Muster im Leben

Die momentane Situation hat auch ihre Vorteile. Wirklich. Gut. Vielleicht nicht aus der Sicht derer, die daran zu Grunde gehen. Aus deren Sicht vielleicht nicht. Aus meiner schon. Man wird wieder ein wenig auf sich selbst zurückgeworfen. Gezwungenermassen. Weil. Man verreist etwas weniger. Zur Zeit. Quasi. Jetzt nicht das wir uns unbedingt aufhalten lassen. Wir reisen einfach zu gerne. Sind auch etwas unstet. Aber wir finden es nicht fair den anderen gegenüber. Selber merkst Du es vielleicht gar nicht. Dem anderen, dem Du danach die Hand schüttelst, der dann vielleicht schon. Darum. Nicht nur an sich selbst denken. Auch ein bisschen an die anderen. In der Regel.

Jetzt der Vorteil an dieser Situation? Wenn man nicht ständig unterwegs ist? Man reflektiert. Sich selbst. Oder liest ein Buch. Was soll man auch sonst? Und wenn das Buch nicht spannend genug? Dann wieder mal in die eigene Stadt. Schauen, was gibt es Neues. Einiges. Stellt man fest. Ein ständiger Wandel und Veränderung.

Nur weniger an sich selbst. Vielleicht auch schon zu alt und zu eingefahren. Wobei eingefahren nicht unbedingt die richtige Bezeichnung. Sagen wir mal so. Man kennt sich selbst. Weiss wie man auf etwas reagiert. Was man gerne hat und was nicht. Was einem etwas bedeutet und was weniger. Sie nicht? Schade. Dann entgeht ihnen etwas. Wirklich. Ich schwör. Solche Abende. In dieser Stimmungslage. Die verbringt man dann am besten an Orten, die man kennt. Sonst Katastrophe. Wäre ich Psychiater? Oder Psychologe? Wäre das erste, was ich raten würde. Meinen Patienten. Suchen sie sich einen Ort. An dem sie zuhause sind. Oder sich zumindest so fühlen. Nur sie allein. Also sie sich selbst ertragen. Und von Vorteil ist dieser Ort ein anderer. Also nicht zuhause zuhause. Nicht vom Sofa ins Schlafzimmer und wieder zurück. Oder so. Nein. Gehen sie raus. Fühlen sie. Spüren. Hören. In sich selbst. Und finden. Den Ort. Der gehört dann nur ihnen. Versuchen sie es erst gar nicht. Jemand anderes zu erklären. Warum und wieso. Nix. Ist ihr Ort und Ende.

Ich habe so einen Ort. Mehrere. Weil auch hier immer wieder Veränderung. Daher Ausweichmöglichkeit. Wenn einer wegfällt. Dann sofort Ersatz. Dient dem Gleichgewicht. Dem inneren.

Jetzt habe ich mich ein wenig verzettelt. Was wollte ich eigentlich? Stimmt. Zum Ausdruck bringen, dass, ich, auch im fortgeschrittenen Alter immer noch offen bin. Für Neues. Und neuen Orten, an dem man sich zuhause fühlt. Immer. Offen. Mit einer Ausnahme. Klassiker. Darum heissen sie so. Klassiker sollten Klassiker bleiben. Auch an neuen Orten. Sonst wird er nicht zum zuhause. Da bin ich wenig flexibel. Wenn ich zum Beispiel das Bedürfnis habe. Das Bedürfnis, mich zu betrinken? Jack Daniels, Cola. Besteht aus einem Glas. Aus Eiswürfel. Jack Daniels und einer Cola. In der Flasche. Zur Not auch Büchse. Dann aber schon grosse Not. Beides wird frisch geöffnet. Und es besteht nicht aus einem (vielleicht) Jack Daniels in einem Glas und Cola schon drin. Dann fertig zuhause. Wie gesagt. Ich bin offen für neues. Ich trinke auch einmal eine Bloody Mary. Oder eine Pina Colada. Beides so, wie es sich gehört. Ich muss keine „Neuinterpretation“ eines Klassikers haben. Ein Jack/Cola ist schwarz. Eine Bloody Mary rot. Und eine Pina Colada weiss. Darum hätte mich der Name schon vorsichtig stimmen müssen. Christal Colada. Irgendwie lass ich nur Ananas und Kokos. Das Christal ist mir entgangen. Bis es vor mir stand. Ein Glas. Mit Eis. Darin eine durchsichtige Flüssigkeit. Obendrauf etwas das aussah wie ein Stück Ananas aus dem letzten Jahrhundert. CHF 20.-

Wie es geschmeckt hat? Nicht. Nach. Zuhause. Aus.

Fertig. Zuhause.

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Zweckoptimismus

Es kommt jetzt darauf an. Also nicht so generell. Eher allgemein. Ob man eher Optimist. Oder dann doch negativ. Grundsätzlich. Von der Lebenseinstellung her. Weil. Der Pessimist. Also der Negative. Der würde jetzt ja behaupten. Von wegen mit Absicht. Man hätte es mit Absicht eskalieren lassen. Man. Also ich. Um genau zu sein. Der Optimist? Der eher nicht. Aber die Meisten je eher negativ. Darum haben die ja so viel Erfolg. Diese Medien. Mit vier Buchstaben. Ohne direkt Namen zu nennen. Aber da können sie sich selber ein Bild davon machen. In Deutschland. Oder einen Blick drauf werfen. Hier in der Schweiz. Weil, wenn die Stimmung eher positiv? Dann wischt man sich nicht mal den Hintern damit ab. Wenn negativ. Die Stimmung. Oder die Neuigkeiten. Dann Auflagensteigerung. Obwohl’s dann eher erst recht zum Abwischen wäre.

Ich hab so ein kleines schwarzes Notizbuch. Da schreibe ich rein. Was mir so begegnet. Tagsüber. Und dazu dann in den Sinn kommt. Weil, es kommt mir soviel dazu in den Sinn. Was ich tagsüber so sehe. Und wenn ich ganz hinten bin, mit dem Sinnen, dann habe ich vorne schon wieder vergessen. Darüber ärgere ich mich dann. Hin und wieder. Aber nicht negativ. Weil vom Grundsatz her dann schon eher positiv. Also Optimist. Ich werde dann melancholisch. Ob all der vergessenen Pointen.

Genau darum sind wir ja trotzdem gefahren. Nach Italien. Jetzt. Vor nicht allzu langer Zeit. Weil wir finden. Also ich. Ich finde. Zuviel Theater. Um dieses Virus. Ich will jetzt nicht statistisch werden. Ausserdem erwischt es einen sowieso. Früher oder später. Im Leben. Der Tod. Jeden. Darum lebe ich ja so wie ich lebe. Jetzt. Hier und heute. Damit ich dann nicht sagen muss. Wenn’s mich dann erwischt. Oh, hätte ich nur. Wie so viele andere.

In eben dieses schwarze Buch. In welches ich schreibe. Mit Datum. Habe ich vorhin reingesehen. Ende Dezember. Der letzte Eintrag. Gab mir zu denken. Daher beschlossen. Wird nun wieder anders. Ich schwör. Nicht dass ich dann noch sagen muss. Hätte ich nur. Wegen Italien. Und dem Virus. Wobei. Das Virus eigentlich gar nicht das Problem. Sondern die Negativen. Und damit kommen wir wieder auf den Punkt. Eskalation. Und Absicht oder nicht. Dabei habe ich es nur gut gemeint. Vorhin. Im Tram. Weil alle ein bisschen negativ. Zuweilen hysterisch. Wenn vorne im Tram einer hustet. Jetzt gerade. Verlassen sie es hinten fluchtartig. Ob all dieser Negativheit war ich so melancholisch, dass ich ganz froh war. Als das Telefon klingelte. Ein guter Freund am Apparat. Dem habe ich dann ein bisschen erzählt. Von Italien. Und unserer Reise. Am Telefon. Um etwas gute Laune und so. Vielleicht ein wenig lauter als üblich. Und weil Winter. Und so viele Menschen im Tram. Und die Luft. Die Luft etwas trocken. Wurde ich vom vielen Reden auch etwas trocken. Im Hals. Und während sie so trockneten. Meine Stimmbänder. Und ich immer noch erzählte, von Italien. Wurde der Platz um mich herum immer grösser. Und die Blicke. Die immer giftiger. Nur darum. Darum habe ich meine Erzählung noch ein bisschen angereichert. Mit ein paar kleinen Hustern. Und nicht, weil ich es eskalieren lassen wollte. Wirklich. Ich schwör.

In diesem Sinne. Und auch im Sinne von Allgemein. Wie eine Kollegin heute sagte. Volle Kraft. In diesen nicht ganz einfachen Zeiten. Zuversicht. Und Optimismus. Und volle Kraft voraus. Wie das der Kapitän der Titanic im Angesicht des Eisbergs auch befahl. Volle Kraft voraus! Und immer schön positiv bleiben.

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Es weihnachtet sehr

Das mit den Traditionen. Das ist so eine Sache. Weil relativ tief verankert. In den Menschen. Bei den Tieren übrigens auch. Ein Rudel Kampfhunde zum Beispiel. Sagen wir mal, sie laufen durch einen Park. Und Kommen an eine Wiese. Auf der ein Rudel Kampfhunde sich gerade traditionell einem kleinen, freilaufenden Pudel annimmt. Und jetzt, wie sie da so vorbeilaufen, vielleicht etwas zu Nahe als beabsichtigt, meint der Chefkampfhund, sie hätten bezüglich deren Traditionen vielleicht eine etwas andere Meinung. Würden eventuell gar in Erwägung ziehen, dem schon leicht zerzausten Pudel beizustehen. Dann kann es ganz schnell sein und sie kommen mit den Urtraditionen eines Rudels Kampfhunde im Blutrausch in Kontakt. Näher als Ihnen lieb ist. Weil die darauf beharren. Auf ihren angeborenen Traditionen.
Oder der Religion. Versuchen sie einmal in einem muslimisch geprägten Land, auf ihren christlichen Traditionen zu beharren. Öffentlich. Da kocht es dann schon mal hoch. Das Weihwasser. In der brennenden Kirche. Zusammen mit den Emotionen.
Sie sehen, das ist so eine Sache. Mit den Traditionen. Und der Vernunft. Mit der ist es auch so eine Sache. So ein Kampfhund, der ist in der Regel eigentlich ganz vernünftig. Der geht auch schon mal bei Fuss. Wenn er Lust hat. Und nicht gerade ein kleiner Pudel seinen Weg kreuzt. Dann Risiko gross. Und ruck zuck Tradition. Da können sie pfeifen und rufen wie sie wollen.
Jetzt sagen wir mal. Sie sind so ein Mensch. Grundsätzlich. Eher ambitioniert unterwegs. Vor allem sportlich. Also wenn Sport, dann gerne auch vorne. Wenn schon. Und jetzt ist das so ein Traditionsevent. Hat am Rande auch mit Sport zu tun. Geht aber generell mehr um Spass. Dem Spass an der Freude. Was auch äusserlich zum Anschein beiträgt. Der Mensch verkleidet sich halt auch gerne. Und wenn verkleidet. Dann gerne auch Alkohol. Auch Tradition. Ich sag nur Karneval. Oder Fasching. Oder Vormarsch in ein fremdes Land. Da auch Verkleidung. Und Alkohol. Weil Hemmschwelle dann niedriger. Ähnlich wie beim Karneval. Oder an diesem Bierathlon. Eigentlich geht es um den Spass. Und der Tradition. Verkleidet und Alkohol mit sich führend zu zweit einen Parcours abzuarbeiten. Damit das Ganze nicht allzu sehr ausartet legt man den Teilnehmern noch ein Limit auf. Nur eine bestimmte Menge Alkohol. Und Zeit. Der Lauf ist auch unter einem zeitlichen Aspekt. Und da liegt der Hund begraben. Also nicht der kleine Pudel, der mit den Kampfhunden auf Tradition Bekanntschaft machte. Von dem ist nichts mehr übrig, was man noch verscharren könnte. In der Regel. Nein, der Hund liegt sinnbildlich. In den Traditionen ambitionierter Menschen. Da kann der Anlass noch so schräg, die Kostüme noch so ungewöhnlich und der Alkohol in Strömen. Wenn so ein Mensch sportliche Ambitionen und immer vorne? Dann auch dann. Erst recht. Und schnell ist fertig lustig. Das war spannend zu sehen. Und dabei zuzusehen. Wie Menschen an Traditionen festhalten. Unter allen Umständen. Und Alkohol.
Jetzt komme ich noch einmal zurück. Auf den Hund. Allgemein. Weil da, wo der Anlass stattfand? Der Ort ist, ohne Anlass, als Hundewiese bekannt. Und Freilaufzone. Eine der wenigen noch vorhanden in der Stadt. Für Tier UND Mensch. Und diese Hundemenschen, die haben eben auch Ihre Traditionen. Nämlich den Vierbeiner seinem freien Lauf zu lassen. Damit er sich und sein Herrchen erfreue. Wenn jetzt just beim Vollzug dieser Freude, ein als Tannenbaum verkleideter Mensch unter Alkohol am Hund vorbeiläuft? Da kann es schon zu Missverständnissen kommen. Ruck zuck.

Und sei es auch nur hebt der Hund sein Bein. Weil Baum. Das auch Tradition.

Unser Kulinarier ist im Restaurant «Blockhus» eingekehrt. Das an ein Blockhaus erinnernde Lokal bietet eine Wohlfühlatmosphäre und gute Gerichte.

Selbst alteingesessene Zürcher sind immer wieder erstaunt, wenn man das Restaurant «Blockhus» erwähnt. «Blockhus»? Wo? Dabei liegt es an ziemlich prominenter Lage. Nämlich beim ehemaligen Hafen des mittelalterlichen Zürich. Heute noch Schifflände genannt. Den Hafen gibt es schon lange nicht mehr. Die Buchten wurden seinerzeit aufgeschüttet und zu Schifflände und Hechtplatz. Die Stadt wuchs und es brauchte Land, um bauen zu können.
Seit mehr als dreissig Jahren kenne ich nun schon dieses Lokal und stelle fest: Einer der herausragenden Punkte ist das langjährige Personal. Holger, Janosch, José und Antonio halten gefühlt schon seit Ewigkeiten die Treue. Wo findet man das heute noch?

Heimelige Atmosphäre
Der Eingang des Lokals ist nicht unbedingt für Menschen gemacht, die eine Grösse von über 1.88 Meter aufweisen. Zum Glück geht es gleich zwei Stufen tiefer. Und schon steht man vor der den Raum beherrschenden Bar und somit mitten im Lokal. Holz! Viel Holz. An den Wänden und an der Decke. Blockhausmässig halt. Man fühlt sich entweder sofort heimisch oder nicht. Die sehr freundliche Servicemannschaft nimmt einen familiär in Beschlag. Im Vorteil ist, wer eine Reservation vorzuweisen hat. Ansonsten muss man gerne auch mal mit einem Platz an der Bar vorliebnehmen. Wir haben bewusst an der Bar reserviert. Zwecks des Überblicks.

Fein gegessen
Unter Kennern ist das «Blockhus» bekannt für seine Tatar-Kreationen. Von Tatar klassisch für Fr. 29.50 bis hin zu dem etwas ausgefallene Tatar Paesana mit würzigem Schnittlauch-Sauerrahm und Rohschinkenstreifen für Fr. 33.– kann man zwischen sieben Varianten wählen. Dazu immer auch noch im Modus mild, scharf oder ganz scharf. Meine Partnerin Maria und ich liessen das Tatar diesmal links liegen und entschieden uns für eine saisongerechte, sehr sämige Kürbissuppe (Fr. 12.50) und den sehr pikanten Crevetten-Pil-Pil, (Fr. 19.50). Beides war wirklich fein. Kleine Randbemerkung: Das Küssen lässt man nach den Pil-Pil besser bleiben, Stichwort Knoblauchfahne.
Zur Hauptspeise reichte man uns je eine halbe Portion frische Taglierini mit frisch gehobeltem weissem Trüffel. Meine Portion ergänzt mit einem Spiegelei, zu je Fr. 30.–, und jeden Rappen wert. Ein Gedicht. Die halbe Portion deshalb, weil es noch Platz brauchte im Magen für ein weiteres Highlight des Hauses.

Highlight: Käse
Selten isst man in Zürich so ausgesuchten Käse zum Nachtisch. Man kann sich zwischen verschiedensten Sorten entscheiden und die Menge selber bestimmen. Für uns waren es drei Sorten sanft vor sich hinfliessender Weichkäse (Fr. 20.50). Die Schieferplatte, auf der der Käse dargereicht wird, kommt einher mit Trauben, Birnen und selbstgemachtem Quittenmus. Nach einer kurzen Plauderpause mit unserem Kellner beendeten wir das Menu mit nur einer Crema Catalana und zwei Löffeln (Fr. 10.–). Wir waren einfach wirklich satt.
Unser Essen liessen wir begleiten von einem halben Liter Tinto de Casa zu Fr. 6.50 der Dezi und schlossen es ab mit zwei Carajillo zu je Fr. 7.50. Während unseres Aufenthalts wurden die Tische fast komplett zweimal besetzt. Wie bereits erwähnt: Zu reservieren lohnt sich.

Alexander Villiger

Restaurant «Blockhus», Schifflände 4, 8001 Zürich, Tel. 044 252 14 53.
Geöffnet Montag bis Mittwoch 11.30 bis 23, Donnerstag bis Samstag bis 24 Uhr, Sonntag geschlossen. http://www.restaurant-blockhus.ch.

Golden Dragon

Ich sage das nur, damit keine Missverständnisse entstehen. Wirklich. Ich schwör. Ich bin grundsätzlich nicht rassistisch. Also. So allgemein. Kann ich gar nicht. Wegen der Voraussetzungen. In meiner Familie tummeln sich etliche Ethnien. Schweiz. Deutsch. Spanisch. Italienisch. Schwedisch. Etliche. Vermutlich noch mehr. Weiss mans so genau? Nein. Also international. Mindestens. Und bayrisch. Bayrisch auch. Weil damals, auf der grossen Flucht. Von Schlesien über Berlin nach München. In die Nähe von. Zumindest. Weil das Kaff sonst niemand kennt. Darum München.
Jetzt muss man wissen. Der Bayer. So allgemein gesehen. Der eigentlich auch nicht rassistisch. Nicht dass ich jetzt etwas behaupte. Und dann Ärger. So allgemein. So lange sie ein „Hiesiger“ sind. Sind sie ein sogenannter „Zugereister“? Dann wird’s schon schwieriger. Meine Eltern wohnten auf dem Dorf. Zunächst. Dann zogen Sie aufs Alter in das andere. Nachbardorf. Keine drei Kilometer. Und waren damit sogenannte „Zugereiste“. Keine „Hiesigen“. Damit wurde es dann schon etwas schwieriger. Aber grundsätzlich ist der Bayer an und für sich aufgeschlossen. Anderen Ethnien gegenüber.
Das muss man wissen, um zu verstehen, wenn ich wieder eine Frau zuhause vorstellte. Die sich vielleicht etwas komisch ausdrückte. Weil Italienerin. Oder Schwedin. Also keine „Hiesige“! Bedurfte dann immer wieder eines, sagen wir mal, aufklärenden Gesprächs. Mitunter auch etwas energischer Natur. Man muss meiner Verwandschaft denn immer wieder gerne mal erklären, dass der Bau von als Autobahnen getarnter Vormarschstrassen, dass dies nicht das fabrikmässige Vernichten von Millionen von Menschen rechtfertigt. Schon gar nicht zur Aussage berechtigt, „Er sei ja gar nicht so schlimm gewesen weil immerhin hätten wir dank ihm jetzt ja Autobahnen!“
Jetzt ist der verbliebene Teil meiner Erzeugerschaft bereits in etwas fortgeschrittenem Alter. Was es nicht unbedingt besser macht. Aber seniler. Darum freut es mich ja so. Heimlich. Wegen dem 80zigsten Geburtstag. Den man im kommenden Januar begeht. In einem Restaurant. In dem man vor vierzig Jahren schon die Taufe meiner Schwester feierte. Jetzt ist Bayern durchaus den Traditionen verbunden. Wie die meisten dieser Bergvölker. Aber ein Restaurant, das nach vierzig Jahren noch existiert? Hm. Nicht das ich Vorurteile hätte. Wirklich nicht. Aber Erfahrung. Und die lehrt einem was. Mir zumindest. Besonders, wenn es heisst, man hätte angerufen. Und es heisst immer noch Dragoner. Aber die waren wohl gerade beim Essen. Während des Anrufs. Weil etwas undeutliche Aussprache und so nuscheln. Aber man hätte jetzt reserviert. Es gäbe Ente. Und Wein.
Letztens war ich zu Besuch. Wegen der kommenden Feiertage. Und so. Die Gelegenheit nutzend und weil Hunger. Dachte mir, schaust Du Dir doch mal den Dragoner an. Testessen. Quasi. Jetzt. Ich bin , wie Eingangs erwähnt, aufgeschlossener. Ich mag auch Ente. Wirklich. Besonders Peking. Peking Ente. Der Dragoner? Den gibt es noch. Also das Gebäude. Die Telefonnummer auch. Er heisst jetzt nur nicht mehr so. Sondern Dragon. Golden Dragon. Und ist ein Chinesisches Restaurant. Von Chinesen betrieben. Keine „hiesigen“!! Wie gesagt. Ich freu mich. Tierisch. Auf Peking Ente. Und auf gewisse Gesichter.

Können sie Überraschungen auch nur so schwer für sich behalten?

Dampfende Rösser

Wer im Glashaus sitzt, werfe nicht mit Steinen. Allenfalls nur ganz winzigen. Oder so ähnlich. Dann nehme man aber in Kauf, bitteschön, es scherbelt. Umständehalber vielleicht auch ganz heftig. Darum lass ich es mal ein wenig scherbeln. Ich entstamme einer Raucherfamilie. Keine Kampfraucher. Also mit Ausnahme meines Grossvaters. Mütterlicherseits. Aber der Rest? Eher so Gelegenheitspaffer. Wenn’s grad eine hatte. Oder einer da war. Der eine hatte. Eine Zigarette. Oder mehrere. Den man deshalb eine abschnorren konnte. Einfach weils gemütlich war. Lustigerweise war es das eigentlich immer. Mindestens aber interessanter. Bei den Rauchern. Draussen. Als drinnen mit den Omis über weiss Gott was zu palavern. Darum stellte ich mich auch meistens mit dazu. Und schnorrte eine. Manchmal kaufte ich mir auch ein eigenes Päckchen. Von dem paffte ich eine. Oder zwei. Den grossen Rest lies ich mir abschnorren. Auch von meiner Familie. Nicht nur. Aber oft. Und in der Regel waren es es ganz harmlose. Kaum Nikotin. Aber einen Filter wie heutzutage eine Kehrichtverbrennungsanlage. So standen wir draussen und taten interessant. Mit Ausnahme meines Grossvaters. Weltkriegsgeneration. Der Erste so ein bisschen, der Zweite dann aber ganz schön heftig. Inklusive Kriegsgefangenschaft in Russland. Ihn sah ich nie ohne. Ich glaub, er ging sogar mit einer Kippe im Mund schlafen. Damit er morgens beim Aufwachen nur noch das Feuerzeug dranhalten musste. Marke weiss ich nicht mehr. Irgendetwas aus dem Ausland. Ohne Filter. Seine rechte Hand war gelb. Sonnenblumengelb. Die Ganze. Hand. Er hielt die Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit der Glut nach innen. In die Handfläche. Damit man sie nicht sah. Weltkrieg. Einmal. Einmal habe ich eine bei ihm geholt. War irgendwas mit einem Mädchen. Ich wollte ein bisschen markieren. Oder so. Markieren konnte man zwar allein schon mit so einem Grossvater. Er war bekannt. Im ganzen Landkreis. Wegen seines Kadett. Opel Kadett. Feuerrot. Der an und für sich weniger spektakulär. Mehr, dass er damit täglich von einem Dorf zum anderen fuhr. Mit ca. 75 Stundenkilometer. Im ersten Gang. Weil Weltkrieg nicht nur Zigaretten. Auch ein bisschen Kopf. Wenn man in die Schule kam und das Gespräch auf einen kam, der da wieder röhrend mit seinem Kadett durch die Gegend orgelte? Konnte man sagen, ja, kenn ich. Ist mein Opa. Anerkennung und Respekt drei Punkte höher. Was Grossvater auch noch konnte? Wegen des Rauchens? Sich räuspern. Und dabei einen „Grünen“ hochziehen und von sich geben. In einem weiten Bogen. Hochpräzise. Auf den Punkt. Dabei produzierte er ein Geräusch. DR 18 201, sage ich nur. Auch da kann sich die spukende Jugend von heute eine Scheibe abschneiden. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ja, man konnte beeindrucken mit ihm. Aber besser noch mit seinen Zigaretten. Darum eine von ihm. Er gab mir sogar Feuer. Den tiefen Blick, den er mir dabei schenkte, den konnte ich erst im Anschluss richtig interpretieren. Als ich wieder von der Toilette zurück war. Weil erster Zug. Ganz tief. Von wegen Kehrichtverbrennungsanlage. Ganz tief. Bis runter zu den Zehen. Wirkung unmittelbar. Mein Vater war beeindruckt. So schnell sei noch niemand auf der Toilette gewesen. War das einzige Mal. Danach nie wieder. Er rauchte zwei davon. Schachteln. Pro Tag. Grossvater. Und wurde alt. Sehr alt. Kein Wunder. Innerlich vermutlich Mumie.
Ich erzähle das nur zum Verständnis. Dass ich Raucher durchaus verstehen kann. Raucher. Richtige. Nicht die, die meinen, zwischendrin mal eine paffen zu müssen. Oder, ganz übel. An einer mobilen Nikotinwasserflasche nuckeln. Und dabei dampfen wie eine DR 180201. Schnellzugdampflok aus dem Jahr 1960/61. Die versteh ich. Dass sie einen Platz brauchen. Um es zu tun. Gestehe ich Ihnen auch zu. Ohne Probleme. Ich schwör. Wenn so einer vor mir raucht, dann wechsle ICH den Platz. Ohne zu murren. Weil, von denen gibt es nicht sehr viele. Nicht mehr. Aus nachvollziehbaren Gründen. Weniger verstehe ich alle diese Paffer, die meinen, sich darüber aufregen zu müssen. Das im öffentlichen Raum immer weniger geraucht werden dürfe. Man beschneide ihre persönliche Freiheit. Meinte die junge Dame. Die sich paffenden an den Tisch neben dem Meinen setzte. In der seit einigen Wochen rauchfreien Bar am Bahnhof. Den Rauch in meine Richtung blasend.
Ich rauche schon lange nicht mehr. Auch mein Grossvater ging schon vor vielen Jahren. Was er mir aber hinterlies, war ein Talent. Nicht unbedingt einen Grünen zu produzieren. Von dem man sich eine Scheibe abschneiden kann. Aber die dabei von ihm produzierten, nicht weniger beeindruckenden Geräusche, die kann ich. Und zielen auch.

Das hörte auch die junge Dame. Mit Schrecken im Gesicht.

Ich liebe rauchfreie Bar

Renitent

Mann! Zum Glück muss ich mir das nicht antun. Ich hätte echt die Nerven nicht. Ich schwör! Mir reicht es schon als Passagier. Mit dem Tram durch die Stadt zu fahren. Geschweige denn, als Fahrer. Wirklich nicht. 20 Minuten. Von der Haltestelle Kunsthaus bis Leutschenbach. Quer durch die Stadt. Morgens um 07:00 Uhr. Jedes Mal. Alle. Auto, Velo, Fussgänger. Alte, Junge, Kinder. Männlich und weiblich. Die irgendwo dazwischen auch. Es ist nur dem Zufall zu verdanken. Eigentlich müsste es jeden Tag ein paar erwischen. Final.
Autofahrer haben den Aussen- und Rückspiegel nur zur Zierde. Oder noch schlimmer. Nach einem Crash. Den der Fahrer verschuldet hat. Weil er einfach aufs Tramtrasse auswich. Wegen dem Velo vor ihm. Kein Schuldbewusstsein. Er hätte ja ausweichen müssen. Grossartiges Argument. Zack! Zurück auf null. Noch einmal in die Fahrschule und von vorne. Alles andere? Vergebene Liebesmüh. Fussgänger. Kopfhörer im Ohr. Verträumter Blick. In die Ferne. Mit sofort anschliessendem Hechtsprung auf den Gehweg. Weil im Delirium vors Tram gelaufen. Noch übler. Kinder. Gamend. Gebeugter Rücken. Handy vor dem Gesicht. Ansatzlos rechts schwenkt und vor das Tram. Die Passagiere? Begeistert. Besonders die Stehenden. Kommt man sich so doch mal wieder ungewohnt nahe. Sehr nahe. An der Wand der Fahrerkabine. Der Fahrer? Auch begeistert. Wenn er dann seinen Herzinfarkt überwunden hat. Wie gesagt. Zum Glück muss ich mir das nicht antun. Ein herzliches Dankeschön an Alle die das jeden Tag mitmachen. Eine Kollegin, die als Tram-Fahrerin arbeitet. Die meinte einmal, ca. 5 – 10. 5 – 10 Personen rettet Sie das Leben. Tagtäglich. Da nehme sie es gerne in Kauf. Dass es ab und zu an die Wand der Fahrerkabine wumst. Mit Schwung. Quasi. Liebe Mitmenschen! Ist ganz einfach. Wenn sie stehen. Still. An einem Ort. Oder sitzen. Dann von mir aus. Tun sie was sie wollen. Wenn sie sich bewegen? Nase nach vorne. Augen auch. Handy weg. Zeitungen auch. Ihr macht nicht nur Euch das Leben einfacher.Jetzt. Wenn sie meinen, es gehe nicht schlimmer. Ha! Letzte Woche. Italien. Eine Insel. Welche spielt ja keine Rolle. Oktoberferien. Wenig Touristen. Wetter und Wasser aber noch erträglich warm. Personal hat, wieder, Zeit für einen. Freut sich, wenn man sich freut. Und umgekehrt. Viele meinen zwar. Italien? Ans Meer? Im Oktober? Schneit es da nicht schon? Nein. Tut es nicht. Ist Hammer. Aber zurück zum Thema. Weil, Handy auch in Italien. Ein Thema. Aber weniger der jungen Mitmenschen. Eher der älteren. Senioren. Und -innen. Die haben es auch die ganze Zeit vor der Nase. Aber nicht wegen Spielen oder sonstigem. Nein. Ganz übel. FaceTime!Sie wissen was das ist. Telefonieren über Lautsprecher und Video. Man hat es in Italien erfunden. Für die älteren Mitmenschen. Ich schwör. Und jetzt. Nicht das sie glauben von wegen lass sie doch. Geht ja nur kurz. Ist sicher gleich fertig. Nein. Ist es nicht. Und obendrein noch hemmungslos. Hemmungslos überall. Auch im Restaurant. Oder dem Museum. Oder auf der Promenade. Oder dem Strand. Sie glauben die allgegenwärtigen Drohnen sind ein Problem? Nein. Es sind Damen und Herren im Rentenalter. Vorwiegend. Die sich stundenlang über FaceTime banalste Tagesgeschichten erzählen.
Hat aber auch einen Vorteil. Wenn sie sich dann als Brei unter dem Auto, Tram oder Bus breit machen. Dann hat es wenigstens jemand gesehen. Live. Und kann gleich ein neues Handy bestellen.

Konfusius

Eigentlich ist es ganz einfach. Es bedarf keiner grossen Kunst und geht ruck zuck. Ausserdem muss ich gestehen, ich mache es ab und zu noch ganz gerne. Menschen aus der Fassung zu bringen. So ganz nebenbei. Wirklich kein grosses Drama. Mehr so eine kleine, feine Bemerkung. Aus dem Hinterhalt. Quasi im Vorbeigehen. Wie letztens in der Stadt. Begegnet mir doch eine Bekannte, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Von der ich aber wusste, sie war längere Zeit Single und auf der Suche. Nach dem passenden Deckel. Wobei, für diesen Topf einen Deckel zu finden? Gar nicht so einfach. Weil, sagen wir mal. Sehr individuelle Form. Der Topf. Also nicht das sie meinen, einfach so in einen Laden und mal eben zur Verkäuferin und ich besitze einen Topf dieser oder jener Marke in der Grösse und suche jetzt einen Deckel. Und die Verkäuferin, ja, also, alles kein Problem und ich geh jetzt nur mal schnell ins Lager. Und kommt nach zwei Minuten mit drei verschiedenen Deckeln und alle passen wie angegossen und quasi nur noch eine Sache der Entscheidung, welcher. Aber so oder so sicher einen Deckel im Angebot. Passend auf den Topf.
Nein, so gar nicht. Kurz und gut. Auf solch einen Topf passt einfach kein Deckel. Nicht mal mit Biegen und Brechen. Daher war es so unwahrscheinlich. Quasi ausgeschlossen. Und sie wusste auch, dass ich das wusste. Darum eröffnete ich unser Gespräch mit den Worten: «Heh, Du!» «Schön Dich zu sehen!» «Und die Beziehung scheint Dir wirklich gut zu tun!».
Fassungslosigkeit beim Gegenüber. Wie käme ich nur drauf, sie sei in einer Beziehung? Weil, es stimme zwar, aber das könne ich doch gar nicht wissen? Wusste ich auch nicht. Ich habe geraten. Aufgrund dessen, dass dieser Topf, wenn wir mal bei dem Vergleich bleiben wollen, dass dieser Topf auf einmal etwas dickwandiger war. Und jetzt sind Frauen da gar nicht so viel anders als Männer. So lange Single, schöne, stylische Bratpfanne. Sobald Beziehung? Römertopf. Ich glaube, sie verstehen schon, was ich meine.
Andersrum ist es schwieriger. Also mich. Mich aus der Fassung zu bringen. Gelingt nur wenigen. Wenn überhaupt. So wie heute. Wir haben uns einen Weinkeller gemietet. Also keinen Ganzen. Nur ein Abteil in einem. Geht auch weniger um das Abteil, als dem, dem Abteil vorgelagertem, Degustationsraum. Den brauchen wir ab und zu. Aufmerksam darauf wurden wir durch Freunde. Die auch in einem Weinkeller ein Abteil haben. Und uns dies zeigten. Worauf wir uns ebenfalls um eines bewarben. Viel Schrift- und Telefonverkehr später, erhielten wir den Zuschlag. Einige Zeit später auch den Schlüssel. Und den probierten wir heute aus. Pilgerten also zu «unserem» Weinkeller, voller Stolz und Vorfreude und Fassung. Fassung auch. Standen vor der Türe, schoben den Schlüssel ins Schloss. Ging auch ganz leicht. Danach ging aber nichts mehr. Er lies sich nicht drehen. Auch nicht mit viel hin und her und auf und ab und zug und druck. Nichts. Also die Telefonnummer des Vermieters rausgesucht. Mit dem wir vorgängig viel Schrift- und Telefonverkehr. Der meldete sich auch gleich. Und meinte auf meine Frage, ob beim Öffnen der Türe allenfalls ein mir unbekannter Trick angewendet werden müsste. Was er verneinte. Sollte ganz leicht gehen. Ging aber nicht. Nach einigem hin und her dann die Frage. Äehm, wo stehen sie denn? Na wo wohl? Vor der Türe des Weinkellers. Der Weissen. Der Weissen? Äehm, die sollte aber rot sein! Rot? Aber die ist weiss. Wo wir den stünden, Adressenmässig? Na hier, an der XXX-Strasse Nr 14. Aha! Der Weinkeller befindet sich aber an der XXX-Strasse Nr 11. Sie stehe gerade vor dem Keller der Konkurrenz.
Fassungslosigkeit. Ein bisschen auf beiden Seiten. Ist, wie wenn sie eine Wohnung mieten. Die sie vorher besichtigt haben. Also wirklich drin waren. Dann mit dem Vermieter darüber sprachen, die Konditionen verhandelten, beide quasi stundenlang über die Wohnung reden und es nicht merken. Beide reden von jeweils etwas ganz anderem.
Er lotste uns dann per Telefon zum richtigen Keller. Unserem. Und hier zum zweiten Mal fast etwas fassungslos. Weil noch schöner als der erste. Sie werden es sehen. Wenn wir sie denn mal einladen.

Aber bewahren sie bitte Fassung.

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Die sieben Zwerge

Stellen sie sich vor, sie laufen durch den Wald. Die Sonne scheint. Die Vögel krakeelen voller Inbrunst im Geäst. Ab und an duftet eine Hundehinterlassenschaft mit ein paar Kräutern um die Wette. Oder dem Leder ihrer Schuhe. Sie verstehen schon. So für sich betrachtet, ist ein Wald was Wunderschönes. Voller Ruhe. Wenn denn Ruhe herrscht. Weil der Ruhesuchende ja dazu neigt, dabei Geräusche zu machen.  Auf seiner Suche nach der Stille. Meistens pfeift er. Als Jogger entweder aus dem letzten Loch. Oder als halbwegs musisch Begabter aus Ersterem. Was er nur selten tut, ist, sich unsichtbar zu machen. Optisch, wie akustisch. Wenn doch, ist er entweder Jäger und auf der Pirsch oder gerät dann mitunter unter Generalverdacht. Irgendetwas Halbseidenes oder gar illegales vorzuhaben. Jedenfalls. Egal wie. Es fällt auf. Immer. Je mehr sie sich darum bemühen, es gerade nicht zu tun.
Sie laufen also durch den Wald, querfeldein, wo noch erlaubt. Geniessen die Ruhe, nachdem sie eben noch von einem Mountain-Biker fast ins Jenseits oder zumindest ins Krankenhaus befördert wurden. Und auf einmal? Auf einmal stehen sie auf einer Lichtung. Umrahmt von Bäumen. Sanftes Sonnenlicht bildet goldene Inseln. Und mit ihnen sieben Zwerge. Also etwas Grössere. Damit man sie auch sieht. Wobei sie eigentlich ja gar nicht gesehen werden wollen. Die Zwerge stehen völlig unauffällig auf dieser Lichtung rum. Um Nichtsichtbarkeitbemüht . Der eine Zwerg hat die Hände in der Hosentasche, den Blick auf den Boden gerichtet. Sich möglichst klein machend. Der zweite Zwerg, etwas entfernt, tut noch unschuldiger, hat zwar auch die Hände in der Hosentasche, schaut dabei aber nach oben. Einem imaginären Vogel nach. Der dritte Zwerg steht nur da und schaut ins Leere. Der Vierte bohrt in der Nase, wobei ihm der Fünfte möglichst unauffällig zusieht. Nr. Sechs pinkelt gerade an einem Baum und der siebte Zwerg schliesslich, riecht an einer Blume und versteckt sich dahinter.
Sie tun alles, um möglichst nicht gesehen zu werden. Schon gar nicht soll jemand auf die Idee kommen sie seien «Die sieben Zwerge». Auf einer einsamen Lichtung im Wald. Bei der angekommen, jeder unbedarfter Waldwanderer sofort denkt: «Oh, hoppla, so ein Zufall. Diese Überraschung! Die sieben Zwerge, was tun die denn hier!?»
Genauso war es gestern Morgen. Wirklich. Ich schwör. Nur nicht im Wald. Sondern an der Tramhaltestelle. Irgendwo auf meinem Arbeitsweg. Und es waren nicht die sieben Zwerge. Es waren sieben VBZ-Kontrolleure, die aber analog der Zwerge im Wald auf dieser Lichtung, möglichst unverdächtig und vor allem unsichtbar an dieser Haltestelle rumstanden. Einer bohrte sogar in der Nase. Ich habe nämlich den anderen dabei zugesehen, wie er den Nasebohrer beobachtet hat. Unverdächtigkeit zu erregen hoffend.
Und während sie draussen an der Haltestelle so rumstanden, weil sie wohl erst auf das nächste Tram warteten. Wohl in der Hoffnung, darin dann mehr Schüler ohne gültiges Ticket zu erwischen. Währenddessen begannen all die Menschen in meinem Tram zu schmunzeln. Offensichtlich. Belustigt über das Schauspiel, dass sich ihnen so unverhofft an diesem Morgen bot.
Vielleicht sah der Eine oder Andere auch «Die sieben Zwerge!»

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Das Ende

Ich will ja nichts beschwören. Keinesfalls. Nicht das es noch heisst, ich wäre ein Pessimist. Wirklich nicht. Ich schwör. Das Positive sehen. Oder wie meine Mutter immer sagte: «Keine Türe schliesst sich, ohne dass dafür nicht eine andere aufgeht!» Nun ist mein Verhältnis zu meiner Mutter ein eher, sagen wir mal durchaus ambivalentes. Regelmässige Leser wissen das. Aber wo sie recht hat, hat sie recht. In dieser Beziehung immer. Ich bin durch viele offene Türen gegangen. Ein paar gingen auch direkt vor meiner Nase schon wieder zu. Während ich noch im Schwung drauflos. Darum meine Nase. Etwas tendenziös nach links. Wenn man von rechts schaut. Nichts beschwören. Aber. Es muss einmal gesagt sein. Die Welt geht den Bach runter. Punkt. Und nicht nur einen. Marker! Es gibt Marker, an denen lässt sich das festmachen. Quasi. Grossbritannien zum Beispiel. Weltmacht. James Bond. The Kingsman. Harry Potter. Monty Phyton. Mr. Bean. Lamm mit Pfefferminzsauce. Die Queen. Die Welt versank im Wahnsinn? Auf Grossbritannien war verlass. Argentinien wollte auf die Falklands? Die eiserne Lady nahm mal kurz den grossen Hammer aus der Kiste und haute drauf. Krise erledigt. Dabei? Schuldiger war ein kleiner Schrotthändler aus Argentinien. Namens Constantino Davidoff. Wer hätte das gedacht. Ist übrigens der zweite Vorname meines jüngsten Sohnes. Constantino. Eine gewisse Ironie im Leben sei mir gegönnt.
Und jetzt das! Zuerst Brexit und dann auch noch Johnson. Das ist wie Mexiko und Trump. Oder AFD und Sachsen/Brandenburg. Nur schlimmer. Sie wissen, was ich meine. Immer wenn ich denke, schlimmer kann es nun nicht mehr kommen? Rumms! Geht es nochmals drei Etagen tiefer. Jedes Mal. Und oben sitzt einer auf dem Lokus und kackt noch einen dicken Haufen drüber. So wie damals bei einem blind Date. Übers Telefon. Das Gegenüber eine Stimme, wie ein Reibeisen. Bei jedem Ton läuft es in Wellen über den Rücken. Angriff! Abmachen! Zusage. Zittrig im Café sitzen. Mit Blick auf die Strasse. Und dann segelt da eine Fregatte auf dich zu. Aufgetakelt bis über die Toppen. Weit ausladende Hüften. Sehr weit. Nicht nur die. Sie schwitzen schon. Weil instinktiv. Wissen sie es. Es ist die Stimme, die da auf dich zu segelt. Und wäre das nicht schon schlimm genug, denken sie an die drei Etagen, kackt noch Einer einen obendrauf. Sie trägt einen Rock mit Leopardenmuster. Leopardenmuster. Meine sehr verehrten Damen. Es folgt nun eine komplette Liste mit Dingen, denen Leopardenmuster stehen:

Leoparden!

Bitte. Verschonen sie mich. Aber! Jetzt! Wenn sie meinen, das könnte man nicht mehr schlagen? Weit gefehlt. Neben Optimist bin ich auch noch ziemlich tolerant. Gut. Ausser gegenüber Leopardenmustern. Aber sonst schon. Wirklich. Ich schwör. Bis kürzlich auf der Terrasse meines derzeitigen Lieblingsrestaurants. Am Tisch neben unserem. Eine, ziemlich sicher, italienische Familie. Kleines Gedeck. Mit allem. Also rund 20 Personen. Und dem Schwiegersohn. Ein Zweimetermann. 130 Kilo. Mindestens. In Shorts und T-Shirt. Tattoos von oben bis unten. Und nix mit Blümchen oder Herzchen oder Leopardenmuster, oder so. Nein, von der sehr deftigen Sorte. Normalerweise, wenn mir abends so etwas entgegenkommt? Wechsel der Strassenseite durchaus opportun. Also ein Tier. Wirklich. Er grunzte sogar ein bisschen. Mit seiner Vorderseite. Weil ich ihn erst von hinten sah. Bis er sich setzte. Und mir damit seine Vorderseite zudrehte.

Ein Tragegeschirr. Mit Inhalt. Zwei Wochen alt. Ich weiss es. Ich habe gefragt. Während sich seine Partnerin/Kindsmutter daneben Einen hinter die Binde kippte.

Ein Tier. Mit einem Tragegeschirr. Es geht bachab.

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