Konfusius

Eigentlich ist es ganz einfach. Es bedarf keiner grossen Kunst und geht ruck zuck. Ausserdem muss ich gestehen, ich mache es ab und zu noch ganz gerne. Menschen aus der Fassung zu bringen. So ganz nebenbei. Wirklich kein grosses Drama. Mehr so eine kleine, feine Bemerkung. Aus dem Hinterhalt. Quasi im Vorbeigehen. Wie letztens in der Stadt. Begegnet mir doch eine Bekannte, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Von der ich aber wusste, sie war längere Zeit Single und auf der Suche. Nach dem passenden Deckel. Wobei, für diesen Topf einen Deckel zu finden? Gar nicht so einfach. Weil, sagen wir mal. Sehr individuelle Form. Der Topf. Also nicht das sie meinen, einfach so in einen Laden und mal eben zur Verkäuferin und ich besitze einen Topf dieser oder jener Marke in der Grösse und suche jetzt einen Deckel. Und die Verkäuferin, ja, also, alles kein Problem und ich geh jetzt nur mal schnell ins Lager. Und kommt nach zwei Minuten mit drei verschiedenen Deckeln und alle passen wie angegossen und quasi nur noch eine Sache der Entscheidung, welcher. Aber so oder so sicher einen Deckel im Angebot. Passend auf den Topf.
Nein, so gar nicht. Kurz und gut. Auf solch einen Topf passt einfach kein Deckel. Nicht mal mit Biegen und Brechen. Daher war es so unwahrscheinlich. Quasi ausgeschlossen. Und sie wusste auch, dass ich das wusste. Darum eröffnete ich unser Gespräch mit den Worten: «Heh, Du!» «Schön Dich zu sehen!» «Und die Beziehung scheint Dir wirklich gut zu tun!».
Fassungslosigkeit beim Gegenüber. Wie käme ich nur drauf, sie sei in einer Beziehung? Weil, es stimme zwar, aber das könne ich doch gar nicht wissen? Wusste ich auch nicht. Ich habe geraten. Aufgrund dessen, dass dieser Topf, wenn wir mal bei dem Vergleich bleiben wollen, dass dieser Topf auf einmal etwas dickwandiger war. Und jetzt sind Frauen da gar nicht so viel anders als Männer. So lange Single, schöne, stylische Bratpfanne. Sobald Beziehung? Römertopf. Ich glaube, sie verstehen schon, was ich meine.
Andersrum ist es schwieriger. Also mich. Mich aus der Fassung zu bringen. Gelingt nur wenigen. Wenn überhaupt. So wie heute. Wir haben uns einen Weinkeller gemietet. Also keinen Ganzen. Nur ein Abteil in einem. Geht auch weniger um das Abteil, als dem, dem Abteil vorgelagertem, Degustationsraum. Den brauchen wir ab und zu. Aufmerksam darauf wurden wir durch Freunde. Die auch in einem Weinkeller ein Abteil haben. Und uns dies zeigten. Worauf wir uns ebenfalls um eines bewarben. Viel Schrift- und Telefonverkehr später, erhielten wir den Zuschlag. Einige Zeit später auch den Schlüssel. Und den probierten wir heute aus. Pilgerten also zu «unserem» Weinkeller, voller Stolz und Vorfreude und Fassung. Fassung auch. Standen vor der Türe, schoben den Schlüssel ins Schloss. Ging auch ganz leicht. Danach ging aber nichts mehr. Er lies sich nicht drehen. Auch nicht mit viel hin und her und auf und ab und zug und druck. Nichts. Also die Telefonnummer des Vermieters rausgesucht. Mit dem wir vorgängig viel Schrift- und Telefonverkehr. Der meldete sich auch gleich. Und meinte auf meine Frage, ob beim Öffnen der Türe allenfalls ein mir unbekannter Trick angewendet werden müsste. Was er verneinte. Sollte ganz leicht gehen. Ging aber nicht. Nach einigem hin und her dann die Frage. Äehm, wo stehen sie denn? Na wo wohl? Vor der Türe des Weinkellers. Der Weissen. Der Weissen? Äehm, die sollte aber rot sein! Rot? Aber die ist weiss. Wo wir den stünden, Adressenmässig? Na hier, an der XXX-Strasse Nr 14. Aha! Der Weinkeller befindet sich aber an der XXX-Strasse Nr 11. Sie stehe gerade vor dem Keller der Konkurrenz.
Fassungslosigkeit. Ein bisschen auf beiden Seiten. Ist, wie wenn sie eine Wohnung mieten. Die sie vorher besichtigt haben. Also wirklich drin waren. Dann mit dem Vermieter darüber sprachen, die Konditionen verhandelten, beide quasi stundenlang über die Wohnung reden und es nicht merken. Beide reden von jeweils etwas ganz anderem.
Er lotste uns dann per Telefon zum richtigen Keller. Unserem. Und hier zum zweiten Mal fast etwas fassungslos. Weil noch schöner als der erste. Sie werden es sehen. Wenn wir sie denn mal einladen.

Aber bewahren sie bitte Fassung.

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Die sieben Zwerge

Stellen sie sich vor, sie laufen durch den Wald. Die Sonne scheint. Die Vögel krakeelen voller Inbrunst im Geäst. Ab und an duftet eine Hundehinterlassenschaft mit ein paar Kräutern um die Wette. Oder dem Leder ihrer Schuhe. Sie verstehen schon. So für sich betrachtet, ist ein Wald was Wunderschönes. Voller Ruhe. Wenn denn Ruhe herrscht. Weil der Ruhesuchende ja dazu neigt, dabei Geräusche zu machen.  Auf seiner Suche nach der Stille. Meistens pfeift er. Als Jogger entweder aus dem letzten Loch. Oder als halbwegs musisch Begabter aus Ersterem. Was er nur selten tut, ist, sich unsichtbar zu machen. Optisch, wie akustisch. Wenn doch, ist er entweder Jäger und auf der Pirsch oder gerät dann mitunter unter Generalverdacht. Irgendetwas Halbseidenes oder gar illegales vorzuhaben. Jedenfalls. Egal wie. Es fällt auf. Immer. Je mehr sie sich darum bemühen, es gerade nicht zu tun.
Sie laufen also durch den Wald, querfeldein, wo noch erlaubt. Geniessen die Ruhe, nachdem sie eben noch von einem Mountain-Biker fast ins Jenseits oder zumindest ins Krankenhaus befördert wurden. Und auf einmal? Auf einmal stehen sie auf einer Lichtung. Umrahmt von Bäumen. Sanftes Sonnenlicht bildet goldene Inseln. Und mit ihnen sieben Zwerge. Also etwas Grössere. Damit man sie auch sieht. Wobei sie eigentlich ja gar nicht gesehen werden wollen. Die Zwerge stehen völlig unauffällig auf dieser Lichtung rum. Um Nichtsichtbarkeitbemüht . Der eine Zwerg hat die Hände in der Hosentasche, den Blick auf den Boden gerichtet. Sich möglichst klein machend. Der zweite Zwerg, etwas entfernt, tut noch unschuldiger, hat zwar auch die Hände in der Hosentasche, schaut dabei aber nach oben. Einem imaginären Vogel nach. Der dritte Zwerg steht nur da und schaut ins Leere. Der Vierte bohrt in der Nase, wobei ihm der Fünfte möglichst unauffällig zusieht. Nr. Sechs pinkelt gerade an einem Baum und der siebte Zwerg schliesslich, riecht an einer Blume und versteckt sich dahinter.
Sie tun alles, um möglichst nicht gesehen zu werden. Schon gar nicht soll jemand auf die Idee kommen sie seien «Die sieben Zwerge». Auf einer einsamen Lichtung im Wald. Bei der angekommen, jeder unbedarfter Waldwanderer sofort denkt: «Oh, hoppla, so ein Zufall. Diese Überraschung! Die sieben Zwerge, was tun die denn hier!?»
Genauso war es gestern Morgen. Wirklich. Ich schwör. Nur nicht im Wald. Sondern an der Tramhaltestelle. Irgendwo auf meinem Arbeitsweg. Und es waren nicht die sieben Zwerge. Es waren sieben VBZ-Kontrolleure, die aber analog der Zwerge im Wald auf dieser Lichtung, möglichst unverdächtig und vor allem unsichtbar an dieser Haltestelle rumstanden. Einer bohrte sogar in der Nase. Ich habe nämlich den anderen dabei zugesehen, wie er den Nasebohrer beobachtet hat. Unverdächtigkeit zu erregen hoffend.
Und während sie draussen an der Haltestelle so rumstanden, weil sie wohl erst auf das nächste Tram warteten. Wohl in der Hoffnung, darin dann mehr Schüler ohne gültiges Ticket zu erwischen. Währenddessen begannen all die Menschen in meinem Tram zu schmunzeln. Offensichtlich. Belustigt über das Schauspiel, dass sich ihnen so unverhofft an diesem Morgen bot.
Vielleicht sah der Eine oder Andere auch «Die sieben Zwerge!»

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Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens mit diesem Geisterfahrer. Autobahn. 83 Jahre alt. Der Fahrer. Die Autobahn nicht. Rammt als Geisterfahrer auf der Autobahn frontal ein anderes Auto. Er danach effektiv. Ein Geist. Zukünftig. Die Gerammten? Leben noch. Inskünftig wahrscheinlich mit einem Trauma. Aber immerhin. Datum, Uhrzeit, Automarke, Wetter. Fertig. Sie meinen, da gäbe es keinen zweiten Ausdruck, den der Schreiber rüberbringen wollte? Mal davon abgesehen, dass er mit der Angabe des Alters des Geisterfahrers zum Ausdruck brachte, dass seiner Meinung nach so alte Menschen nicht mehr in ein Auto und schon gar nicht auf eine Autobahn gehören. Sondern doch am besten zuhause bleiben und in mehr oder weniger grossen Würde alleine das zeitliche zu segnen hätten. Aber ich sag ja nix. Respektive nur zu meinen Söhnen. Nicht alles glauben, was euch so gesagt wird. Und ab und zu mal Dinge hinterfragen.
Darum sind sie heute wie ich. Und glauben nicht mehr alles, ohne es zu hinterfragen. Wie zum Beispiel, dass die Schweizer ein unfreundliches Volk seien. Und extremst abweisend gegen alle anderen. Und es sei nicht möglich mit „denen“ eine Freundschaft aufzubauen. Hört man ja immer wieder. Respektive liest man auch. Auch hier gibt es zwei Seiten. Ich habe öfters festgestellt, dass Menschen, die eine solche Aussage machen…nun ja..sagen wir mal, nicht immer ganz einfach im Umgang sind. Und man deshalb dann eher meidet. Dann ist es aber auch egal, was sie für eine Nationalität die haben. Dann finden nämlich auch Schweizer eher weniger Freunde. Wenn schwierig im Umgang. Lassen wir das mal so stehen. Weil, generell kann man sagen. Berührungsängste haben auch die meisten Schweizer eher weniger. Manche sogar sehr wenige.
Unter der Woche trage ich gerne weisse Hemden. Weil Kundenbesuche und seriöser Eindruck und so. Darüber meistens ein Jackett. Ausser wenn hochsommerlich. Dann trage ich zum weissen Hemd zwar auch ein Jackett. Aber über dem Arm. So. Wenn man nun mit so einem weissen Hemd und Jackett überm Arm durch den Hochsommer läuft? Was passiert dann ab und zu? Man wird zur Landezone. Diverser Insekten. Manche werden auch zur Landezone von Spritzern diverser Saucen. Beim Mittagessen. Oder Abends. Da hat man dann doch eher Berührungsängste. Also nonverbal gesehen. Verbal nicht. „Oha!? Gab’s Spaghetti zum z’Mittag?!!“ Süffisantes Lächeln inklusive. Manchen Menschen verderben sie damit locker den Rest des Arbeitstages. Spannend. Ich habe darum immer ein zweites Hemd im Büro. In einer Schublade. Weil man sagt den Schweizern auch nach, sie seien Vorsichtig. Und vorbereitet. Ha! Also Sauce auf weissem Hemd eher nicht. Aber Insekten. Die sitzen dann so rum. Auf dem Hemd. Und lassen sich mittragen. Ohne dass es der Träger bemerkt. Ich auch nicht. Bis in den Lift. Da stand eine mir persönlich nicht bekannte Dame mir gegenüber. Und fixierte mein Hemd. Das weisse. Ich denke mir noch, was fixiert die mich so? Gab doch gar keine Spaghetti. Da tritt die Dame forschen Schrittes auf mich zu. Hebt ihre Hand, sagt „Äxgüsi!“, und scheucht ein Insekt von meiner Landezone. Auch wildfremd. Und mir persönlich nicht bekannt. Das Insekt. Wenn ich das machen würde? Als Mann? Bei einer Frau? Einer fremden Frau? Die schauen einen in Zürich schon komisch an, wenn man ihnen ein Kompliment wegen ihres Outfits macht. So mit einem Blick von wegen „Ey, Alter!!!!??“ „Was ist los? Willst Du mich anmachen?“ Vielleicht ja Berührungsängste. In dem Moment.
„Äxgüsi!!“ Einem Wildfremden gegenüber. Nix mit Berührungsängsten. Wir Schweizer. Und ich?Stehe noch zwei Sekunden verdattert im Lift. Sag artig danke. Und bin froh, noch ein zweites Hemd auf Reserve zu haben. Man weiss ja nie…

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Knall auf Fall

Die heutige Geschichte hat einen etwas, sagen wir, schalen Nachgeschmack. Hängt auch damit zusammen, wie ich gewisse Ereignisse verarbeite. Mir eilt der Ruf voraus, ich sei etwas unsensibel. Mitunter sogar sarkastisch. Wo das nur her kommt? Woher der schale Nachgeschmack kommt, kann ich ihnen sagen. Wir haben das Glück, in einer nahezu heilen Welt zu wohnen. Hier, in der Altstadt von Zürich. Weil nur ca. 3500 Einwohner. Man kennt sich. Mehr oder weniger. Soziale Kontrolle arbeitet. Fast wie auf dem Land. Daher war dieser Knall auf Fall auch etwas sehr überraschend. Einer der hier ansässigen Mitbewohner kam mit seinem Leben nicht mehr klar. Offensichtlich. Er wählte eine Art Notausgang. Und sprang vom Dach. Letzten Montag. Genau vor die Türe der Reinigung, die meine Hemden wäscht. In Unterhosen. Es ist ja grundsätzlich tragisch. Immer. Wenn ein Mensch aus dem Leben scheidet. Auf welche Weise auch immer. Tragisch auch, dass man es nicht kommen sah. Also man sah es dann schon kommen. Ihn. Durch die Luft. Morgens um 08:00 Uhr. Die Schulkinder waren zum Glück schon durch. Die Angestellten der Geschäfte und Lokale aber noch nicht. Denen sprang er vor die Füsse. Quasi. Die, die es gesehen haben, die müssen jetzt damit klar kommen. Auch nicht ganz einfach. Tragisch. Möge er zumindest jetzt in Frieden ruhen, da er diesen schon nicht vorher fand.

Zurück zur Geschichte. Weil, ich kann es ja nicht ändern. Das Leben wurstelt weiter. Für uns anderen. Geht wie so oft um Werte. Weniger die inneren. Mehr die materiellen. In meinen jungen Jahren war eines meiner Hobbys das Gleitschirmfliegen. Weil Flugangst. Damals. Ich. Sehr. Wenn man vor etwas Angst hat, muss man dem erst recht begegnen. Im vollen Bewusst sein. Sagte mein Vater. Darum Gleitschirm. War am Anfang weniger toll. Später dann mehr. Und Angst? Die verschwand mit der Zeit. Man muss dazu wissen. Ich habe, sagen wir es mal so, einen starken Knochenbau. Mein Grundgewicht war schon immer um die 100 Kilo. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Also ausser bei meiner Geburt. Aber auch damals etwas über der Norm. Meine arme Mutter. Jetzt, wenn etwas mehr Gewicht an einem Gleitschirm hängt, dann kommt man mitunter etwas schneller runter. Sie können sich das so vorstellen. Werfen sie mal aus dem fünften Stock eine Feder und eine Weinflasche aus dem Fenster. Letzteres sollten Sie vorher evtl. leeren. Und achten sie darauf, was unten gerade vorbei läuft. Sie werfen also. Und? Die Weinflasche wird deutlich schneller unten sein, als die Feder. Jetzt stellen sie sich mich als Weinflasche vor. Am Gleitschirm. Alle anderen Flugschüler quasi Federn. Ich nicht.

Meine Landungen waren eist entsprechend. Zumindest zu beginn. Glichen mehr einem Einschlag als etwas anderem. Dass der Fluglehrer aber immer rief „Achtung!! Granate!“. Das hielt ich für etwas übertrieben. Wurde mit der Zeit zwar besser. Aber nicht so sehr, als dass ich dann das Fliegen irgendwann aufgab. Jedenfalls, dass erste was ich tat? Nach meinen Landungen? Schauen ob noch alles dran war. An mir. Keine Knochen gebrochen, etc. Erst danach kam der Schirm an die Reihe. Und zuletzt der Fluglehrer. Der behauptete immer, ich täte das mit Absicht. Und zielte auf ihn. Nur weil ich ein einziges mal gebodigt habe. Und das ganz ohne Absicht. Ich schwör. Heute? Heute haben sich die Werte wohl etwas verschoben. Allgemein. Nehmen sie zum Beispiel einen Unfall. Früher hielt man an und versuchte zu helfen. Heute hält man an und macht erstmal ein Foto. Oder ein Video. Am besten noch ein Selfie. Schlimm. Schämt Euch.

Oder mein Junior. Der überschlug sich kürzlich mit dem Velo. Relativ heftig. Beulen, Prellungen und einen gebrochenen Arm. Aber als er da so auf der Strasse lag? Nicht, wie geht’s mir? Nicht, lebe ich noch? Nein. Ist mein Handy noch ganz? Das war die zentrale Frage. Armbruch? Das ist kein Beinbruch. Quasi. Aber Glasbruch am Handy? Katastrophe.

Zurück zum Sprung vom Dach. Betroffenheit war gross. Weniger wegen des Sprungs. Sondern weil in Unterhosen. Und mitten am hellen Tag. Zum Glück seien die Kinder schon  durch gewesen. Man hätte dazu doch in den Wald gehen können.

Bedauernswerte Familie. Da war eine Frau. Und auch ein Kind. Mein Beileid in dieser traurigen Zeit.

Ruhe in Frieden. Zumindest jetzt.

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Orientierung

Ich habs gesehen. Persönlich. Selber. Ich schwör. Geplatzt. Wie ein Luftballon. Der Kopf. Also beinahe zumindest. Von dem Typen. Weil Prinzip Staubsauger. Aufgesogen. Ohne Punkt und Komma. An einer Veranstaltung an der Uni. Öffentliche. Sass er in der Reihe vor mir. Ich konnte es saugen hören. Im Sinne des Wortes. Und weil so viel an Informationen und der Typ eher klein, sein Kopf auch. Peng. In meiner Vorstellung. Aber ein bisschen konnte ich es hören. Ich schwör!
Die Menschen sind verschieden. Die einen benutzen ein Navigationsgerät. Orientierung trotzdem gleich null. Weil alle Informationen einfach abprallen an ihnen. Die Anderen? Die saugen Informationen auf wie ein Staubsauger. Und brauchen dann nicht einmal mehr ein Navi. Weil? Orientierung beruht auf Informationen, richtig? Eben. Also nicht nur die räumliche Orientierung. Auch die, die einem sagt, wo man steht im Leben. Und jetzt, je nachdem wie man umgeht mit den Informationen, weiss man es oder dann halt nicht. Oder bildet es sich ein. Zumindest.
Wie letztens bei besserer Hälfte. Gut, wir waren an einem für uns fremden Schlafzimmer. An einem fremden Ort. Ein schöner, allerdings. Der Ort. Das Schlafzimmer auch. Vorher ein schöner Abend. Fast ganz. Ein kleiner Teil weniger. Wussten wir dann aber erst in eben diesem Schlafzimmer. Wir waren anlässlich dieses schönen Abends am Meer in einem Restaurant. Dort gab es Fisch. Für bessere Hälfte. Der war vielleicht nicht mehr ganz so wie er sein sollte. Vielleicht war es aber auch etwas anderes. Was sicher war? Übel. Besserer Hälfte war es übel. Und musste Nachts ein paar mal auf die Toilette. Die war in ihrem Raum. Links vom Bett. Rechts vom Bett war das Fenster. Mit einem Vorhang davor. Ganz schmaler Spalt geöffnet. Diese Informationen waren bekannt. Hapern tat es dann aber mit der Orientierung. Weil Schlaf und dann Übelkeit und fluchtartiges aufsuchen der Toilette. Mehrfach. Aber jedes Mal zuerst Richtung Fenster. Beim dritten Mal murmelte ich schon bei der ersten Bewegung unter der Decke vor „liiiiihinks!“ Ging dann doch zuerst rechts.
Mit der anderen Art von Orientierung kämpfte ein älteres Paar letztens an der Züri Pride. Züri Pride? Sie wissen schon. Menschen mit einer Art Orientierung, die sich von meiner unterscheidet. Darüber, wo sie im Leben stehen wollen. Und vor allem als was. Die trafen sich alle in Zürich. Anlässlich dieser Pride. Ich übrigens mittendrin. Weil, wenn auch nicht unbedingt ihrer Meinung, so doch ganz amüsant. Party. Auf dem Platz vor der Oper. Darauf tausende von fröhlichen und tanzenden Menschen. Und dieses Paar. Das stand vor dem Theater neben der Oper. Wartete wohl auf den Beginn ihrer Vorstellung. Und während sie so warteten, beobachten sie das treiben auf dem Platz. Ich stand in der Nähe und beobachtete das Paar. Weil, ich schwör! Ich hörte es wieder saugen. Bei beiden. Und anhand ihres Gesichtsausdruckes schloss ich, ihre Orientierung im Leben? Eine andere. Definitiv. Es saugte und saugte.
Jetzt gibt es ja Homosexuelle und Homosexuelle. Die einen leben es eher nach innen. Die Anderen nach aussen. Sehr. Auch in Form als Drag Queens. Haben sie schon mal eine solche gesehen? Ja? Nein? Das Paar mit Sicherheit eher nicht. Es saugte und saugte. Die Informationen. Und auf einmal lösten sich aus der Masse Menschen eine Gruppe Drag Queens. Und lustwandelte. An dem Paar vorbei. Das war der Moment. Wo ich wieder einen Kopf platzen hörte. Weil zu viel Informationen. Die nicht in die Orientierung passten.
Peng!

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Würdelos

Wir! Also ich! Um genau zu sein. Ich hatte schon einmal eine ganz ähnliche Geschichte. Von wegen der Würde. Obwohl damals weniger Würde. Sondern mehr Yoga. Ich versuchte mich in Sachen Yoga. Was dann in die Hose ging. Im Sinne des Wortes. Also meine Würde verlies mich. Auf eher unkonventionellem Weg. Das wars dann. Mit der Geschichte. Und dem Yoga auch. Jetzt dreht sich ja die Welt im Kreise. Die Menschen darauf auch. Und die Geschichten quasi sowieso. Darum kommt es noch einmal. Das mit der Würde.
Es ist ja offiziös. Steht in gewissen Büchern. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was immer das auch wirklich heissen mag. Weil angetastet wird ja immer. Tag ein, Tag aus. Meist im Kleinen. Abschätzige Bemerkungen. Anderen Menschen gegenüber. Zum Beispiel den Verkehrs regelnden Assistenzdienern am Central. Wenns wieder einmal nicht schnell genug. Und so. Dann wird angetastet. Von extern her. Intern aber auch. Also man sich selber. Man kratzt an der eigenen Würde. Bewusst, oder unbewusst. Bewusst tue ich es gerade einmal die Woche. Bei meiner Physiotherapeutin. Sie ist eine Frau. Und jung. Und fit. Also auch optisch. Ich bin ein alter Sack. Und relativ bis sehr. Sagen wir mal. Unfit. Und ein Mann. Darum ist es mir egal. Wenn ich in schlecht sitzenden Unterhosen neben ihr auf der Matte liege und versuche. Mit aller Inbrunst. Einen Rest von Würde zu bewahren. Während ich meine Übungen machen. Die sie mir vorgibt. Also zuerst dieses Bein und dann das andere Bein und dann halten. Und atmen. Atmen auch noch? Während ich verzweifelt versuche meine Unterhose und vor allem deren Inhalt irgendwie an seinem Platz zu halten. Während meine Beine irgendwo in der Gegend und atmen soll ich dann auch noch? Tief und ein und aus und regelmässig. Beim letzten Mal lies ich meine Blick schweifen. Nein, nicht wegen der Dame. Die hätte nackt neben mir liegen können. Nein, auf der Suche nach dem Standort des Defibrillators.
Das Spannende ist, dass mir in dieser Situation meine Würde am Hintern vorbei geht. Im Sinne des Wortes. Da bin ich realistisch genug. Ich schwör. Es ist wie es ist. Also war versuchen etwas zu zeigen, was man in der Situation nicht mehr zeigen kann.
Ich fahre Zug. Oft. Darum bin ich öfters am Bahnhof anzutreffen. Meist schon etwas früher. Um einen Kaffee zu trinken. Damit ich ansprechbar bin. Weil ohne Kaffee? Kein Ton. Und mürrischer Gesichtsausdruck. Ich habe mein Stammlokal am Bahnhof. Stammlokal heisst, ich trete durch den Eingang. Und der Barmann ruft schon zu seinem Barista „einmal Latte Macchiato und ein Glas Wasser und ein Gipfeli für da trinken“! Das heisst Stammbar für mich. Das schnappe ich mir dann und verzieh mich nach draussen. Weil Kaffee trinken und Leute beobachten. Das geht draussen besser als drinnen. Und normalerweise stehe ich dann einfach auf und gehe zu meinem Zug. Nur letztens. Letztens stimmte etwas nicht. Alles war irgendwie verrutscht. Also kleidungsmässig. Die Bar. Die Bar besteht aus Glas. Sich spiegelnden Glaswänden. Und die sind Schuld daran. Wegen der Würde. Weil am Abend vorher Physio. Übungen. Vor einem Glasspiegel. Und als ich mich umdrehte, um in der spiegelnden Glaswand die verrutschten Kleider….. Und dabei den Hosengürtel öffnete…… da muss ich gedanklich irgendwie beim Spiegel in der Physio….. und keine Würde. Die kam dann erst ganz langsam wieder. Nachdem die zwei älteren Damen auf der anderen Seite der für sie NICHT spiegelnden Glaswand aufgehört hatten zu kreischen……von wegen des vermeintlichen Exhibitionisten draussen.
Zum Glück wars meine Stammbar. Da ist mir meine Würde egal. Sonst gäbe es jetzt eine Neue.

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Der Standpunkt

Also. Das Problem ist. Es ist eine Frage des Standpunktes. Respektive. Die Leute können nicht mehr damit umgehen. Die Einen nicht. Und die Anderen auch nicht. Das war früher anders. Gibt es heute schon auch noch. Aber früher mehr. Heute weniger. Früher war alles eine Frage des Standpunktes. Und wer welchen vertrat, das wusste man. Oder merkte es. Ziemlich schnell. Besonders wenn man selber einen anderen. Es war verlässlich. Wenn Einer einen hatte, Dann vertrat er den auch. Meistens felsenfest. Heute? Heute kommt es nicht mehr auf den Standpunkt an. Die Meisten haben sowieso keinen. Oder für lau. Heute richtet sich vieles nach dem wo man steht. Also auf welcher Seite. Und die ist durchaus flexibel. Und damit auch der Standpunkt. Ein Beispiel.
Ich besitze kein eigenes Auto mehr. Aus Prinzip. Nicht weil ich muss. Freiwillig. Was aber nicht heisst, dass ich nicht mehr Auto fahre. Also als Beifahrer sowieso. Aber auch als Fahrer. Ich habe nichts gegen das Prinzip Auto. Wenn man es vernünftig umsetzt. Darum miete ich durchaus eines. Ab und zu. Hin und wieder. Aber selten. Dafür nutze ich das Tram. Und jetzt spannend. Sitze ich im Tram, vertrete ich einen anderen Standpunkt. Also, einen anderen, als wenn ich im Auto sitze. Im Tram eher Standpunkt Fussgänger gut, Autofahrer böse. Da kann es durchaus zu einer, sagen wir mal, konstruktiven Bemerkung meinerseits kommen. Gegenüber dem Autofahrer. Wenn dieser Beispielsweise wieder einmal den Weg eines Trams kreuzt. Abrupt. Ohne den Rückspiegel zu benutzen. Geschweige denn den Kopf zu drehen. Und ich durchs halbe Tram segle. Mit noch ein, zwei anderen Fussgängern. Kann es kommen. Sehr konstruktiv. Mit Nachdruck. Gebe ich zu. Wenn ich dann aber einmal in einem Auto sitze? Als Fahrer? Dann Standpunkt Autofahrer. Mit Zielgruppe Fussgänger. Stehe ich dann mal vor einem Fussgängerstreifen. Also einem solchen ohne. Ohne Ampel. Und der Fussgänger, der bewegt sich nicht in angemessenem Tempo. Über die Strasse. Also eher langsam. Dann konstruktive ich gerne auch mal den Fussgänger. Durch freundliche Handzeichen. Er möge bitte seinen Hintern doch etwas zügiger auf die andere Seite bewegen. Andernfalls man auch gerne ausstiege und ihm behülflich wäre. Es denn notwendig sei. Und da geht es nicht nur mir so. Ich schwör.
Also. Sie sehen selber. Es ist kaum mehr eine Frage des Standpunktes. Sondern eine wo man steht. Zum Zeitpunkt der Frage. Wie beim Parkplatz vor unserem Haus. Also dessen Zufahrt. Da steht ein Schild. Immer schon. Verkehrsberuhigt. Und nur für Anwohner. Oder Lieferanten. Oder Hotelgäste. Sonst nicht. Interessierte die Menschen mit Standpunkt Autofahrer und Bedürfnis Parkplatz eher weniger. Mich mit Standpunkt Anwohner und Bedürfnis Ruhe, eher mehr. Besonders am Wochenende. Morgens um Vier. Darum immer wieder mal Austausch von konstruktiven Nettigkeiten.
Seit kurzem gibt es noch etwas. Nämlich ein Konzept. Ein Neues. Mit Kamera. Die nimmt nach Sieben Abends die Nummernschilder auf. Und wer keine Bewilligung, der bekommt einen Brief. Mit Einzahlungsschein. Kostet CHF 100.-. Standpunkt Polizei. Woher ich das weiss? Abwarten! CHF 100! Fand ich, mit Standpunkt Anwohner, ganz lustig. Bis letzte Woche. Da war ich kurzfristig wieder Autofahrer. Mit Mietauto. Abends. Nach Sieben. Bedürfnis Parkplatz. Standpunkt Autofahrer. Bewilligung? Natürlich keine. CHF 100.-. Darum weiss ich es. Nicht lustig.
Ich glaube, ich muss denen auf der Wache mal meinen Standpunkt klar machen!
 

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Der Thron

Da schreibt man einmal etwas über seinen Vater. Nur zwei Sätze. Wirklich. Ich schwör. Vielleicht waren es auch drei. Kann sein. Einmal. Schreibt man was. Ein wenig sentimental. Aus Versehen. Ein klitze kleines bisschen nur. Schon geht’s los. Weich geworden aufs Alter. Nachsichtig. Sentimental. Zeigt ungewohnt Gefühle. Kaum wieder zu erkennen. Nicht nur Frauen. Nein. Viel schlimmer. Männer auch. Ich tu’s nie wieder. Versprochen. Ich schwör. Gefühle zeigen. In meinen Geschichten. Also persönliche. Und mehr als einmal «ich schwör» in einer Geschichte zu bringen, auch nicht mehr. Ehrenwort.
Hat aber vielleicht schon etwas mit dem Alter zu tun. Weil, nächste Geschichte auch. Mit der Altersempfindlichkeit. Die grösste Erfindung der Menschheit? Aus Ihrer Sicht? Aber gut überlegen! Kommen sie nie drauf. Vielleicht die, die einen haben. Und das entsprechende Alter. Wie ich. Sonst nicht. Früher. Früher war das anders. Als junger Mensch. So mit 20. Um den Dreh rum. Motorradfahrer. Mit zwei, drei Kumpels ständig unterwegs. Lange Wochenenden. Fahrt ins Blaue. Übernachten irgendwo. Meist im Freien. Oft ein Wald. Weil Hängematte ohne Bäume schwierig. Und Bäume trifft man meistens wo an? Eben. Wir hatten alles dabei, was es zum Überleben brauchte. Eine
Hängematte, einen Schlafsack, Alkohol und was zu Essen. Der Rest war fakultativ. Einen Grillrost. Einen Grillrost hatten wir auch immer dabei. Der war wichtig. Immens. WC Papier nicht. Für was WC Papier? Wir warten jung und harte Kerle und Biker. Und kein WC Papier. Im Wald da hatte es Blätter. Auch in einem Nadelwald. Und da es an einer Harley sowieso immer etwas zuschrauben gab. Die Hände daher meistens schwarz. Da fiel ein bisschen braun kaum auf. Mehr oder weniger. Jetzt, ein paar Jahre später? Saubere Hände. Und ein festes Zuhause. Hängematten nicht mehr. Dafür WC Papier. Die ultimative Steigerung. Dreilagig. Doppelt gepolstert und parfümiert. Mit Noppen. Kann es eine grössere Erfindung geben? Ich dachte nicht. Ehrlich gesagt. Bis zu diesem ominösen Tag. Unser WC war defekt. Und schon ziemlich alt. Anruf bei der Hausverwaltung. Die lies es umgehend ersetzen. Durch einen Closomat. Der Austausch ging schnell von statten. Ein riesen Teil. Unser ökologischer Fussabdruck wird dadurch wieder etwas grösser. Von wegen Strom und so. Als der montiert war meinte der Techniker, er müssen den jetzt noch konfigurieren. Konfigurieren! Er benutzte tatsächlich dieses Wort. Jetzt ist es ja nicht so, dass ich mir erst gestern frische Tannenzweige durch die Arschspalte gezogen hätte. Ich benutze nun schon seit Jahren normale WC. Da musste man noch nie etwas konfigurieren. Einen Closomat schon. Wie er denn den jetzt nun einstellen solle? Ob sanft oder eher hart? Dabei schaute er mich an. Mit einem süffisanten Lächeln. Bei hart. Ich
schwör. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Hart. So hart wie möglich bitte. Der Techniker schraubte an dem Teil herum, murmelte dabei etwas in seinen Bart und meinte nach 5 Minuten, so, ich können ihn nun ausprobieren. Und wenn es dann doch zu hart sein sollte? Dann könne ich das hier und hier etwas weicher einstellen. Weicher! Ich! Der sich Tannenzweige durch den Hintern gezogen hat.
Jetzt weiss ich nicht, ob sie schon einmal eine hatten. Eine Darmspiegelung. Oder einen Einlauf. Einen Einlauf träft es eher. Hatten sie? Dann schliessen sie mal ihre Augen und holen sich die Erinnerung zurück. Die, die noch keinen hatten? Ich sitze also auf dem Thron. Der vor sich hin summt und pfeift. Und drücke auf die Taste. Zuerst passiert noch nix. Das Summen wird etwas lauter. Auf einmal zischt es. Mit Anlauf. Viel Anlauf. Direkt aus der Hölle. Von wegen der Stärke und der Hitze. Voll ins Schwarze. Im wahrsten Sinn
des Wortes. Ich weiss jetzt, wie sich eine Darmspülung anfühlt. Bis hoch zum Magen.
Vermutlich gab ein einen Laut der Überraschung von mir. Einen lauten Laut. Der Techniker fragte durch die geschlossene Türe, ob es ginge? Es ging. Danach. Als wir ihn etwas sanfter einstellten. Viel sanfter.
Beim Blick zurück, in die Schüssel. Ich schwör! Da schwamm eine 36 Jahre alten Tannennadel.

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Samstagmorgen

Das schönste an Wien? Wenn sie schon einmal vor Ort waren, wissen sie es. Ansonsten raten sie. Also? Die Kaffee-Kultur. Und damit verbunden? Die Kaffeehäuser. Meiner Meinung nach. Sehenswürdigkeiten gibt es viele. Überall auf der Welt. Kaffeehäuser nur in Wien. Natürlich können sie auch in Zürich in ein Cafe sitzen. Oder Basel. Bern auch. Oder sonstwo auf der Welt. Den richtigen Kaffeehaus-Groove erleben sie nur in Wien.
Damit ein Kaffeehaus funktioniert, braucht es eine bestimmte Art Mensch als Kellner. Oder Ober. Das können sie nicht lernen. Man wird so geboren oder lässt es gleich wieder sein. Für einen richtigen Kaffeehaus-Ober ist jeder Gast der sich erdreist das Etablissement zwecks Konsumation eines Getränkes zu betreten? Ein persönlicher Affront. Ein potentieller Angriff auf seine Würde und Integrität. Und das lässt er sie spüren. Sofort und unmittelbar. Sollten sie sich erdreisten und ihn zwecks einer Bestellung anzusprechen. Er entscheidet. Wann sie bedient werden. Und ob überhaupt. Sie harren. Aus. Und der Dinge, die da kommen. Oder auch nicht. Wenn er dann aber die Niederungen ihrer Wünsche betritt, ausnahmsweise, also wenn. Wehe ihnen. Wehe, sie kennen ihre Wünsche nicht schon in- und auswendig. Zeigen sie auch nur den Hauch einer Unsicherheit. Sei es auch nur in Form eines kurzen, kaum wahrnehmbaren Zuckens ihrer rechten Augenbraue. Zack. Und weg ist er. Wobei man das Zack nicht falsch interpretieren soll. Zack geht hier gar nichts. Auch nicht der Ober. Gemessen. Er wendet sich ihnen gemessenen Stiles ab. Und schreitet, jawohl, schreitet gemessenen Schrittes von dannen. Ich durfte dies einmal persönlich erleben. Ein sich abwendender Ober und ein Gast, der sich erdreistet hatte und ihm ein „Hallo, ich würde gerne bestellen“ hinterher rief.
Ca. 200 Personen, die sich im Kaffeehaus befanden, hörten es auch. Schlagartig totenstille. Auf sämtlichen Getränken, auch den heissen, bildete sich sofort eine rund zwei Zentimeter dicke Eisschicht. Kennen sie die Geschichte von Lot und seiner Frau? Aus der Bibel. Sodom und Gomorra. Lots Frau erstarrte zur Salzsäule. Als sie sich umdrehte und zurückblickte. Der Ober blickte auf das Hallo nicht zurück. Musste er auch nicht. Der Gast erstarrte dennoch. Quasi. Ich schwör. Und bedient? Bedient wurde er auch nicht.
Also. Sollten sie jemals die Ehre haben. Ein Kaffeehaus betreten zu dürfen. Dann gilt folgende Regel. Der Gast hat sich zu unterwerfen. Bedingungslos. Immer. Dies hat er durch geeignete Körperhaltung und Mimik zum Ausdruck zu bringen. Oder Salzsäule.
Dies geschieht in Wien. Tagtäglich. Und im Volkshaus. In Zürich. Das kommt einem Wiener Original schon sehr nahe. Vom Stil. Vor allem aber von den Kellnern her. Da trugen man heute mehrere hinaus. Erstarrte. Salzsäulen. Ich finds cool. Sass nämlich ganz still und unscheinbar in einer Ecke. Und trank Kaffee. Aus der Thermoskanne. Heimlich. Beobachtend.

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Die Geister der Vergangenheit

Samstagmorgen. Im Kosmos. Also. In der Stadt. Nicht das All. Wobei. Wäre ich auch mal gerne. Nur so. Kurz. Schauen, wies so ist. Da oben. Oder unten. Weil Sichtweise. Für die Einen ist oben unten. Und umgekehrt. Das Kosmos in der Stadt? Das ist schon mal der Hammer. Wann immer möglich, verbringe ich hier etwas Zeit. Ist so gar nicht Zürich. Und dann doch wieder. Nicht falsch verstehen. Nichts gegen Zürich. Ich liebe diese Stadt. Andere Städte aber auch. Zürich ist im Gegensatz zu den meisten anderen aber relativ klein. Sehr klein. Keine halbe Million Einwohner. In anderen Ländern ist das noch Dorf. Jetzt hat es aber einige Orte und Plätze in der Stadt. Die strahlen etwas aus. Internationalität. Urbanität auch. Grossstädtisches. Ist fast ein wenig wie ein Städtetrip. Nur näher halt. Billiger nicht unbedingt. Weil Zürich. Aber näher.
Also wenn immer möglich, sprich alleine, dann Kosmos. Viele meiner Geschichten sind hier entstanden. Also sind sie als Leser auch etwas Kosmos. Wenn mal in Zürich auf Besuch? Empfehlung. Nicht gleich Bahnhofstrasse und See. Kosmos. Sie werden es nicht bereuen. Ich schwör.

Also. Alleine mit meinen Gedanken. Bessere Hälfte hat Mädelsweekend im Tessin. Junior ist in der Schule versorgt. Kann also tun und lassen, wie ich will. Ab und zu schaut ein guter Freund vorbei. Oder mehrere. Darum dauern Geschichten hier immer länger. Der Ablenkung wegen. Ablenkung ist hier gross. Viel Publikum. Bunt gemischt. Durchaus auch ältere Semester. Man denkt ja immer. Diese älteren Semester. Eher rückwärts. Traditionsbewusst. Und so gar nicht Kosmos. Dabei. Faustdick hinter den Ohren. Diese Alten. Eigentlich paradox. Weil die Jungen. Heutzutage? Eher Altklug. Die Alten? Die machen dagegen auf jung. Und wie. Persönlich finde ichs ja gut. So lange es nicht kippt. Also Würde. Ein 70-Jähriger auf einer Harley? Da wackelts dann schon. Oder eine 60-Jährige mit einem 25-jährigen Freund. Von mir aus. Wenns Spass macht? Es soll ja durchaus 60-Jährige mit dem Hintern einer 20-jährigen geben. Aber ich will ja nichts gesagt haben. Umgekehrt genauso. Ich finde auch 60-jährige Männer mit einer 25-jährigen Freundin. Also wirklich. Und 60-jährige Männer? Wenn die sich mal von hinten im Spiegel sehen würden. Oha. Dabei ist es dann nicht nur der Hintern, der gegen Süden zieht. Da hat’s dann ja noch anderes.
Also jeder wie er will und ganz nach seiner Fasson. Nur eines. Eines geht dann wirklich nicht. Ich sage nur „Taschentuch“.
Wann wird ein Mensch wirklich alt? Wenn er eine Brille braucht? Oder Morgens eine Stunde, um aus dem Bett zu kommen? Oder man im Tram einen Platz angeboten bekommt? Freiwillig! Dann? Nein. Es passiert mit dem Taschentuch. Und den Enkeln. Gerade kürzlich wieder. Eine gute Freundin. Durchaus auch als Frau anziehend. Sie verstehen, was ich meine. Mittlerweile Oma geworden. Wir trafen uns auf einen Kaffee. Mit dem Enkel. Macht ja nichts. Ich habe kein Problem mit Kindern. Solange es nicht meine sind. Es hatte sowieso einen Spielplatz in der Nähe. Also Oma da, Kind weg, Kaffee und etwas Stärkeres auf dem Tisch. Gutes Gespräch. Auch übers älter werden. Dass man sich selber noch gar nicht so als Alt betrachte. Im Gegenteil. Gibt ja auch junge Grosseltern. Also junggebliebene. Man zähle sich selber auch dazu. Und dann kam Enkel. Zurück. An den Tisch. Rotzende Nase. Tränen im Gesicht. Die Schaukel hat ihn wohl etwas unglücklich erwischt. Beim Absteigen. Also Rotz und Tränen im Gesicht. Und was macht Oma? Mit der man sich gerade noch über wilde Zeiten und Sex und Gefühle und noch gar nicht alles vorbei unterhalten hat? Was macht sie?

Schnappt sich den Enkel. Und ein Taschentuch. SPUCKT DARAUF! Und wischt ihm das Gesicht damit ab. SPUCKE! Auf einem Taschentuch.

Das ist so etwas von Oma, da kann der Hintern noch so gut in Form geblieben sein. DAS machte meine Grossmutter auch

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