Es weihnachtet sehr

Das mit den Traditionen. Das ist so eine Sache. Weil relativ tief verankert. In den Menschen. Bei den Tieren übrigens auch. Ein Rudel Kampfhunde zum Beispiel. Sagen wir mal, sie laufen durch einen Park. Und Kommen an eine Wiese. Auf der ein Rudel Kampfhunde sich gerade traditionell einem kleinen, freilaufenden Pudel annimmt. Und jetzt, wie sie da so vorbeilaufen, vielleicht etwas zu Nahe als beabsichtigt, meint der Chefkampfhund, sie hätten bezüglich deren Traditionen vielleicht eine etwas andere Meinung. Würden eventuell gar in Erwägung ziehen, dem schon leicht zerzausten Pudel beizustehen. Dann kann es ganz schnell sein und sie kommen mit den Urtraditionen eines Rudels Kampfhunde im Blutrausch in Kontakt. Näher als Ihnen lieb ist. Weil die darauf beharren. Auf ihren angeborenen Traditionen.
Oder der Religion. Versuchen sie einmal in einem muslimisch geprägten Land, auf ihren christlichen Traditionen zu beharren. Öffentlich. Da kocht es dann schon mal hoch. Das Weihwasser. In der brennenden Kirche. Zusammen mit den Emotionen.
Sie sehen, das ist so eine Sache. Mit den Traditionen. Und der Vernunft. Mit der ist es auch so eine Sache. So ein Kampfhund, der ist in der Regel eigentlich ganz vernünftig. Der geht auch schon mal bei Fuss. Wenn er Lust hat. Und nicht gerade ein kleiner Pudel seinen Weg kreuzt. Dann Risiko gross. Und ruck zuck Tradition. Da können sie pfeifen und rufen wie sie wollen.
Jetzt sagen wir mal. Sie sind so ein Mensch. Grundsätzlich. Eher ambitioniert unterwegs. Vor allem sportlich. Also wenn Sport, dann gerne auch vorne. Wenn schon. Und jetzt ist das so ein Traditionsevent. Hat am Rande auch mit Sport zu tun. Geht aber generell mehr um Spass. Dem Spass an der Freude. Was auch äusserlich zum Anschein beiträgt. Der Mensch verkleidet sich halt auch gerne. Und wenn verkleidet. Dann gerne auch Alkohol. Auch Tradition. Ich sag nur Karneval. Oder Fasching. Oder Vormarsch in ein fremdes Land. Da auch Verkleidung. Und Alkohol. Weil Hemmschwelle dann niedriger. Ähnlich wie beim Karneval. Oder an diesem Bierathlon. Eigentlich geht es um den Spass. Und der Tradition. Verkleidet und Alkohol mit sich führend zu zweit einen Parcours abzuarbeiten. Damit das Ganze nicht allzu sehr ausartet legt man den Teilnehmern noch ein Limit auf. Nur eine bestimmte Menge Alkohol. Und Zeit. Der Lauf ist auch unter einem zeitlichen Aspekt. Und da liegt der Hund begraben. Also nicht der kleine Pudel, der mit den Kampfhunden auf Tradition Bekanntschaft machte. Von dem ist nichts mehr übrig, was man noch verscharren könnte. In der Regel. Nein, der Hund liegt sinnbildlich. In den Traditionen ambitionierter Menschen. Da kann der Anlass noch so schräg, die Kostüme noch so ungewöhnlich und der Alkohol in Strömen. Wenn so ein Mensch sportliche Ambitionen und immer vorne? Dann auch dann. Erst recht. Und schnell ist fertig lustig. Das war spannend zu sehen. Und dabei zuzusehen. Wie Menschen an Traditionen festhalten. Unter allen Umständen. Und Alkohol.
Jetzt komme ich noch einmal zurück. Auf den Hund. Allgemein. Weil da, wo der Anlass stattfand? Der Ort ist, ohne Anlass, als Hundewiese bekannt. Und Freilaufzone. Eine der wenigen noch vorhanden in der Stadt. Für Tier UND Mensch. Und diese Hundemenschen, die haben eben auch Ihre Traditionen. Nämlich den Vierbeiner seinem freien Lauf zu lassen. Damit er sich und sein Herrchen erfreue. Wenn jetzt just beim Vollzug dieser Freude, ein als Tannenbaum verkleideter Mensch unter Alkohol am Hund vorbeiläuft? Da kann es schon zu Missverständnissen kommen. Ruck zuck.

Und sei es auch nur hebt der Hund sein Bein. Weil Baum. Das auch Tradition.

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Der Nachtwanderer

Der Nachtwanderer ist freier Autor, Zürcher Fels in der alltäglichen Brandung, Szenebeobachter, diffundierender zwischen den Welten Bummler und moderner Geschichtenerzähler. Mit einer gewissen Sehnsucht nach Weite strickt er aus alltäglichen Erlebnissen und Beobachtungen kleine Kurzgeschichten. Mit feinem Humor, einer Prise Ironie und etwas Schalk, eröffnet sich deren versteckter Sinn manches mal erst beim wiederholten Lesen. Und nicht selten entdeckt man sich selbst in seinen Geschichten wieder.

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