Alltag

Geschafft. Fast, beinahe. Die (Schul-) Ferien sind vorbei. Der Nachwuchs wieder platziert. Der Alltag aufgegleist. Zumindest arbeiten wir daran. Es bleiben noch zwei Tage, während derer wir uns vom Urlaub erholen dürfen. Wenn wir es denn können. Die Stadt füllt sich mit Leben. Auf unseren Spaziergängen durchs Revier begegnen wir wieder bekannten Gesichtern. Hie und da gibt es einen kurzen Schwatz. Manchmal sogar bei einem kleinen Apéro. Zentrales Thema? Wo wart Ihr? Und vor allem, wie seid ihr da hingekommen? Darf man heutzutage noch mit dem Auto oder dem Flugzeug? Darf man überhaupt noch? Wegen Klima. Und Schnitzel. Und Greta.
Wieso Schnitzel? Das stammt vom Schwein oder Kalb oder Rind. Oder irgendwelchen pflanzlichen Ersatzprodukten. Das richtige Schnitzel aber hat gelebt. Vorher. Und dabei gefurzt. Dies nicht zu knapp. Damit gelangt Methan in die Umwelt. Massenhaft. Es ist die Rache des Schlachtviehs am Menschen. Quasi, ihr behandelt uns unwürdig, wir furzen euch dafür ins Jenseits. Darum, wenn sie beim Wandern an einer Herde grasender Kühe vorbei kommen. Und sie den Eindruck haben, die eine Kuh, die sie so langweilig wider käuend, mit dumpfen Gesichtsausdruck beobachtet. Die beobachtet sie gar nicht einfach so. Die zielt auf sie. Lässt dabei Einen fahren und denkt sich: „Treffer!“ Achten sie mal darauf. Auf ihrer nächsten Wanderung. Soviel zum Schnitzel. Und zum Klima. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Meine Meinung ist gemacht. Ganz einfach. Wir werden es nicht schaffen. Als Menschheit. Im Grossen und Ganzen. Da hilft auch keine Greta. Und auch keine für einen Klimastreik schwänzende, von einer Greta aufgewiegelten Schulkinder. Die im Anschluss daran in die Ferien fliegen. Warum nicht? Weil wir Individuen sind. Und kein Kollektiv. Und jedes Individuum nur bis zur eigen Nasenspitze denkt und handelt. Und dann irgendwelche 16jährige Gören zur Meinungsmache missbrauchen, statt ihnen eine schöne Kindheit zu gönnen. Ich übertreibe? Finden sie? Machen wir doch einen kurzen Test. Erinnern sie sich noch an den Anfang des Flüchtlingsdramas auf dem Mittelmeer? Und dem toten Kind, welches an einen Strand gespült und medienwirksam aufbereitet wurde? Sein Name? Wie war sein Name? HALT!!! Nicht googeln! Aylan Kurdi. September 2015. Ein Aufschrei ging um den Globus. Alles wird anders. Heute? Nur vier Jahre später? Was ist anders? Man liegt sonnenbadend an einem Strand am Mittelmeer. Wenn dann mal wieder ein toter Flüchtling angespült wird, ruft man die Strandaufsicht. Zum Aufräumen. Und sonnenbadet ungeniert weiter. Darum, meine Damen und Herren. Darum werden wir es nicht schaffen. Die Politik versagt am laufenden Band. Weil sie gar kein Interesse daran hat, das (und andere) Problem in den Griff zu bekommen. Die gesamte Menschheit versagt am laufenden Band, weil es sie nur solange interessiert, wie es einen nicht persönlich betrifft.
Jetzt hypt man eine Greta. Ein 16jähriges Kind. Vom Leben in etwa soviel Ahnung wie ein Frosch vom Jodeln. Hypt einen Teenager anstatt darüber nachzudenken, wie unsere Politiker versagen. Lieber lassen wir eine 16jährige deren Job machen? Denken sie mal ein bisschen darüber nach. Wenn sie denn in der Lage dazu sind. Gestern Abend am Flughafen. Habe bessere Hälfte in Empfang genommen. Ja, sie ist geflogen. Ja, tue ich auch ab und zu. Will mich auch gar nicht dafür entschuldigen. Habe sie abgeholt. Stand also an der Ankunft. Mit rund 200 grob geschätzten, anderen Menschen. Zumeist Männer. Mitunter auch ein Paar. Aber mehrheitlich Männer. In der Ankunft auch ein Bildschirm. Läuft gerade ein Bericht. Greta auf dem Segelboot. In der Halle zumeist Männer. Die sehr oft eine Frau abholten. Dem Küssen nach die Lebenspartnerin. Und wie ich da so ganz hinten stehe und das Treiben vor mir beobachte? Und die Männer, die auf den Bildschirm schauen? Da denke ich mir, vielleicht ist ja doch mehr Mitgefühl in uns Menschen als angenommen. Vielleicht täusche ich mich ja. Bis auf einmal sie aus der Ankunft tritt. Ich schätze mal Südamerika. Um die 20. Hautenger Hosenanzug, lange dunkle Haare. 90-60-90. Mindestens. Sie tritt aus der Ankunft und läuft rechts den Gang entlang Richtung Ausgang. Ich schwör! Ich habs selber gesehen. Weil ganz hinten. Die rund 200 Köpfe vor mir. Die bewegten sich auf einmal synchron von links nach rechts. Darunter auch der eine oder andere Vierbeiner. Und auch die.
Darum. Genau darum werden wir es nicht schaffen. Weil, was ist schon eine Greta und das Klima gegen einen südamerikanischen Körperbau.
Genau darum nicht.

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Veröffentlicht von

Der Nachtwanderer

Der Nachtwanderer ist freier Autor, Zürcher Fels in der alltäglichen Brandung, Szenebeobachter, diffundierender zwischen den Welten Bummler und moderner Geschichtenerzähler. Mit einer gewissen Sehnsucht nach Weite strickt er aus alltäglichen Erlebnissen und Beobachtungen kleine Kurzgeschichten. Mit feinem Humor, einer Prise Ironie und etwas Schalk, eröffnet sich deren versteckter Sinn manches mal erst beim wiederholten Lesen. Und nicht selten entdeckt man sich selbst in seinen Geschichten wieder.

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