Knall auf Fall

Die heutige Geschichte hat einen etwas, sagen wir, schalen Nachgeschmack. Hängt auch damit zusammen, wie ich gewisse Ereignisse verarbeite. Mir eilt der Ruf voraus, ich sei etwas unsensibel. Mitunter sogar sarkastisch. Wo das nur her kommt? Woher der schale Nachgeschmack kommt, kann ich ihnen sagen. Wir haben das Glück, in einer nahezu heilen Welt zu wohnen. Hier, in der Altstadt von Zürich. Weil nur ca. 3500 Einwohner. Man kennt sich. Mehr oder weniger. Soziale Kontrolle arbeitet. Fast wie auf dem Land. Daher war dieser Knall auf Fall auch etwas sehr überraschend. Einer der hier ansässigen Mitbewohner kam mit seinem Leben nicht mehr klar. Offensichtlich. Er wählte eine Art Notausgang. Und sprang vom Dach. Letzten Montag. Genau vor die Türe der Reinigung, die meine Hemden wäscht. In Unterhosen. Es ist ja grundsätzlich tragisch. Immer. Wenn ein Mensch aus dem Leben scheidet. Auf welche Weise auch immer. Tragisch auch, dass man es nicht kommen sah. Also man sah es dann schon kommen. Ihn. Durch die Luft. Morgens um 08:00 Uhr. Die Schulkinder waren zum Glück schon durch. Die Angestellten der Geschäfte und Lokale aber noch nicht. Denen sprang er vor die Füsse. Quasi. Die, die es gesehen haben, die müssen jetzt damit klar kommen. Auch nicht ganz einfach. Tragisch. Möge er zumindest jetzt in Frieden ruhen, da er diesen schon nicht vorher fand.

Zurück zur Geschichte. Weil, ich kann es ja nicht ändern. Das Leben wurstelt weiter. Für uns anderen. Geht wie so oft um Werte. Weniger die inneren. Mehr die materiellen. In meinen jungen Jahren war eines meiner Hobbys das Gleitschirmfliegen. Weil Flugangst. Damals. Ich. Sehr. Wenn man vor etwas Angst hat, muss man dem erst recht begegnen. Im vollen Bewusst sein. Sagte mein Vater. Darum Gleitschirm. War am Anfang weniger toll. Später dann mehr. Und Angst? Die verschwand mit der Zeit. Man muss dazu wissen. Ich habe, sagen wir es mal so, einen starken Knochenbau. Mein Grundgewicht war schon immer um die 100 Kilo. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Also ausser bei meiner Geburt. Aber auch damals etwas über der Norm. Meine arme Mutter. Jetzt, wenn etwas mehr Gewicht an einem Gleitschirm hängt, dann kommt man mitunter etwas schneller runter. Sie können sich das so vorstellen. Werfen sie mal aus dem fünften Stock eine Feder und eine Weinflasche aus dem Fenster. Letzteres sollten Sie vorher evtl. leeren. Und achten sie darauf, was unten gerade vorbei läuft. Sie werfen also. Und? Die Weinflasche wird deutlich schneller unten sein, als die Feder. Jetzt stellen sie sich mich als Weinflasche vor. Am Gleitschirm. Alle anderen Flugschüler quasi Federn. Ich nicht.

Meine Landungen waren eist entsprechend. Zumindest zu beginn. Glichen mehr einem Einschlag als etwas anderem. Dass der Fluglehrer aber immer rief „Achtung!! Granate!“. Das hielt ich für etwas übertrieben. Wurde mit der Zeit zwar besser. Aber nicht so sehr, als dass ich dann das Fliegen irgendwann aufgab. Jedenfalls, dass erste was ich tat? Nach meinen Landungen? Schauen ob noch alles dran war. An mir. Keine Knochen gebrochen, etc. Erst danach kam der Schirm an die Reihe. Und zuletzt der Fluglehrer. Der behauptete immer, ich täte das mit Absicht. Und zielte auf ihn. Nur weil ich ein einziges mal gebodigt habe. Und das ganz ohne Absicht. Ich schwör. Heute? Heute haben sich die Werte wohl etwas verschoben. Allgemein. Nehmen sie zum Beispiel einen Unfall. Früher hielt man an und versuchte zu helfen. Heute hält man an und macht erstmal ein Foto. Oder ein Video. Am besten noch ein Selfie. Schlimm. Schämt Euch.

Oder mein Junior. Der überschlug sich kürzlich mit dem Velo. Relativ heftig. Beulen, Prellungen und einen gebrochenen Arm. Aber als er da so auf der Strasse lag? Nicht, wie geht’s mir? Nicht, lebe ich noch? Nein. Ist mein Handy noch ganz? Das war die zentrale Frage. Armbruch? Das ist kein Beinbruch. Quasi. Aber Glasbruch am Handy? Katastrophe.

Zurück zum Sprung vom Dach. Betroffenheit war gross. Weniger wegen des Sprungs. Sondern weil in Unterhosen. Und mitten am hellen Tag. Zum Glück seien die Kinder schon  durch gewesen. Man hätte dazu doch in den Wald gehen können.

Bedauernswerte Familie. Da war eine Frau. Und auch ein Kind. Mein Beileid in dieser traurigen Zeit.

Ruhe in Frieden. Zumindest jetzt.

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Überhitzung

Also! Ich weiss es ja wirklich nicht. Wer auf so glorreiche Ideen kommt. Also eigentlich weiss ich es schon. Stand ja der Name dahinter. In der Zeitung. Es muss wohl an der Hitze liegen. Zum Beispiel dass man im ÖV nur noch auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur runterkühlt. Aussentemperatur ist 36 Grad. Drinnen bläst einen die „Kühlung“ also 30 Grad ins Gesicht. In einem vollbesetzten Zug oder Tram. Wer kommt auf solche Ideen? Angeblich wegen des Klimas. Seien ja nur ein paar Tage. Stimmt. Sind es. Nur ein paar Tage, die es bei uns so heiss wird. Die werden die Energiebilanz vom Rest des Jahres nicht retten. Aber mein Leben. Vermutlich war man aber bei der Beschaffung des Rollmaterials zu geizig. Alles billig. Auch die Klimaanlagen. Ausgelegt auf max. 28 Grad Aussentemperatur. Wer kann den schon damit rechnen, dass es bei uns mal über 30 Grad wird. Wie jedes Jahr im Spätherbst/Frühwinter. Wenn man wieder einmal vöööööllig überrascht wurde. Vom ersten Schnee. Den der Wetterbericht schon 14 Tage vorher ankündigte. Es könnte Leben retten. Meines. Oder das ein paar anderer, insbesondere älterer Herrschaften. Dafür wird dann im Frühling und Herbst auf 18 Grad runtergekühlt. Mehrfach selber erlebt. Auf Nachfrage beim Schaffner folgende Antwort: „Es gehe nicht anders.“ Er könne das nicht regulieren. Aber 14 Tage im Sommer. Da geht das auf einmal. In die andere Richtung. Es müssen ja nicht 18 Grad sein. 24 tun es auch. Aber tut es!
Oder dann diese Person in den Nachrichten. Man überlege sich, den Schulkindern im Sommer drei Monate Ferien zu geben. Drei Monate! Ich weiss schon nicht, wie ich fünf Wochen überleben und organisieren soll. Vermutlich zu lange in einem auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur gekühlten Tram gesessen. Zur Stosszeit. Der Fahrer hat übrigens eine eigene Klimaanlage. Die er selber regulieren kann. Und runterkühlen. Weil, er müsse ja bei Sinnen bleiben bei diesen Temperaturen. Müssen die Passagiere offensichtlich nicht. Warum auch. Müssen ja nicht den ÖV benützen.
Mehr Beispiele? Die Kapitänin, des Flüchtlingsschiffes, die verbotenerweise Italienische Gewässer anfuhr. Mit ein paar Dutzend Flüchtlingen an Bord und ihnen damit, zumindest temporär, das Leben rettete. Die wird verhaftet. Weil sie sich an Seerecht hielt. Und Menschen in Not rettete. Verhaftet. Überlegt mal, was ihr da tut. Oder besser! Überlegt lieber nicht. Weil sonst kommt es so raus, wie oben beschrieben. Geht raus. In den Wald. An die frische Luft. Zu Fuss. Und lauft ein paar Stunden. dann kommen ja vielleicht ein paar bessere Ideen.
Einen schönen, langen und warmen Sommer wünsche ich Euch!

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Orientierung

Ich habs gesehen. Persönlich. Selber. Ich schwör. Geplatzt. Wie ein Luftballon. Der Kopf. Also beinahe zumindest. Von dem Typen. Weil Prinzip Staubsauger. Aufgesogen. Ohne Punkt und Komma. An einer Veranstaltung an der Uni. Öffentliche. Sass er in der Reihe vor mir. Ich konnte es saugen hören. Im Sinne des Wortes. Und weil so viel an Informationen und der Typ eher klein, sein Kopf auch. Peng. In meiner Vorstellung. Aber ein bisschen konnte ich es hören. Ich schwör!
Die Menschen sind verschieden. Die einen benutzen ein Navigationsgerät. Orientierung trotzdem gleich null. Weil alle Informationen einfach abprallen an ihnen. Die Anderen? Die saugen Informationen auf wie ein Staubsauger. Und brauchen dann nicht einmal mehr ein Navi. Weil? Orientierung beruht auf Informationen, richtig? Eben. Also nicht nur die räumliche Orientierung. Auch die, die einem sagt, wo man steht im Leben. Und jetzt, je nachdem wie man umgeht mit den Informationen, weiss man es oder dann halt nicht. Oder bildet es sich ein. Zumindest.
Wie letztens bei besserer Hälfte. Gut, wir waren an einem für uns fremden Schlafzimmer. An einem fremden Ort. Ein schöner, allerdings. Der Ort. Das Schlafzimmer auch. Vorher ein schöner Abend. Fast ganz. Ein kleiner Teil weniger. Wussten wir dann aber erst in eben diesem Schlafzimmer. Wir waren anlässlich dieses schönen Abends am Meer in einem Restaurant. Dort gab es Fisch. Für bessere Hälfte. Der war vielleicht nicht mehr ganz so wie er sein sollte. Vielleicht war es aber auch etwas anderes. Was sicher war? Übel. Besserer Hälfte war es übel. Und musste Nachts ein paar mal auf die Toilette. Die war in ihrem Raum. Links vom Bett. Rechts vom Bett war das Fenster. Mit einem Vorhang davor. Ganz schmaler Spalt geöffnet. Diese Informationen waren bekannt. Hapern tat es dann aber mit der Orientierung. Weil Schlaf und dann Übelkeit und fluchtartiges aufsuchen der Toilette. Mehrfach. Aber jedes Mal zuerst Richtung Fenster. Beim dritten Mal murmelte ich schon bei der ersten Bewegung unter der Decke vor „liiiiihinks!“ Ging dann doch zuerst rechts.
Mit der anderen Art von Orientierung kämpfte ein älteres Paar letztens an der Züri Pride. Züri Pride? Sie wissen schon. Menschen mit einer Art Orientierung, die sich von meiner unterscheidet. Darüber, wo sie im Leben stehen wollen. Und vor allem als was. Die trafen sich alle in Zürich. Anlässlich dieser Pride. Ich übrigens mittendrin. Weil, wenn auch nicht unbedingt ihrer Meinung, so doch ganz amüsant. Party. Auf dem Platz vor der Oper. Darauf tausende von fröhlichen und tanzenden Menschen. Und dieses Paar. Das stand vor dem Theater neben der Oper. Wartete wohl auf den Beginn ihrer Vorstellung. Und während sie so warteten, beobachten sie das treiben auf dem Platz. Ich stand in der Nähe und beobachtete das Paar. Weil, ich schwör! Ich hörte es wieder saugen. Bei beiden. Und anhand ihres Gesichtsausdruckes schloss ich, ihre Orientierung im Leben? Eine andere. Definitiv. Es saugte und saugte.
Jetzt gibt es ja Homosexuelle und Homosexuelle. Die einen leben es eher nach innen. Die Anderen nach aussen. Sehr. Auch in Form als Drag Queens. Haben sie schon mal eine solche gesehen? Ja? Nein? Das Paar mit Sicherheit eher nicht. Es saugte und saugte. Die Informationen. Und auf einmal lösten sich aus der Masse Menschen eine Gruppe Drag Queens. Und lustwandelte. An dem Paar vorbei. Das war der Moment. Wo ich wieder einen Kopf platzen hörte. Weil zu viel Informationen. Die nicht in die Orientierung passten.
Peng!

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Tierische Geschichten

Einen Hund. Ich hätte gerne einen Hund. Wir hätten gerne. Sind mit Hunden aufgewachsen. Immer schon. Nicht einfach nur normale Hunde. Von der Grösse her schon. Farbe und so auch. Aber Charakter. Immer speziell. Sehr. Und immer Vaters Hund. Wir Kinder durften sie streicheln. Füttern auch. Spielen sowieso. Wenn’s ums Folgen ging? Dann nur Vater. Platz zum Beispiel. Wir konnten es ihnen befehlen. Oder vormachen. Oder versuchen, sie zu zwingen. Nichts. Stoisch wie ein Denkmal. Sogar bei Mutter. Bei der auch Vater Platz machte, wenn sie es befahl. Die Hunde? Stoisch. Vielleicht mal ein Blick von der Seite. Aber eher selten. Nicht mal ein Zucken im Schwanz. Die Hunde. Nicht Vater. Vater sah sie nur an. Sitz. Wenn er sie einen Augenblick länger an sah? Eine Zehntelsekunde vielleicht? Dann sogar Platz. Also liegen. Ohne ein Wort. Sie hatten auch ihre Plätze. Auf der Couch. Oder einer Hundedecke auf dem Boden. Oder in der Küche unterm Tisch. Überall. Wenn Vater da war? Neben ihm. Sitz. Immer. Wir hatte zuhause Parkett. Vater auswärts? Dann konnten wir die Hunde an ihren Schwänzen durch die Wohnung ziehen. Kein Problem. Oder ihnen einen Knoten in die Ohren machen. Alles möglich. Vater in seinem Sessel? Hund daneben. Seine Hand auf ihrem Kopf. Wehe, wir sahen sie dann nur an. Oder versuchten sogar, sie zu streicheln. Lefzen fletschen, tiefes Knurren, gefährlicher Blick. Vom Hund auch. So war das.
Darum hätte ich gerne wieder einen. Der wäre dann auch so. Aber wir haben leider keine Zeit für ein Tier. Und ehrlich gesagt. In der Stadt? Möchte ich einem Hund nicht antun.
Letzte Woche. Tram. Im 4er. Von Altstetten nach Tiefenbrunnen. Am Schiffbau. Wir sassen ganz hinten. Mit einer Horde Jugendlicher. Unterwegs ans Vorglühen. Respektive schon voll dabei. Und wie so junge, testosterongesteuerte Halbwilde halt so sind. Eine riesen Klappe. Alle. Über alles. Die Welt, ihr Leben, ihre beruflichen Aussichten, wie schnell sie Kohle machen würden. Und wie viel Frauen sie heute Abend anbaggern und abschleppen. Riesen Klappe. Bis Dammweg. Das sind drei Haltestellen ab Schiffbau. Das Tram hält. Die hintere Tür öffnet sich. Herein trottet ein schneeweisser Mastino. Mit blutunterlaufenen Augen. Eine Leine hinter sich herziehend. Am anderen Ende der Leine? Niemand. Der Mastino, gross wie ein Kalb, trottet also ins Tram. Bis vor zu den Jugendlichen. Schaut sie an. Und legt sich hin. In den Gang. Mittendrin zwischen den acht Jungen. Links im Abteil vier, rechts im Abteil vier. Dazwischen der Mastino. Aus wars mit Vorglühen. Jetzt. Zufällig kenne ich dessen Besitzer. Weiss, dass dieser mitunter etwas heftig mit sich selber beschäftigt ist. Und dann den Hund schon mal vergisst. Der Hund, dem macht das nichts. Der ist die Friedlichkeit in Person. Der weiss wo er zuhause ist. Und zottelt dann halt alleine los. Das er gefährlich aussieht und als Kampfhund gilt, dass weiss er glaubs gar nicht. Wer sollte ihm es auch sagen. Die acht jungen Welteroberer ganz sicher nicht. Ich? Ich sah zu. Und harrte der Dinge, die da kommen. Weil mittlerweile war man am Limmatplatz. Hier wollte man sich dann eigentlich ins Nachtleben stürzen. Man stürzte lieber nicht. Der Hund hat einen Namen. Bruno. Vermutlich würde ich ihn genauso nennen. Obwohl er eher nach Brutus aussieht. Den Platz zu verlassen und aussteigen? Man hätte Bruno beiseite schieben müssen. Oder ihm einfach sagen „Bruno, geh auf die Seite“! Ich weiss das. Die Helden der Nacht wussten das nicht. Die sassen noch bis Bahnhofquai. Dort kam dann eine Dame der VBZ. Voll Elan. Ins Tram. Mit einer dünnen, kurzen Hundeleine. Elan und Befehlston. Sie solle hier einen herrenlosen Hund…. Elan und Befehl. Bis sie Bruno sah. Fertig Elan. Weiter vorne ein Pärchen. Mit einem Mops. Und einer Packung Hundekekse. Eigentlich für den Mops. Das Pärchen sprach die Dame von der VBZ an. Die, die immer noch Prinzip Salzsäule. Man könnte ja vielleicht mit den Hundekeksen versuchen. Das wollte die Dame aber nicht. Offensichtlich. Zum Glück kam dann Einer, der Bruno auch kennt. Leider. Der griff nach seiner Leine. Das Tram hielt den Atem an. Und führte einen etwas verdattert dreinschauenden, weissen, kalbsgrossen Mastino aus dem Tram.
Apropos Tiere. Letzte Woche in Bremen. An einem Abendessen. Es gab Schweinshaxe. Von einem iberischen Schwein. Welches nur Eicheln frisst. Und Wurzeln. Sagt der Kellner. Da tauchte die Frage auf. Ist so ein Schwein dann vegan? Und darf von einem Vegetarier gegessen werden?
Was meinen sie?

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Würdelos

Wir! Also ich! Um genau zu sein. Ich hatte schon einmal eine ganz ähnliche Geschichte. Von wegen der Würde. Obwohl damals weniger Würde. Sondern mehr Yoga. Ich versuchte mich in Sachen Yoga. Was dann in die Hose ging. Im Sinne des Wortes. Also meine Würde verlies mich. Auf eher unkonventionellem Weg. Das wars dann. Mit der Geschichte. Und dem Yoga auch. Jetzt dreht sich ja die Welt im Kreise. Die Menschen darauf auch. Und die Geschichten quasi sowieso. Darum kommt es noch einmal. Das mit der Würde.
Es ist ja offiziös. Steht in gewissen Büchern. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was immer das auch wirklich heissen mag. Weil angetastet wird ja immer. Tag ein, Tag aus. Meist im Kleinen. Abschätzige Bemerkungen. Anderen Menschen gegenüber. Zum Beispiel den Verkehrs regelnden Assistenzdienern am Central. Wenns wieder einmal nicht schnell genug. Und so. Dann wird angetastet. Von extern her. Intern aber auch. Also man sich selber. Man kratzt an der eigenen Würde. Bewusst, oder unbewusst. Bewusst tue ich es gerade einmal die Woche. Bei meiner Physiotherapeutin. Sie ist eine Frau. Und jung. Und fit. Also auch optisch. Ich bin ein alter Sack. Und relativ bis sehr. Sagen wir mal. Unfit. Und ein Mann. Darum ist es mir egal. Wenn ich in schlecht sitzenden Unterhosen neben ihr auf der Matte liege und versuche. Mit aller Inbrunst. Einen Rest von Würde zu bewahren. Während ich meine Übungen machen. Die sie mir vorgibt. Also zuerst dieses Bein und dann das andere Bein und dann halten. Und atmen. Atmen auch noch? Während ich verzweifelt versuche meine Unterhose und vor allem deren Inhalt irgendwie an seinem Platz zu halten. Während meine Beine irgendwo in der Gegend und atmen soll ich dann auch noch? Tief und ein und aus und regelmässig. Beim letzten Mal lies ich meine Blick schweifen. Nein, nicht wegen der Dame. Die hätte nackt neben mir liegen können. Nein, auf der Suche nach dem Standort des Defibrillators.
Das Spannende ist, dass mir in dieser Situation meine Würde am Hintern vorbei geht. Im Sinne des Wortes. Da bin ich realistisch genug. Ich schwör. Es ist wie es ist. Also war versuchen etwas zu zeigen, was man in der Situation nicht mehr zeigen kann.
Ich fahre Zug. Oft. Darum bin ich öfters am Bahnhof anzutreffen. Meist schon etwas früher. Um einen Kaffee zu trinken. Damit ich ansprechbar bin. Weil ohne Kaffee? Kein Ton. Und mürrischer Gesichtsausdruck. Ich habe mein Stammlokal am Bahnhof. Stammlokal heisst, ich trete durch den Eingang. Und der Barmann ruft schon zu seinem Barista „einmal Latte Macchiato und ein Glas Wasser und ein Gipfeli für da trinken“! Das heisst Stammbar für mich. Das schnappe ich mir dann und verzieh mich nach draussen. Weil Kaffee trinken und Leute beobachten. Das geht draussen besser als drinnen. Und normalerweise stehe ich dann einfach auf und gehe zu meinem Zug. Nur letztens. Letztens stimmte etwas nicht. Alles war irgendwie verrutscht. Also kleidungsmässig. Die Bar. Die Bar besteht aus Glas. Sich spiegelnden Glaswänden. Und die sind Schuld daran. Wegen der Würde. Weil am Abend vorher Physio. Übungen. Vor einem Glasspiegel. Und als ich mich umdrehte, um in der spiegelnden Glaswand die verrutschten Kleider….. Und dabei den Hosengürtel öffnete…… da muss ich gedanklich irgendwie beim Spiegel in der Physio….. und keine Würde. Die kam dann erst ganz langsam wieder. Nachdem die zwei älteren Damen auf der anderen Seite der für sie NICHT spiegelnden Glaswand aufgehört hatten zu kreischen……von wegen des vermeintlichen Exhibitionisten draussen.
Zum Glück wars meine Stammbar. Da ist mir meine Würde egal. Sonst gäbe es jetzt eine Neue.

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Der Standpunkt

Also. Das Problem ist. Es ist eine Frage des Standpunktes. Respektive. Die Leute können nicht mehr damit umgehen. Die Einen nicht. Und die Anderen auch nicht. Das war früher anders. Gibt es heute schon auch noch. Aber früher mehr. Heute weniger. Früher war alles eine Frage des Standpunktes. Und wer welchen vertrat, das wusste man. Oder merkte es. Ziemlich schnell. Besonders wenn man selber einen anderen. Es war verlässlich. Wenn Einer einen hatte, Dann vertrat er den auch. Meistens felsenfest. Heute? Heute kommt es nicht mehr auf den Standpunkt an. Die Meisten haben sowieso keinen. Oder für lau. Heute richtet sich vieles nach dem wo man steht. Also auf welcher Seite. Und die ist durchaus flexibel. Und damit auch der Standpunkt. Ein Beispiel.
Ich besitze kein eigenes Auto mehr. Aus Prinzip. Nicht weil ich muss. Freiwillig. Was aber nicht heisst, dass ich nicht mehr Auto fahre. Also als Beifahrer sowieso. Aber auch als Fahrer. Ich habe nichts gegen das Prinzip Auto. Wenn man es vernünftig umsetzt. Darum miete ich durchaus eines. Ab und zu. Hin und wieder. Aber selten. Dafür nutze ich das Tram. Und jetzt spannend. Sitze ich im Tram, vertrete ich einen anderen Standpunkt. Also, einen anderen, als wenn ich im Auto sitze. Im Tram eher Standpunkt Fussgänger gut, Autofahrer böse. Da kann es durchaus zu einer, sagen wir mal, konstruktiven Bemerkung meinerseits kommen. Gegenüber dem Autofahrer. Wenn dieser Beispielsweise wieder einmal den Weg eines Trams kreuzt. Abrupt. Ohne den Rückspiegel zu benutzen. Geschweige denn den Kopf zu drehen. Und ich durchs halbe Tram segle. Mit noch ein, zwei anderen Fussgängern. Kann es kommen. Sehr konstruktiv. Mit Nachdruck. Gebe ich zu. Wenn ich dann aber einmal in einem Auto sitze? Als Fahrer? Dann Standpunkt Autofahrer. Mit Zielgruppe Fussgänger. Stehe ich dann mal vor einem Fussgängerstreifen. Also einem solchen ohne. Ohne Ampel. Und der Fussgänger, der bewegt sich nicht in angemessenem Tempo. Über die Strasse. Also eher langsam. Dann konstruktive ich gerne auch mal den Fussgänger. Durch freundliche Handzeichen. Er möge bitte seinen Hintern doch etwas zügiger auf die andere Seite bewegen. Andernfalls man auch gerne ausstiege und ihm behülflich wäre. Es denn notwendig sei. Und da geht es nicht nur mir so. Ich schwör.
Also. Sie sehen selber. Es ist kaum mehr eine Frage des Standpunktes. Sondern eine wo man steht. Zum Zeitpunkt der Frage. Wie beim Parkplatz vor unserem Haus. Also dessen Zufahrt. Da steht ein Schild. Immer schon. Verkehrsberuhigt. Und nur für Anwohner. Oder Lieferanten. Oder Hotelgäste. Sonst nicht. Interessierte die Menschen mit Standpunkt Autofahrer und Bedürfnis Parkplatz eher weniger. Mich mit Standpunkt Anwohner und Bedürfnis Ruhe, eher mehr. Besonders am Wochenende. Morgens um Vier. Darum immer wieder mal Austausch von konstruktiven Nettigkeiten.
Seit kurzem gibt es noch etwas. Nämlich ein Konzept. Ein Neues. Mit Kamera. Die nimmt nach Sieben Abends die Nummernschilder auf. Und wer keine Bewilligung, der bekommt einen Brief. Mit Einzahlungsschein. Kostet CHF 100.-. Standpunkt Polizei. Woher ich das weiss? Abwarten! CHF 100! Fand ich, mit Standpunkt Anwohner, ganz lustig. Bis letzte Woche. Da war ich kurzfristig wieder Autofahrer. Mit Mietauto. Abends. Nach Sieben. Bedürfnis Parkplatz. Standpunkt Autofahrer. Bewilligung? Natürlich keine. CHF 100.-. Darum weiss ich es. Nicht lustig.
Ich glaube, ich muss denen auf der Wache mal meinen Standpunkt klar machen!
 

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Der Thron

Da schreibt man einmal etwas über seinen Vater. Nur zwei Sätze. Wirklich. Ich schwör. Vielleicht waren es auch drei. Kann sein. Einmal. Schreibt man was. Ein wenig sentimental. Aus Versehen. Ein klitze kleines bisschen nur. Schon geht’s los. Weich geworden aufs Alter. Nachsichtig. Sentimental. Zeigt ungewohnt Gefühle. Kaum wieder zu erkennen. Nicht nur Frauen. Nein. Viel schlimmer. Männer auch. Ich tu’s nie wieder. Versprochen. Ich schwör. Gefühle zeigen. In meinen Geschichten. Also persönliche. Und mehr als einmal «ich schwör» in einer Geschichte zu bringen, auch nicht mehr. Ehrenwort.
Hat aber vielleicht schon etwas mit dem Alter zu tun. Weil, nächste Geschichte auch. Mit der Altersempfindlichkeit. Die grösste Erfindung der Menschheit? Aus Ihrer Sicht? Aber gut überlegen! Kommen sie nie drauf. Vielleicht die, die einen haben. Und das entsprechende Alter. Wie ich. Sonst nicht. Früher. Früher war das anders. Als junger Mensch. So mit 20. Um den Dreh rum. Motorradfahrer. Mit zwei, drei Kumpels ständig unterwegs. Lange Wochenenden. Fahrt ins Blaue. Übernachten irgendwo. Meist im Freien. Oft ein Wald. Weil Hängematte ohne Bäume schwierig. Und Bäume trifft man meistens wo an? Eben. Wir hatten alles dabei, was es zum Überleben brauchte. Eine
Hängematte, einen Schlafsack, Alkohol und was zu Essen. Der Rest war fakultativ. Einen Grillrost. Einen Grillrost hatten wir auch immer dabei. Der war wichtig. Immens. WC Papier nicht. Für was WC Papier? Wir warten jung und harte Kerle und Biker. Und kein WC Papier. Im Wald da hatte es Blätter. Auch in einem Nadelwald. Und da es an einer Harley sowieso immer etwas zuschrauben gab. Die Hände daher meistens schwarz. Da fiel ein bisschen braun kaum auf. Mehr oder weniger. Jetzt, ein paar Jahre später? Saubere Hände. Und ein festes Zuhause. Hängematten nicht mehr. Dafür WC Papier. Die ultimative Steigerung. Dreilagig. Doppelt gepolstert und parfümiert. Mit Noppen. Kann es eine grössere Erfindung geben? Ich dachte nicht. Ehrlich gesagt. Bis zu diesem ominösen Tag. Unser WC war defekt. Und schon ziemlich alt. Anruf bei der Hausverwaltung. Die lies es umgehend ersetzen. Durch einen Closomat. Der Austausch ging schnell von statten. Ein riesen Teil. Unser ökologischer Fussabdruck wird dadurch wieder etwas grösser. Von wegen Strom und so. Als der montiert war meinte der Techniker, er müssen den jetzt noch konfigurieren. Konfigurieren! Er benutzte tatsächlich dieses Wort. Jetzt ist es ja nicht so, dass ich mir erst gestern frische Tannenzweige durch die Arschspalte gezogen hätte. Ich benutze nun schon seit Jahren normale WC. Da musste man noch nie etwas konfigurieren. Einen Closomat schon. Wie er denn den jetzt nun einstellen solle? Ob sanft oder eher hart? Dabei schaute er mich an. Mit einem süffisanten Lächeln. Bei hart. Ich
schwör. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Hart. So hart wie möglich bitte. Der Techniker schraubte an dem Teil herum, murmelte dabei etwas in seinen Bart und meinte nach 5 Minuten, so, ich können ihn nun ausprobieren. Und wenn es dann doch zu hart sein sollte? Dann könne ich das hier und hier etwas weicher einstellen. Weicher! Ich! Der sich Tannenzweige durch den Hintern gezogen hat.
Jetzt weiss ich nicht, ob sie schon einmal eine hatten. Eine Darmspiegelung. Oder einen Einlauf. Einen Einlauf träft es eher. Hatten sie? Dann schliessen sie mal ihre Augen und holen sich die Erinnerung zurück. Die, die noch keinen hatten? Ich sitze also auf dem Thron. Der vor sich hin summt und pfeift. Und drücke auf die Taste. Zuerst passiert noch nix. Das Summen wird etwas lauter. Auf einmal zischt es. Mit Anlauf. Viel Anlauf. Direkt aus der Hölle. Von wegen der Stärke und der Hitze. Voll ins Schwarze. Im wahrsten Sinn
des Wortes. Ich weiss jetzt, wie sich eine Darmspülung anfühlt. Bis hoch zum Magen.
Vermutlich gab ein einen Laut der Überraschung von mir. Einen lauten Laut. Der Techniker fragte durch die geschlossene Türe, ob es ginge? Es ging. Danach. Als wir ihn etwas sanfter einstellten. Viel sanfter.
Beim Blick zurück, in die Schüssel. Ich schwör! Da schwamm eine 36 Jahre alten Tannennadel.

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