Die sieben Zwerge

Stellen sie sich vor, sie laufen durch den Wald. Die Sonne scheint. Die Vögel krakeelen voller Inbrunst im Geäst. Ab und an duftet eine Hundehinterlassenschaft mit ein paar Kräutern um die Wette. Oder dem Leder ihrer Schuhe. Sie verstehen schon. So für sich betrachtet, ist ein Wald was Wunderschönes. Voller Ruhe. Wenn denn Ruhe herrscht. Weil der Ruhesuchende ja dazu neigt, dabei Geräusche zu machen.  Auf seiner Suche nach der Stille. Meistens pfeift er. Als Jogger entweder aus dem letzten Loch. Oder als halbwegs musisch Begabter aus Ersterem. Was er nur selten tut, ist, sich unsichtbar zu machen. Optisch, wie akustisch. Wenn doch, ist er entweder Jäger und auf der Pirsch oder gerät dann mitunter unter Generalverdacht. Irgendetwas Halbseidenes oder gar illegales vorzuhaben. Jedenfalls. Egal wie. Es fällt auf. Immer. Je mehr sie sich darum bemühen, es gerade nicht zu tun.
Sie laufen also durch den Wald, querfeldein, wo noch erlaubt. Geniessen die Ruhe, nachdem sie eben noch von einem Mountain-Biker fast ins Jenseits oder zumindest ins Krankenhaus befördert wurden. Und auf einmal? Auf einmal stehen sie auf einer Lichtung. Umrahmt von Bäumen. Sanftes Sonnenlicht bildet goldene Inseln. Und mit ihnen sieben Zwerge. Also etwas Grössere. Damit man sie auch sieht. Wobei sie eigentlich ja gar nicht gesehen werden wollen. Die Zwerge stehen völlig unauffällig auf dieser Lichtung rum. Um Nichtsichtbarkeitbemüht . Der eine Zwerg hat die Hände in der Hosentasche, den Blick auf den Boden gerichtet. Sich möglichst klein machend. Der zweite Zwerg, etwas entfernt, tut noch unschuldiger, hat zwar auch die Hände in der Hosentasche, schaut dabei aber nach oben. Einem imaginären Vogel nach. Der dritte Zwerg steht nur da und schaut ins Leere. Der Vierte bohrt in der Nase, wobei ihm der Fünfte möglichst unauffällig zusieht. Nr. Sechs pinkelt gerade an einem Baum und der siebte Zwerg schliesslich, riecht an einer Blume und versteckt sich dahinter.
Sie tun alles, um möglichst nicht gesehen zu werden. Schon gar nicht soll jemand auf die Idee kommen sie seien «Die sieben Zwerge». Auf einer einsamen Lichtung im Wald. Bei der angekommen, jeder unbedarfter Waldwanderer sofort denkt: «Oh, hoppla, so ein Zufall. Diese Überraschung! Die sieben Zwerge, was tun die denn hier!?»
Genauso war es gestern Morgen. Wirklich. Ich schwör. Nur nicht im Wald. Sondern an der Tramhaltestelle. Irgendwo auf meinem Arbeitsweg. Und es waren nicht die sieben Zwerge. Es waren sieben VBZ-Kontrolleure, die aber analog der Zwerge im Wald auf dieser Lichtung, möglichst unverdächtig und vor allem unsichtbar an dieser Haltestelle rumstanden. Einer bohrte sogar in der Nase. Ich habe nämlich den anderen dabei zugesehen, wie er den Nasebohrer beobachtet hat. Unverdächtigkeit zu erregen hoffend.
Und während sie draussen an der Haltestelle so rumstanden, weil sie wohl erst auf das nächste Tram warteten. Wohl in der Hoffnung, darin dann mehr Schüler ohne gültiges Ticket zu erwischen. Währenddessen begannen all die Menschen in meinem Tram zu schmunzeln. Offensichtlich. Belustigt über das Schauspiel, dass sich ihnen so unverhofft an diesem Morgen bot.
Vielleicht sah der Eine oder Andere auch «Die sieben Zwerge!»

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Überhitzung

Also! Ich weiss es ja wirklich nicht. Wer auf so glorreiche Ideen kommt. Also eigentlich weiss ich es schon. Stand ja der Name dahinter. In der Zeitung. Es muss wohl an der Hitze liegen. Zum Beispiel dass man im ÖV nur noch auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur runterkühlt. Aussentemperatur ist 36 Grad. Drinnen bläst einen die „Kühlung“ also 30 Grad ins Gesicht. In einem vollbesetzten Zug oder Tram. Wer kommt auf solche Ideen? Angeblich wegen des Klimas. Seien ja nur ein paar Tage. Stimmt. Sind es. Nur ein paar Tage, die es bei uns so heiss wird. Die werden die Energiebilanz vom Rest des Jahres nicht retten. Aber mein Leben. Vermutlich war man aber bei der Beschaffung des Rollmaterials zu geizig. Alles billig. Auch die Klimaanlagen. Ausgelegt auf max. 28 Grad Aussentemperatur. Wer kann den schon damit rechnen, dass es bei uns mal über 30 Grad wird. Wie jedes Jahr im Spätherbst/Frühwinter. Wenn man wieder einmal vöööööllig überrascht wurde. Vom ersten Schnee. Den der Wetterbericht schon 14 Tage vorher ankündigte. Es könnte Leben retten. Meines. Oder das ein paar anderer, insbesondere älterer Herrschaften. Dafür wird dann im Frühling und Herbst auf 18 Grad runtergekühlt. Mehrfach selber erlebt. Auf Nachfrage beim Schaffner folgende Antwort: „Es gehe nicht anders.“ Er könne das nicht regulieren. Aber 14 Tage im Sommer. Da geht das auf einmal. In die andere Richtung. Es müssen ja nicht 18 Grad sein. 24 tun es auch. Aber tut es!
Oder dann diese Person in den Nachrichten. Man überlege sich, den Schulkindern im Sommer drei Monate Ferien zu geben. Drei Monate! Ich weiss schon nicht, wie ich fünf Wochen überleben und organisieren soll. Vermutlich zu lange in einem auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur gekühlten Tram gesessen. Zur Stosszeit. Der Fahrer hat übrigens eine eigene Klimaanlage. Die er selber regulieren kann. Und runterkühlen. Weil, er müsse ja bei Sinnen bleiben bei diesen Temperaturen. Müssen die Passagiere offensichtlich nicht. Warum auch. Müssen ja nicht den ÖV benützen.
Mehr Beispiele? Die Kapitänin, des Flüchtlingsschiffes, die verbotenerweise Italienische Gewässer anfuhr. Mit ein paar Dutzend Flüchtlingen an Bord und ihnen damit, zumindest temporär, das Leben rettete. Die wird verhaftet. Weil sie sich an Seerecht hielt. Und Menschen in Not rettete. Verhaftet. Überlegt mal, was ihr da tut. Oder besser! Überlegt lieber nicht. Weil sonst kommt es so raus, wie oben beschrieben. Geht raus. In den Wald. An die frische Luft. Zu Fuss. Und lauft ein paar Stunden. dann kommen ja vielleicht ein paar bessere Ideen.
Einen schönen, langen und warmen Sommer wünsche ich Euch!

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Tierische Geschichten

Einen Hund. Ich hätte gerne einen Hund. Wir hätten gerne. Sind mit Hunden aufgewachsen. Immer schon. Nicht einfach nur normale Hunde. Von der Grösse her schon. Farbe und so auch. Aber Charakter. Immer speziell. Sehr. Und immer Vaters Hund. Wir Kinder durften sie streicheln. Füttern auch. Spielen sowieso. Wenn’s ums Folgen ging? Dann nur Vater. Platz zum Beispiel. Wir konnten es ihnen befehlen. Oder vormachen. Oder versuchen, sie zu zwingen. Nichts. Stoisch wie ein Denkmal. Sogar bei Mutter. Bei der auch Vater Platz machte, wenn sie es befahl. Die Hunde? Stoisch. Vielleicht mal ein Blick von der Seite. Aber eher selten. Nicht mal ein Zucken im Schwanz. Die Hunde. Nicht Vater. Vater sah sie nur an. Sitz. Wenn er sie einen Augenblick länger an sah? Eine Zehntelsekunde vielleicht? Dann sogar Platz. Also liegen. Ohne ein Wort. Sie hatten auch ihre Plätze. Auf der Couch. Oder einer Hundedecke auf dem Boden. Oder in der Küche unterm Tisch. Überall. Wenn Vater da war? Neben ihm. Sitz. Immer. Wir hatte zuhause Parkett. Vater auswärts? Dann konnten wir die Hunde an ihren Schwänzen durch die Wohnung ziehen. Kein Problem. Oder ihnen einen Knoten in die Ohren machen. Alles möglich. Vater in seinem Sessel? Hund daneben. Seine Hand auf ihrem Kopf. Wehe, wir sahen sie dann nur an. Oder versuchten sogar, sie zu streicheln. Lefzen fletschen, tiefes Knurren, gefährlicher Blick. Vom Hund auch. So war das.
Darum hätte ich gerne wieder einen. Der wäre dann auch so. Aber wir haben leider keine Zeit für ein Tier. Und ehrlich gesagt. In der Stadt? Möchte ich einem Hund nicht antun.
Letzte Woche. Tram. Im 4er. Von Altstetten nach Tiefenbrunnen. Am Schiffbau. Wir sassen ganz hinten. Mit einer Horde Jugendlicher. Unterwegs ans Vorglühen. Respektive schon voll dabei. Und wie so junge, testosterongesteuerte Halbwilde halt so sind. Eine riesen Klappe. Alle. Über alles. Die Welt, ihr Leben, ihre beruflichen Aussichten, wie schnell sie Kohle machen würden. Und wie viel Frauen sie heute Abend anbaggern und abschleppen. Riesen Klappe. Bis Dammweg. Das sind drei Haltestellen ab Schiffbau. Das Tram hält. Die hintere Tür öffnet sich. Herein trottet ein schneeweisser Mastino. Mit blutunterlaufenen Augen. Eine Leine hinter sich herziehend. Am anderen Ende der Leine? Niemand. Der Mastino, gross wie ein Kalb, trottet also ins Tram. Bis vor zu den Jugendlichen. Schaut sie an. Und legt sich hin. In den Gang. Mittendrin zwischen den acht Jungen. Links im Abteil vier, rechts im Abteil vier. Dazwischen der Mastino. Aus wars mit Vorglühen. Jetzt. Zufällig kenne ich dessen Besitzer. Weiss, dass dieser mitunter etwas heftig mit sich selber beschäftigt ist. Und dann den Hund schon mal vergisst. Der Hund, dem macht das nichts. Der ist die Friedlichkeit in Person. Der weiss wo er zuhause ist. Und zottelt dann halt alleine los. Das er gefährlich aussieht und als Kampfhund gilt, dass weiss er glaubs gar nicht. Wer sollte ihm es auch sagen. Die acht jungen Welteroberer ganz sicher nicht. Ich? Ich sah zu. Und harrte der Dinge, die da kommen. Weil mittlerweile war man am Limmatplatz. Hier wollte man sich dann eigentlich ins Nachtleben stürzen. Man stürzte lieber nicht. Der Hund hat einen Namen. Bruno. Vermutlich würde ich ihn genauso nennen. Obwohl er eher nach Brutus aussieht. Den Platz zu verlassen und aussteigen? Man hätte Bruno beiseite schieben müssen. Oder ihm einfach sagen „Bruno, geh auf die Seite“! Ich weiss das. Die Helden der Nacht wussten das nicht. Die sassen noch bis Bahnhofquai. Dort kam dann eine Dame der VBZ. Voll Elan. Ins Tram. Mit einer dünnen, kurzen Hundeleine. Elan und Befehlston. Sie solle hier einen herrenlosen Hund…. Elan und Befehl. Bis sie Bruno sah. Fertig Elan. Weiter vorne ein Pärchen. Mit einem Mops. Und einer Packung Hundekekse. Eigentlich für den Mops. Das Pärchen sprach die Dame von der VBZ an. Die, die immer noch Prinzip Salzsäule. Man könnte ja vielleicht mit den Hundekeksen versuchen. Das wollte die Dame aber nicht. Offensichtlich. Zum Glück kam dann Einer, der Bruno auch kennt. Leider. Der griff nach seiner Leine. Das Tram hielt den Atem an. Und führte einen etwas verdattert dreinschauenden, weissen, kalbsgrossen Mastino aus dem Tram.
Apropos Tiere. Letzte Woche in Bremen. An einem Abendessen. Es gab Schweinshaxe. Von einem iberischen Schwein. Welches nur Eicheln frisst. Und Wurzeln. Sagt der Kellner. Da tauchte die Frage auf. Ist so ein Schwein dann vegan? Und darf von einem Vegetarier gegessen werden?
Was meinen sie?

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Oh du fröhliche….

Mir ist es schon klar. Echt. So wie es auch der Tatsache entspricht. Die einzige Konstante im Leben, ist die Veränderung. Da müssen wir gar nicht drüber diskutieren. Alles ist endlich. Eigentlich nichts planbar. Auch wenn uns Werbung und Wissenschaft und Schulen und wer weiss ich nicht noch alles gerne etwas anderes erzählen möchten. Jedesmal, wenn Jemand meint, ich plane jetzt mein Leben, fällt im Hintergrund das Schicksal laut lachend von seinem Schemel.

Ich erinnere mich nicht, ob die Veränderungen auch schon in meiner Jugend so prägnant waren oder es einfach heute sind. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Klar, ich sehe es an mir selber und meinen Kindern. Zum Beispiel. Wie sich alles wandelt. Und an Weihnachten. Also. Im Prinzip. Weil, Weihnachten bleibt ja immer gleich. Um den 24. Dezember rum. So in etwa. Weihnachtsbaum. Weihnachtsgebäck. Gut, schlechtes Beispiel. Weil das verändert sich dauernd. Beginnt jetzt meistens schon kurz nach Ostern. Nein, Weihnachten an und für sich. Bleibt gleich. Es sind die Umstände. Drum herum. Vor ein paar Jahren noch. Gar nicht so lange her. Da wurde die Weihnachtsbeleuchtung einfach eingeschaltet. So nach dem Prinzip „Schorsch, wenn mit den Kanaldeckeln überprüfen an der Bahnhofstrasse fertig bist, dann schalt doch schnell s’Licht ein, gell?“ Und dann machte es zack und flash und Licht war’s und Weihnachten. Aus. Fertig, Ende. Irgendwo gab’s dann noch einen Glühweinstand, mit echtem Glühwein. Selbstgemachten. An dem sich Vater seinen alljährlich wiederkehrenden Weihnachtsrausch einfing. Und wir Kinder danach exorbitant teure Geschenke. Weil im Suff gekauft. Ohne Hemmungen. Manche mussten wir sogar danach wieder abgeben. Weil zu exorbitant. Sie verstehen.
Aber heute? Also gestern! Zufällig. Waren sie gestern zufällig in der Stadt? Ja? Dann waren sie zumindest nicht allein. Ha! Da waren nämlich noch ein paar tausend andere. Und harrten der Dinge. Schorsch harrten sie auch. Nur ist der Schorsch von damals heute ein anderer. Und das Lichter anzünden ein Event. Ein grosser. Grösser als das Zürcher Filmfestival. Woher ich das weiss? Es fahren keine Trams. In der Bahnhofstrasse nicht. Weil Event. Wenn Judy Dench, oder Jeremy Irons oder Schwarzenegger über den Teppich des Filmfestivals auf die andere Strassenseite ins Kino läuft, werden sie gnadenlos angebimmelt. Vom 4er. Oder 11er. Oder 2er. Weil da wird kein Tram angehalten. Nicht wegen ein paar so dahergelaufenen Schauspielern. Da könnt ja jeder kommen. Wenn Schorsch das Licht anzündet? Aber Hoppla. Dann kein Tram.
Und nicht nur an der Bahnhofstrasse. An Weihnachten ist ganz Zürich ein Event. Böse Stimmen sagen, man könnte vom Landesmuseum bis ans Bellevue. Ohne nass zu werden. Von einem Weihnachtsmarkt zum nächsten. Oder von einem Fondue Chalet ins nächste. Ich halt’s ja für ein Gerücht. Aber die vielen Leute. Die fallen sogar mir auf. Mehr als letztes Jahr. 
Wissen sie, an was man Veränderungen auch noch merkt? An den Sprüchen von Bekannten. Respektive deren Inhalt.
Bessere Hälfte und ich waren ein paar Schritte am Lichterfest im Niederdorf unterwegs. Das noch etwas ruhigere Lichter anzünden. Trafen ein paar Bekannte. Von denen wir uns dann verabschiedeten. Mit der Begründung, wir müssen noch die Jungmannschaft suchen. Und dann zuhause ins Bett stecken. Weil heute zwar Lichter, morgen aber Schule. Und selber sei man ja auch etwas müde. Da meinte der Bekannte:
„Gell, so verändern sich die Zeiten. Früher gingen die Kinder vor den Alten ins Bett. Heute ist das umgekehrt!“
Schöne Weihnachtszeit wünschen wir Ihnen

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Kritische Grösse

Ich bin dann mal weg. In den Ferien. Nicht lange. Nur ein paar Tage. Mit meinen zwei jüngeren Söhnen. Noch einmal den Sommer etwas verlängern. Wobei der sich ja selber. Immer wieder. Verlängert. Letzte Woche hiess es noch Schnee. Also in den Bergen. Nicht in Zürich. Zwar…

Der Zeitpunkt unserer Ferien nicht von ungefähr. Herbstferien. In der Schule. Der Jüngste noch schulpflichtig. Und im Geschäft auch etwas ruhiger. Aber? Es ist nicht der einzige Grund. Ab Sonntag kehrt in der Stadt generell wieder etwas Ruhe ein. Weil Film Festival am Ende. Zu! Also zu Ende. Nicht dass noch Gerüchte entstehen.

Gerüchte gäbe es ja zuhauf. Auch über Schnee in Zürich. Die letzten Tage. Man behauptet. Die erhöhte Konzentration von Schnee, sprich Kokain, sei an Wochenenden sogar im Zürcher Abwasser nachweisbar. An kulturellen Anlässen? Wie das Film Festival? Und anderen? Sowieso. Sagt man.

Überhaupt. Das ZFF. Polarisiert. Wie der Hafenkran. Die Einen finden’s toll, die Anderen überflüssig. Die, die’s überflüssig finden, fanden auch den Hafenkran? Unnötig. Über Kunst und Kultur lässt sich halt nun mal nicht streiten. Sie gefällt, oder nicht. Darf auch jeder seine Meinung zu haben. Ich persönlich finde beides toll. Den Hafenkran seinerzeit und das ZFF sowieso. Was man da quasi aus dem Nichts auf die Beine gestellt hat? Chapeau! Macht das erst mal nach, ihr Nörgler. Da kann’s von mir aus auch „schneien“ in Zürich. Es ist bereits die vierzehnte Version. Jedes Jahr wird es von einem Teil der Bevölkerung zu Grabe getratscht. Und jedes Jahr wurde es grösser. Dabei behielt es seine Eigenheiten, die so typisch sind für Zürich. Der grüne Teppich, der Award, der eine halbe Tonne wiegt. Das Tram, das den Schauspielern quasi über die Zehen fährt.

Einen Teil der Sommerferien verbrachten wir in Kalifornien. Hollywood. Da wurde über Tage die halbe Stadt gesperrt. Für den Dreh des neuen Tarantino. Ohne wenn und aber. Will in Zürich Johnny Depp oder Judy Dench über die Strasse, müssen sie zuerst das Tram vorbeilassen. Und zwei, drei wild klingelnde Velofahrer aus dem oberen Seefeld. Da könnte ja jeder wie er will. Aber nicht hier in Zürich. Als ich in Hollywood ganz höflich gefragt habe, wie lange es denn noch gedenke zu dauern und ob ich wohl doch schnell kurz über die Strasse…. Man drohte mir mit Verhaftung und Gefängnis. Nur so zum Sagen. Vielleicht aber auch, weil ich ein Foto von dem Polizisten auf einem Motorrad eines Bayrischen Herstellers gemacht habe und zu eben diesem meinte, was denn Trump dazu sagt, dass er nicht auf einem Amerikanischen sitzt. Ich konnt’s halt nicht verkneifen.

Zürcher Film Festival. Passt irgendwie zu diesem alten Slogan über Zürich: „Little Big City“. Und es wächst. Wie Zürich auch. Woher ich das weiss? Ich habe mit jemanden darüber gesprochen. Eigentlich bezogen auf den neuen Anbau am Zelt. Und die Anzahl Stars die auch dieses Jahr wieder das Tram passieren lassen mussten.

Anja bezog sich auf etwas anderes. Weit aus wichtigeres: „Ja, das ZFF wächst. Wir haben jetzt ein Klo!“ „Ein eigenes.“ Dass nenne ich mal ein Wachstum!

Schöne Ferien und bis demnächst

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Stimmen im Kopf

Früher, so sagt man, früher war alles anders. Mitunter besser. Sagen die Alten. Schlechter, früher war alles schlechter. Sagen die Jungen. Generation Internet und Smartphone. Meine zum Beispiel. Mein Nachwuchs. Wenn ich dem Geschichten von früher erzähle? Die lachen sich schlapp. Thema Zusammenhalt und Gemeinschaft.

Auf dem Dorf in dem ich aufwuchs. 986 Nasen. Damals. Heute nicht viel mehr. Vermutlich. War aber schon lange nicht mehr da. Also nicht gesichert. Diese Aussage.Da hatten wir Einen. Die im Nachbardorf? Die auch. Einen. Das Nachbardorf des Nachbardorfs? Die ebenso. Auch Einen. So zieht sich das durchs ganze Land. Alle hatten Einen. Einen Menschen mit einem mehr oder weniger offensichtlichen Makel. Etwas despektierlich auch Dorf-Trottel genannt. Damals. Vor der ausufernden politischen Korrektheit von heute. Alle wussten davon. Alle kannten ihn. Oder sie. Er bewegte sich frei im Dorf. Wurde vielleicht ab und zu etwas getriezt, war aber akzeptiert. Man passte auf ihn auf. In der Gemeinschaft. Dorfgemeinschaft? Gibt es heute so nicht mehr. Woran ich das festmache? An den Vereinen. und dem Engagement. Damals war man in mindestens drei Vereinen. Jeder. Musikverein, Schützenverein, Sportverein, Gesangsverein, Landjugend, Verein der treulosen, einsamen Männer. Egal. In drei. Mindestens. Ich auch. Weil wenn nicht? Dann bestand Gefahr als Sonderling angesehen zu werden. Und von Sonderling bis Dorf-Trottel? Ein kurzer Schritt. Wer ist heute noch in einem Verein? Geschweige denn in drei? Eben. Jetzt nicht dass sie denken ich denke jetzt, daher alles Trottel. Nein, wirklich nicht. Als Mensch hat man heute ja einen, sagen wir mal,  relativ hohen Individualisierungsgrad. Luca auch. Der hat auch einen. Wer sonst zeigt uns seine Unterhosen öffentlich in einer Bar. Er hat auch nicht das, was viele der nicht ganz makellosen seinerzeit hatten. Stimmen. Im Kopf. Die zu einem sprachen. Gab es in Zürich früher auch. An einen erinnere ich mich besonders. Sass immer im Tram. Ganz hinten. Bevorzugt zu Stosszeiten. Wartend, bis das Tram gefüllt. Dann stand er auf. Oder auch nicht. Aber er begann. Zu predigen. Über den Teufel. Und sein Werk. Laut. Sehr laut. So dass mitunter der Tram-Chauffeur vor Schreck voll auf die bremse trat. Jetzt muss man wissen. Früher gab es noch keine Cobras. Heisst die Trams bestanden noch aus einer Kombination von zwei getrennt voneinander verkehrenden Wagen. Der Chauffeur sass im vorderen. Zu vorderst. Der Prediger im hinteren. Ganz hinten. Beginn der Predigt. Vollbremsung. So laut. Jetzt wissen sie es.

Den habe ich jetzt schon seit längerem nicht mehr gesehen. Oder gehört. Vermutlich weggeschlossen. Weil störend. Wie heute die nicht ganz makellosen auf dem Land. Auch weg. Alle. Darum war ich sogleich aufmerksam. Als ich das hörte. Von den Stimmen. Im Kopf. Meiner besseren Hälfte, mit der ich zusammenwohne. In der Altstadt.

Jetzt muss man wissen. Altstadtwohnung. Sehr alt. Alles etwas schief und verwinkelt. Aber? Ein Lift. Bis in die Wohnung. Klein, Weil Altstadthaus. Sehr klein. Sehen sie, wenn Sie mit mir darin stehen müssten. Aber immerhin. Natürlich auch Treppe. Im Treppenhaus. Bis hoch in den fünften Stock, War früher mal ein Wehrturm. Im Mittelalter. Da nahm man es wohl nicht so ganz genau. Mit den Abständen. Der Stufen. Die sind, sagen wir mal, etwas unpräzis. Ungleichmässig. In Höhe und Verteilung. Kommt man nüchtern schon kaum unbeschadet hoch. Geschweige denn runter. Darum Lift.

Und schwedische Verhältnisse. Wir haben schwedische Verhältnisse zuhause. Brot mit Butter, Konfi und Käse. Gleichzeitig. Oder. Keine Schuhe. In der Wohnung. Die stehen vor der Türe, beim Lift. Jetzt kann es passieren, dass es pressiert. Mitunter. Dann Lift hoch, Türe auf und rein. Mit den Schuhen in der Hand. Die zieht man dann im Lift an. Jetzt. Ein Mann, der sich die Schuhe anzieht und dann bindet, der geht dabei in die Hocke. Grätsch-Hocke. Männer wissen, was ich meine. Eine Frau? Die grätscht nicht. Die knickt. Ab. In der Hüfte. Oberkörper nach vorne, Hüfte knickt, Hintern verschiebt nach hinten. Eine grosse Frau, in einem kleinen Lift. Wenn die knickt, wohin verschiebt sich dann der Hintern? Richtig, Nach hinten. An die Wand. Des Lifts. Und wenn sich just in Höhe des Hintern der Alarmknopf des Lifts befindet? Und man länger als drei Sekunden hat. Zum Binden? Was dann?

Dann hört man auf einmal eine Stimme. Im Knopf . Die danach frägt, was man denn tun könne.

Das mit dem Wegschliessen, das überlege ich mir noch 😉

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