Würdelos

Wir! Also ich! Um genau zu sein. Ich hatte schon einmal eine ganz ähnliche Geschichte. Von wegen der Würde. Obwohl damals weniger Würde. Sondern mehr Yoga. Ich versuchte mich in Sachen Yoga. Was dann in die Hose ging. Im Sinne des Wortes. Also meine Würde verlies mich. Auf eher unkonventionellem Weg. Das wars dann. Mit der Geschichte. Und dem Yoga auch. Jetzt dreht sich ja die Welt im Kreise. Die Menschen darauf auch. Und die Geschichten quasi sowieso. Darum kommt es noch einmal. Das mit der Würde.
Es ist ja offiziös. Steht in gewissen Büchern. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was immer das auch wirklich heissen mag. Weil angetastet wird ja immer. Tag ein, Tag aus. Meist im Kleinen. Abschätzige Bemerkungen. Anderen Menschen gegenüber. Zum Beispiel den Verkehrs regelnden Assistenzdienern am Central. Wenns wieder einmal nicht schnell genug. Und so. Dann wird angetastet. Von extern her. Intern aber auch. Also man sich selber. Man kratzt an der eigenen Würde. Bewusst, oder unbewusst. Bewusst tue ich es gerade einmal die Woche. Bei meiner Physiotherapeutin. Sie ist eine Frau. Und jung. Und fit. Also auch optisch. Ich bin ein alter Sack. Und relativ bis sehr. Sagen wir mal. Unfit. Und ein Mann. Darum ist es mir egal. Wenn ich in schlecht sitzenden Unterhosen neben ihr auf der Matte liege und versuche. Mit aller Inbrunst. Einen Rest von Würde zu bewahren. Während ich meine Übungen machen. Die sie mir vorgibt. Also zuerst dieses Bein und dann das andere Bein und dann halten. Und atmen. Atmen auch noch? Während ich verzweifelt versuche meine Unterhose und vor allem deren Inhalt irgendwie an seinem Platz zu halten. Während meine Beine irgendwo in der Gegend und atmen soll ich dann auch noch? Tief und ein und aus und regelmässig. Beim letzten Mal lies ich meine Blick schweifen. Nein, nicht wegen der Dame. Die hätte nackt neben mir liegen können. Nein, auf der Suche nach dem Standort des Defibrillators.
Das Spannende ist, dass mir in dieser Situation meine Würde am Hintern vorbei geht. Im Sinne des Wortes. Da bin ich realistisch genug. Ich schwör. Es ist wie es ist. Also war versuchen etwas zu zeigen, was man in der Situation nicht mehr zeigen kann.
Ich fahre Zug. Oft. Darum bin ich öfters am Bahnhof anzutreffen. Meist schon etwas früher. Um einen Kaffee zu trinken. Damit ich ansprechbar bin. Weil ohne Kaffee? Kein Ton. Und mürrischer Gesichtsausdruck. Ich habe mein Stammlokal am Bahnhof. Stammlokal heisst, ich trete durch den Eingang. Und der Barmann ruft schon zu seinem Barista „einmal Latte Macchiato und ein Glas Wasser und ein Gipfeli für da trinken“! Das heisst Stammbar für mich. Das schnappe ich mir dann und verzieh mich nach draussen. Weil Kaffee trinken und Leute beobachten. Das geht draussen besser als drinnen. Und normalerweise stehe ich dann einfach auf und gehe zu meinem Zug. Nur letztens. Letztens stimmte etwas nicht. Alles war irgendwie verrutscht. Also kleidungsmässig. Die Bar. Die Bar besteht aus Glas. Sich spiegelnden Glaswänden. Und die sind Schuld daran. Wegen der Würde. Weil am Abend vorher Physio. Übungen. Vor einem Glasspiegel. Und als ich mich umdrehte, um in der spiegelnden Glaswand die verrutschten Kleider….. Und dabei den Hosengürtel öffnete…… da muss ich gedanklich irgendwie beim Spiegel in der Physio….. und keine Würde. Die kam dann erst ganz langsam wieder. Nachdem die zwei älteren Damen auf der anderen Seite der für sie NICHT spiegelnden Glaswand aufgehört hatten zu kreischen……von wegen des vermeintlichen Exhibitionisten draussen.
Zum Glück wars meine Stammbar. Da ist mir meine Würde egal. Sonst gäbe es jetzt eine Neue.

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Der Grünflächen-Bisler

Wissen sie, was ein Bisler tut? Kennen sie das Wort überhaupt? Ein Bisi machen? Kam kürzlich an einer Diskussion auf. Jetzt fragen sie bitte nicht, Mann, was führt der für Diskussionen? Fragen sie nicht. Weil, manchmal frag ich mich selber. Wirklich. Ich schwör. Aber zurück zum Bisler und ein Bisi machen. Ich kenne den Begriff. Natürlich. Begleitete mich durch meine Jugend. Darum wollte ich es wissen. Von meiner Jungmannschaft. Beim z’Nacht. Wisst ihr, was ein Bisi ist? Die Antwort des Jüngsten? Bisi?? Juhu! Wir bekommen eine Katze! Also wirklich. Und nein! Ihr bekommt natürlich keine. Und einen Hund schon gar nicht. Auch nicht an Weihnachten. Worauf mir bessere Hälfte zerknirscht ins Gesicht schaut und schon wieder Augenwasser bekommt. Nix! Ich will kein Vieh in der Wohnung. Nicht in der Stadt. Und schon gar nicht so einen Grünflächen-Bisler.

Damit ist es ja schon fast aufgelöst. Das Rätsel. Von wegen Bisler und Bisi. Also ein Bisler ist ein Mensch, vorwiegend männlicher Natur, der seinem/einem Drang nachgibt. Und irgendwo in die Pampa pinkelt. Und das Bisi ist das, was er dabei hinterlässt. Bevorzugt während grösseren Veranstaltungen an den Hauswänden der Stadt. Was dann hin und wieder beginnt zu riechen. Und weil das alles noch nicht reicht? Darum beschaffen sich manche dieser Stadtmenschen einen Grünflächen-Bisler. Sprich einen Hund. Der muss dann ab und zu raus. Wie der Mensch auch. Die Gelegenheit nutzend, der Hund, lupft er dann ein Bein. Auf einer der raren grünen Flächen der Stadt. Ein Bisi hinterlassend. Bestenfalls. Im anderen Fall wirds grusig. Sie verstehen, was ich meine.

Grusig war’s heute Morgen auch. Im Tram. Schuld daran? Eine Frau! Stopp! Nicht was sie jetzt denken. Nicht ganz so schlimm. Weil, es war eine entfernte Bekannte. Nicht dass sie jetzt denken, Bekannte von mir machen ins Tram und ich fände es drum weniger grusig. Ich würde es nämlich genauso finden. Schlimm. Aber darum geht’s ja gar nicht. Wir treffen uns ab und zu. Meist zufällig. Auch nicht nur im Tram. Wohnt nämlich auch im Dorf. Und normalerweise ganz sympatisch und wenig grusig. Ausser heute. Im Tram. Ich weiss gar nicht mehr, wie wir darauf kamen. Halt! Doch. Jetzt fällt es mir wieder ein. Wo ich die Kinderstimmen höre. Im Büro. Zukunftstag. So nennt man das bei uns, wenn die Lehrer keine Lust mehr haben. Oder Nerven. Keine Nerven mehr. Und darum die Kinder den Eltern aufhalsen. Tagsüber. Als hätten die nicht schon genug am Hals. Nennt man dann Zukunftstag. Sie sehen dann, wie es aussieht. Wenn sie denn selber mal alt genug und eigene Kinder. Und wieder Zukunftstag. Darum gibt es vielleicht immer weniger. Kinder. Jedenfalls trafen wir uns im Tram. Sprachen über diese und jenes. Auch eben diesem Tag. Und wie es früher war. Als unsere Kinder noch mussten. Damals. Ihrer durfte mal bei einem Kaiserschnitt zusehen. Irgendwie. Wollte schon ins Detail gehen. Fragen sie nicht. Männer sind da sensibel. Alle. Äusserst. Sogar Metzger. Darüber landeten wir dann generell beim Thema. Geburt. Und dem Zusehen. Dabei. Weil, jetzt lustig. Beide sind ja dabei. Männer, meist, und Frauen auch. Immer. Natürlich. Aber die Frauen bekommen es ja nicht mit. Zum Glück. Von wegen ganz spezieller Moment im Leben eines Jeden. Der da dabei zusehen darf. Magisch. Quasi. Heisst es. Dabei wollen die nur nicht, dass der Mann einen auf Party macht, während sie die Arbeit. Ich kann ihnen etwas sagen. Mit Nachdruck. Grusig. All das Blut und das Geschrei und Gestöhne und die Flüssigkeiten und der Dammschnitt. Nur weil immer alle ein bisschen Verklärt! Und so. Nicht mit mir. Ich hab’s gesehen. Bei Zwei von Dreien. Das und noch einiges mehr. Zum Beispiel eine Nachgeburt. Ganz dicht. Vor meinen Augen. Seitdem esse ich keine Blutwurst mehr. Leberwurst schon noch. Aber das Andere? Nein danke.

Dann doch lieber einen Grünflächen-Bisler. Habe ich das jetzt wirklich gesagt? Nicht nur gedacht? Warum schaut bessere Hälfte auf einmal so komisch?

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Endcool

Letztens habe ich von der Reise nach Italien berichtet. Hin und zurück. Das dazwischen lies ich mal aussen vor. Weil Geheimtipp. Also dieser Ort, an den ich schon seit mehreren Jahren immer wieder mal fahre. Dachte ich zumindest. Entweder nämlich im tiefsten Winter. Dann, wenn ich genug habe von Bergen und Schmuddelwetter. Wenn Weite angesagt ist und das Licht des Mittelmeers. Dann allerdings zu kalt. Das Wasser. Reicht gerade für den grossen Zeh. So aus Prinzip. Damit ich’s behaupten kann. Ich hätte es getan. Am 23. Dezember. Den grossen Zeh im Meer gehabt. Also nach aussen tönt’s dann ein wenig anders. Schwimmen. Ich war dann im Meer schwimmen. Ich schwör. Während sich die anderen in der Schweiz eine Schlacht liefern. Um die besten Plätze am Glühweinstand. Oder die schönsten Tannen für den Weihnachtsbaum. Dann sitze ich gerne noch einmal unter Palmen.
Oder dann im Hochsommer. Wenn mir nichts anderes mehr einfiel. Und das Geld für einen dreiwöchigen Seychellen Urlaub nicht reicht, weil Mischpoke. Sprich Kind und Hund und Katz und Kegel. Mehrere Kinder. Dann gerne auch im Hochsommer. Wenn’s noch Platz hat. Was es lustigerweise immer wieder hat. Nicht am Strand. Aber zum Schlafen. In festen vier Wänden. Nicht im Schlafsack am Strand. Dafür zu gebrechlich, mittlerweile. Der Hund. Nicht ich.
Also kurz und gut. Ich kenne den Ort Sommers wie Winters. Nicht im Herbst. Im Herbst war ich noch nie. Dieses Jahr erstmals. Und sie werden’s nicht glauben. Wetter wie im Sommer. Sonne satt. Nur nicht mehr ganz so glühend heiss. TipTop halt. Wasser? Wie zuhause in der Badewanne. Wirklich noch angenehm. Also ohne den Bauch bis zur Wirbelsäule einzuziehen, wenn das Wasser steigt. Über den Bund. Der Badehose. Das Beste? Kaum noch Leute. Zwar nicht mehr ganz alle Restaurants offen. In der zweiten Reihe lückt es schon. Vorne am Meer noch alle. Aber die wichtigsten zwei, drei und drei, vier Bars, die haben noch offen. Und Zeit. Die Leute haben Zeit. Nach dem zweiten Tag in der gleichen Bar? Quasi Einheimischer. Fast. Am dritten weiss man was sie trinken und essen. Wunderbar. Nach dem vierten Tag wollen sie gar nicht mehr nach Hause. Also ich zumindest.
Jetzt wegen des Geheimtipps. Kennen sie Lyon? Immerhin zweitgrösste Stadt Frankreichs. Sagt Lyon. Marseille sagt das auch. Darum Lyon und Marseille wie Zürich und Basel. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Also. Kennen Sie’s? Nein, nicht dem Namen nach. Waren sie schon einmal dort? Persönlich selber? Aha! Lustigerweise nämlich nicht. Zumindest nicht die Leute in meinem Umfeld. Dabei liegt Lyon eigentlich sogar näher. Als der Geheimtipp. Ich persönlich finde Lyon das schönere Paris. Niemand aus der Schweiz geht hin. Voila! Geheimtipp. So kann es auch bleiben.
Das dachte ich von Camogli eigentlich auch. Vielleicht zu Nahe an Genua. Dann ist es vielleicht zu dreckig. Aber zu weit weg von Portofino. Darum, wenn schon, dann gleich nach Portofino. Aber Camogli? Geheimtipp. Im Winter. Und im Sommer. Im Sommer Italiener. Nicht nur die eigenen. Auch viele andere. Aus ganz Italien. Der Strand in Camogli? Der ist relativ. Relativ übersichtlich. Von der Grösse her. Im Sommer, da steht Einer an einem Ende. Und alle 15 Minuten ruft er. „Umdreeeeeehen!“ Ich schwör! Dann dreht sich der ganz Strand vom Bauch auf den Rücken. Weil kein Platz. Also so viel Italiener. Alle Viertelstunde. Das ist wenn die Kirchenglocke die Anzahl der vollen Stunden schlägt. Erst. Und dann die Anzahl der entsprechenden Viertelstunde. Sie erinnern sich. Um 12.45 Uhr als erst 12 mal und dann 3 mal. Und nicht 45 mal, wie ich aufgrund meiner letzen Geschichte einer Kollegin erklären musste. Sie war schon ein wenig angeschickert. Zu Ihrer Verteidigung. 45 mal….. Meine Fresse.
Also. Im Sommer ist es voll. Sehr. Im Winter ist es leer. Auch sehr. Nur ein paar arme verhuschte Seelen auf der Suche. Nach sich, dem Sinn des Lebens, einem neuen Partner, dem Glück..was auch immer. Aber im Herbst? Übersichtlich. Absolut. Am ganzen Strand vielleicht 50, 60 Personen.
Schön, dachte ich, als wir ankamen. Wirklich noch ein Geheimtipp.
Bis Abends. Im Restaurant. Da sassen alle 50 im selben. Und ich hätte es ahnen können. Vom Auftreten her. Als wir näher traten und den letzten Tisch in Beschlag nahmen. Umgangssprache? Sogar die der Kellner? Schweizerdeutsch. Nahezu ausnahmslos. Basler Dialekt überwiegend. Und Thurgauer. Endcool wäre das Wort, welches ein guter Bekannter von mir brauchen würde.

Und von wegen Geheimtipp. Also wenn Camogli, dann bitte im Winter. Und nicht alle auf einmal. Nicht das die verhuschten Seelen… Sie verstehen?

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Kritische Grösse

Ich bin dann mal weg. In den Ferien. Nicht lange. Nur ein paar Tage. Mit meinen zwei jüngeren Söhnen. Noch einmal den Sommer etwas verlängern. Wobei der sich ja selber. Immer wieder. Verlängert. Letzte Woche hiess es noch Schnee. Also in den Bergen. Nicht in Zürich. Zwar…

Der Zeitpunkt unserer Ferien nicht von ungefähr. Herbstferien. In der Schule. Der Jüngste noch schulpflichtig. Und im Geschäft auch etwas ruhiger. Aber? Es ist nicht der einzige Grund. Ab Sonntag kehrt in der Stadt generell wieder etwas Ruhe ein. Weil Film Festival am Ende. Zu! Also zu Ende. Nicht dass noch Gerüchte entstehen.

Gerüchte gäbe es ja zuhauf. Auch über Schnee in Zürich. Die letzten Tage. Man behauptet. Die erhöhte Konzentration von Schnee, sprich Kokain, sei an Wochenenden sogar im Zürcher Abwasser nachweisbar. An kulturellen Anlässen? Wie das Film Festival? Und anderen? Sowieso. Sagt man.

Überhaupt. Das ZFF. Polarisiert. Wie der Hafenkran. Die Einen finden’s toll, die Anderen überflüssig. Die, die’s überflüssig finden, fanden auch den Hafenkran? Unnötig. Über Kunst und Kultur lässt sich halt nun mal nicht streiten. Sie gefällt, oder nicht. Darf auch jeder seine Meinung zu haben. Ich persönlich finde beides toll. Den Hafenkran seinerzeit und das ZFF sowieso. Was man da quasi aus dem Nichts auf die Beine gestellt hat? Chapeau! Macht das erst mal nach, ihr Nörgler. Da kann’s von mir aus auch „schneien“ in Zürich. Es ist bereits die vierzehnte Version. Jedes Jahr wird es von einem Teil der Bevölkerung zu Grabe getratscht. Und jedes Jahr wurde es grösser. Dabei behielt es seine Eigenheiten, die so typisch sind für Zürich. Der grüne Teppich, der Award, der eine halbe Tonne wiegt. Das Tram, das den Schauspielern quasi über die Zehen fährt.

Einen Teil der Sommerferien verbrachten wir in Kalifornien. Hollywood. Da wurde über Tage die halbe Stadt gesperrt. Für den Dreh des neuen Tarantino. Ohne wenn und aber. Will in Zürich Johnny Depp oder Judy Dench über die Strasse, müssen sie zuerst das Tram vorbeilassen. Und zwei, drei wild klingelnde Velofahrer aus dem oberen Seefeld. Da könnte ja jeder wie er will. Aber nicht hier in Zürich. Als ich in Hollywood ganz höflich gefragt habe, wie lange es denn noch gedenke zu dauern und ob ich wohl doch schnell kurz über die Strasse…. Man drohte mir mit Verhaftung und Gefängnis. Nur so zum Sagen. Vielleicht aber auch, weil ich ein Foto von dem Polizisten auf einem Motorrad eines Bayrischen Herstellers gemacht habe und zu eben diesem meinte, was denn Trump dazu sagt, dass er nicht auf einem Amerikanischen sitzt. Ich konnt’s halt nicht verkneifen.

Zürcher Film Festival. Passt irgendwie zu diesem alten Slogan über Zürich: „Little Big City“. Und es wächst. Wie Zürich auch. Woher ich das weiss? Ich habe mit jemanden darüber gesprochen. Eigentlich bezogen auf den neuen Anbau am Zelt. Und die Anzahl Stars die auch dieses Jahr wieder das Tram passieren lassen mussten.

Anja bezog sich auf etwas anderes. Weit aus wichtigeres: „Ja, das ZFF wächst. Wir haben jetzt ein Klo!“ „Ein eigenes.“ Dass nenne ich mal ein Wachstum!

Schöne Ferien und bis demnächst

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Stimmen im Kopf

Früher, so sagt man, früher war alles anders. Mitunter besser. Sagen die Alten. Schlechter, früher war alles schlechter. Sagen die Jungen. Generation Internet und Smartphone. Meine zum Beispiel. Mein Nachwuchs. Wenn ich dem Geschichten von früher erzähle? Die lachen sich schlapp. Thema Zusammenhalt und Gemeinschaft.

Auf dem Dorf in dem ich aufwuchs. 986 Nasen. Damals. Heute nicht viel mehr. Vermutlich. War aber schon lange nicht mehr da. Also nicht gesichert. Diese Aussage.Da hatten wir Einen. Die im Nachbardorf? Die auch. Einen. Das Nachbardorf des Nachbardorfs? Die ebenso. Auch Einen. So zieht sich das durchs ganze Land. Alle hatten Einen. Einen Menschen mit einem mehr oder weniger offensichtlichen Makel. Etwas despektierlich auch Dorf-Trottel genannt. Damals. Vor der ausufernden politischen Korrektheit von heute. Alle wussten davon. Alle kannten ihn. Oder sie. Er bewegte sich frei im Dorf. Wurde vielleicht ab und zu etwas getriezt, war aber akzeptiert. Man passte auf ihn auf. In der Gemeinschaft. Dorfgemeinschaft? Gibt es heute so nicht mehr. Woran ich das festmache? An den Vereinen. und dem Engagement. Damals war man in mindestens drei Vereinen. Jeder. Musikverein, Schützenverein, Sportverein, Gesangsverein, Landjugend, Verein der treulosen, einsamen Männer. Egal. In drei. Mindestens. Ich auch. Weil wenn nicht? Dann bestand Gefahr als Sonderling angesehen zu werden. Und von Sonderling bis Dorf-Trottel? Ein kurzer Schritt. Wer ist heute noch in einem Verein? Geschweige denn in drei? Eben. Jetzt nicht dass sie denken ich denke jetzt, daher alles Trottel. Nein, wirklich nicht. Als Mensch hat man heute ja einen, sagen wir mal,  relativ hohen Individualisierungsgrad. Luca auch. Der hat auch einen. Wer sonst zeigt uns seine Unterhosen öffentlich in einer Bar. Er hat auch nicht das, was viele der nicht ganz makellosen seinerzeit hatten. Stimmen. Im Kopf. Die zu einem sprachen. Gab es in Zürich früher auch. An einen erinnere ich mich besonders. Sass immer im Tram. Ganz hinten. Bevorzugt zu Stosszeiten. Wartend, bis das Tram gefüllt. Dann stand er auf. Oder auch nicht. Aber er begann. Zu predigen. Über den Teufel. Und sein Werk. Laut. Sehr laut. So dass mitunter der Tram-Chauffeur vor Schreck voll auf die bremse trat. Jetzt muss man wissen. Früher gab es noch keine Cobras. Heisst die Trams bestanden noch aus einer Kombination von zwei getrennt voneinander verkehrenden Wagen. Der Chauffeur sass im vorderen. Zu vorderst. Der Prediger im hinteren. Ganz hinten. Beginn der Predigt. Vollbremsung. So laut. Jetzt wissen sie es.

Den habe ich jetzt schon seit längerem nicht mehr gesehen. Oder gehört. Vermutlich weggeschlossen. Weil störend. Wie heute die nicht ganz makellosen auf dem Land. Auch weg. Alle. Darum war ich sogleich aufmerksam. Als ich das hörte. Von den Stimmen. Im Kopf. Meiner besseren Hälfte, mit der ich zusammenwohne. In der Altstadt.

Jetzt muss man wissen. Altstadtwohnung. Sehr alt. Alles etwas schief und verwinkelt. Aber? Ein Lift. Bis in die Wohnung. Klein, Weil Altstadthaus. Sehr klein. Sehen sie, wenn Sie mit mir darin stehen müssten. Aber immerhin. Natürlich auch Treppe. Im Treppenhaus. Bis hoch in den fünften Stock, War früher mal ein Wehrturm. Im Mittelalter. Da nahm man es wohl nicht so ganz genau. Mit den Abständen. Der Stufen. Die sind, sagen wir mal, etwas unpräzis. Ungleichmässig. In Höhe und Verteilung. Kommt man nüchtern schon kaum unbeschadet hoch. Geschweige denn runter. Darum Lift.

Und schwedische Verhältnisse. Wir haben schwedische Verhältnisse zuhause. Brot mit Butter, Konfi und Käse. Gleichzeitig. Oder. Keine Schuhe. In der Wohnung. Die stehen vor der Türe, beim Lift. Jetzt kann es passieren, dass es pressiert. Mitunter. Dann Lift hoch, Türe auf und rein. Mit den Schuhen in der Hand. Die zieht man dann im Lift an. Jetzt. Ein Mann, der sich die Schuhe anzieht und dann bindet, der geht dabei in die Hocke. Grätsch-Hocke. Männer wissen, was ich meine. Eine Frau? Die grätscht nicht. Die knickt. Ab. In der Hüfte. Oberkörper nach vorne, Hüfte knickt, Hintern verschiebt nach hinten. Eine grosse Frau, in einem kleinen Lift. Wenn die knickt, wohin verschiebt sich dann der Hintern? Richtig, Nach hinten. An die Wand. Des Lifts. Und wenn sich just in Höhe des Hintern der Alarmknopf des Lifts befindet? Und man länger als drei Sekunden hat. Zum Binden? Was dann?

Dann hört man auf einmal eine Stimme. Im Knopf . Die danach frägt, was man denn tun könne.

Das mit dem Wegschliessen, das überlege ich mir noch 😉

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Der Kreis schliesst sich

Eigentlich, ja eigentlich, wäre jetzt Ruedi an der Reihe gewesen. Leser meiner Geschichten erinnern sich vielleicht noch an ihn. Ruedi hat mich mit seinen Ratschlägen und Geschichten eine zeit lang durch mein Leben begleitet. Und auf einmal war er verschwunden. Lange Zeit blieb er unsichtbar. Aber letztens stand er wieder im Tram und lächelte mir zu. Aus einer gewissen Distanz. Aber er war es. Ich bin ganz sicher. Weil, Ruedi hat eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Vater. Also optisch. Vom Aussehen her. Und mein Vater lebt ja schon lange nicht mehr. Darum fällt er mir auch immer wieder auf.
Spannend ist auch, dass ich ihm in letzter Zeit auf eine gewisse Art immer wieder mal begegne. An ihn erinnert werde. Das hat wohl mit meinem Alter zu tun. Sogar im Beruf passiert mir das. Wie letzthin in Bern. An einer grossen Konferenz unserer Branche. Dabei hatte mein Vater doch so gar nichts mit IT am Hut. Die gab es so seinerzeit auch kaum.
Eine Eigenschaft von ihm ist mir noch besonders im Gedächtnis. Er fluchte nicht. Nie. Nicht das er speziell religiös gewesen wäre. Das nicht. Aber fluchen? Dafür war er sich zu schade. Auch keine Schimpfwörter. Nur eines. Ein Wort, dass er für alles und jeden verwendete, was ihm irgendwie quer kam.

Pfeife.

Es war das Lieblingswort meines Vaters. Auch ich kam ab und an in den Genuss dieser Titulierung. Wenn ich etwas angestellt hatte. Oder schlicht zu doof war, etwas zu begreifen. Dann hiess es schnell mal: „Du Pfeife.“ Nahm ihm Einer die Vorfahrt auf der Strasse? „Man ist das eine Pfeife!“ War er mit der Politik nicht einverstanden? „Diese Pfeifen!“ Mir hat sich dieses Wort so eingeprägt, dass ich es selber ab und zu verwende. Meine Schwester behauptet sogar, ich höre mich dann genau an wie Vater. Weiss jetzt nicht, ob mich das stolz machen, oder eher Angst davor haben soll.
Und jetzt dieser Event in Bern. Ich war etwas früher dran und nahm an einem langen Stehtisch vor dem Eingang noch einen Kaffee. Dabei unterhielt ich mich mit Leuten in meiner Nähe. Meist über IT. Ist ja der Sinn solcher Veranstaltungen. Bis auf einmal dieser ältere Herr mir gegenüber stand. Ich dachte noch, an wen erinnert er mich nur? Bis ich drauf kam. Ruedi. Respektive, er erinnert mich etwas an meinen Vater. Optisch. Darum begann ich mich mit ihm zu unterhalten. Im Verlauf des schon etwas andauernden Gespräches wollte ich natürlich wissen, was er beruflich mache. Da meinte er, er arbeite bei einem kirchlichen Verband. Worauf ich annahm, weil IT Konferenz, er beschäftige sich dort in irgendeiner Art und Weise mit Computer. Und erzählte ihm, was ich so mache. In der Hoffnung, man käme vielleicht ins Geschäft. Worauf er mich lange anblickte. Nachdenklich. Und dann meinte, wir kämen leider wohl kaum ins Geschäft miteinander. Er sei in seinem Verband nämlich für die Orgeln zuständig. Insbesondere auch für Pfeifen.

Ich habe mich nur leicht an meinem Kaffee verschluckt. Wirklich, ich schwör. Jetzt könnte man ja meinen, die Geschichte hier sein nun zu Ende. Aber es kam noch besser. Natürlich wollte ich wissen, was er als quasi „Oberpfeife“ sozusagen, denn genau hier an dieser Beschaffungskonferenz zu finden hoffe? Die Antwort war der Hammer. Wie ich mir sicher vorstellen könne, wird so eine Orgel und deren Pfeifen nicht alle Nase lang beschafft. Sondern quasi alle ein paar hundert Jahre. Und genau jetzt hätten sie weider so einen Fall, darum sei er nun heute hier. Er müsse darum auch gut aufpassen, weil er kaum von den „Beschaffungs-Erfahrungen“ seiner Vorgänger profitieren könne. Da sei ja keiner mehr da. Dafür könne er es dann auch gleich wieder vergessen, weil, bis zur nächsten Beschaffung vergingen ja wieder ein paar hundert Jahre und dann könne eine andere Pfeife sich darum kümmern.


Sprach’s und zog leise lächelnd von dannen. Glauben Sie an Wiedergeburt?
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Fleischwolf

Die Stadt selber? Wirklich cool. Nicht nur wegen des Hafens. Aber auch. Oder vor allem. Wenns zum Meer auch noch ein paar Meter sind. Man spürt schon die Weite. Also ich. Ich spüre sie. Was andere spüren, müssen die selber wissen.
Waren drei tolle Tage. Mit einigen Bekanntschaften. Auch der etwas anderen Art. Wir, besser Hälfte und ich, haben Kilometer gemacht. Zu Fuss. Etliche. Gesehen haben wir aber nur einen kleinen Teil. Natürlich auch die Reeperbahn. Auf St. Pauli. Natürlich. Das Hotel lag gleich um die Ecke. Und die beste Currywurst. Ich schwör. Also die lag nicht. Zumindest rum. Nicht auf der Strasse. Auf dem Grill. Lucullus. So heisst er. Der Stand. Liegt gleich bei der Herbertstrasse. Am Stand, da dürfen auch Frauen. In der Herbertstrasse nicht. Obwohl, lustig. Ist ja eigentlich eine Strasse nur für Frauen. Und Männer. Aber die eigene? Die eigene darf nicht. das wäre quasi, wie wenn Sie den Wein zum Essen ins Restaurant selber mitbringen. Da wäre der Wirt auch sauer. Oder verlangt Zapfengeld. Die Männer in der Herbertstrasse die zahlen für ihren Zapfen auch. Ich verliere mich. Gehen sie einfach mal hin. Wenn sie in der Nähe sind. Und wenn mit Frau, also der eigenen? Dann lassen sie die aussen vor. Und rum. Schicken sie sie einfach rund rum. Auf die anderen Seite. Kann sie dort wieder in Empfang nehmen. Wenn sie gekommen sind. Wenn nicht, dann auch. Den verstehen jetzt nur Insider.
Reeperbahn. Gewisse Viertel werden überbewertet. Kennen sie Langstrasse? In Zürich? Dann kennen sie Reeperbahn. St. Pauli auch. Quasi Kreis 4 und 5. Herbertstrasse sowieso. Gibt es an der Langstrasse auch. Sogar ohne Wand. Und mit Frau. Also der eigenen. Man muss nur wissen wo. Ich weiss es. Weil ich suche. Nach Geschichten.
Überbewertet. die Reeperbahn. Und an manschen stellen schlimm. Ganz schlimm. Menschliches Elend. Und am schlimmsten? Es berührt einen kaum noch. Am ersten Abend? Ja. Am zweiten? Nicht mehr. Was soll man auch tun? Ausser Betroffenheit zeigen? Geld geben? Wem? Wie viel? Etwas zum Essen kaufen? Oder ein Stück Seife? Oder ein Bier? Drogen geht ja nicht. Weil das wohl am liebsten. Also überlässt man sie halt sich selber. Und wenn einer das Zeitliche segnet? Merkt man wohl erst, wenn’s anfängt zu gammeln.
Jetzt nicht das sie meinen, Zürich viel besser. Gehen Sie mal früh morgens in die Seitenstrassen der City. Man jagt sie einfach weg. Von ihren Schlafplätzen. Früh. damit sie nicht im Auge des Betrachters. Sie verstehen? Aber es gibt sie.
Ansonsten Reeperbahn? Nachts viel Schein. Tagsüber Schwein. Vermutlich wie überall auf der Welt. Am spannensten die Zwischenzeit. Noch nicht Nacht, der Tag aber auch schon vorbei. Eigentlich meine Zeit. Denn dann haben sie noch Zeit. die Menschen der Nacht. Zeit, Geschichten zu erzählen. Viele. der Mensch, der erzählt nämlich gerne. Wenn man ihn lässt. Und zuhört. Auch die Türsteher. Vor den Clubs. Die längst schon bessere Zeiten hinter sich haben. Und versuchen, heute noch davon zu Leben. Die Clubs? Nun ja. Geschmackssache. Aber die Türsteher? Der Hammer. Ich kann’s verstehen. Sie sollen ja. Abschrecken. Darum auch Posturen. Wie Schränke. Sogar ihre Hunde. Alles Abschreckung. Pur. Die wissen das auch. Und Leben damit. Und davon. Ich weiss das aber auch. Und lass mich nicht beeindrucken. Und Lustig. Wenn man als Aussenstehender Passant auf die zu geht? dann erstmal Lauerstellung. Quasi wie das Schwein beim Metzger sich freiwillig in der Fleischwolf setzt. Dann Metzger auch erstmal Alarm. Weil der sich denkt, das Schwein will ärger. Denkt sich der Türsteher genauso auch. Wird darum noch breiter. Und bringt zudem noch Püppi in Position. Püppi ist beim Metzger der Name für den Fleischwolf. Türstehers Püppi ist ein 50 Kilo Kampfhund. Genauso breit. Nur tiefer gelegt. Und jetzt ganz spannend. Weil, wenn sie Abdul, den Türsteher anquatschen. Und ihn bitten. Etwas aus seinem Leben zu erzählen? Wer reagiert verwirrt? Ausser die Umstehenden Passanten, die schon Unterhaltung witterten? In Form von Hackfleisch? Püppi! Als erstes irritiert sich Püppi. Abdul erzählt. Lang und breit. Aber nur in den Zwischenzeiten. Noch nicht ganz Nacht, aber auch noch nicht mehr Tag. Nachher keine Zeit. Dann Abschreckung. Vorher auch nicht. Tagsüber.

Dann arbeitet Abdul bei den Hamburger Verkehrsbetrieben. Auch Abschreckung. Und Kontrolle. Der Schwarzfahrer. Mit Ausweis. Amtlichen. Auch uns. Im Zug zum Flughafen. Heute.

Aber ohne Püppi. Die sei sonst immer so irritiert. Wenn sie nicht Hackfleisch. Sie verstehen?

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