Werte

Wir sind selber schuld. Die Meisten von uns jedenfalls. Ein paar schaffen es wohl. Eltern. Ihren Kindern. Etwas zu vermitteln. Werte. Werte wie Anstand, Fleiss, Zuverlässigkeit, Disziplin. Durchhaltevermögen. Sinn für Ordnung, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit. Und, ganz wichtig, Empathie. Anderen Menschen gegenüber. Auch anderen Kulturen und anderen Wertvorstellungen. So in diese Richtung. Sie wissen, was ich meine. Fifty-Fifty würde ich sagen. Was man so mitbekommt, wenn ich mich durchs Leben bewege. Und die Ergebnisse wahrnehme. Die einen 50% halten einem die Türe auf und gewähren den Vortritt. Auch wenn sie dann hinten in der Reihe stehen. Am Postschalter. Zum Beispiel. Die anderen 50% erkennt man daran, wie sie mit anderen Menschen und der Umwelt umgehen. Mitunter auch mit sich selber. Das bedenklichste finde ich ja die Wertschätzung. Keine Wertschätzung sich selber gegenüber. Oder dem Geld. Pumpte er mich doch tatsächlich an. Um ein paar Franken. Was er den damit machen will, wollte ich wissen. Vielleicht aufs Sparkonto? In Aktien investieren? Ein Buch kaufen? Man darf ja noch hoffen, nicht wahr? Er wollte es für eine Wertkarte für ein Onlinespiel. Weil man „schenke“ sich da gegenseitig immer etwas. Leichtes Zusammenzucken. Meinerseits. Weil mich anpumpen und dann schenken? Da klingelts bei mir in der Wertekiste.
Sie merken? Etwas gereizt. Ich. Meine Laune. Lag vielleicht auch etwas an meinen Mitreisenden. Aber eigentlich nicht. eigentlich liegts ja immer an einem selber. Wie man auf etwas reagiert. Sich von etwas beeinflussen lässt. Aber sie haben es mir nicht leicht gemacht. Im Zug von Meiringen zurück nach Zürich. Voller Touristen. Junior und ich in einem Vierer. Neben uns ein ältere Paar aus Amerika. Daneben im Zweier ein Paar aus Indien. Offensichtlich. Die kamen miteinander ins Gespräch. Wer, Wie, Wo, Was und Wohin. Es gab mal einen Werbefilm. In Deutschland. Über die Sparkasse. „Mein Haus, mein Auto, Mein Boot“. Kennen Sie nicht? Ziehen sie sich den ruhig mal rein: https://www.youtube.com/watch?v=U0MU-2_MuUE
So wars zwischen Amerika und Indien. Wirklich. Ich schwör. Bis dann das weibliche Indien fragte, ob Kinder und was die so machen würden. Weil ihr Sohn ja studiert an der Uni und den Job und den Verdienst. Da hätten sie Amerika erleben sollen. Das weibliche Amerika. Eine Tochter! Die arbeitet bei einer Pharmafirma. Im HR. Und ist dort Dr. so und so. Und verantwortlich für dies und das. „WORLDWIDE!“ Dieses „WORLDWIDE!“ wurde gefühlte 25 mal wiederholt. Und ein bisschen gespuckt dabei. Nur ein bisschen. Ich schwör. Vielleicht sassen auch die Dritten nicht mehr so fest. „WORLDWIDE“!
Indien wechselte dann schnell das Thema. Also das männliche Indien. Fragte das männliche USA wo sie denn schon überall gewesen seien. In der Schweiz. Natürlich überall (in einer Woche!!). Sei ja alles so klein hier. Nicht mal richtige Häuser hätten sie. In der Schweiz. Nicht so wie in USA. Mit einem Seitenblick auf Indien. Indien hat’s nicht gesehen. Und fragte „in Zürich auch?“
Das war dann der Moment, wo ich von „nur ein bisschen“, auf „sehr genau“ umgeschaltet habe. Zuhören, meine ich. Weil, wenn Indien und USA neben einem Zürcher Geschichtenschreiber anfangen über Zürich zu reden. Dann warnt man sie entweder vor (wegen der Werte und so und man würde das unter Umständen in einer Geschichte gegen sie verwenden!) Oder man warnt nicht. Ich vergass meine Werte für einen Moment. Weil Indien noch einmal nachfragte. „Ja, Zürich hätte man auch gesehen.“ Wie es Amerika denn gefallen hätte? DAS würde mich nun auch interessieren!? Und habe mich nur ein bisschen hinübergelehnt. „Zürich. Yes. What should I say?“ „It’s a City“. „A small one!“. Und man hätte hier nur einen halben Tag VERSCHWENDET und sei dann gleich nach Interlaken. Sagt Amerika. Zu Indien.
Mein Sohn? Was sagte mein Sohn zu mir? „Papa? Warum bist du gerade schon wieder so zusammengezuckt?“ Wissen sie. Ich bin 57. Jetzt gibt es so Augenblicke mit 57, da wissen sie bereits im vornherein. Es ist vergebens. Da können sie machen und erzählen und argumentieren was und wie sie wollen. Für die Katz! Da dringen sie nicht durch. Schon gar nicht gegen „WORLDWIDE!“. Und habe es beim Zucken belassen.
Aber mit meinem Sohn. Mit dem spreche ich dann noch einmal über Werte. Und 20 Franken. „WORLDWIDE!“

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Knall auf Fall

Die heutige Geschichte hat einen etwas, sagen wir, schalen Nachgeschmack. Hängt auch damit zusammen, wie ich gewisse Ereignisse verarbeite. Mir eilt der Ruf voraus, ich sei etwas unsensibel. Mitunter sogar sarkastisch. Wo das nur her kommt? Woher der schale Nachgeschmack kommt, kann ich ihnen sagen. Wir haben das Glück, in einer nahezu heilen Welt zu wohnen. Hier, in der Altstadt von Zürich. Weil nur ca. 3500 Einwohner. Man kennt sich. Mehr oder weniger. Soziale Kontrolle arbeitet. Fast wie auf dem Land. Daher war dieser Knall auf Fall auch etwas sehr überraschend. Einer der hier ansässigen Mitbewohner kam mit seinem Leben nicht mehr klar. Offensichtlich. Er wählte eine Art Notausgang. Und sprang vom Dach. Letzten Montag. Genau vor die Türe der Reinigung, die meine Hemden wäscht. In Unterhosen. Es ist ja grundsätzlich tragisch. Immer. Wenn ein Mensch aus dem Leben scheidet. Auf welche Weise auch immer. Tragisch auch, dass man es nicht kommen sah. Also man sah es dann schon kommen. Ihn. Durch die Luft. Morgens um 08:00 Uhr. Die Schulkinder waren zum Glück schon durch. Die Angestellten der Geschäfte und Lokale aber noch nicht. Denen sprang er vor die Füsse. Quasi. Die, die es gesehen haben, die müssen jetzt damit klar kommen. Auch nicht ganz einfach. Tragisch. Möge er zumindest jetzt in Frieden ruhen, da er diesen schon nicht vorher fand.

Zurück zur Geschichte. Weil, ich kann es ja nicht ändern. Das Leben wurstelt weiter. Für uns anderen. Geht wie so oft um Werte. Weniger die inneren. Mehr die materiellen. In meinen jungen Jahren war eines meiner Hobbys das Gleitschirmfliegen. Weil Flugangst. Damals. Ich. Sehr. Wenn man vor etwas Angst hat, muss man dem erst recht begegnen. Im vollen Bewusst sein. Sagte mein Vater. Darum Gleitschirm. War am Anfang weniger toll. Später dann mehr. Und Angst? Die verschwand mit der Zeit. Man muss dazu wissen. Ich habe, sagen wir es mal so, einen starken Knochenbau. Mein Grundgewicht war schon immer um die 100 Kilo. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Also ausser bei meiner Geburt. Aber auch damals etwas über der Norm. Meine arme Mutter. Jetzt, wenn etwas mehr Gewicht an einem Gleitschirm hängt, dann kommt man mitunter etwas schneller runter. Sie können sich das so vorstellen. Werfen sie mal aus dem fünften Stock eine Feder und eine Weinflasche aus dem Fenster. Letzteres sollten Sie vorher evtl. leeren. Und achten sie darauf, was unten gerade vorbei läuft. Sie werfen also. Und? Die Weinflasche wird deutlich schneller unten sein, als die Feder. Jetzt stellen sie sich mich als Weinflasche vor. Am Gleitschirm. Alle anderen Flugschüler quasi Federn. Ich nicht.

Meine Landungen waren eist entsprechend. Zumindest zu beginn. Glichen mehr einem Einschlag als etwas anderem. Dass der Fluglehrer aber immer rief „Achtung!! Granate!“. Das hielt ich für etwas übertrieben. Wurde mit der Zeit zwar besser. Aber nicht so sehr, als dass ich dann das Fliegen irgendwann aufgab. Jedenfalls, dass erste was ich tat? Nach meinen Landungen? Schauen ob noch alles dran war. An mir. Keine Knochen gebrochen, etc. Erst danach kam der Schirm an die Reihe. Und zuletzt der Fluglehrer. Der behauptete immer, ich täte das mit Absicht. Und zielte auf ihn. Nur weil ich ein einziges mal gebodigt habe. Und das ganz ohne Absicht. Ich schwör. Heute? Heute haben sich die Werte wohl etwas verschoben. Allgemein. Nehmen sie zum Beispiel einen Unfall. Früher hielt man an und versuchte zu helfen. Heute hält man an und macht erstmal ein Foto. Oder ein Video. Am besten noch ein Selfie. Schlimm. Schämt Euch.

Oder mein Junior. Der überschlug sich kürzlich mit dem Velo. Relativ heftig. Beulen, Prellungen und einen gebrochenen Arm. Aber als er da so auf der Strasse lag? Nicht, wie geht’s mir? Nicht, lebe ich noch? Nein. Ist mein Handy noch ganz? Das war die zentrale Frage. Armbruch? Das ist kein Beinbruch. Quasi. Aber Glasbruch am Handy? Katastrophe.

Zurück zum Sprung vom Dach. Betroffenheit war gross. Weniger wegen des Sprungs. Sondern weil in Unterhosen. Und mitten am hellen Tag. Zum Glück seien die Kinder schon  durch gewesen. Man hätte dazu doch in den Wald gehen können.

Bedauernswerte Familie. Da war eine Frau. Und auch ein Kind. Mein Beileid in dieser traurigen Zeit.

Ruhe in Frieden. Zumindest jetzt.

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Tierische Geschichten

Einen Hund. Ich hätte gerne einen Hund. Wir hätten gerne. Sind mit Hunden aufgewachsen. Immer schon. Nicht einfach nur normale Hunde. Von der Grösse her schon. Farbe und so auch. Aber Charakter. Immer speziell. Sehr. Und immer Vaters Hund. Wir Kinder durften sie streicheln. Füttern auch. Spielen sowieso. Wenn’s ums Folgen ging? Dann nur Vater. Platz zum Beispiel. Wir konnten es ihnen befehlen. Oder vormachen. Oder versuchen, sie zu zwingen. Nichts. Stoisch wie ein Denkmal. Sogar bei Mutter. Bei der auch Vater Platz machte, wenn sie es befahl. Die Hunde? Stoisch. Vielleicht mal ein Blick von der Seite. Aber eher selten. Nicht mal ein Zucken im Schwanz. Die Hunde. Nicht Vater. Vater sah sie nur an. Sitz. Wenn er sie einen Augenblick länger an sah? Eine Zehntelsekunde vielleicht? Dann sogar Platz. Also liegen. Ohne ein Wort. Sie hatten auch ihre Plätze. Auf der Couch. Oder einer Hundedecke auf dem Boden. Oder in der Küche unterm Tisch. Überall. Wenn Vater da war? Neben ihm. Sitz. Immer. Wir hatte zuhause Parkett. Vater auswärts? Dann konnten wir die Hunde an ihren Schwänzen durch die Wohnung ziehen. Kein Problem. Oder ihnen einen Knoten in die Ohren machen. Alles möglich. Vater in seinem Sessel? Hund daneben. Seine Hand auf ihrem Kopf. Wehe, wir sahen sie dann nur an. Oder versuchten sogar, sie zu streicheln. Lefzen fletschen, tiefes Knurren, gefährlicher Blick. Vom Hund auch. So war das.
Darum hätte ich gerne wieder einen. Der wäre dann auch so. Aber wir haben leider keine Zeit für ein Tier. Und ehrlich gesagt. In der Stadt? Möchte ich einem Hund nicht antun.
Letzte Woche. Tram. Im 4er. Von Altstetten nach Tiefenbrunnen. Am Schiffbau. Wir sassen ganz hinten. Mit einer Horde Jugendlicher. Unterwegs ans Vorglühen. Respektive schon voll dabei. Und wie so junge, testosterongesteuerte Halbwilde halt so sind. Eine riesen Klappe. Alle. Über alles. Die Welt, ihr Leben, ihre beruflichen Aussichten, wie schnell sie Kohle machen würden. Und wie viel Frauen sie heute Abend anbaggern und abschleppen. Riesen Klappe. Bis Dammweg. Das sind drei Haltestellen ab Schiffbau. Das Tram hält. Die hintere Tür öffnet sich. Herein trottet ein schneeweisser Mastino. Mit blutunterlaufenen Augen. Eine Leine hinter sich herziehend. Am anderen Ende der Leine? Niemand. Der Mastino, gross wie ein Kalb, trottet also ins Tram. Bis vor zu den Jugendlichen. Schaut sie an. Und legt sich hin. In den Gang. Mittendrin zwischen den acht Jungen. Links im Abteil vier, rechts im Abteil vier. Dazwischen der Mastino. Aus wars mit Vorglühen. Jetzt. Zufällig kenne ich dessen Besitzer. Weiss, dass dieser mitunter etwas heftig mit sich selber beschäftigt ist. Und dann den Hund schon mal vergisst. Der Hund, dem macht das nichts. Der ist die Friedlichkeit in Person. Der weiss wo er zuhause ist. Und zottelt dann halt alleine los. Das er gefährlich aussieht und als Kampfhund gilt, dass weiss er glaubs gar nicht. Wer sollte ihm es auch sagen. Die acht jungen Welteroberer ganz sicher nicht. Ich? Ich sah zu. Und harrte der Dinge, die da kommen. Weil mittlerweile war man am Limmatplatz. Hier wollte man sich dann eigentlich ins Nachtleben stürzen. Man stürzte lieber nicht. Der Hund hat einen Namen. Bruno. Vermutlich würde ich ihn genauso nennen. Obwohl er eher nach Brutus aussieht. Den Platz zu verlassen und aussteigen? Man hätte Bruno beiseite schieben müssen. Oder ihm einfach sagen „Bruno, geh auf die Seite“! Ich weiss das. Die Helden der Nacht wussten das nicht. Die sassen noch bis Bahnhofquai. Dort kam dann eine Dame der VBZ. Voll Elan. Ins Tram. Mit einer dünnen, kurzen Hundeleine. Elan und Befehlston. Sie solle hier einen herrenlosen Hund…. Elan und Befehl. Bis sie Bruno sah. Fertig Elan. Weiter vorne ein Pärchen. Mit einem Mops. Und einer Packung Hundekekse. Eigentlich für den Mops. Das Pärchen sprach die Dame von der VBZ an. Die, die immer noch Prinzip Salzsäule. Man könnte ja vielleicht mit den Hundekeksen versuchen. Das wollte die Dame aber nicht. Offensichtlich. Zum Glück kam dann Einer, der Bruno auch kennt. Leider. Der griff nach seiner Leine. Das Tram hielt den Atem an. Und führte einen etwas verdattert dreinschauenden, weissen, kalbsgrossen Mastino aus dem Tram.
Apropos Tiere. Letzte Woche in Bremen. An einem Abendessen. Es gab Schweinshaxe. Von einem iberischen Schwein. Welches nur Eicheln frisst. Und Wurzeln. Sagt der Kellner. Da tauchte die Frage auf. Ist so ein Schwein dann vegan? Und darf von einem Vegetarier gegessen werden?
Was meinen sie?

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Würdelos

Wir! Also ich! Um genau zu sein. Ich hatte schon einmal eine ganz ähnliche Geschichte. Von wegen der Würde. Obwohl damals weniger Würde. Sondern mehr Yoga. Ich versuchte mich in Sachen Yoga. Was dann in die Hose ging. Im Sinne des Wortes. Also meine Würde verlies mich. Auf eher unkonventionellem Weg. Das wars dann. Mit der Geschichte. Und dem Yoga auch. Jetzt dreht sich ja die Welt im Kreise. Die Menschen darauf auch. Und die Geschichten quasi sowieso. Darum kommt es noch einmal. Das mit der Würde.
Es ist ja offiziös. Steht in gewissen Büchern. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was immer das auch wirklich heissen mag. Weil angetastet wird ja immer. Tag ein, Tag aus. Meist im Kleinen. Abschätzige Bemerkungen. Anderen Menschen gegenüber. Zum Beispiel den Verkehrs regelnden Assistenzdienern am Central. Wenns wieder einmal nicht schnell genug. Und so. Dann wird angetastet. Von extern her. Intern aber auch. Also man sich selber. Man kratzt an der eigenen Würde. Bewusst, oder unbewusst. Bewusst tue ich es gerade einmal die Woche. Bei meiner Physiotherapeutin. Sie ist eine Frau. Und jung. Und fit. Also auch optisch. Ich bin ein alter Sack. Und relativ bis sehr. Sagen wir mal. Unfit. Und ein Mann. Darum ist es mir egal. Wenn ich in schlecht sitzenden Unterhosen neben ihr auf der Matte liege und versuche. Mit aller Inbrunst. Einen Rest von Würde zu bewahren. Während ich meine Übungen machen. Die sie mir vorgibt. Also zuerst dieses Bein und dann das andere Bein und dann halten. Und atmen. Atmen auch noch? Während ich verzweifelt versuche meine Unterhose und vor allem deren Inhalt irgendwie an seinem Platz zu halten. Während meine Beine irgendwo in der Gegend und atmen soll ich dann auch noch? Tief und ein und aus und regelmässig. Beim letzten Mal lies ich meine Blick schweifen. Nein, nicht wegen der Dame. Die hätte nackt neben mir liegen können. Nein, auf der Suche nach dem Standort des Defibrillators.
Das Spannende ist, dass mir in dieser Situation meine Würde am Hintern vorbei geht. Im Sinne des Wortes. Da bin ich realistisch genug. Ich schwör. Es ist wie es ist. Also war versuchen etwas zu zeigen, was man in der Situation nicht mehr zeigen kann.
Ich fahre Zug. Oft. Darum bin ich öfters am Bahnhof anzutreffen. Meist schon etwas früher. Um einen Kaffee zu trinken. Damit ich ansprechbar bin. Weil ohne Kaffee? Kein Ton. Und mürrischer Gesichtsausdruck. Ich habe mein Stammlokal am Bahnhof. Stammlokal heisst, ich trete durch den Eingang. Und der Barmann ruft schon zu seinem Barista „einmal Latte Macchiato und ein Glas Wasser und ein Gipfeli für da trinken“! Das heisst Stammbar für mich. Das schnappe ich mir dann und verzieh mich nach draussen. Weil Kaffee trinken und Leute beobachten. Das geht draussen besser als drinnen. Und normalerweise stehe ich dann einfach auf und gehe zu meinem Zug. Nur letztens. Letztens stimmte etwas nicht. Alles war irgendwie verrutscht. Also kleidungsmässig. Die Bar. Die Bar besteht aus Glas. Sich spiegelnden Glaswänden. Und die sind Schuld daran. Wegen der Würde. Weil am Abend vorher Physio. Übungen. Vor einem Glasspiegel. Und als ich mich umdrehte, um in der spiegelnden Glaswand die verrutschten Kleider….. Und dabei den Hosengürtel öffnete…… da muss ich gedanklich irgendwie beim Spiegel in der Physio….. und keine Würde. Die kam dann erst ganz langsam wieder. Nachdem die zwei älteren Damen auf der anderen Seite der für sie NICHT spiegelnden Glaswand aufgehört hatten zu kreischen……von wegen des vermeintlichen Exhibitionisten draussen.
Zum Glück wars meine Stammbar. Da ist mir meine Würde egal. Sonst gäbe es jetzt eine Neue.

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Samstagmorgen

Das schönste an Wien? Wenn sie schon einmal vor Ort waren, wissen sie es. Ansonsten raten sie. Also? Die Kaffee-Kultur. Und damit verbunden? Die Kaffeehäuser. Meiner Meinung nach. Sehenswürdigkeiten gibt es viele. Überall auf der Welt. Kaffeehäuser nur in Wien. Natürlich können sie auch in Zürich in ein Cafe sitzen. Oder Basel. Bern auch. Oder sonstwo auf der Welt. Den richtigen Kaffeehaus-Groove erleben sie nur in Wien.
Damit ein Kaffeehaus funktioniert, braucht es eine bestimmte Art Mensch als Kellner. Oder Ober. Das können sie nicht lernen. Man wird so geboren oder lässt es gleich wieder sein. Für einen richtigen Kaffeehaus-Ober ist jeder Gast der sich erdreist das Etablissement zwecks Konsumation eines Getränkes zu betreten? Ein persönlicher Affront. Ein potentieller Angriff auf seine Würde und Integrität. Und das lässt er sie spüren. Sofort und unmittelbar. Sollten sie sich erdreisten und ihn zwecks einer Bestellung anzusprechen. Er entscheidet. Wann sie bedient werden. Und ob überhaupt. Sie harren. Aus. Und der Dinge, die da kommen. Oder auch nicht. Wenn er dann aber die Niederungen ihrer Wünsche betritt, ausnahmsweise, also wenn. Wehe ihnen. Wehe, sie kennen ihre Wünsche nicht schon in- und auswendig. Zeigen sie auch nur den Hauch einer Unsicherheit. Sei es auch nur in Form eines kurzen, kaum wahrnehmbaren Zuckens ihrer rechten Augenbraue. Zack. Und weg ist er. Wobei man das Zack nicht falsch interpretieren soll. Zack geht hier gar nichts. Auch nicht der Ober. Gemessen. Er wendet sich ihnen gemessenen Stiles ab. Und schreitet, jawohl, schreitet gemessenen Schrittes von dannen. Ich durfte dies einmal persönlich erleben. Ein sich abwendender Ober und ein Gast, der sich erdreistet hatte und ihm ein „Hallo, ich würde gerne bestellen“ hinterher rief.
Ca. 200 Personen, die sich im Kaffeehaus befanden, hörten es auch. Schlagartig totenstille. Auf sämtlichen Getränken, auch den heissen, bildete sich sofort eine rund zwei Zentimeter dicke Eisschicht. Kennen sie die Geschichte von Lot und seiner Frau? Aus der Bibel. Sodom und Gomorra. Lots Frau erstarrte zur Salzsäule. Als sie sich umdrehte und zurückblickte. Der Ober blickte auf das Hallo nicht zurück. Musste er auch nicht. Der Gast erstarrte dennoch. Quasi. Ich schwör. Und bedient? Bedient wurde er auch nicht.
Also. Sollten sie jemals die Ehre haben. Ein Kaffeehaus betreten zu dürfen. Dann gilt folgende Regel. Der Gast hat sich zu unterwerfen. Bedingungslos. Immer. Dies hat er durch geeignete Körperhaltung und Mimik zum Ausdruck zu bringen. Oder Salzsäule.
Dies geschieht in Wien. Tagtäglich. Und im Volkshaus. In Zürich. Das kommt einem Wiener Original schon sehr nahe. Vom Stil. Vor allem aber von den Kellnern her. Da trugen man heute mehrere hinaus. Erstarrte. Salzsäulen. Ich finds cool. Sass nämlich ganz still und unscheinbar in einer Ecke. Und trank Kaffee. Aus der Thermoskanne. Heimlich. Beobachtend.

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Die Geister der Vergangenheit

Samstagmorgen. Im Kosmos. Also. In der Stadt. Nicht das All. Wobei. Wäre ich auch mal gerne. Nur so. Kurz. Schauen, wies so ist. Da oben. Oder unten. Weil Sichtweise. Für die Einen ist oben unten. Und umgekehrt. Das Kosmos in der Stadt? Das ist schon mal der Hammer. Wann immer möglich, verbringe ich hier etwas Zeit. Ist so gar nicht Zürich. Und dann doch wieder. Nicht falsch verstehen. Nichts gegen Zürich. Ich liebe diese Stadt. Andere Städte aber auch. Zürich ist im Gegensatz zu den meisten anderen aber relativ klein. Sehr klein. Keine halbe Million Einwohner. In anderen Ländern ist das noch Dorf. Jetzt hat es aber einige Orte und Plätze in der Stadt. Die strahlen etwas aus. Internationalität. Urbanität auch. Grossstädtisches. Ist fast ein wenig wie ein Städtetrip. Nur näher halt. Billiger nicht unbedingt. Weil Zürich. Aber näher.
Also wenn immer möglich, sprich alleine, dann Kosmos. Viele meiner Geschichten sind hier entstanden. Also sind sie als Leser auch etwas Kosmos. Wenn mal in Zürich auf Besuch? Empfehlung. Nicht gleich Bahnhofstrasse und See. Kosmos. Sie werden es nicht bereuen. Ich schwör.

Also. Alleine mit meinen Gedanken. Bessere Hälfte hat Mädelsweekend im Tessin. Junior ist in der Schule versorgt. Kann also tun und lassen, wie ich will. Ab und zu schaut ein guter Freund vorbei. Oder mehrere. Darum dauern Geschichten hier immer länger. Der Ablenkung wegen. Ablenkung ist hier gross. Viel Publikum. Bunt gemischt. Durchaus auch ältere Semester. Man denkt ja immer. Diese älteren Semester. Eher rückwärts. Traditionsbewusst. Und so gar nicht Kosmos. Dabei. Faustdick hinter den Ohren. Diese Alten. Eigentlich paradox. Weil die Jungen. Heutzutage? Eher Altklug. Die Alten? Die machen dagegen auf jung. Und wie. Persönlich finde ichs ja gut. So lange es nicht kippt. Also Würde. Ein 70-Jähriger auf einer Harley? Da wackelts dann schon. Oder eine 60-Jährige mit einem 25-jährigen Freund. Von mir aus. Wenns Spass macht? Es soll ja durchaus 60-Jährige mit dem Hintern einer 20-jährigen geben. Aber ich will ja nichts gesagt haben. Umgekehrt genauso. Ich finde auch 60-jährige Männer mit einer 25-jährigen Freundin. Also wirklich. Und 60-jährige Männer? Wenn die sich mal von hinten im Spiegel sehen würden. Oha. Dabei ist es dann nicht nur der Hintern, der gegen Süden zieht. Da hat’s dann ja noch anderes.
Also jeder wie er will und ganz nach seiner Fasson. Nur eines. Eines geht dann wirklich nicht. Ich sage nur „Taschentuch“.
Wann wird ein Mensch wirklich alt? Wenn er eine Brille braucht? Oder Morgens eine Stunde, um aus dem Bett zu kommen? Oder man im Tram einen Platz angeboten bekommt? Freiwillig! Dann? Nein. Es passiert mit dem Taschentuch. Und den Enkeln. Gerade kürzlich wieder. Eine gute Freundin. Durchaus auch als Frau anziehend. Sie verstehen, was ich meine. Mittlerweile Oma geworden. Wir trafen uns auf einen Kaffee. Mit dem Enkel. Macht ja nichts. Ich habe kein Problem mit Kindern. Solange es nicht meine sind. Es hatte sowieso einen Spielplatz in der Nähe. Also Oma da, Kind weg, Kaffee und etwas Stärkeres auf dem Tisch. Gutes Gespräch. Auch übers älter werden. Dass man sich selber noch gar nicht so als Alt betrachte. Im Gegenteil. Gibt ja auch junge Grosseltern. Also junggebliebene. Man zähle sich selber auch dazu. Und dann kam Enkel. Zurück. An den Tisch. Rotzende Nase. Tränen im Gesicht. Die Schaukel hat ihn wohl etwas unglücklich erwischt. Beim Absteigen. Also Rotz und Tränen im Gesicht. Und was macht Oma? Mit der man sich gerade noch über wilde Zeiten und Sex und Gefühle und noch gar nicht alles vorbei unterhalten hat? Was macht sie?

Schnappt sich den Enkel. Und ein Taschentuch. SPUCKT DARAUF! Und wischt ihm das Gesicht damit ab. SPUCKE! Auf einem Taschentuch.

Das ist so etwas von Oma, da kann der Hintern noch so gut in Form geblieben sein. DAS machte meine Grossmutter auch

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Die Sache mit der Toleranz

Es regt mich nicht auf. Wirklich nicht. Ich schwör. Wieso auch. Warum sollte ich. Erst Mal ein grosses Dankeschön. Ans Opernhaus. In Zürich. Respektive dessen Geschäftsleitung. Dass sie das ermöglichen. Quasi einen Monat lang. Und erst noch gratis. Ist vielleicht der Grund. Aber ich reg mich nicht auf. Echt nicht. Ich hab’s versprochen. Der besseren Hälfte. Weil, kurz davor. Kennen sie Maikäfer? Die echten? Lebendigen! Nicht die aus Schoggi. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch. Früher gab’s die zu Haufe. Im Frühling. Darum ja Maikäfer. Wir haben die gesammelt. Mit ein paar Blättern in ein Einmachglas gesteckt. Und als Haustiere gehalten. Bis Vater kam. Das sei Tierquälerei. Lasst sie frei. Die wollen auch das Leben geniessen. Und ihre Freiheit. Also gingen wir nach draussen, öffneten das Glas und setzten uns die Käfer auf die Hand. Die begannen sich aufzupumpen und flogen davon. Fadengerade in den Schnabel eines vorbeifliegenden Vogels. So viel zum Geniessen. Und Freiheit.
Das mit dem Pumpen. Das ist das Stichwort. Ich begann nämlich auch schon damit. Mich aufzupumpen. Weil doch ein bisschen aufgeregt. Bessere Hälfte kennt mich mittlerweile. Und lies mir quasi die Luft ab. Ehe ich davon flog. Vielleicht geradewegs ins Verderben. Wie anno dazumal die Maikäfer. Schuld daran ist die Oper. Dazu muss man wissen. Die Oper gibt Konzerte. Das ganze Jahr über. Im Advent auch. In kleinem Rahmen. Sie nutzt dazu das Foyer. Jeden Abend. Vom 1. bis zum 23. Dezember. Es gibt immer zwei Stücke. In der Schweiz sagen wir dazu: „Ein Müsterli“! Um die Leute auch etwas anzufixen. Doch mal eine bezahlte Vorführung zu besuchen. Also stauen sich jeden Abend die Horden vor dem Eingang. Sobald sich die Türen öffnen? Alle Mann rein. Mit Volldampf. Wie seinerzeit die Alliierten. In der Normandie. Ohne Rücksicht auf Verluste. Oder die Hunnen. Im alten Rom. Es hat nämlich nur beschränkten Platz. Ein paar wenige reguläre Sitzplätze. Sind die weg, wird gestanden. Oder auf den Treppen gesessen. Macht aber nix. Weil nur zwei Stücke. Quasi rein, 15 Minuten Kultur. Und wieder raus. Fertig.
Jetzt könnte man ja denken. Oper. Kultur. Klassische Musik. Da kommt nicht jeder. Nein. Da kommen Leute mit Erziehung. Und Freude an klassischer Musik. Mit etwas Bildung vielleicht. Ha! Gratis. Ahnen sie’s? Ich. Rege. Mich. Nicht. Auf. Hab’s versprochen. Sie ahnen es vielleicht schon. Krethi und Plethi. Vom Feinsten. Also allerschlimmsten. Weil gratis. Das ist das Problem. Wenn man es nicht selber gesehen hätte. Sie würden es nicht glauben. Sicher. Es sind nur 15 Minuten. Und es ist gratis. Also was reg ich mich auf. Aber ist das eine Entschuldigung? Keine Erziehung zu zeigen? Ich kann ja verstehen. Sie haben Hunger. Und können es nicht noch 15 Minuten aushalten. Und der Dönerstand ist ja in unmittelbarer Nähe. Also warum nicht rein mit dem Döner. In den Magen und ins Opernhaus. Direkt neben mir. Mit offenem und vollem Mund. Und so ein Döner, der sieht zwar saftig aus. Ist aber scheinbar trocken. Staubtrocken. Darum nächste Gelegenheit nutzen. Glühweinstand. Also wenn schon mit Döner in die Oper, dann auch gleich noch Glühwein. Immer schön abwechselnd. Biss Döner, Schluck Glühwein. Das Papier dann in den Becher. Neben mir. Ich pumpe. Luft.
Ist aber noch nicht mal das Schlimmste. Schlimmer sind die Mütter. Die meinen, ihrem frischen Nachwuchs ein besonderes Erlebnis bieten zu müssen. Auch in die Oper. Also ins Foyer. Der Nachwuchs? Was meinen sie? Interessiert an kulturellem Erlebnis? Der kackt ihnen was. Aber so etwas von! Und nicht nur in die Windel. Aber man muss ja tolerant sein. Waren die Musiker auch. Als sich der krabbelnde und kackende Nachwuchs auf die Reise machte. Zu den Musikern. An den Hosenbeinen hoch. Während des Konzerts. Mutter fand’s lustig. Ich war nahe dran zu werfen. Mit den Resten des Döners. Wusste nur nicht ob Mutter oder Nachwuchs. Zuletzt hätte ich noch den Musiker getroffen.
Zwei Stücke. Noch während des ersten Stückes laute Stimmen. „Geht’s noch lange?“ „Ich will einen Crêpe!“ Mütter fanden’s lustig. Nach dem zweiten Stück? Die Melodie der Musik noch in mir nachhallend. Hunnen. Jetzt aber raus aus Rom. Zum Weihnachtsmarkt. Hat’s euch gefallen Kinder? Ja? Kommen wir morgen wieder? Weisch, isch ja gratis. Koschtet nüt.

Ich pumpe immer noch. Und die leeren Becher, euren Müll, die nehme ich auch noch mit. Weil, wenn schon keine Erziehung, dann aber konsequent!

Maikäfer flieg……

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