Konfusius

Eigentlich ist es ganz einfach. Es bedarf keiner grossen Kunst und geht ruck zuck. Ausserdem muss ich gestehen, ich mache es ab und zu noch ganz gerne. Menschen aus der Fassung zu bringen. So ganz nebenbei. Wirklich kein grosses Drama. Mehr so eine kleine, feine Bemerkung. Aus dem Hinterhalt. Quasi im Vorbeigehen. Wie letztens in der Stadt. Begegnet mir doch eine Bekannte, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Von der ich aber wusste, sie war längere Zeit Single und auf der Suche. Nach dem passenden Deckel. Wobei, für diesen Topf einen Deckel zu finden? Gar nicht so einfach. Weil, sagen wir mal. Sehr individuelle Form. Der Topf. Also nicht das sie meinen, einfach so in einen Laden und mal eben zur Verkäuferin und ich besitze einen Topf dieser oder jener Marke in der Grösse und suche jetzt einen Deckel. Und die Verkäuferin, ja, also, alles kein Problem und ich geh jetzt nur mal schnell ins Lager. Und kommt nach zwei Minuten mit drei verschiedenen Deckeln und alle passen wie angegossen und quasi nur noch eine Sache der Entscheidung, welcher. Aber so oder so sicher einen Deckel im Angebot. Passend auf den Topf.
Nein, so gar nicht. Kurz und gut. Auf solch einen Topf passt einfach kein Deckel. Nicht mal mit Biegen und Brechen. Daher war es so unwahrscheinlich. Quasi ausgeschlossen. Und sie wusste auch, dass ich das wusste. Darum eröffnete ich unser Gespräch mit den Worten: «Heh, Du!» «Schön Dich zu sehen!» «Und die Beziehung scheint Dir wirklich gut zu tun!».
Fassungslosigkeit beim Gegenüber. Wie käme ich nur drauf, sie sei in einer Beziehung? Weil, es stimme zwar, aber das könne ich doch gar nicht wissen? Wusste ich auch nicht. Ich habe geraten. Aufgrund dessen, dass dieser Topf, wenn wir mal bei dem Vergleich bleiben wollen, dass dieser Topf auf einmal etwas dickwandiger war. Und jetzt sind Frauen da gar nicht so viel anders als Männer. So lange Single, schöne, stylische Bratpfanne. Sobald Beziehung? Römertopf. Ich glaube, sie verstehen schon, was ich meine.
Andersrum ist es schwieriger. Also mich. Mich aus der Fassung zu bringen. Gelingt nur wenigen. Wenn überhaupt. So wie heute. Wir haben uns einen Weinkeller gemietet. Also keinen Ganzen. Nur ein Abteil in einem. Geht auch weniger um das Abteil, als dem, dem Abteil vorgelagertem, Degustationsraum. Den brauchen wir ab und zu. Aufmerksam darauf wurden wir durch Freunde. Die auch in einem Weinkeller ein Abteil haben. Und uns dies zeigten. Worauf wir uns ebenfalls um eines bewarben. Viel Schrift- und Telefonverkehr später, erhielten wir den Zuschlag. Einige Zeit später auch den Schlüssel. Und den probierten wir heute aus. Pilgerten also zu «unserem» Weinkeller, voller Stolz und Vorfreude und Fassung. Fassung auch. Standen vor der Türe, schoben den Schlüssel ins Schloss. Ging auch ganz leicht. Danach ging aber nichts mehr. Er lies sich nicht drehen. Auch nicht mit viel hin und her und auf und ab und zug und druck. Nichts. Also die Telefonnummer des Vermieters rausgesucht. Mit dem wir vorgängig viel Schrift- und Telefonverkehr. Der meldete sich auch gleich. Und meinte auf meine Frage, ob beim Öffnen der Türe allenfalls ein mir unbekannter Trick angewendet werden müsste. Was er verneinte. Sollte ganz leicht gehen. Ging aber nicht. Nach einigem hin und her dann die Frage. Äehm, wo stehen sie denn? Na wo wohl? Vor der Türe des Weinkellers. Der Weissen. Der Weissen? Äehm, die sollte aber rot sein! Rot? Aber die ist weiss. Wo wir den stünden, Adressenmässig? Na hier, an der XXX-Strasse Nr 14. Aha! Der Weinkeller befindet sich aber an der XXX-Strasse Nr 11. Sie stehe gerade vor dem Keller der Konkurrenz.
Fassungslosigkeit. Ein bisschen auf beiden Seiten. Ist, wie wenn sie eine Wohnung mieten. Die sie vorher besichtigt haben. Also wirklich drin waren. Dann mit dem Vermieter darüber sprachen, die Konditionen verhandelten, beide quasi stundenlang über die Wohnung reden und es nicht merken. Beide reden von jeweils etwas ganz anderem.
Er lotste uns dann per Telefon zum richtigen Keller. Unserem. Und hier zum zweiten Mal fast etwas fassungslos. Weil noch schöner als der erste. Sie werden es sehen. Wenn wir sie denn mal einladen.

Aber bewahren sie bitte Fassung.

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Die sieben Zwerge

Stellen sie sich vor, sie laufen durch den Wald. Die Sonne scheint. Die Vögel krakeelen voller Inbrunst im Geäst. Ab und an duftet eine Hundehinterlassenschaft mit ein paar Kräutern um die Wette. Oder dem Leder ihrer Schuhe. Sie verstehen schon. So für sich betrachtet, ist ein Wald was Wunderschönes. Voller Ruhe. Wenn denn Ruhe herrscht. Weil der Ruhesuchende ja dazu neigt, dabei Geräusche zu machen.  Auf seiner Suche nach der Stille. Meistens pfeift er. Als Jogger entweder aus dem letzten Loch. Oder als halbwegs musisch Begabter aus Ersterem. Was er nur selten tut, ist, sich unsichtbar zu machen. Optisch, wie akustisch. Wenn doch, ist er entweder Jäger und auf der Pirsch oder gerät dann mitunter unter Generalverdacht. Irgendetwas Halbseidenes oder gar illegales vorzuhaben. Jedenfalls. Egal wie. Es fällt auf. Immer. Je mehr sie sich darum bemühen, es gerade nicht zu tun.
Sie laufen also durch den Wald, querfeldein, wo noch erlaubt. Geniessen die Ruhe, nachdem sie eben noch von einem Mountain-Biker fast ins Jenseits oder zumindest ins Krankenhaus befördert wurden. Und auf einmal? Auf einmal stehen sie auf einer Lichtung. Umrahmt von Bäumen. Sanftes Sonnenlicht bildet goldene Inseln. Und mit ihnen sieben Zwerge. Also etwas Grössere. Damit man sie auch sieht. Wobei sie eigentlich ja gar nicht gesehen werden wollen. Die Zwerge stehen völlig unauffällig auf dieser Lichtung rum. Um Nichtsichtbarkeitbemüht . Der eine Zwerg hat die Hände in der Hosentasche, den Blick auf den Boden gerichtet. Sich möglichst klein machend. Der zweite Zwerg, etwas entfernt, tut noch unschuldiger, hat zwar auch die Hände in der Hosentasche, schaut dabei aber nach oben. Einem imaginären Vogel nach. Der dritte Zwerg steht nur da und schaut ins Leere. Der Vierte bohrt in der Nase, wobei ihm der Fünfte möglichst unauffällig zusieht. Nr. Sechs pinkelt gerade an einem Baum und der siebte Zwerg schliesslich, riecht an einer Blume und versteckt sich dahinter.
Sie tun alles, um möglichst nicht gesehen zu werden. Schon gar nicht soll jemand auf die Idee kommen sie seien «Die sieben Zwerge». Auf einer einsamen Lichtung im Wald. Bei der angekommen, jeder unbedarfter Waldwanderer sofort denkt: «Oh, hoppla, so ein Zufall. Diese Überraschung! Die sieben Zwerge, was tun die denn hier!?»
Genauso war es gestern Morgen. Wirklich. Ich schwör. Nur nicht im Wald. Sondern an der Tramhaltestelle. Irgendwo auf meinem Arbeitsweg. Und es waren nicht die sieben Zwerge. Es waren sieben VBZ-Kontrolleure, die aber analog der Zwerge im Wald auf dieser Lichtung, möglichst unverdächtig und vor allem unsichtbar an dieser Haltestelle rumstanden. Einer bohrte sogar in der Nase. Ich habe nämlich den anderen dabei zugesehen, wie er den Nasebohrer beobachtet hat. Unverdächtigkeit zu erregen hoffend.
Und während sie draussen an der Haltestelle so rumstanden, weil sie wohl erst auf das nächste Tram warteten. Wohl in der Hoffnung, darin dann mehr Schüler ohne gültiges Ticket zu erwischen. Währenddessen begannen all die Menschen in meinem Tram zu schmunzeln. Offensichtlich. Belustigt über das Schauspiel, dass sich ihnen so unverhofft an diesem Morgen bot.
Vielleicht sah der Eine oder Andere auch «Die sieben Zwerge!»

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Werte

Wir sind selber schuld. Die Meisten von uns jedenfalls. Ein paar schaffen es wohl. Eltern. Ihren Kindern. Etwas zu vermitteln. Werte. Werte wie Anstand, Fleiss, Zuverlässigkeit, Disziplin. Durchhaltevermögen. Sinn für Ordnung, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit. Und, ganz wichtig, Empathie. Anderen Menschen gegenüber. Auch anderen Kulturen und anderen Wertvorstellungen. So in diese Richtung. Sie wissen, was ich meine. Fifty-Fifty würde ich sagen. Was man so mitbekommt, wenn ich mich durchs Leben bewege. Und die Ergebnisse wahrnehme. Die einen 50% halten einem die Türe auf und gewähren den Vortritt. Auch wenn sie dann hinten in der Reihe stehen. Am Postschalter. Zum Beispiel. Die anderen 50% erkennt man daran, wie sie mit anderen Menschen und der Umwelt umgehen. Mitunter auch mit sich selber. Das bedenklichste finde ich ja die Wertschätzung. Keine Wertschätzung sich selber gegenüber. Oder dem Geld. Pumpte er mich doch tatsächlich an. Um ein paar Franken. Was er den damit machen will, wollte ich wissen. Vielleicht aufs Sparkonto? In Aktien investieren? Ein Buch kaufen? Man darf ja noch hoffen, nicht wahr? Er wollte es für eine Wertkarte für ein Onlinespiel. Weil man „schenke“ sich da gegenseitig immer etwas. Leichtes Zusammenzucken. Meinerseits. Weil mich anpumpen und dann schenken? Da klingelts bei mir in der Wertekiste.
Sie merken? Etwas gereizt. Ich. Meine Laune. Lag vielleicht auch etwas an meinen Mitreisenden. Aber eigentlich nicht. eigentlich liegts ja immer an einem selber. Wie man auf etwas reagiert. Sich von etwas beeinflussen lässt. Aber sie haben es mir nicht leicht gemacht. Im Zug von Meiringen zurück nach Zürich. Voller Touristen. Junior und ich in einem Vierer. Neben uns ein ältere Paar aus Amerika. Daneben im Zweier ein Paar aus Indien. Offensichtlich. Die kamen miteinander ins Gespräch. Wer, Wie, Wo, Was und Wohin. Es gab mal einen Werbefilm. In Deutschland. Über die Sparkasse. „Mein Haus, mein Auto, Mein Boot“. Kennen Sie nicht? Ziehen sie sich den ruhig mal rein: https://www.youtube.com/watch?v=U0MU-2_MuUE
So wars zwischen Amerika und Indien. Wirklich. Ich schwör. Bis dann das weibliche Indien fragte, ob Kinder und was die so machen würden. Weil ihr Sohn ja studiert an der Uni und den Job und den Verdienst. Da hätten sie Amerika erleben sollen. Das weibliche Amerika. Eine Tochter! Die arbeitet bei einer Pharmafirma. Im HR. Und ist dort Dr. so und so. Und verantwortlich für dies und das. „WORLDWIDE!“ Dieses „WORLDWIDE!“ wurde gefühlte 25 mal wiederholt. Und ein bisschen gespuckt dabei. Nur ein bisschen. Ich schwör. Vielleicht sassen auch die Dritten nicht mehr so fest. „WORLDWIDE“!
Indien wechselte dann schnell das Thema. Also das männliche Indien. Fragte das männliche USA wo sie denn schon überall gewesen seien. In der Schweiz. Natürlich überall (in einer Woche!!). Sei ja alles so klein hier. Nicht mal richtige Häuser hätten sie. In der Schweiz. Nicht so wie in USA. Mit einem Seitenblick auf Indien. Indien hat’s nicht gesehen. Und fragte „in Zürich auch?“
Das war dann der Moment, wo ich von „nur ein bisschen“, auf „sehr genau“ umgeschaltet habe. Zuhören, meine ich. Weil, wenn Indien und USA neben einem Zürcher Geschichtenschreiber anfangen über Zürich zu reden. Dann warnt man sie entweder vor (wegen der Werte und so und man würde das unter Umständen in einer Geschichte gegen sie verwenden!) Oder man warnt nicht. Ich vergass meine Werte für einen Moment. Weil Indien noch einmal nachfragte. „Ja, Zürich hätte man auch gesehen.“ Wie es Amerika denn gefallen hätte? DAS würde mich nun auch interessieren!? Und habe mich nur ein bisschen hinübergelehnt. „Zürich. Yes. What should I say?“ „It’s a City“. „A small one!“. Und man hätte hier nur einen halben Tag VERSCHWENDET und sei dann gleich nach Interlaken. Sagt Amerika. Zu Indien.
Mein Sohn? Was sagte mein Sohn zu mir? „Papa? Warum bist du gerade schon wieder so zusammengezuckt?“ Wissen sie. Ich bin 57. Jetzt gibt es so Augenblicke mit 57, da wissen sie bereits im vornherein. Es ist vergebens. Da können sie machen und erzählen und argumentieren was und wie sie wollen. Für die Katz! Da dringen sie nicht durch. Schon gar nicht gegen „WORLDWIDE!“. Und habe es beim Zucken belassen.
Aber mit meinem Sohn. Mit dem spreche ich dann noch einmal über Werte. Und 20 Franken. „WORLDWIDE!“

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Sport ist Mord

Ich komme drauf, weil Iron Man. Letztes Weekend. In Zürich. Zum letzten Mal übrigens. Nächstes Mal, geht es dann nach Thun. Also die Veranstaltung als solches. Weil für Zürich? Zu demoralisierend. Nicht am Anfang. Nicht die Profis. Das ist ja eigentlich ein schönes Bild. Bis in die letzte Haarspitze durchtrainierte Frauen und Männer. Wenn sie denn noch Haare haben. Weil rasiert. Überall. Wegen der Windschnittigkeit. Oder so. Ein schönes Bild, wenn solche Menschen vom Start weg locker lässig durch die Landschaft hopsen, schwimmen, rennen und pedalen. Und am Ende mit einer Zeit von 8:17:04 frischer durch das Ziel laufen als ich nach nur 20 Minuten aus meiner Lieblingsbar komme. Zum letzten Mal. Der Iron Man Switzerland. In Zürich. Der nächste ist in Thun. Die können vielleicht eher damit umgehen. Weil schön und lässig? Das sind nur die ersten 20 Teilnehmer. Danach beginnt das Desaster. Und wenn dann man dann spätnachmittags durch die City schlendert. Wie viele andere Menschen auch. Dann sehen sie nur noch das hintere Feld. Die hopsen nicht mehr. Oder nur noch ganz selten. Also Bilder gibt es da. Sie werden es nicht glauben. Durch die Innenstadt. Vorbei an den Nobelboutiquen der grossen und sehr teuren Marken. Da kommen sie aus eben einem dieser Läden. Links die Einkäufe. In mehreren Taschen. Rechts die dazugehörige Partnerin. Träumen von einem Glas Prosecco oder zwei oder drei. Und dann hatscht ihnen so ein Zombie direkt vor der Nase vorbei. Und nicht nur einer. Dutzende. Da kann einem der Prosecco schon im Halse stecken bleiben. Da hat man dann gar keine Lust mehr drauf. All diese armen, leidenden Sportler. Darum sagt Zürich nein zu Iron Man 2020. Und schickt sie nach Thun.

Diese Kurzgeschichte ist eigentlich nur der Einstieg. Zum eigentlichen Thema. Welches die brutalste Sportart ist. Dachte ich nämlich auch immer. Iron Man. Oder Boxen. Oder Formel 1. Ich wurde eines Besseren belehrt. Letzen Dienstag erst. Und wirklich. Ich schwör. Es ist das Fahrradfahren. Also Velo. Rennrad, um genau zu sein. Und nicht, dass sie jetzt denken „klar, Recht hat er!“ Es werden ja ab und zu Fahrradfahrer auf freier Wildbahn abgeschossen. Meine Herren. Das auch. Aber wir waren auf der Rennbahn. Einer Radrennbahn. In Zürich. Da ist nix mit freier Wildbahn. Da kommt auch kein 45 Tonner um die Seite und drückt ihnen mal so eben ein Zwillingsrad ins Kreuz und sie damit in den Teer. Mitsamt ihrem Velo. Und trotzdem. Weil, es ist die Sprache. Und das Publikum. Jetzt muss man wissen, es gibt nicht so derart viele Radrennbahnen. Daher kommen die Menschen, die Velofahrer, oft von weiter weg daher. Um hier zu trainieren. Sie haben dann nicht nur ihre Velos im Gepäck. Oft auch noch ihre halbe Entourage. Oder die ganze. Und oft kommen diese Fahrer aus dem benachbarten Deutschland. Und Österreich. Die trainieren dann da. Während die Entourage als Publikum figuriert und dabei zusieht. Jetzt muss man auch noch wissen. Die sind meistens älter. Eine andere Generation. Die Zuschauer. Und in Deutschland und Österreich sind gewisse Themen aus der Vergangenheit. Sagen wir mal, etwas behaftet.

Und wenn dann der Richter, also der, der sagt, welcher Velofahrer denn nun gewonnen hat und welcher nicht. Also wenn der Schweizer ist. Und sich einer etwas eigenen Sprache bedient. Und dazu noch einer der Fahrer Eichmann heisst. Also aus Versehen. Wenn der dann ausscheidet aus dem Rennen und der Richter über Mikrofon ins Rennbahnrund schreit „EICHMANN!! Eichmann wurde soeben ELEMINIERT!!“ Da kann man schon verstehen, dass die gesamte Haupttribüne zusammenzuckt.
Kollektiv. Also ziemlich viele. Weil halt noch etwas behaftet. Nicht dass sie meinen das wars jetzt. Oh nein. Der Richter doppelt dann noch nach: „Das wars denn!“ „Jetzt hats ihn erwischt!“
Und wenn dann einer der wenigen Schweizer auf der Tribüne, wenn der dann auch noch neben einem Angehörigen des Eichmanns sitzt. Und der Geschichte nicht so ganz mächtig ist. Wenn der dann zu eben diesem Angehörigen auch noch sagt: „Ach, machen sie sich nichts draus!“ „Der Eichmann, der war halt nicht effizient genug!“ Da kann man es schon verstehen:

Brutal! Brutal wie’s dem die Augen aus den Höhlen treibt.

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Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens mit diesem Geisterfahrer. Autobahn. 83 Jahre alt. Der Fahrer. Die Autobahn nicht. Rammt als Geisterfahrer auf der Autobahn frontal ein anderes Auto. Er danach effektiv. Ein Geist. Zukünftig. Die Gerammten? Leben noch. Inskünftig wahrscheinlich mit einem Trauma. Aber immerhin. Datum, Uhrzeit, Automarke, Wetter. Fertig. Sie meinen, da gäbe es keinen zweiten Ausdruck, den der Schreiber rüberbringen wollte? Mal davon abgesehen, dass er mit der Angabe des Alters des Geisterfahrers zum Ausdruck brachte, dass seiner Meinung nach so alte Menschen nicht mehr in ein Auto und schon gar nicht auf eine Autobahn gehören. Sondern doch am besten zuhause bleiben und in mehr oder weniger grossen Würde alleine das zeitliche zu segnen hätten. Aber ich sag ja nix. Respektive nur zu meinen Söhnen. Nicht alles glauben, was euch so gesagt wird. Und ab und zu mal Dinge hinterfragen.
Darum sind sie heute wie ich. Und glauben nicht mehr alles, ohne es zu hinterfragen. Wie zum Beispiel, dass die Schweizer ein unfreundliches Volk seien. Und extremst abweisend gegen alle anderen. Und es sei nicht möglich mit „denen“ eine Freundschaft aufzubauen. Hört man ja immer wieder. Respektive liest man auch. Auch hier gibt es zwei Seiten. Ich habe öfters festgestellt, dass Menschen, die eine solche Aussage machen…nun ja..sagen wir mal, nicht immer ganz einfach im Umgang sind. Und man deshalb dann eher meidet. Dann ist es aber auch egal, was sie für eine Nationalität die haben. Dann finden nämlich auch Schweizer eher weniger Freunde. Wenn schwierig im Umgang. Lassen wir das mal so stehen. Weil, generell kann man sagen. Berührungsängste haben auch die meisten Schweizer eher weniger. Manche sogar sehr wenige.
Unter der Woche trage ich gerne weisse Hemden. Weil Kundenbesuche und seriöser Eindruck und so. Darüber meistens ein Jackett. Ausser wenn hochsommerlich. Dann trage ich zum weissen Hemd zwar auch ein Jackett. Aber über dem Arm. So. Wenn man nun mit so einem weissen Hemd und Jackett überm Arm durch den Hochsommer läuft? Was passiert dann ab und zu? Man wird zur Landezone. Diverser Insekten. Manche werden auch zur Landezone von Spritzern diverser Saucen. Beim Mittagessen. Oder Abends. Da hat man dann doch eher Berührungsängste. Also nonverbal gesehen. Verbal nicht. „Oha!? Gab’s Spaghetti zum z’Mittag?!!“ Süffisantes Lächeln inklusive. Manchen Menschen verderben sie damit locker den Rest des Arbeitstages. Spannend. Ich habe darum immer ein zweites Hemd im Büro. In einer Schublade. Weil man sagt den Schweizern auch nach, sie seien Vorsichtig. Und vorbereitet. Ha! Also Sauce auf weissem Hemd eher nicht. Aber Insekten. Die sitzen dann so rum. Auf dem Hemd. Und lassen sich mittragen. Ohne dass es der Träger bemerkt. Ich auch nicht. Bis in den Lift. Da stand eine mir persönlich nicht bekannte Dame mir gegenüber. Und fixierte mein Hemd. Das weisse. Ich denke mir noch, was fixiert die mich so? Gab doch gar keine Spaghetti. Da tritt die Dame forschen Schrittes auf mich zu. Hebt ihre Hand, sagt „Äxgüsi!“, und scheucht ein Insekt von meiner Landezone. Auch wildfremd. Und mir persönlich nicht bekannt. Das Insekt. Wenn ich das machen würde? Als Mann? Bei einer Frau? Einer fremden Frau? Die schauen einen in Zürich schon komisch an, wenn man ihnen ein Kompliment wegen ihres Outfits macht. So mit einem Blick von wegen „Ey, Alter!!!!??“ „Was ist los? Willst Du mich anmachen?“ Vielleicht ja Berührungsängste. In dem Moment.
„Äxgüsi!!“ Einem Wildfremden gegenüber. Nix mit Berührungsängsten. Wir Schweizer. Und ich?Stehe noch zwei Sekunden verdattert im Lift. Sag artig danke. Und bin froh, noch ein zweites Hemd auf Reserve zu haben. Man weiss ja nie…

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Knall auf Fall

Die heutige Geschichte hat einen etwas, sagen wir, schalen Nachgeschmack. Hängt auch damit zusammen, wie ich gewisse Ereignisse verarbeite. Mir eilt der Ruf voraus, ich sei etwas unsensibel. Mitunter sogar sarkastisch. Wo das nur her kommt? Woher der schale Nachgeschmack kommt, kann ich ihnen sagen. Wir haben das Glück, in einer nahezu heilen Welt zu wohnen. Hier, in der Altstadt von Zürich. Weil nur ca. 3500 Einwohner. Man kennt sich. Mehr oder weniger. Soziale Kontrolle arbeitet. Fast wie auf dem Land. Daher war dieser Knall auf Fall auch etwas sehr überraschend. Einer der hier ansässigen Mitbewohner kam mit seinem Leben nicht mehr klar. Offensichtlich. Er wählte eine Art Notausgang. Und sprang vom Dach. Letzten Montag. Genau vor die Türe der Reinigung, die meine Hemden wäscht. In Unterhosen. Es ist ja grundsätzlich tragisch. Immer. Wenn ein Mensch aus dem Leben scheidet. Auf welche Weise auch immer. Tragisch auch, dass man es nicht kommen sah. Also man sah es dann schon kommen. Ihn. Durch die Luft. Morgens um 08:00 Uhr. Die Schulkinder waren zum Glück schon durch. Die Angestellten der Geschäfte und Lokale aber noch nicht. Denen sprang er vor die Füsse. Quasi. Die, die es gesehen haben, die müssen jetzt damit klar kommen. Auch nicht ganz einfach. Tragisch. Möge er zumindest jetzt in Frieden ruhen, da er diesen schon nicht vorher fand.

Zurück zur Geschichte. Weil, ich kann es ja nicht ändern. Das Leben wurstelt weiter. Für uns anderen. Geht wie so oft um Werte. Weniger die inneren. Mehr die materiellen. In meinen jungen Jahren war eines meiner Hobbys das Gleitschirmfliegen. Weil Flugangst. Damals. Ich. Sehr. Wenn man vor etwas Angst hat, muss man dem erst recht begegnen. Im vollen Bewusst sein. Sagte mein Vater. Darum Gleitschirm. War am Anfang weniger toll. Später dann mehr. Und Angst? Die verschwand mit der Zeit. Man muss dazu wissen. Ich habe, sagen wir es mal so, einen starken Knochenbau. Mein Grundgewicht war schon immer um die 100 Kilo. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Also ausser bei meiner Geburt. Aber auch damals etwas über der Norm. Meine arme Mutter. Jetzt, wenn etwas mehr Gewicht an einem Gleitschirm hängt, dann kommt man mitunter etwas schneller runter. Sie können sich das so vorstellen. Werfen sie mal aus dem fünften Stock eine Feder und eine Weinflasche aus dem Fenster. Letzteres sollten Sie vorher evtl. leeren. Und achten sie darauf, was unten gerade vorbei läuft. Sie werfen also. Und? Die Weinflasche wird deutlich schneller unten sein, als die Feder. Jetzt stellen sie sich mich als Weinflasche vor. Am Gleitschirm. Alle anderen Flugschüler quasi Federn. Ich nicht.

Meine Landungen waren eist entsprechend. Zumindest zu beginn. Glichen mehr einem Einschlag als etwas anderem. Dass der Fluglehrer aber immer rief „Achtung!! Granate!“. Das hielt ich für etwas übertrieben. Wurde mit der Zeit zwar besser. Aber nicht so sehr, als dass ich dann das Fliegen irgendwann aufgab. Jedenfalls, dass erste was ich tat? Nach meinen Landungen? Schauen ob noch alles dran war. An mir. Keine Knochen gebrochen, etc. Erst danach kam der Schirm an die Reihe. Und zuletzt der Fluglehrer. Der behauptete immer, ich täte das mit Absicht. Und zielte auf ihn. Nur weil ich ein einziges mal gebodigt habe. Und das ganz ohne Absicht. Ich schwör. Heute? Heute haben sich die Werte wohl etwas verschoben. Allgemein. Nehmen sie zum Beispiel einen Unfall. Früher hielt man an und versuchte zu helfen. Heute hält man an und macht erstmal ein Foto. Oder ein Video. Am besten noch ein Selfie. Schlimm. Schämt Euch.

Oder mein Junior. Der überschlug sich kürzlich mit dem Velo. Relativ heftig. Beulen, Prellungen und einen gebrochenen Arm. Aber als er da so auf der Strasse lag? Nicht, wie geht’s mir? Nicht, lebe ich noch? Nein. Ist mein Handy noch ganz? Das war die zentrale Frage. Armbruch? Das ist kein Beinbruch. Quasi. Aber Glasbruch am Handy? Katastrophe.

Zurück zum Sprung vom Dach. Betroffenheit war gross. Weniger wegen des Sprungs. Sondern weil in Unterhosen. Und mitten am hellen Tag. Zum Glück seien die Kinder schon  durch gewesen. Man hätte dazu doch in den Wald gehen können.

Bedauernswerte Familie. Da war eine Frau. Und auch ein Kind. Mein Beileid in dieser traurigen Zeit.

Ruhe in Frieden. Zumindest jetzt.

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Überhitzung

Also! Ich weiss es ja wirklich nicht. Wer auf so glorreiche Ideen kommt. Also eigentlich weiss ich es schon. Stand ja der Name dahinter. In der Zeitung. Es muss wohl an der Hitze liegen. Zum Beispiel dass man im ÖV nur noch auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur runterkühlt. Aussentemperatur ist 36 Grad. Drinnen bläst einen die „Kühlung“ also 30 Grad ins Gesicht. In einem vollbesetzten Zug oder Tram. Wer kommt auf solche Ideen? Angeblich wegen des Klimas. Seien ja nur ein paar Tage. Stimmt. Sind es. Nur ein paar Tage, die es bei uns so heiss wird. Die werden die Energiebilanz vom Rest des Jahres nicht retten. Aber mein Leben. Vermutlich war man aber bei der Beschaffung des Rollmaterials zu geizig. Alles billig. Auch die Klimaanlagen. Ausgelegt auf max. 28 Grad Aussentemperatur. Wer kann den schon damit rechnen, dass es bei uns mal über 30 Grad wird. Wie jedes Jahr im Spätherbst/Frühwinter. Wenn man wieder einmal vöööööllig überrascht wurde. Vom ersten Schnee. Den der Wetterbericht schon 14 Tage vorher ankündigte. Es könnte Leben retten. Meines. Oder das ein paar anderer, insbesondere älterer Herrschaften. Dafür wird dann im Frühling und Herbst auf 18 Grad runtergekühlt. Mehrfach selber erlebt. Auf Nachfrage beim Schaffner folgende Antwort: „Es gehe nicht anders.“ Er könne das nicht regulieren. Aber 14 Tage im Sommer. Da geht das auf einmal. In die andere Richtung. Es müssen ja nicht 18 Grad sein. 24 tun es auch. Aber tut es!
Oder dann diese Person in den Nachrichten. Man überlege sich, den Schulkindern im Sommer drei Monate Ferien zu geben. Drei Monate! Ich weiss schon nicht, wie ich fünf Wochen überleben und organisieren soll. Vermutlich zu lange in einem auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur gekühlten Tram gesessen. Zur Stosszeit. Der Fahrer hat übrigens eine eigene Klimaanlage. Die er selber regulieren kann. Und runterkühlen. Weil, er müsse ja bei Sinnen bleiben bei diesen Temperaturen. Müssen die Passagiere offensichtlich nicht. Warum auch. Müssen ja nicht den ÖV benützen.
Mehr Beispiele? Die Kapitänin, des Flüchtlingsschiffes, die verbotenerweise Italienische Gewässer anfuhr. Mit ein paar Dutzend Flüchtlingen an Bord und ihnen damit, zumindest temporär, das Leben rettete. Die wird verhaftet. Weil sie sich an Seerecht hielt. Und Menschen in Not rettete. Verhaftet. Überlegt mal, was ihr da tut. Oder besser! Überlegt lieber nicht. Weil sonst kommt es so raus, wie oben beschrieben. Geht raus. In den Wald. An die frische Luft. Zu Fuss. Und lauft ein paar Stunden. dann kommen ja vielleicht ein paar bessere Ideen.
Einen schönen, langen und warmen Sommer wünsche ich Euch!

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Orientierung

Ich habs gesehen. Persönlich. Selber. Ich schwör. Geplatzt. Wie ein Luftballon. Der Kopf. Also beinahe zumindest. Von dem Typen. Weil Prinzip Staubsauger. Aufgesogen. Ohne Punkt und Komma. An einer Veranstaltung an der Uni. Öffentliche. Sass er in der Reihe vor mir. Ich konnte es saugen hören. Im Sinne des Wortes. Und weil so viel an Informationen und der Typ eher klein, sein Kopf auch. Peng. In meiner Vorstellung. Aber ein bisschen konnte ich es hören. Ich schwör!
Die Menschen sind verschieden. Die einen benutzen ein Navigationsgerät. Orientierung trotzdem gleich null. Weil alle Informationen einfach abprallen an ihnen. Die Anderen? Die saugen Informationen auf wie ein Staubsauger. Und brauchen dann nicht einmal mehr ein Navi. Weil? Orientierung beruht auf Informationen, richtig? Eben. Also nicht nur die räumliche Orientierung. Auch die, die einem sagt, wo man steht im Leben. Und jetzt, je nachdem wie man umgeht mit den Informationen, weiss man es oder dann halt nicht. Oder bildet es sich ein. Zumindest.
Wie letztens bei besserer Hälfte. Gut, wir waren an einem für uns fremden Schlafzimmer. An einem fremden Ort. Ein schöner, allerdings. Der Ort. Das Schlafzimmer auch. Vorher ein schöner Abend. Fast ganz. Ein kleiner Teil weniger. Wussten wir dann aber erst in eben diesem Schlafzimmer. Wir waren anlässlich dieses schönen Abends am Meer in einem Restaurant. Dort gab es Fisch. Für bessere Hälfte. Der war vielleicht nicht mehr ganz so wie er sein sollte. Vielleicht war es aber auch etwas anderes. Was sicher war? Übel. Besserer Hälfte war es übel. Und musste Nachts ein paar mal auf die Toilette. Die war in ihrem Raum. Links vom Bett. Rechts vom Bett war das Fenster. Mit einem Vorhang davor. Ganz schmaler Spalt geöffnet. Diese Informationen waren bekannt. Hapern tat es dann aber mit der Orientierung. Weil Schlaf und dann Übelkeit und fluchtartiges aufsuchen der Toilette. Mehrfach. Aber jedes Mal zuerst Richtung Fenster. Beim dritten Mal murmelte ich schon bei der ersten Bewegung unter der Decke vor „liiiiihinks!“ Ging dann doch zuerst rechts.
Mit der anderen Art von Orientierung kämpfte ein älteres Paar letztens an der Züri Pride. Züri Pride? Sie wissen schon. Menschen mit einer Art Orientierung, die sich von meiner unterscheidet. Darüber, wo sie im Leben stehen wollen. Und vor allem als was. Die trafen sich alle in Zürich. Anlässlich dieser Pride. Ich übrigens mittendrin. Weil, wenn auch nicht unbedingt ihrer Meinung, so doch ganz amüsant. Party. Auf dem Platz vor der Oper. Darauf tausende von fröhlichen und tanzenden Menschen. Und dieses Paar. Das stand vor dem Theater neben der Oper. Wartete wohl auf den Beginn ihrer Vorstellung. Und während sie so warteten, beobachten sie das treiben auf dem Platz. Ich stand in der Nähe und beobachtete das Paar. Weil, ich schwör! Ich hörte es wieder saugen. Bei beiden. Und anhand ihres Gesichtsausdruckes schloss ich, ihre Orientierung im Leben? Eine andere. Definitiv. Es saugte und saugte.
Jetzt gibt es ja Homosexuelle und Homosexuelle. Die einen leben es eher nach innen. Die Anderen nach aussen. Sehr. Auch in Form als Drag Queens. Haben sie schon mal eine solche gesehen? Ja? Nein? Das Paar mit Sicherheit eher nicht. Es saugte und saugte. Die Informationen. Und auf einmal lösten sich aus der Masse Menschen eine Gruppe Drag Queens. Und lustwandelte. An dem Paar vorbei. Das war der Moment. Wo ich wieder einen Kopf platzen hörte. Weil zu viel Informationen. Die nicht in die Orientierung passten.
Peng!

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Tierische Geschichten

Einen Hund. Ich hätte gerne einen Hund. Wir hätten gerne. Sind mit Hunden aufgewachsen. Immer schon. Nicht einfach nur normale Hunde. Von der Grösse her schon. Farbe und so auch. Aber Charakter. Immer speziell. Sehr. Und immer Vaters Hund. Wir Kinder durften sie streicheln. Füttern auch. Spielen sowieso. Wenn’s ums Folgen ging? Dann nur Vater. Platz zum Beispiel. Wir konnten es ihnen befehlen. Oder vormachen. Oder versuchen, sie zu zwingen. Nichts. Stoisch wie ein Denkmal. Sogar bei Mutter. Bei der auch Vater Platz machte, wenn sie es befahl. Die Hunde? Stoisch. Vielleicht mal ein Blick von der Seite. Aber eher selten. Nicht mal ein Zucken im Schwanz. Die Hunde. Nicht Vater. Vater sah sie nur an. Sitz. Wenn er sie einen Augenblick länger an sah? Eine Zehntelsekunde vielleicht? Dann sogar Platz. Also liegen. Ohne ein Wort. Sie hatten auch ihre Plätze. Auf der Couch. Oder einer Hundedecke auf dem Boden. Oder in der Küche unterm Tisch. Überall. Wenn Vater da war? Neben ihm. Sitz. Immer. Wir hatte zuhause Parkett. Vater auswärts? Dann konnten wir die Hunde an ihren Schwänzen durch die Wohnung ziehen. Kein Problem. Oder ihnen einen Knoten in die Ohren machen. Alles möglich. Vater in seinem Sessel? Hund daneben. Seine Hand auf ihrem Kopf. Wehe, wir sahen sie dann nur an. Oder versuchten sogar, sie zu streicheln. Lefzen fletschen, tiefes Knurren, gefährlicher Blick. Vom Hund auch. So war das.
Darum hätte ich gerne wieder einen. Der wäre dann auch so. Aber wir haben leider keine Zeit für ein Tier. Und ehrlich gesagt. In der Stadt? Möchte ich einem Hund nicht antun.
Letzte Woche. Tram. Im 4er. Von Altstetten nach Tiefenbrunnen. Am Schiffbau. Wir sassen ganz hinten. Mit einer Horde Jugendlicher. Unterwegs ans Vorglühen. Respektive schon voll dabei. Und wie so junge, testosterongesteuerte Halbwilde halt so sind. Eine riesen Klappe. Alle. Über alles. Die Welt, ihr Leben, ihre beruflichen Aussichten, wie schnell sie Kohle machen würden. Und wie viel Frauen sie heute Abend anbaggern und abschleppen. Riesen Klappe. Bis Dammweg. Das sind drei Haltestellen ab Schiffbau. Das Tram hält. Die hintere Tür öffnet sich. Herein trottet ein schneeweisser Mastino. Mit blutunterlaufenen Augen. Eine Leine hinter sich herziehend. Am anderen Ende der Leine? Niemand. Der Mastino, gross wie ein Kalb, trottet also ins Tram. Bis vor zu den Jugendlichen. Schaut sie an. Und legt sich hin. In den Gang. Mittendrin zwischen den acht Jungen. Links im Abteil vier, rechts im Abteil vier. Dazwischen der Mastino. Aus wars mit Vorglühen. Jetzt. Zufällig kenne ich dessen Besitzer. Weiss, dass dieser mitunter etwas heftig mit sich selber beschäftigt ist. Und dann den Hund schon mal vergisst. Der Hund, dem macht das nichts. Der ist die Friedlichkeit in Person. Der weiss wo er zuhause ist. Und zottelt dann halt alleine los. Das er gefährlich aussieht und als Kampfhund gilt, dass weiss er glaubs gar nicht. Wer sollte ihm es auch sagen. Die acht jungen Welteroberer ganz sicher nicht. Ich? Ich sah zu. Und harrte der Dinge, die da kommen. Weil mittlerweile war man am Limmatplatz. Hier wollte man sich dann eigentlich ins Nachtleben stürzen. Man stürzte lieber nicht. Der Hund hat einen Namen. Bruno. Vermutlich würde ich ihn genauso nennen. Obwohl er eher nach Brutus aussieht. Den Platz zu verlassen und aussteigen? Man hätte Bruno beiseite schieben müssen. Oder ihm einfach sagen „Bruno, geh auf die Seite“! Ich weiss das. Die Helden der Nacht wussten das nicht. Die sassen noch bis Bahnhofquai. Dort kam dann eine Dame der VBZ. Voll Elan. Ins Tram. Mit einer dünnen, kurzen Hundeleine. Elan und Befehlston. Sie solle hier einen herrenlosen Hund…. Elan und Befehl. Bis sie Bruno sah. Fertig Elan. Weiter vorne ein Pärchen. Mit einem Mops. Und einer Packung Hundekekse. Eigentlich für den Mops. Das Pärchen sprach die Dame von der VBZ an. Die, die immer noch Prinzip Salzsäule. Man könnte ja vielleicht mit den Hundekeksen versuchen. Das wollte die Dame aber nicht. Offensichtlich. Zum Glück kam dann Einer, der Bruno auch kennt. Leider. Der griff nach seiner Leine. Das Tram hielt den Atem an. Und führte einen etwas verdattert dreinschauenden, weissen, kalbsgrossen Mastino aus dem Tram.
Apropos Tiere. Letzte Woche in Bremen. An einem Abendessen. Es gab Schweinshaxe. Von einem iberischen Schwein. Welches nur Eicheln frisst. Und Wurzeln. Sagt der Kellner. Da tauchte die Frage auf. Ist so ein Schwein dann vegan? Und darf von einem Vegetarier gegessen werden?
Was meinen sie?

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Würdelos

Wir! Also ich! Um genau zu sein. Ich hatte schon einmal eine ganz ähnliche Geschichte. Von wegen der Würde. Obwohl damals weniger Würde. Sondern mehr Yoga. Ich versuchte mich in Sachen Yoga. Was dann in die Hose ging. Im Sinne des Wortes. Also meine Würde verlies mich. Auf eher unkonventionellem Weg. Das wars dann. Mit der Geschichte. Und dem Yoga auch. Jetzt dreht sich ja die Welt im Kreise. Die Menschen darauf auch. Und die Geschichten quasi sowieso. Darum kommt es noch einmal. Das mit der Würde.
Es ist ja offiziös. Steht in gewissen Büchern. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was immer das auch wirklich heissen mag. Weil angetastet wird ja immer. Tag ein, Tag aus. Meist im Kleinen. Abschätzige Bemerkungen. Anderen Menschen gegenüber. Zum Beispiel den Verkehrs regelnden Assistenzdienern am Central. Wenns wieder einmal nicht schnell genug. Und so. Dann wird angetastet. Von extern her. Intern aber auch. Also man sich selber. Man kratzt an der eigenen Würde. Bewusst, oder unbewusst. Bewusst tue ich es gerade einmal die Woche. Bei meiner Physiotherapeutin. Sie ist eine Frau. Und jung. Und fit. Also auch optisch. Ich bin ein alter Sack. Und relativ bis sehr. Sagen wir mal. Unfit. Und ein Mann. Darum ist es mir egal. Wenn ich in schlecht sitzenden Unterhosen neben ihr auf der Matte liege und versuche. Mit aller Inbrunst. Einen Rest von Würde zu bewahren. Während ich meine Übungen machen. Die sie mir vorgibt. Also zuerst dieses Bein und dann das andere Bein und dann halten. Und atmen. Atmen auch noch? Während ich verzweifelt versuche meine Unterhose und vor allem deren Inhalt irgendwie an seinem Platz zu halten. Während meine Beine irgendwo in der Gegend und atmen soll ich dann auch noch? Tief und ein und aus und regelmässig. Beim letzten Mal lies ich meine Blick schweifen. Nein, nicht wegen der Dame. Die hätte nackt neben mir liegen können. Nein, auf der Suche nach dem Standort des Defibrillators.
Das Spannende ist, dass mir in dieser Situation meine Würde am Hintern vorbei geht. Im Sinne des Wortes. Da bin ich realistisch genug. Ich schwör. Es ist wie es ist. Also war versuchen etwas zu zeigen, was man in der Situation nicht mehr zeigen kann.
Ich fahre Zug. Oft. Darum bin ich öfters am Bahnhof anzutreffen. Meist schon etwas früher. Um einen Kaffee zu trinken. Damit ich ansprechbar bin. Weil ohne Kaffee? Kein Ton. Und mürrischer Gesichtsausdruck. Ich habe mein Stammlokal am Bahnhof. Stammlokal heisst, ich trete durch den Eingang. Und der Barmann ruft schon zu seinem Barista „einmal Latte Macchiato und ein Glas Wasser und ein Gipfeli für da trinken“! Das heisst Stammbar für mich. Das schnappe ich mir dann und verzieh mich nach draussen. Weil Kaffee trinken und Leute beobachten. Das geht draussen besser als drinnen. Und normalerweise stehe ich dann einfach auf und gehe zu meinem Zug. Nur letztens. Letztens stimmte etwas nicht. Alles war irgendwie verrutscht. Also kleidungsmässig. Die Bar. Die Bar besteht aus Glas. Sich spiegelnden Glaswänden. Und die sind Schuld daran. Wegen der Würde. Weil am Abend vorher Physio. Übungen. Vor einem Glasspiegel. Und als ich mich umdrehte, um in der spiegelnden Glaswand die verrutschten Kleider….. Und dabei den Hosengürtel öffnete…… da muss ich gedanklich irgendwie beim Spiegel in der Physio….. und keine Würde. Die kam dann erst ganz langsam wieder. Nachdem die zwei älteren Damen auf der anderen Seite der für sie NICHT spiegelnden Glaswand aufgehört hatten zu kreischen……von wegen des vermeintlichen Exhibitionisten draussen.
Zum Glück wars meine Stammbar. Da ist mir meine Würde egal. Sonst gäbe es jetzt eine Neue.

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