
die meisten Köche sind auch nicht gerade zimperlich. Forelle zum Beispiel.
Restaurant hat Forelle auf der Karte. Und ein Becken mit Lebendfischen in der
Küche. Jetzt isst der geneigte Gast, welcher Forelle blau bestellt, diese nur
ungern lebend. Auch wenn er nüchtern ist. Wortspiel! Ha! Derber Kochhumor 😉
Also muss die Forelle auf dem Weg vom Becken ins Becken des Gastes, sagen wir
mal, transformiert werden. Vom Aggregatszustand lebendig in den
Aggregatszustand, blau. Mittels einer Tischkante. Und einem Messer. Den Rest
erspar ich Ihnen. Der Forelle leider nicht. Wussten Sie, woran man eine frische
Forelle erkennt? Nein? Am Schrei der weiblichen Begleitung des Gastes. Weil,
eine frische Forelle, die zuckt und zappelt noch eine Weile. Mitunter auch auf
dem Teller des Gastes. Und verlässt dann selbigen. Richtung Boden. Mitunter.
Was dann fast immer zum Schrei der Begleitung führt. Sie war aber tot. Ganz
sicher. Die Forelle. Ich schwör. Also meistens. Ausser derber Humor. Aber das
ist eine andere Geschichte.
Kommen wir zurück zum südamerikanischen
Liederabend. Das Publikum, welches einen solchen Anlass besucht, versteht diese
Art Humor nur relativ selten. Erfahrungsschatz. Was mich dann aber nicht daran
hindert, ja, vielleicht sogar ein bisschen anspornt. Menü für diesen Abend? Was
mit Südamerika. Und es darf auch Fleisch sein. Was jetzt schon wieder
erstaunlich, weil sonst eher Vegi. Also Fleisch. Und was ist man in Südamerika?
Ausser Argentinisches Rindfleisch, weil zu teuer. Meerschweinchen. Habe ich
gehört. Sogar schon mal gesehen. Jetzt. Ich hätte ja. Aber man wollte dann doch
nicht. Also bitte lieber eine Art Ragout aus Rindfleisch. Und einen Maisbrei
dazu. Viel Peperoni und Mais, etc. Gesagt, getan.
Die Küche war mobil und befand sich im Hof der
Eventlocation. Ich befand mich hinter meinen Töpfen und im Element. Das
Publikum befand sich auch. Im Anmarsch. Daneben befanden sich noch ein paar
Kinder der Nachbaren im Hof. Die wollten wissen, was ich da koche.
Meerschweinchenragout, sagte ich, weil Kinder mitunter nicht ganz so hysterisch
wie Liederabendpublikum. Und bemerkt nicht, wie sich zwei der Kinder
entfernten. Und dann wiederkamen. Just, als die ersten Gäste vor den Töpfen
standen und wissen wollten, was es denn feines zum Essen gäbe.
Meerschweinchenragout! Und wir haben hier noch zwei
für den Kochtopf, mit langen Armen zwei zappelnde Meerschweinchen haltend.
 Ich muss mich korrigieren. Es schreit nicht nur bei frischen Fischen!

via Blogger http://ift.tt/29dCTx5

Veröffentlicht von

Der Nachtwanderer

Der Nachtwanderer ist freier Autor, Zürcher Fels in der alltäglichen Brandung, Szenebeobachter, diffundierender zwischen den Welten Bummler und moderner Geschichtenerzähler. Mit einer gewissen Sehnsucht nach Weite strickt er aus alltäglichen Erlebnissen und Beobachtungen kleine Kurzgeschichten. Mit feinem Humor, einer Prise Ironie und etwas Schalk, eröffnet sich deren versteckter Sinn manches mal erst beim wiederholten Lesen. Und nicht selten entdeckt man sich selbst in seinen Geschichten wieder.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s