Der Standpunkt

Also. Das Problem ist. Es ist eine Frage des Standpunktes. Respektive. Die Leute können nicht mehr damit umgehen. Die Einen nicht. Und die Anderen auch nicht. Das war früher anders. Gibt es heute schon auch noch. Aber früher mehr. Heute weniger. Früher war alles eine Frage des Standpunktes. Und wer welchen vertrat, das wusste man. Oder merkte es. Ziemlich schnell. Besonders wenn man selber einen anderen. Es war verlässlich. Wenn Einer einen hatte, Dann vertrat er den auch. Meistens felsenfest. Heute? Heute kommt es nicht mehr auf den Standpunkt an. Die Meisten haben sowieso keinen. Oder für lau. Heute richtet sich vieles nach dem wo man steht. Also auf welcher Seite. Und die ist durchaus flexibel. Und damit auch der Standpunkt. Ein Beispiel.
Ich besitze kein eigenes Auto mehr. Aus Prinzip. Nicht weil ich muss. Freiwillig. Was aber nicht heisst, dass ich nicht mehr Auto fahre. Also als Beifahrer sowieso. Aber auch als Fahrer. Ich habe nichts gegen das Prinzip Auto. Wenn man es vernünftig umsetzt. Darum miete ich durchaus eines. Ab und zu. Hin und wieder. Aber selten. Dafür nutze ich das Tram. Und jetzt spannend. Sitze ich im Tram, vertrete ich einen anderen Standpunkt. Also, einen anderen, als wenn ich im Auto sitze. Im Tram eher Standpunkt Fussgänger gut, Autofahrer böse. Da kann es durchaus zu einer, sagen wir mal, konstruktiven Bemerkung meinerseits kommen. Gegenüber dem Autofahrer. Wenn dieser Beispielsweise wieder einmal den Weg eines Trams kreuzt. Abrupt. Ohne den Rückspiegel zu benutzen. Geschweige denn den Kopf zu drehen. Und ich durchs halbe Tram segle. Mit noch ein, zwei anderen Fussgängern. Kann es kommen. Sehr konstruktiv. Mit Nachdruck. Gebe ich zu. Wenn ich dann aber einmal in einem Auto sitze? Als Fahrer? Dann Standpunkt Autofahrer. Mit Zielgruppe Fussgänger. Stehe ich dann mal vor einem Fussgängerstreifen. Also einem solchen ohne. Ohne Ampel. Und der Fussgänger, der bewegt sich nicht in angemessenem Tempo. Über die Strasse. Also eher langsam. Dann konstruktive ich gerne auch mal den Fussgänger. Durch freundliche Handzeichen. Er möge bitte seinen Hintern doch etwas zügiger auf die andere Seite bewegen. Andernfalls man auch gerne ausstiege und ihm behülflich wäre. Es denn notwendig sei. Und da geht es nicht nur mir so. Ich schwör.
Also. Sie sehen selber. Es ist kaum mehr eine Frage des Standpunktes. Sondern eine wo man steht. Zum Zeitpunkt der Frage. Wie beim Parkplatz vor unserem Haus. Also dessen Zufahrt. Da steht ein Schild. Immer schon. Verkehrsberuhigt. Und nur für Anwohner. Oder Lieferanten. Oder Hotelgäste. Sonst nicht. Interessierte die Menschen mit Standpunkt Autofahrer und Bedürfnis Parkplatz eher weniger. Mich mit Standpunkt Anwohner und Bedürfnis Ruhe, eher mehr. Besonders am Wochenende. Morgens um Vier. Darum immer wieder mal Austausch von konstruktiven Nettigkeiten.
Seit kurzem gibt es noch etwas. Nämlich ein Konzept. Ein Neues. Mit Kamera. Die nimmt nach Sieben Abends die Nummernschilder auf. Und wer keine Bewilligung, der bekommt einen Brief. Mit Einzahlungsschein. Kostet CHF 100.-. Standpunkt Polizei. Woher ich das weiss? Abwarten! CHF 100! Fand ich, mit Standpunkt Anwohner, ganz lustig. Bis letzte Woche. Da war ich kurzfristig wieder Autofahrer. Mit Mietauto. Abends. Nach Sieben. Bedürfnis Parkplatz. Standpunkt Autofahrer. Bewilligung? Natürlich keine. CHF 100.-. Darum weiss ich es. Nicht lustig.
Ich glaube, ich muss denen auf der Wache mal meinen Standpunkt klar machen!
 

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Der Thron

Da schreibt man einmal etwas über seinen Vater. Nur zwei Sätze. Wirklich. Ich schwör. Vielleicht waren es auch drei. Kann sein. Einmal. Schreibt man was. Ein wenig sentimental. Aus Versehen. Ein klitze kleines bisschen nur. Schon geht’s los. Weich geworden aufs Alter. Nachsichtig. Sentimental. Zeigt ungewohnt Gefühle. Kaum wieder zu erkennen. Nicht nur Frauen. Nein. Viel schlimmer. Männer auch. Ich tu’s nie wieder. Versprochen. Ich schwör. Gefühle zeigen. In meinen Geschichten. Also persönliche. Und mehr als einmal «ich schwör» in einer Geschichte zu bringen, auch nicht mehr. Ehrenwort.
Hat aber vielleicht schon etwas mit dem Alter zu tun. Weil, nächste Geschichte auch. Mit der Altersempfindlichkeit. Die grösste Erfindung der Menschheit? Aus Ihrer Sicht? Aber gut überlegen! Kommen sie nie drauf. Vielleicht die, die einen haben. Und das entsprechende Alter. Wie ich. Sonst nicht. Früher. Früher war das anders. Als junger Mensch. So mit 20. Um den Dreh rum. Motorradfahrer. Mit zwei, drei Kumpels ständig unterwegs. Lange Wochenenden. Fahrt ins Blaue. Übernachten irgendwo. Meist im Freien. Oft ein Wald. Weil Hängematte ohne Bäume schwierig. Und Bäume trifft man meistens wo an? Eben. Wir hatten alles dabei, was es zum Überleben brauchte. Eine
Hängematte, einen Schlafsack, Alkohol und was zu Essen. Der Rest war fakultativ. Einen Grillrost. Einen Grillrost hatten wir auch immer dabei. Der war wichtig. Immens. WC Papier nicht. Für was WC Papier? Wir warten jung und harte Kerle und Biker. Und kein WC Papier. Im Wald da hatte es Blätter. Auch in einem Nadelwald. Und da es an einer Harley sowieso immer etwas zuschrauben gab. Die Hände daher meistens schwarz. Da fiel ein bisschen braun kaum auf. Mehr oder weniger. Jetzt, ein paar Jahre später? Saubere Hände. Und ein festes Zuhause. Hängematten nicht mehr. Dafür WC Papier. Die ultimative Steigerung. Dreilagig. Doppelt gepolstert und parfümiert. Mit Noppen. Kann es eine grössere Erfindung geben? Ich dachte nicht. Ehrlich gesagt. Bis zu diesem ominösen Tag. Unser WC war defekt. Und schon ziemlich alt. Anruf bei der Hausverwaltung. Die lies es umgehend ersetzen. Durch einen Closomat. Der Austausch ging schnell von statten. Ein riesen Teil. Unser ökologischer Fussabdruck wird dadurch wieder etwas grösser. Von wegen Strom und so. Als der montiert war meinte der Techniker, er müssen den jetzt noch konfigurieren. Konfigurieren! Er benutzte tatsächlich dieses Wort. Jetzt ist es ja nicht so, dass ich mir erst gestern frische Tannenzweige durch die Arschspalte gezogen hätte. Ich benutze nun schon seit Jahren normale WC. Da musste man noch nie etwas konfigurieren. Einen Closomat schon. Wie er denn den jetzt nun einstellen solle? Ob sanft oder eher hart? Dabei schaute er mich an. Mit einem süffisanten Lächeln. Bei hart. Ich
schwör. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Hart. So hart wie möglich bitte. Der Techniker schraubte an dem Teil herum, murmelte dabei etwas in seinen Bart und meinte nach 5 Minuten, so, ich können ihn nun ausprobieren. Und wenn es dann doch zu hart sein sollte? Dann könne ich das hier und hier etwas weicher einstellen. Weicher! Ich! Der sich Tannenzweige durch den Hintern gezogen hat.
Jetzt weiss ich nicht, ob sie schon einmal eine hatten. Eine Darmspiegelung. Oder einen Einlauf. Einen Einlauf träft es eher. Hatten sie? Dann schliessen sie mal ihre Augen und holen sich die Erinnerung zurück. Die, die noch keinen hatten? Ich sitze also auf dem Thron. Der vor sich hin summt und pfeift. Und drücke auf die Taste. Zuerst passiert noch nix. Das Summen wird etwas lauter. Auf einmal zischt es. Mit Anlauf. Viel Anlauf. Direkt aus der Hölle. Von wegen der Stärke und der Hitze. Voll ins Schwarze. Im wahrsten Sinn
des Wortes. Ich weiss jetzt, wie sich eine Darmspülung anfühlt. Bis hoch zum Magen.
Vermutlich gab ein einen Laut der Überraschung von mir. Einen lauten Laut. Der Techniker fragte durch die geschlossene Türe, ob es ginge? Es ging. Danach. Als wir ihn etwas sanfter einstellten. Viel sanfter.
Beim Blick zurück, in die Schüssel. Ich schwör! Da schwamm eine 36 Jahre alten Tannennadel.

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Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind.
Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. Seine Freunde. Weil wir wussten ja, wann ungefähr seine Eruptionen kamen. Im Gegensatz zu den anderen Menschen im öffentlichen Raum. Wir nahmen ihn trotzdem überall hin mit. War früher so. Auf dem Land. Auch ins Kino. Aber nur einmal in einen Kinderfilm. Danach nicht mehr. Respektive nur noch in Schnulzen. Wegen der romantischen Kussszenen. Die waren irgendwie der Auslöser. im dunklen Kino. Vorne auf der Leinwand ein sich küssendes Paar. Und auf einmal, aus der Dunkelheit. Die Eruption. Quasi. Hammer.
Mein Tic ist anders. Immer wenn ich eine Frage habe. Dann beginne ich mit „…hast du mal schnell eine Minute?“ Oder auch „….hast Du kurz eine Minute?“ Und dann ärgere ich mich über mich selber. Weil, erstens, bleibt es nie bei nur einer Minute. Schon gar nicht kurz. Und zweitens, setze ich schon in der Frage voraus, dass mein Gegenüber eine hat. Minute. Wobei. Noch schlimmer finde ich die „Sekündler!“ Wenn man durch die Strassen läuft. Und dann hat es da so einen Unterschriftenstand. Mit irgendwelchen unterbezahlten, aber übermotivierten Studenten. „Ey, Du, hast Du mal kurz eine Sekunde?“ Einundzwanzig und Tschüss. Es dauert genau eine Sekunde lang, einundzwanzig zu sagen. Können sie mal messen. Also sage ich einundzwanzig und laufe weiter. Er, oder Sie wollte ja nur kurz eine. Sekunde.
Letztens waren bessere Hälfte und ich beim Essen. In einem Restaurant. Trafen per Zufall Menschen die wir kennen. Und liehen gegenseitig Ohren. Weil erstens wertvoll und zweitens lernt man ja auch Neues dabei. Meistens. In diesem Fall zum Beispiel. Eine Unterform von „hast Du mal eine Minuten? Kurz!“ Und die ging so: Ich habe heute was unglaubliches erlebt. Eine meeeeeega Geschichte! Aber ich erzähl Dir nur die Kurzform. Kurzform. Wir hatten noch nicht mal die Vorspeise. Dann kam der Hauptgang. >Und zum Dessert war sie noch nicht ganz erzählt. Die Kurzform. Der Geschichte. Zwischen drin musste ich Nachfragen. Ob wir noch in der Geschichte sind. Weil irgendwie verloren. den Faden. Die Übersicht sowieso. Aber genial. Das merke ich mir. Ich beginne meine Fragen nun nicht mehr mit der nach einer kurzen Minute. Ich erzähle jetzt Geschichten. In Kurzform. Weil:
Hast Du mal eine Minute = umgerechnet max. 5 Minuten
Geschichte in Kurzform = umgerechnet? Stunden! Quasi
Lassen sie sich davon ja nicht abhalten etwas vom wertvollsten zu verschenken, was sie haben. Ihre Zeit. Und Aufmerksamkeit. Aber hüten sie sich. Wenn wir uns begegnen und ich ihnen „kurz“ etwas erzählen möchte.
Nur kurz! Ich nehme es ihnen nicht Übel. Ich schwör!

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Dingens

Es ist ja meistens so. Das man eine Erfahrung macht. Immer
wieder. Also ich. Nämlich, Dinge sind nicht konsequent zu Ende gedacht. Von
Anfang an. Darum gerät man mitunter ins Stolpern. Die, welche die Dinge ins Leben
gerufen, aber nicht ans Ende gedacht haben. Und die, die die ins Leben gerufene
Dinge benutzen. Und auch nicht ans Ende gedacht haben.
Wie zum Beispiel die EU. EU gründen? Aufnahmeritual? Alles
kein Problem. Schnell ausgedacht. Fertig. Rein kann man immer. Jetzt will aber
jemand raus. Daran hat keiner gedacht. Darum weiss man nicht wie. Warum schon
gar nicht. Auf der anderen Seite die Briten. Die wollen raus. Kurz angedacht
und beschlossen. Das Ende? Offen. Weil eben nicht. Bis dahin gedacht. Dafür
jetzt nackte Menschen im Unterhaus. Als Sinnbild des Chaos. Und vielleicht auch
Entsetzens.
Oder Auftragsvergaben beim Bund. Schnell angedacht und
umgesetzt. Wie die Briten. Raus kommt man nicht mehr. Darum gehen jetzt
Bundesaufträge nach Griechenland. Nix gegen Griechenland. Aber Arbeitsmoral?
Sagen wir mal, leicht konträr zu unserer. Daher zwar günstigster Anbieter. Aber
Projekt mittlerweile zig mal teurer als wenn in der Schweiz. Und ob überhaupt?
Offen. Weil auch hier. Nicht bis ans Ende gedacht.
Barber Shops. Früher Friseure. Oder Coiffeur. Jetzt etwas
trendiger und hipp. Darum Barber Shop. Trend aus USA. In New York, oder anderen
grossen Metropolen? Da hat es einige dieser Shops. Die laufen meistens gut. Es
hat aber auch zig Million Einwohner. In Zürich? Gefühlt noch mehr Barber Shops
als in New York. Fast jeden Monat eine Neueröffnung. Einwohnerzahl? Knapp 500‘000.
Die Hälfte davon Frauen. Kein Zutritt. Weil wo Männer Haare am Kinn, bei Frauen
an den Beinen. Oder sonst wo. Nochmals die Hälfte der Hälfte? Kinder. Auch kein
Zutritt. Weil kaum Bartwuchs. Und vom verbleibenden Rest auch noch mal die
Hälfte? Männer ohne Bart. Gewollt oder manchmal auch ungewollt. Zutritt
sinnlos. Wer jetzt noch einen neuen eröffnet? Trotz doch relativ beschränkter
Nutzer anzahl und mittlerweile grossem Angebot? 
Der hat das vielleicht nicht ganz zu Ende gedacht.
Dies nur einige Beispiele. Hätte noch ein paar mehr.
Unzählige. Aber dann wird’s zu lange. Die Geschichte. Weil. Selber ja auch. Nicht
zu Ende denken. Ich bin eigentlich ganz locker. So im Allgemeinen. Bis auf
wenige Ausnahmen. Die Nutzung persönlicher Hygieneartikel betreffend. Zum Beispiel.
Kürzlich auf Besuch bei meiner Schwester. Mit abendlichen Dinner. An und für
sich ja nichts ungewöhnliches. Kommt aber noch. Der Vogel nämlich, der war
etwas zäh. Eine Flugente, mit deutlich über der zulässigen Höchstanzahl an Flugstunden. Wirkt sich halt aus. Nach dem Verzehr begann jedenfalls die Suche.
Nach Zahnstocher. Welche nicht vorhanden. Ich kann einfach kein vernünftiges
Gespräch führen. Nicht so lange Menschen dabei ständig in ihren Zähnen rumfummeln.
Auf der Suche nach dem nicht vorhandenen Zahnstocher. Darum. Ich habe gewisse
Schweizer Eigenheiten. Zum Beispiel ein kleines Sackmesser im Hosensack. Daran
ein Zahnstocher. Zum absolut eigenen und persönlichen Gebrauch. Das nahm ich
heraus. Den Zahnstocher auch. Um unsere Überlegenheit zu demonstrieren. Und
dass wir gewisse Sachen auch zu Ende denken. Darum zeigte ich demonstrativ und
voller Stolz und geistiger Überlegenheit eben diesen Zahnstocher.
Und was macht meine Schwester? Reisst ihn mir aus den
Fingern und beginnt damit in IHREN Zähnen rumzustochern. Ich fiel nur ganz kurz
in Ohnmacht. Ich schwör. Und entgegen ihrer Behauptung, war ich das Messer in
eine Ecke. Und nicht gezielt auf sie. Weil benutzen kann ich das ja nie mehr.
Fremde Zähne. Wer denkt denn an so etwas.


Wohl auch nicht ganz zu Ende gedacht. Adieu, schönes Sackmesser….


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Relationen

Fake News. Den Begriff kennen heutzutage wohl die meisten Menschen. dahinter stecken Menschen, die entweder Informationen zu ihren Gunsten manipulieren. Oder Meinungen beeinflussen möchten. Ziemlich aktuell heute. Manches mal stecken aber auch einfach nur zur Übertreibung neigende Hysteriker. Meine Vermutung ist ja, das ist keine Erscheinung der Neuzeit. Ich denke mal, das war schon immer so. Nehmen sie nur mal das Buch der Bücher. Ein ziemlich krasses Beispiel. Darum ist es angeraten, mit einem gesunden Mass  an Skepsis durch das Leben zu laufen. Wenn zum Beispiel wieder mal jemand sich bemüssigt fühlt, etwas in der Zeitung kund zu tun. Wie letztens der Reisende nach Arosa. Der sich darüber beschwerte, dass man ihm einfach zwei tote Tiere auf den Sitz gegenüber legte. Ob dies denn erlaubt sei. Und es sich dann herausstellte, es waren zwar zwei tote Tiere. Sehr tot. Schon länger. Es handelte sich nämlich um deren Fell. Ohne Inhalt. Ich mag schon nicht mal mehr den Kopf schütteln.
Oder das Mediale Theater um die verlorene Gans. Aus Plastik. Die, so die Vermutung, von marodierenden Horden, sprich Rekruten im Ausgang, ihrem natürlichen Lebensraum zugeführt wurde. Unter Alkoholeinfluss. Der Rekruten. Nicht der Gans. Weil Plastik. Jetzt nicht unbedingt Kategorie Fake News. Aber Abteilung Hysterie. Als wenn besoffene Russen in Amerika eine Atombombe mitlaufen liessen. Gleiche Aufmachung. Inklusive Militärpolizei, die sich bemüssigt fühlte, zu ermitteln. Offiziell. Ich würde es ja den Hammer finden. Wenn es nicht eigentlich zum Weinen wäre.
Walpurgisnacht. Die Nacht von 30. April zum 1. Mai. Kennen Sie vielleicht. Einige Frauen wissen bestimmt, von was ich spreche. In Bayern, auf dem Land, wo aufzuwachsen die Freude ich hatte, auch eine spezielle Nacht. Sehr sogar. War es doch die Nacht in der sich die Dorfjugend bedankte. Gegenüber den Personen aus dem Dorf, von welchen man sich das Jahr über gepiesackt fühlte. Ob zu Recht oder nicht, sei an dieser Stelle mal dahin gestellt. Wir, sprich meine Eltern, führten einen Gasthof. In eben diesem Dorf. Und da sich mein Vater an strikte Regeln hielt, was Alkoholausschank an Jugendliche betraf? Darum wurden wir regelmässig Nutzniesser dieser Aktionen. In der Walpurgisnacht. Zu dem Gasthof gehörte ein Biergarten. Wie das in Bayern so sein muss. Ein Biergarten ist nun keine Parkanlage, in der Bier wächst. Es ist ein lauschiger Kiesplatz unter alten Bäumen. Bestückt mit Gartenmobiliar. Viel Gartenmobiliar. In unmittelbarer Nähe hatte es noch etwas. Nämlich einen Löschteich der Feuerwehr. Damit man im Falle eines Brandes auch was zum löschen hätte. Und in eben diesem Löschteich, welcher zwar gross, aber nur ca. 60 cm tief war? In diesem Löschteich landete dann regelmässig das Biergartenmobiliar. Und weil wir Kinder damals noch Stil hatten? Darum landete es nicht einfach nur so darin. Nein. Es wurde fein säuberlich demontiert und im Wasser wieder aufgebaut. Inklusive Sonnenschirme. Und eingedeckt wurde auch. Sprich Tischtücher, Besteck und Gläser. Am nächsten Morgen traf sich dann das halbe Dorf am Teich und Kommentierte die Retourverschiebung meines Vaters. Die andere Hälfte half dabei. Bis auf wenige Ausnahmen. Die nämlich, die ein Fuder Mist von ihrem Hausdach zu holen hatten. Und nicht nur den Mist. Das Fuder, welches man aufs Hausdach montiert hatte, auch. Ein Fuder ist übrigens ein alter Wagen aus Holz. Gross. Riesig. Schwer. Eine Meisterleistung. Den auseinander zu nehmen, auf ein Hausdach zu setzen und wieder mit Mist zu beladen.
Jetzt ist mein Vater ja kein dummer Mensch. Der wusste genau, was in der Walpurgisnacht passieren würde. Warum er nichts dagegen unternahm? Er meinte immer, das sei sein Zugeständnis an die Jungen, wenn er ihnen ,vielleicht etwas streng, übers Jahr keinen Alkohol gegeben hat. Sollen sie sich doch austoben. Dafür hätte er sonst seine Ruhe das Jahr über. Und kein Fuder Mist auf dem Dach. Und sie machen ja nichts kaputt. Ausserdem kamen all die Zaungäste nachher zum Frühschoppen.
Ein kluger Mann, finden sie nicht?

In der Zeitung landete das nie. Im Netzt auch nicht. Gab es damals ja noch nicht. Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Mein Vater starb leider ziemlich früh. Mit 62. Gar nicht lange nach der Walpurgisnacht. An seine Beerdigung kamen auch einige der damaligen Jugend. Und man lachte. Über diese Geschichten. Sagte ich schon, dass ich ihn vermisse?

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Samstagmorgen

Das schönste an Wien? Wenn sie schon einmal vor Ort waren, wissen sie es. Ansonsten raten sie. Also? Die Kaffee-Kultur. Und damit verbunden? Die Kaffeehäuser. Meiner Meinung nach. Sehenswürdigkeiten gibt es viele. Überall auf der Welt. Kaffeehäuser nur in Wien. Natürlich können sie auch in Zürich in ein Cafe sitzen. Oder Basel. Bern auch. Oder sonstwo auf der Welt. Den richtigen Kaffeehaus-Groove erleben sie nur in Wien.
Damit ein Kaffeehaus funktioniert, braucht es eine bestimmte Art Mensch als Kellner. Oder Ober. Das können sie nicht lernen. Man wird so geboren oder lässt es gleich wieder sein. Für einen richtigen Kaffeehaus-Ober ist jeder Gast der sich erdreist das Etablissement zwecks Konsumation eines Getränkes zu betreten? Ein persönlicher Affront. Ein potentieller Angriff auf seine Würde und Integrität. Und das lässt er sie spüren. Sofort und unmittelbar. Sollten sie sich erdreisten und ihn zwecks einer Bestellung anzusprechen. Er entscheidet. Wann sie bedient werden. Und ob überhaupt. Sie harren. Aus. Und der Dinge, die da kommen. Oder auch nicht. Wenn er dann aber die Niederungen ihrer Wünsche betritt, ausnahmsweise, also wenn. Wehe ihnen. Wehe, sie kennen ihre Wünsche nicht schon in- und auswendig. Zeigen sie auch nur den Hauch einer Unsicherheit. Sei es auch nur in Form eines kurzen, kaum wahrnehmbaren Zuckens ihrer rechten Augenbraue. Zack. Und weg ist er. Wobei man das Zack nicht falsch interpretieren soll. Zack geht hier gar nichts. Auch nicht der Ober. Gemessen. Er wendet sich ihnen gemessenen Stiles ab. Und schreitet, jawohl, schreitet gemessenen Schrittes von dannen. Ich durfte dies einmal persönlich erleben. Ein sich abwendender Ober und ein Gast, der sich erdreistet hatte und ihm ein „Hallo, ich würde gerne bestellen“ hinterher rief.
Ca. 200 Personen, die sich im Kaffeehaus befanden, hörten es auch. Schlagartig totenstille. Auf sämtlichen Getränken, auch den heissen, bildete sich sofort eine rund zwei Zentimeter dicke Eisschicht. Kennen sie die Geschichte von Lot und seiner Frau? Aus der Bibel. Sodom und Gomorra. Lots Frau erstarrte zur Salzsäule. Als sie sich umdrehte und zurückblickte. Der Ober blickte auf das Hallo nicht zurück. Musste er auch nicht. Der Gast erstarrte dennoch. Quasi. Ich schwör. Und bedient? Bedient wurde er auch nicht.
Also. Sollten sie jemals die Ehre haben. Ein Kaffeehaus betreten zu dürfen. Dann gilt folgende Regel. Der Gast hat sich zu unterwerfen. Bedingungslos. Immer. Dies hat er durch geeignete Körperhaltung und Mimik zum Ausdruck zu bringen. Oder Salzsäule.
Dies geschieht in Wien. Tagtäglich. Und im Volkshaus. In Zürich. Das kommt einem Wiener Original schon sehr nahe. Vom Stil. Vor allem aber von den Kellnern her. Da trugen man heute mehrere hinaus. Erstarrte. Salzsäulen. Ich finds cool. Sass nämlich ganz still und unscheinbar in einer Ecke. Und trank Kaffee. Aus der Thermoskanne. Heimlich. Beobachtend.

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Ausgleich

Wenn sie an Spanien denken, was kommt ihnen dann in den Sinn? In Bezug auf die Menschen. Spanier. Ortsansässige. Aber auch jene im Ausland lebenden. Na? Was? Kann ihnen jetzt schon sagen! Zu weit. Sie suchen viel zu weit. Dabei ist es offensichtlich. Es gibt auch ältere. Spanier. Also über Zwanzigjährige. Deutlich älter sogar. Manchmal habe ich das Gefühl, im Schnitt sogar älter als Schweizer. Oder überhaupt. Man sagt, das liege am Fisch. Oder Olivenöl. Oder der Lebensfreude. Also an allem möglichen. An was es sicher nicht liegt? An den Apotheken in Spanien. Eigenerfahrung. Gestern.

Gehen sie mal in der Schweiz in eine Apotheke. Sie brauchen einen Waffenerwerbsschein. Mindestens. Auch, wenn sie nur irgendwelche Vitamin C Brausetabletten kaufen. Sie werden nur schon argwöhnisch beobachtet, wenn sie sich unbegleitet dem Regal mit den Tabletten nähern. Generalverdacht. Sie Ahnungsloser könnten sich ja versehentlich damit um die Ecke bringen. Und wenn sie sich dann zur Kasse begeben?

– (Streng!) Haben sie ein Rezept?
– (Ansatzlos leicht genervt) Wofür?
– (Strenger!) Für die Brausetabletten!
– (Genervt) Warum?
– (Kasernenton!) Haben sie eines?
– (Motzig) Nein!
– (Professoral tadelnd) Aha!
– (Einschmeichelnd) Brauche ich den eines?
– (Dozierenddieaugenverdrehend) KennenSiedasProduktnehmenSienochandereMedikamentewollenSiesichmitdiesenBrausetabletteneventualvorsätzlichumdieEckebringenoderjemandanderen?

Wenn sie dann entgegen allen Belehrungen dennoch auf das Produkt ihrer Wahl bestehen!

– (Unwirsch) Karte oder bar?

Wenn sie gerade am Bancomat waren und die Taschen gestopft voller Geld haben, wählen sie vermutlich bar. Bei den Medikamentenpreisen in der Schweiz tragen sie anschliessend nicht mehr sehr viel davon auf sich.

Gestern in Spanien. Ein leichtes Kopfweh vom Vorabend. Auf dem Morgenspaziergang eine hiesige Apotheke passierend. Warum also nicht die Erfahrungen aus der Schweiz hier mal gegenprüfen?

– (Sehr freundlich) Guten Morgen. So ein schöner Tag heute. Was kann ich für sie tun?
– (Vorsichtig, äusserst) Wie bitte was?
– (Lächelnd) Ach, es ist so ein schöner Morgen heute. Wie kann ich ihnen helfen?
– (Schüchtern) Ich habe ein klein wenig Kopfweh. Nichts schlimmes. Ich kenne den Grund und brauche sehr wahrscheinlich keine Magnetresonanztomographie. Ich kenne die gängigsten Produkte, bin mit deren Umgang vertraut und gedenke mich nicht zu vergiften und auch keine anderen Personen. Ich bin über 18, habe einen Führerschein und es liegt nichts gegen mich vor. Zudem ist Bargeld in genügender Menge vorhanden und ich nehme auch keine schweren Drogen oder ähnliches.
– (Auch lächelnd) Ach! Sie kommen aus der Schweiz. Wie gefällt es ihnen den hier bei uns? So ein schöner sonniger Tag und sie armer haben Kopfweh. Da wollen wir doch gleich etwas dagegen unternehmen. Ich empfehle Ihnen hier dieses Medikament (in einer Dosierung, an die sie in der Schweiz nicht mal als studierter Arzt kommen!!) Es kostet nur eineurovierzig in der 40er Packung.
– (Ungläubig) Äehm, ja, wenn sie es sagen. Wie viele darf ich den davon nehmen?
– (Mitfühlend) Na, so viel, bis das Kopfweh weg ist. Aber vielleicht nicht gleich die ganze Schachtel auf einmal (grinsend).

Jetzt könnte man ja meinen. Bei so einem lässigen Umgang mit solch potentiell tödlichen Medikamenten ist die Lebenserwartung in Spanien eher tief. Ungefähr so wie die eines nicht korrupten Polizisten in Tijuana, Mexiko. Aber nein. Auf meinem Spaziergang begegneten mir viele ältere Spanier. Auch Abends im Restaurant. Und danach in der Bar. Sehr lustig. Und trinkfreudig.

Kein Wunder, bei diesen Medikamentenpreisen. Übrigens. Es waren auch einige wenige Schweizer in der Bar. Mit deutlich weniger Freude. Man sah es im Gesicht. Wir kamen trotzdem ins Gespräch. Auch über die Berufe, welche man so ausübt. Raten sie mal. Es war ein Apotheker

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Die Geister der Vergangenheit

Samstagmorgen. Im Kosmos. Also. In der Stadt. Nicht das All. Wobei. Wäre ich auch mal gerne. Nur so. Kurz. Schauen, wies so ist. Da oben. Oder unten. Weil Sichtweise. Für die Einen ist oben unten. Und umgekehrt. Das Kosmos in der Stadt? Das ist schon mal der Hammer. Wann immer möglich, verbringe ich hier etwas Zeit. Ist so gar nicht Zürich. Und dann doch wieder. Nicht falsch verstehen. Nichts gegen Zürich. Ich liebe diese Stadt. Andere Städte aber auch. Zürich ist im Gegensatz zu den meisten anderen aber relativ klein. Sehr klein. Keine halbe Million Einwohner. In anderen Ländern ist das noch Dorf. Jetzt hat es aber einige Orte und Plätze in der Stadt. Die strahlen etwas aus. Internationalität. Urbanität auch. Grossstädtisches. Ist fast ein wenig wie ein Städtetrip. Nur näher halt. Billiger nicht unbedingt. Weil Zürich. Aber näher.
Also wenn immer möglich, sprich alleine, dann Kosmos. Viele meiner Geschichten sind hier entstanden. Also sind sie als Leser auch etwas Kosmos. Wenn mal in Zürich auf Besuch? Empfehlung. Nicht gleich Bahnhofstrasse und See. Kosmos. Sie werden es nicht bereuen. Ich schwör.

Also. Alleine mit meinen Gedanken. Bessere Hälfte hat Mädelsweekend im Tessin. Junior ist in der Schule versorgt. Kann also tun und lassen, wie ich will. Ab und zu schaut ein guter Freund vorbei. Oder mehrere. Darum dauern Geschichten hier immer länger. Der Ablenkung wegen. Ablenkung ist hier gross. Viel Publikum. Bunt gemischt. Durchaus auch ältere Semester. Man denkt ja immer. Diese älteren Semester. Eher rückwärts. Traditionsbewusst. Und so gar nicht Kosmos. Dabei. Faustdick hinter den Ohren. Diese Alten. Eigentlich paradox. Weil die Jungen. Heutzutage? Eher Altklug. Die Alten? Die machen dagegen auf jung. Und wie. Persönlich finde ichs ja gut. So lange es nicht kippt. Also Würde. Ein 70-Jähriger auf einer Harley? Da wackelts dann schon. Oder eine 60-Jährige mit einem 25-jährigen Freund. Von mir aus. Wenns Spass macht? Es soll ja durchaus 60-Jährige mit dem Hintern einer 20-jährigen geben. Aber ich will ja nichts gesagt haben. Umgekehrt genauso. Ich finde auch 60-jährige Männer mit einer 25-jährigen Freundin. Also wirklich. Und 60-jährige Männer? Wenn die sich mal von hinten im Spiegel sehen würden. Oha. Dabei ist es dann nicht nur der Hintern, der gegen Süden zieht. Da hat’s dann ja noch anderes.
Also jeder wie er will und ganz nach seiner Fasson. Nur eines. Eines geht dann wirklich nicht. Ich sage nur „Taschentuch“.
Wann wird ein Mensch wirklich alt? Wenn er eine Brille braucht? Oder Morgens eine Stunde, um aus dem Bett zu kommen? Oder man im Tram einen Platz angeboten bekommt? Freiwillig! Dann? Nein. Es passiert mit dem Taschentuch. Und den Enkeln. Gerade kürzlich wieder. Eine gute Freundin. Durchaus auch als Frau anziehend. Sie verstehen, was ich meine. Mittlerweile Oma geworden. Wir trafen uns auf einen Kaffee. Mit dem Enkel. Macht ja nichts. Ich habe kein Problem mit Kindern. Solange es nicht meine sind. Es hatte sowieso einen Spielplatz in der Nähe. Also Oma da, Kind weg, Kaffee und etwas Stärkeres auf dem Tisch. Gutes Gespräch. Auch übers älter werden. Dass man sich selber noch gar nicht so als Alt betrachte. Im Gegenteil. Gibt ja auch junge Grosseltern. Also junggebliebene. Man zähle sich selber auch dazu. Und dann kam Enkel. Zurück. An den Tisch. Rotzende Nase. Tränen im Gesicht. Die Schaukel hat ihn wohl etwas unglücklich erwischt. Beim Absteigen. Also Rotz und Tränen im Gesicht. Und was macht Oma? Mit der man sich gerade noch über wilde Zeiten und Sex und Gefühle und noch gar nicht alles vorbei unterhalten hat? Was macht sie?

Schnappt sich den Enkel. Und ein Taschentuch. SPUCKT DARAUF! Und wischt ihm das Gesicht damit ab. SPUCKE! Auf einem Taschentuch.

Das ist so etwas von Oma, da kann der Hintern noch so gut in Form geblieben sein. DAS machte meine Grossmutter auch

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Glücksritter

Was lassen sie zurück? Der Welt. Wenn sie gehen müssen. Also zeitlich. Das Zeitliche segnen. Lassen sie überhaupt etwas zurück? Ausser eine hoffentlich sauber aufgeräumte Wohnung. Und einen einigermassen geordneten Nachlass. Ist zur Zeit ja ganz gross in Mode. Nicht nur bei Menschen meinen Alters. Listigerweise auch schon bei Jüngeren. Wobei das Thema an und für sich ja eher weniger. Also lustig. Für einen selber, der etwas hinterlässt. Und die Anderen, die den Mist mitunter aufwischen müssen, auch nicht.
Zum Glück muss ich mir darüber keine Gedanken mehr machen. Meine Hinterlassenschaften wandelt schon auf Erden. Derer drei an der Zahl. Mindestens. Also, von denen ich weiss. Man weiss ja nie alles. Auch nicht, wenn dann der Moment kommt. Was genau ich meiner Hinterlassenschaft alles hinterlasse, nun, diese Überraschung will ich ihnen nicht vornweg nehmen. Das halte ich es eher so wie Ostern oder Weihnachten. Überraschungseffekt, quasi. So viel Spass muss sein. Also mir. Mir gegönnt werden. Damit ich dann mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Sie verstehen. Was ich aber jetzt schon sagen kann? Ich hoffe, ich konnte ihnen ein paar kleine Lebensweisheiten mit auf den Weg geben. Zum Beispiel, sich eine gewisse Gelassenheit zu eigen zu machen. Sich selber und das Leben nicht allzu ernst zu nehmen. Seinen Mitmenschen und dieser Welt mit etwas Wertschätzung zu begegnen. Und das Wichtigste von allem? Während des Laufens nicht zu Gamen oder die Zeitung zu lesen.
Das mit dieser Gelassenheit ist mir erst wieder dieses Wochenende bewusst geworden. In Bern. Anlässlich einer Hochzeitsfeier. Viele Leute. Aus allen Ecken und Enden des Lebens. Bunt gemischt. Und, im Gegensatz zu Zürich, sehr gelassen im Umgang miteinander. Nicht diese Dünkel. Wer bin ich, was habe ich, wer bist Du, was hast Du, wie wichtig bist Du und so weiter. Nein, völlig easy. Am späten Abend, noch auf einen Schlummerbecher in unserem Lieblingslokal in Bern. Auch da ein ungezwungenes miteinander. Punker neben Anzugträger. Pensionär neben Jungspund. Nüchtern neben volltrunken. Dennoch keine Hektik. Am Nebentisch ein Geschichtenschreiber. Schreibt ein Wort. Steht auf. Geht vor die Türe. Raucht. Kommt zurück an den Tisch. Überlegt. Lange. Schreibt ein Wort. Steht auf. Geht nach draussen….. alles sehr gelassen.
Mir geht diese Gelassenheit mitunter etwas abhanden. Dann, wenns pressiert. Obwohl ich es meinen Jungen immer wieder predige. Langsam. Geduld. Gelassenheit. Nachdenken. Konsequenzen beachten. Sonst wird das Leben zu einem Glücksspiel und ihr zu Glücksritter. Mir geht sie manchmal ab. Diese Gelassenheit. Wie heute Mittag. Aber nur, weil es wirklich pressant.
Jetzt muss man wissen. Meine Verdauung. Die ist im Prinzip sehr gut und ganz einfach. Frühstück. Etwas Ruhe. Quasi alles sich setzen lassen. Und ich mich dann auch. Auf die Toilette. Nur heute. Heute nicht. Weil schönes Wetter. Und unbedingt nach draussen. Bewegung an der frischen Luft. Das freut nicht nur mein Gemüt. Das freut auch meinen Darm. Und weil so mangelnde Gelassenheit am Morgen? Dann Meldung während des Spazierganges. Mit Nachdruck. Immensen Druck. Zum Glück waren wir schon in der Nähe. Einer Freiluftbeiz mit Toilette. Aber ich nicht mehr so ganz gelassen und in Eile. Ab in den Container mit den Toiletten. Drei Kabinen. Alle drei leer. Unter solchen Umständen? Immer links. Weil Aussenwand. Tragend. Müssen sie jetzt nicht verstehen. Ich erklärs ihnen dann schon mal. Also rein in die linke Kabine. Mit Vollgas. Türe zu, Jacke weg, Hose runter, alles in einem. Quasi. Die Verdauung. Sie verstehen. Und während ich mich setze, sehe ich ihn. Lustig, denke ich mir. Ein Sicherungskasten auf einem WC, in einer Toilettenkabine. Unerreichbar hoch. Zumindest auf der Schüssel sitzend.
Jetzt. Mit etwas mehr Gelassenheit. Hätte ich mir wohl eine andere Kabine ausgesucht. Dann wäre ich auch nicht zum Glücksritter geworden. Weil, während ich noch darüber nachdenke. Was macht wohl ein Sicherungskasten auf dem WC? Peng. Licht weg. Zappenduster.

Spätestens jetzt half nur noch eines. Gelassen bleiben. Sehr gelassen. Wo ist das WC Papier? Wie stelle ich im Dunkeln sicher, dass dies auch AUSREICHEND benützt wird? Und hoffentlich kommt jetzt niemand, um die Sicherung wieder reinzudrücken.

Also Jungs. Merkt Euch das. Etwas Gelassenheit bringt euch weiter im Leben. Auch wieder runter von einer Schüssel.

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Die Sache mit der Toleranz

Es regt mich nicht auf. Wirklich nicht. Ich schwör. Wieso auch. Warum sollte ich. Erst Mal ein grosses Dankeschön. Ans Opernhaus. In Zürich. Respektive dessen Geschäftsleitung. Dass sie das ermöglichen. Quasi einen Monat lang. Und erst noch gratis. Ist vielleicht der Grund. Aber ich reg mich nicht auf. Echt nicht. Ich hab’s versprochen. Der besseren Hälfte. Weil, kurz davor. Kennen sie Maikäfer? Die echten? Lebendigen! Nicht die aus Schoggi. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch. Früher gab’s die zu Haufe. Im Frühling. Darum ja Maikäfer. Wir haben die gesammelt. Mit ein paar Blättern in ein Einmachglas gesteckt. Und als Haustiere gehalten. Bis Vater kam. Das sei Tierquälerei. Lasst sie frei. Die wollen auch das Leben geniessen. Und ihre Freiheit. Also gingen wir nach draussen, öffneten das Glas und setzten uns die Käfer auf die Hand. Die begannen sich aufzupumpen und flogen davon. Fadengerade in den Schnabel eines vorbeifliegenden Vogels. So viel zum Geniessen. Und Freiheit.
Das mit dem Pumpen. Das ist das Stichwort. Ich begann nämlich auch schon damit. Mich aufzupumpen. Weil doch ein bisschen aufgeregt. Bessere Hälfte kennt mich mittlerweile. Und lies mir quasi die Luft ab. Ehe ich davon flog. Vielleicht geradewegs ins Verderben. Wie anno dazumal die Maikäfer. Schuld daran ist die Oper. Dazu muss man wissen. Die Oper gibt Konzerte. Das ganze Jahr über. Im Advent auch. In kleinem Rahmen. Sie nutzt dazu das Foyer. Jeden Abend. Vom 1. bis zum 23. Dezember. Es gibt immer zwei Stücke. In der Schweiz sagen wir dazu: „Ein Müsterli“! Um die Leute auch etwas anzufixen. Doch mal eine bezahlte Vorführung zu besuchen. Also stauen sich jeden Abend die Horden vor dem Eingang. Sobald sich die Türen öffnen? Alle Mann rein. Mit Volldampf. Wie seinerzeit die Alliierten. In der Normandie. Ohne Rücksicht auf Verluste. Oder die Hunnen. Im alten Rom. Es hat nämlich nur beschränkten Platz. Ein paar wenige reguläre Sitzplätze. Sind die weg, wird gestanden. Oder auf den Treppen gesessen. Macht aber nix. Weil nur zwei Stücke. Quasi rein, 15 Minuten Kultur. Und wieder raus. Fertig.
Jetzt könnte man ja denken. Oper. Kultur. Klassische Musik. Da kommt nicht jeder. Nein. Da kommen Leute mit Erziehung. Und Freude an klassischer Musik. Mit etwas Bildung vielleicht. Ha! Gratis. Ahnen sie’s? Ich. Rege. Mich. Nicht. Auf. Hab’s versprochen. Sie ahnen es vielleicht schon. Krethi und Plethi. Vom Feinsten. Also allerschlimmsten. Weil gratis. Das ist das Problem. Wenn man es nicht selber gesehen hätte. Sie würden es nicht glauben. Sicher. Es sind nur 15 Minuten. Und es ist gratis. Also was reg ich mich auf. Aber ist das eine Entschuldigung? Keine Erziehung zu zeigen? Ich kann ja verstehen. Sie haben Hunger. Und können es nicht noch 15 Minuten aushalten. Und der Dönerstand ist ja in unmittelbarer Nähe. Also warum nicht rein mit dem Döner. In den Magen und ins Opernhaus. Direkt neben mir. Mit offenem und vollem Mund. Und so ein Döner, der sieht zwar saftig aus. Ist aber scheinbar trocken. Staubtrocken. Darum nächste Gelegenheit nutzen. Glühweinstand. Also wenn schon mit Döner in die Oper, dann auch gleich noch Glühwein. Immer schön abwechselnd. Biss Döner, Schluck Glühwein. Das Papier dann in den Becher. Neben mir. Ich pumpe. Luft.
Ist aber noch nicht mal das Schlimmste. Schlimmer sind die Mütter. Die meinen, ihrem frischen Nachwuchs ein besonderes Erlebnis bieten zu müssen. Auch in die Oper. Also ins Foyer. Der Nachwuchs? Was meinen sie? Interessiert an kulturellem Erlebnis? Der kackt ihnen was. Aber so etwas von! Und nicht nur in die Windel. Aber man muss ja tolerant sein. Waren die Musiker auch. Als sich der krabbelnde und kackende Nachwuchs auf die Reise machte. Zu den Musikern. An den Hosenbeinen hoch. Während des Konzerts. Mutter fand’s lustig. Ich war nahe dran zu werfen. Mit den Resten des Döners. Wusste nur nicht ob Mutter oder Nachwuchs. Zuletzt hätte ich noch den Musiker getroffen.
Zwei Stücke. Noch während des ersten Stückes laute Stimmen. „Geht’s noch lange?“ „Ich will einen Crêpe!“ Mütter fanden’s lustig. Nach dem zweiten Stück? Die Melodie der Musik noch in mir nachhallend. Hunnen. Jetzt aber raus aus Rom. Zum Weihnachtsmarkt. Hat’s euch gefallen Kinder? Ja? Kommen wir morgen wieder? Weisch, isch ja gratis. Koschtet nüt.

Ich pumpe immer noch. Und die leeren Becher, euren Müll, die nehme ich auch noch mit. Weil, wenn schon keine Erziehung, dann aber konsequent!

Maikäfer flieg……

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