Konfusius

Eigentlich ist es ganz einfach. Es bedarf keiner grossen Kunst und geht ruck zuck. Ausserdem muss ich gestehen, ich mache es ab und zu noch ganz gerne. Menschen aus der Fassung zu bringen. So ganz nebenbei. Wirklich kein grosses Drama. Mehr so eine kleine, feine Bemerkung. Aus dem Hinterhalt. Quasi im Vorbeigehen. Wie letztens in der Stadt. Begegnet mir doch eine Bekannte, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Von der ich aber wusste, sie war längere Zeit Single und auf der Suche. Nach dem passenden Deckel. Wobei, für diesen Topf einen Deckel zu finden? Gar nicht so einfach. Weil, sagen wir mal. Sehr individuelle Form. Der Topf. Also nicht das sie meinen, einfach so in einen Laden und mal eben zur Verkäuferin und ich besitze einen Topf dieser oder jener Marke in der Grösse und suche jetzt einen Deckel. Und die Verkäuferin, ja, also, alles kein Problem und ich geh jetzt nur mal schnell ins Lager. Und kommt nach zwei Minuten mit drei verschiedenen Deckeln und alle passen wie angegossen und quasi nur noch eine Sache der Entscheidung, welcher. Aber so oder so sicher einen Deckel im Angebot. Passend auf den Topf.
Nein, so gar nicht. Kurz und gut. Auf solch einen Topf passt einfach kein Deckel. Nicht mal mit Biegen und Brechen. Daher war es so unwahrscheinlich. Quasi ausgeschlossen. Und sie wusste auch, dass ich das wusste. Darum eröffnete ich unser Gespräch mit den Worten: «Heh, Du!» «Schön Dich zu sehen!» «Und die Beziehung scheint Dir wirklich gut zu tun!».
Fassungslosigkeit beim Gegenüber. Wie käme ich nur drauf, sie sei in einer Beziehung? Weil, es stimme zwar, aber das könne ich doch gar nicht wissen? Wusste ich auch nicht. Ich habe geraten. Aufgrund dessen, dass dieser Topf, wenn wir mal bei dem Vergleich bleiben wollen, dass dieser Topf auf einmal etwas dickwandiger war. Und jetzt sind Frauen da gar nicht so viel anders als Männer. So lange Single, schöne, stylische Bratpfanne. Sobald Beziehung? Römertopf. Ich glaube, sie verstehen schon, was ich meine.
Andersrum ist es schwieriger. Also mich. Mich aus der Fassung zu bringen. Gelingt nur wenigen. Wenn überhaupt. So wie heute. Wir haben uns einen Weinkeller gemietet. Also keinen Ganzen. Nur ein Abteil in einem. Geht auch weniger um das Abteil, als dem, dem Abteil vorgelagertem, Degustationsraum. Den brauchen wir ab und zu. Aufmerksam darauf wurden wir durch Freunde. Die auch in einem Weinkeller ein Abteil haben. Und uns dies zeigten. Worauf wir uns ebenfalls um eines bewarben. Viel Schrift- und Telefonverkehr später, erhielten wir den Zuschlag. Einige Zeit später auch den Schlüssel. Und den probierten wir heute aus. Pilgerten also zu «unserem» Weinkeller, voller Stolz und Vorfreude und Fassung. Fassung auch. Standen vor der Türe, schoben den Schlüssel ins Schloss. Ging auch ganz leicht. Danach ging aber nichts mehr. Er lies sich nicht drehen. Auch nicht mit viel hin und her und auf und ab und zug und druck. Nichts. Also die Telefonnummer des Vermieters rausgesucht. Mit dem wir vorgängig viel Schrift- und Telefonverkehr. Der meldete sich auch gleich. Und meinte auf meine Frage, ob beim Öffnen der Türe allenfalls ein mir unbekannter Trick angewendet werden müsste. Was er verneinte. Sollte ganz leicht gehen. Ging aber nicht. Nach einigem hin und her dann die Frage. Äehm, wo stehen sie denn? Na wo wohl? Vor der Türe des Weinkellers. Der Weissen. Der Weissen? Äehm, die sollte aber rot sein! Rot? Aber die ist weiss. Wo wir den stünden, Adressenmässig? Na hier, an der XXX-Strasse Nr 14. Aha! Der Weinkeller befindet sich aber an der XXX-Strasse Nr 11. Sie stehe gerade vor dem Keller der Konkurrenz.
Fassungslosigkeit. Ein bisschen auf beiden Seiten. Ist, wie wenn sie eine Wohnung mieten. Die sie vorher besichtigt haben. Also wirklich drin waren. Dann mit dem Vermieter darüber sprachen, die Konditionen verhandelten, beide quasi stundenlang über die Wohnung reden und es nicht merken. Beide reden von jeweils etwas ganz anderem.
Er lotste uns dann per Telefon zum richtigen Keller. Unserem. Und hier zum zweiten Mal fast etwas fassungslos. Weil noch schöner als der erste. Sie werden es sehen. Wenn wir sie denn mal einladen.

Aber bewahren sie bitte Fassung.

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Die sieben Zwerge

Stellen sie sich vor, sie laufen durch den Wald. Die Sonne scheint. Die Vögel krakeelen voller Inbrunst im Geäst. Ab und an duftet eine Hundehinterlassenschaft mit ein paar Kräutern um die Wette. Oder dem Leder ihrer Schuhe. Sie verstehen schon. So für sich betrachtet, ist ein Wald was Wunderschönes. Voller Ruhe. Wenn denn Ruhe herrscht. Weil der Ruhesuchende ja dazu neigt, dabei Geräusche zu machen.  Auf seiner Suche nach der Stille. Meistens pfeift er. Als Jogger entweder aus dem letzten Loch. Oder als halbwegs musisch Begabter aus Ersterem. Was er nur selten tut, ist, sich unsichtbar zu machen. Optisch, wie akustisch. Wenn doch, ist er entweder Jäger und auf der Pirsch oder gerät dann mitunter unter Generalverdacht. Irgendetwas Halbseidenes oder gar illegales vorzuhaben. Jedenfalls. Egal wie. Es fällt auf. Immer. Je mehr sie sich darum bemühen, es gerade nicht zu tun.
Sie laufen also durch den Wald, querfeldein, wo noch erlaubt. Geniessen die Ruhe, nachdem sie eben noch von einem Mountain-Biker fast ins Jenseits oder zumindest ins Krankenhaus befördert wurden. Und auf einmal? Auf einmal stehen sie auf einer Lichtung. Umrahmt von Bäumen. Sanftes Sonnenlicht bildet goldene Inseln. Und mit ihnen sieben Zwerge. Also etwas Grössere. Damit man sie auch sieht. Wobei sie eigentlich ja gar nicht gesehen werden wollen. Die Zwerge stehen völlig unauffällig auf dieser Lichtung rum. Um Nichtsichtbarkeitbemüht . Der eine Zwerg hat die Hände in der Hosentasche, den Blick auf den Boden gerichtet. Sich möglichst klein machend. Der zweite Zwerg, etwas entfernt, tut noch unschuldiger, hat zwar auch die Hände in der Hosentasche, schaut dabei aber nach oben. Einem imaginären Vogel nach. Der dritte Zwerg steht nur da und schaut ins Leere. Der Vierte bohrt in der Nase, wobei ihm der Fünfte möglichst unauffällig zusieht. Nr. Sechs pinkelt gerade an einem Baum und der siebte Zwerg schliesslich, riecht an einer Blume und versteckt sich dahinter.
Sie tun alles, um möglichst nicht gesehen zu werden. Schon gar nicht soll jemand auf die Idee kommen sie seien «Die sieben Zwerge». Auf einer einsamen Lichtung im Wald. Bei der angekommen, jeder unbedarfter Waldwanderer sofort denkt: «Oh, hoppla, so ein Zufall. Diese Überraschung! Die sieben Zwerge, was tun die denn hier!?»
Genauso war es gestern Morgen. Wirklich. Ich schwör. Nur nicht im Wald. Sondern an der Tramhaltestelle. Irgendwo auf meinem Arbeitsweg. Und es waren nicht die sieben Zwerge. Es waren sieben VBZ-Kontrolleure, die aber analog der Zwerge im Wald auf dieser Lichtung, möglichst unverdächtig und vor allem unsichtbar an dieser Haltestelle rumstanden. Einer bohrte sogar in der Nase. Ich habe nämlich den anderen dabei zugesehen, wie er den Nasebohrer beobachtet hat. Unverdächtigkeit zu erregen hoffend.
Und während sie draussen an der Haltestelle so rumstanden, weil sie wohl erst auf das nächste Tram warteten. Wohl in der Hoffnung, darin dann mehr Schüler ohne gültiges Ticket zu erwischen. Währenddessen begannen all die Menschen in meinem Tram zu schmunzeln. Offensichtlich. Belustigt über das Schauspiel, dass sich ihnen so unverhofft an diesem Morgen bot.
Vielleicht sah der Eine oder Andere auch «Die sieben Zwerge!»

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Sport ist Mord

Ich komme drauf, weil Iron Man. Letztes Weekend. In Zürich. Zum letzten Mal übrigens. Nächstes Mal, geht es dann nach Thun. Also die Veranstaltung als solches. Weil für Zürich? Zu demoralisierend. Nicht am Anfang. Nicht die Profis. Das ist ja eigentlich ein schönes Bild. Bis in die letzte Haarspitze durchtrainierte Frauen und Männer. Wenn sie denn noch Haare haben. Weil rasiert. Überall. Wegen der Windschnittigkeit. Oder so. Ein schönes Bild, wenn solche Menschen vom Start weg locker lässig durch die Landschaft hopsen, schwimmen, rennen und pedalen. Und am Ende mit einer Zeit von 8:17:04 frischer durch das Ziel laufen als ich nach nur 20 Minuten aus meiner Lieblingsbar komme. Zum letzten Mal. Der Iron Man Switzerland. In Zürich. Der nächste ist in Thun. Die können vielleicht eher damit umgehen. Weil schön und lässig? Das sind nur die ersten 20 Teilnehmer. Danach beginnt das Desaster. Und wenn dann man dann spätnachmittags durch die City schlendert. Wie viele andere Menschen auch. Dann sehen sie nur noch das hintere Feld. Die hopsen nicht mehr. Oder nur noch ganz selten. Also Bilder gibt es da. Sie werden es nicht glauben. Durch die Innenstadt. Vorbei an den Nobelboutiquen der grossen und sehr teuren Marken. Da kommen sie aus eben einem dieser Läden. Links die Einkäufe. In mehreren Taschen. Rechts die dazugehörige Partnerin. Träumen von einem Glas Prosecco oder zwei oder drei. Und dann hatscht ihnen so ein Zombie direkt vor der Nase vorbei. Und nicht nur einer. Dutzende. Da kann einem der Prosecco schon im Halse stecken bleiben. Da hat man dann gar keine Lust mehr drauf. All diese armen, leidenden Sportler. Darum sagt Zürich nein zu Iron Man 2020. Und schickt sie nach Thun.

Diese Kurzgeschichte ist eigentlich nur der Einstieg. Zum eigentlichen Thema. Welches die brutalste Sportart ist. Dachte ich nämlich auch immer. Iron Man. Oder Boxen. Oder Formel 1. Ich wurde eines Besseren belehrt. Letzen Dienstag erst. Und wirklich. Ich schwör. Es ist das Fahrradfahren. Also Velo. Rennrad, um genau zu sein. Und nicht, dass sie jetzt denken „klar, Recht hat er!“ Es werden ja ab und zu Fahrradfahrer auf freier Wildbahn abgeschossen. Meine Herren. Das auch. Aber wir waren auf der Rennbahn. Einer Radrennbahn. In Zürich. Da ist nix mit freier Wildbahn. Da kommt auch kein 45 Tonner um die Seite und drückt ihnen mal so eben ein Zwillingsrad ins Kreuz und sie damit in den Teer. Mitsamt ihrem Velo. Und trotzdem. Weil, es ist die Sprache. Und das Publikum. Jetzt muss man wissen, es gibt nicht so derart viele Radrennbahnen. Daher kommen die Menschen, die Velofahrer, oft von weiter weg daher. Um hier zu trainieren. Sie haben dann nicht nur ihre Velos im Gepäck. Oft auch noch ihre halbe Entourage. Oder die ganze. Und oft kommen diese Fahrer aus dem benachbarten Deutschland. Und Österreich. Die trainieren dann da. Während die Entourage als Publikum figuriert und dabei zusieht. Jetzt muss man auch noch wissen. Die sind meistens älter. Eine andere Generation. Die Zuschauer. Und in Deutschland und Österreich sind gewisse Themen aus der Vergangenheit. Sagen wir mal, etwas behaftet.

Und wenn dann der Richter, also der, der sagt, welcher Velofahrer denn nun gewonnen hat und welcher nicht. Also wenn der Schweizer ist. Und sich einer etwas eigenen Sprache bedient. Und dazu noch einer der Fahrer Eichmann heisst. Also aus Versehen. Wenn der dann ausscheidet aus dem Rennen und der Richter über Mikrofon ins Rennbahnrund schreit „EICHMANN!! Eichmann wurde soeben ELEMINIERT!!“ Da kann man schon verstehen, dass die gesamte Haupttribüne zusammenzuckt.
Kollektiv. Also ziemlich viele. Weil halt noch etwas behaftet. Nicht dass sie meinen das wars jetzt. Oh nein. Der Richter doppelt dann noch nach: „Das wars denn!“ „Jetzt hats ihn erwischt!“
Und wenn dann einer der wenigen Schweizer auf der Tribüne, wenn der dann auch noch neben einem Angehörigen des Eichmanns sitzt. Und der Geschichte nicht so ganz mächtig ist. Wenn der dann zu eben diesem Angehörigen auch noch sagt: „Ach, machen sie sich nichts draus!“ „Der Eichmann, der war halt nicht effizient genug!“ Da kann man es schon verstehen:

Brutal! Brutal wie’s dem die Augen aus den Höhlen treibt.

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Berührungsängste

Es ist wegen meiner Jungmannschaft. Also wegen meiner Kinder. Weil, die kommen immer wieder mal. Mit so Hinweisen. Man könne jetzt zum Beispiel im Internet iPhones gewinnen. Ganz einfach. Oder da gäbe es so Gewinnspiele. Wenn man CHF 10.- einzahle, dann könne man für CHF 50.- gamen. Also früher. Als sie ihr erstes iPhone bekamen. Bezahlt! Nicht gewonnen! Mittlerweile sind sie auf- und abgeklärter. Darin, nicht alles zu glauben, was man im Internet so liest. Oder in Zeitungen. Eher gesunder Menschenverstand. Und dann selber beurteilen. Kann das wahr sein? Oder nicht? Und wenn ja, wie viel davon? Gibt es eine zweite Seite? Die gibt es nämlich immer. Mitunter schauen Geschichten dann ganz anders aus, wenn man die eine Seite gelesen hat und die andere Seite dann dazu um Auskunft bittet. Was wollte der Schreiber damit zum Ausdruck bringen? Will er nämlich immer. Ich schwör. Was zum Ausdruck bringen. Nur ist es manchmal erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Oder dem dritten. Wie letztens mit diesem Geisterfahrer. Autobahn. 83 Jahre alt. Der Fahrer. Die Autobahn nicht. Rammt als Geisterfahrer auf der Autobahn frontal ein anderes Auto. Er danach effektiv. Ein Geist. Zukünftig. Die Gerammten? Leben noch. Inskünftig wahrscheinlich mit einem Trauma. Aber immerhin. Datum, Uhrzeit, Automarke, Wetter. Fertig. Sie meinen, da gäbe es keinen zweiten Ausdruck, den der Schreiber rüberbringen wollte? Mal davon abgesehen, dass er mit der Angabe des Alters des Geisterfahrers zum Ausdruck brachte, dass seiner Meinung nach so alte Menschen nicht mehr in ein Auto und schon gar nicht auf eine Autobahn gehören. Sondern doch am besten zuhause bleiben und in mehr oder weniger grossen Würde alleine das zeitliche zu segnen hätten. Aber ich sag ja nix. Respektive nur zu meinen Söhnen. Nicht alles glauben, was euch so gesagt wird. Und ab und zu mal Dinge hinterfragen.
Darum sind sie heute wie ich. Und glauben nicht mehr alles, ohne es zu hinterfragen. Wie zum Beispiel, dass die Schweizer ein unfreundliches Volk seien. Und extremst abweisend gegen alle anderen. Und es sei nicht möglich mit „denen“ eine Freundschaft aufzubauen. Hört man ja immer wieder. Respektive liest man auch. Auch hier gibt es zwei Seiten. Ich habe öfters festgestellt, dass Menschen, die eine solche Aussage machen…nun ja..sagen wir mal, nicht immer ganz einfach im Umgang sind. Und man deshalb dann eher meidet. Dann ist es aber auch egal, was sie für eine Nationalität die haben. Dann finden nämlich auch Schweizer eher weniger Freunde. Wenn schwierig im Umgang. Lassen wir das mal so stehen. Weil, generell kann man sagen. Berührungsängste haben auch die meisten Schweizer eher weniger. Manche sogar sehr wenige.
Unter der Woche trage ich gerne weisse Hemden. Weil Kundenbesuche und seriöser Eindruck und so. Darüber meistens ein Jackett. Ausser wenn hochsommerlich. Dann trage ich zum weissen Hemd zwar auch ein Jackett. Aber über dem Arm. So. Wenn man nun mit so einem weissen Hemd und Jackett überm Arm durch den Hochsommer läuft? Was passiert dann ab und zu? Man wird zur Landezone. Diverser Insekten. Manche werden auch zur Landezone von Spritzern diverser Saucen. Beim Mittagessen. Oder Abends. Da hat man dann doch eher Berührungsängste. Also nonverbal gesehen. Verbal nicht. „Oha!? Gab’s Spaghetti zum z’Mittag?!!“ Süffisantes Lächeln inklusive. Manchen Menschen verderben sie damit locker den Rest des Arbeitstages. Spannend. Ich habe darum immer ein zweites Hemd im Büro. In einer Schublade. Weil man sagt den Schweizern auch nach, sie seien Vorsichtig. Und vorbereitet. Ha! Also Sauce auf weissem Hemd eher nicht. Aber Insekten. Die sitzen dann so rum. Auf dem Hemd. Und lassen sich mittragen. Ohne dass es der Träger bemerkt. Ich auch nicht. Bis in den Lift. Da stand eine mir persönlich nicht bekannte Dame mir gegenüber. Und fixierte mein Hemd. Das weisse. Ich denke mir noch, was fixiert die mich so? Gab doch gar keine Spaghetti. Da tritt die Dame forschen Schrittes auf mich zu. Hebt ihre Hand, sagt „Äxgüsi!“, und scheucht ein Insekt von meiner Landezone. Auch wildfremd. Und mir persönlich nicht bekannt. Das Insekt. Wenn ich das machen würde? Als Mann? Bei einer Frau? Einer fremden Frau? Die schauen einen in Zürich schon komisch an, wenn man ihnen ein Kompliment wegen ihres Outfits macht. So mit einem Blick von wegen „Ey, Alter!!!!??“ „Was ist los? Willst Du mich anmachen?“ Vielleicht ja Berührungsängste. In dem Moment.
„Äxgüsi!!“ Einem Wildfremden gegenüber. Nix mit Berührungsängsten. Wir Schweizer. Und ich?Stehe noch zwei Sekunden verdattert im Lift. Sag artig danke. Und bin froh, noch ein zweites Hemd auf Reserve zu haben. Man weiss ja nie…

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Knall auf Fall

Die heutige Geschichte hat einen etwas, sagen wir, schalen Nachgeschmack. Hängt auch damit zusammen, wie ich gewisse Ereignisse verarbeite. Mir eilt der Ruf voraus, ich sei etwas unsensibel. Mitunter sogar sarkastisch. Wo das nur her kommt? Woher der schale Nachgeschmack kommt, kann ich ihnen sagen. Wir haben das Glück, in einer nahezu heilen Welt zu wohnen. Hier, in der Altstadt von Zürich. Weil nur ca. 3500 Einwohner. Man kennt sich. Mehr oder weniger. Soziale Kontrolle arbeitet. Fast wie auf dem Land. Daher war dieser Knall auf Fall auch etwas sehr überraschend. Einer der hier ansässigen Mitbewohner kam mit seinem Leben nicht mehr klar. Offensichtlich. Er wählte eine Art Notausgang. Und sprang vom Dach. Letzten Montag. Genau vor die Türe der Reinigung, die meine Hemden wäscht. In Unterhosen. Es ist ja grundsätzlich tragisch. Immer. Wenn ein Mensch aus dem Leben scheidet. Auf welche Weise auch immer. Tragisch auch, dass man es nicht kommen sah. Also man sah es dann schon kommen. Ihn. Durch die Luft. Morgens um 08:00 Uhr. Die Schulkinder waren zum Glück schon durch. Die Angestellten der Geschäfte und Lokale aber noch nicht. Denen sprang er vor die Füsse. Quasi. Die, die es gesehen haben, die müssen jetzt damit klar kommen. Auch nicht ganz einfach. Tragisch. Möge er zumindest jetzt in Frieden ruhen, da er diesen schon nicht vorher fand.

Zurück zur Geschichte. Weil, ich kann es ja nicht ändern. Das Leben wurstelt weiter. Für uns anderen. Geht wie so oft um Werte. Weniger die inneren. Mehr die materiellen. In meinen jungen Jahren war eines meiner Hobbys das Gleitschirmfliegen. Weil Flugangst. Damals. Ich. Sehr. Wenn man vor etwas Angst hat, muss man dem erst recht begegnen. Im vollen Bewusst sein. Sagte mein Vater. Darum Gleitschirm. War am Anfang weniger toll. Später dann mehr. Und Angst? Die verschwand mit der Zeit. Man muss dazu wissen. Ich habe, sagen wir es mal so, einen starken Knochenbau. Mein Grundgewicht war schon immer um die 100 Kilo. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Also ausser bei meiner Geburt. Aber auch damals etwas über der Norm. Meine arme Mutter. Jetzt, wenn etwas mehr Gewicht an einem Gleitschirm hängt, dann kommt man mitunter etwas schneller runter. Sie können sich das so vorstellen. Werfen sie mal aus dem fünften Stock eine Feder und eine Weinflasche aus dem Fenster. Letzteres sollten Sie vorher evtl. leeren. Und achten sie darauf, was unten gerade vorbei läuft. Sie werfen also. Und? Die Weinflasche wird deutlich schneller unten sein, als die Feder. Jetzt stellen sie sich mich als Weinflasche vor. Am Gleitschirm. Alle anderen Flugschüler quasi Federn. Ich nicht.

Meine Landungen waren eist entsprechend. Zumindest zu beginn. Glichen mehr einem Einschlag als etwas anderem. Dass der Fluglehrer aber immer rief „Achtung!! Granate!“. Das hielt ich für etwas übertrieben. Wurde mit der Zeit zwar besser. Aber nicht so sehr, als dass ich dann das Fliegen irgendwann aufgab. Jedenfalls, dass erste was ich tat? Nach meinen Landungen? Schauen ob noch alles dran war. An mir. Keine Knochen gebrochen, etc. Erst danach kam der Schirm an die Reihe. Und zuletzt der Fluglehrer. Der behauptete immer, ich täte das mit Absicht. Und zielte auf ihn. Nur weil ich ein einziges mal gebodigt habe. Und das ganz ohne Absicht. Ich schwör. Heute? Heute haben sich die Werte wohl etwas verschoben. Allgemein. Nehmen sie zum Beispiel einen Unfall. Früher hielt man an und versuchte zu helfen. Heute hält man an und macht erstmal ein Foto. Oder ein Video. Am besten noch ein Selfie. Schlimm. Schämt Euch.

Oder mein Junior. Der überschlug sich kürzlich mit dem Velo. Relativ heftig. Beulen, Prellungen und einen gebrochenen Arm. Aber als er da so auf der Strasse lag? Nicht, wie geht’s mir? Nicht, lebe ich noch? Nein. Ist mein Handy noch ganz? Das war die zentrale Frage. Armbruch? Das ist kein Beinbruch. Quasi. Aber Glasbruch am Handy? Katastrophe.

Zurück zum Sprung vom Dach. Betroffenheit war gross. Weniger wegen des Sprungs. Sondern weil in Unterhosen. Und mitten am hellen Tag. Zum Glück seien die Kinder schon  durch gewesen. Man hätte dazu doch in den Wald gehen können.

Bedauernswerte Familie. Da war eine Frau. Und auch ein Kind. Mein Beileid in dieser traurigen Zeit.

Ruhe in Frieden. Zumindest jetzt.

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Überhitzung

Also! Ich weiss es ja wirklich nicht. Wer auf so glorreiche Ideen kommt. Also eigentlich weiss ich es schon. Stand ja der Name dahinter. In der Zeitung. Es muss wohl an der Hitze liegen. Zum Beispiel dass man im ÖV nur noch auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur runterkühlt. Aussentemperatur ist 36 Grad. Drinnen bläst einen die „Kühlung“ also 30 Grad ins Gesicht. In einem vollbesetzten Zug oder Tram. Wer kommt auf solche Ideen? Angeblich wegen des Klimas. Seien ja nur ein paar Tage. Stimmt. Sind es. Nur ein paar Tage, die es bei uns so heiss wird. Die werden die Energiebilanz vom Rest des Jahres nicht retten. Aber mein Leben. Vermutlich war man aber bei der Beschaffung des Rollmaterials zu geizig. Alles billig. Auch die Klimaanlagen. Ausgelegt auf max. 28 Grad Aussentemperatur. Wer kann den schon damit rechnen, dass es bei uns mal über 30 Grad wird. Wie jedes Jahr im Spätherbst/Frühwinter. Wenn man wieder einmal vöööööllig überrascht wurde. Vom ersten Schnee. Den der Wetterbericht schon 14 Tage vorher ankündigte. Es könnte Leben retten. Meines. Oder das ein paar anderer, insbesondere älterer Herrschaften. Dafür wird dann im Frühling und Herbst auf 18 Grad runtergekühlt. Mehrfach selber erlebt. Auf Nachfrage beim Schaffner folgende Antwort: „Es gehe nicht anders.“ Er könne das nicht regulieren. Aber 14 Tage im Sommer. Da geht das auf einmal. In die andere Richtung. Es müssen ja nicht 18 Grad sein. 24 tun es auch. Aber tut es!
Oder dann diese Person in den Nachrichten. Man überlege sich, den Schulkindern im Sommer drei Monate Ferien zu geben. Drei Monate! Ich weiss schon nicht, wie ich fünf Wochen überleben und organisieren soll. Vermutlich zu lange in einem auf 5-6 Grad Differenz zur Aussentemperatur gekühlten Tram gesessen. Zur Stosszeit. Der Fahrer hat übrigens eine eigene Klimaanlage. Die er selber regulieren kann. Und runterkühlen. Weil, er müsse ja bei Sinnen bleiben bei diesen Temperaturen. Müssen die Passagiere offensichtlich nicht. Warum auch. Müssen ja nicht den ÖV benützen.
Mehr Beispiele? Die Kapitänin, des Flüchtlingsschiffes, die verbotenerweise Italienische Gewässer anfuhr. Mit ein paar Dutzend Flüchtlingen an Bord und ihnen damit, zumindest temporär, das Leben rettete. Die wird verhaftet. Weil sie sich an Seerecht hielt. Und Menschen in Not rettete. Verhaftet. Überlegt mal, was ihr da tut. Oder besser! Überlegt lieber nicht. Weil sonst kommt es so raus, wie oben beschrieben. Geht raus. In den Wald. An die frische Luft. Zu Fuss. Und lauft ein paar Stunden. dann kommen ja vielleicht ein paar bessere Ideen.
Einen schönen, langen und warmen Sommer wünsche ich Euch!

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Tierische Geschichten

Einen Hund. Ich hätte gerne einen Hund. Wir hätten gerne. Sind mit Hunden aufgewachsen. Immer schon. Nicht einfach nur normale Hunde. Von der Grösse her schon. Farbe und so auch. Aber Charakter. Immer speziell. Sehr. Und immer Vaters Hund. Wir Kinder durften sie streicheln. Füttern auch. Spielen sowieso. Wenn’s ums Folgen ging? Dann nur Vater. Platz zum Beispiel. Wir konnten es ihnen befehlen. Oder vormachen. Oder versuchen, sie zu zwingen. Nichts. Stoisch wie ein Denkmal. Sogar bei Mutter. Bei der auch Vater Platz machte, wenn sie es befahl. Die Hunde? Stoisch. Vielleicht mal ein Blick von der Seite. Aber eher selten. Nicht mal ein Zucken im Schwanz. Die Hunde. Nicht Vater. Vater sah sie nur an. Sitz. Wenn er sie einen Augenblick länger an sah? Eine Zehntelsekunde vielleicht? Dann sogar Platz. Also liegen. Ohne ein Wort. Sie hatten auch ihre Plätze. Auf der Couch. Oder einer Hundedecke auf dem Boden. Oder in der Küche unterm Tisch. Überall. Wenn Vater da war? Neben ihm. Sitz. Immer. Wir hatte zuhause Parkett. Vater auswärts? Dann konnten wir die Hunde an ihren Schwänzen durch die Wohnung ziehen. Kein Problem. Oder ihnen einen Knoten in die Ohren machen. Alles möglich. Vater in seinem Sessel? Hund daneben. Seine Hand auf ihrem Kopf. Wehe, wir sahen sie dann nur an. Oder versuchten sogar, sie zu streicheln. Lefzen fletschen, tiefes Knurren, gefährlicher Blick. Vom Hund auch. So war das.
Darum hätte ich gerne wieder einen. Der wäre dann auch so. Aber wir haben leider keine Zeit für ein Tier. Und ehrlich gesagt. In der Stadt? Möchte ich einem Hund nicht antun.
Letzte Woche. Tram. Im 4er. Von Altstetten nach Tiefenbrunnen. Am Schiffbau. Wir sassen ganz hinten. Mit einer Horde Jugendlicher. Unterwegs ans Vorglühen. Respektive schon voll dabei. Und wie so junge, testosterongesteuerte Halbwilde halt so sind. Eine riesen Klappe. Alle. Über alles. Die Welt, ihr Leben, ihre beruflichen Aussichten, wie schnell sie Kohle machen würden. Und wie viel Frauen sie heute Abend anbaggern und abschleppen. Riesen Klappe. Bis Dammweg. Das sind drei Haltestellen ab Schiffbau. Das Tram hält. Die hintere Tür öffnet sich. Herein trottet ein schneeweisser Mastino. Mit blutunterlaufenen Augen. Eine Leine hinter sich herziehend. Am anderen Ende der Leine? Niemand. Der Mastino, gross wie ein Kalb, trottet also ins Tram. Bis vor zu den Jugendlichen. Schaut sie an. Und legt sich hin. In den Gang. Mittendrin zwischen den acht Jungen. Links im Abteil vier, rechts im Abteil vier. Dazwischen der Mastino. Aus wars mit Vorglühen. Jetzt. Zufällig kenne ich dessen Besitzer. Weiss, dass dieser mitunter etwas heftig mit sich selber beschäftigt ist. Und dann den Hund schon mal vergisst. Der Hund, dem macht das nichts. Der ist die Friedlichkeit in Person. Der weiss wo er zuhause ist. Und zottelt dann halt alleine los. Das er gefährlich aussieht und als Kampfhund gilt, dass weiss er glaubs gar nicht. Wer sollte ihm es auch sagen. Die acht jungen Welteroberer ganz sicher nicht. Ich? Ich sah zu. Und harrte der Dinge, die da kommen. Weil mittlerweile war man am Limmatplatz. Hier wollte man sich dann eigentlich ins Nachtleben stürzen. Man stürzte lieber nicht. Der Hund hat einen Namen. Bruno. Vermutlich würde ich ihn genauso nennen. Obwohl er eher nach Brutus aussieht. Den Platz zu verlassen und aussteigen? Man hätte Bruno beiseite schieben müssen. Oder ihm einfach sagen „Bruno, geh auf die Seite“! Ich weiss das. Die Helden der Nacht wussten das nicht. Die sassen noch bis Bahnhofquai. Dort kam dann eine Dame der VBZ. Voll Elan. Ins Tram. Mit einer dünnen, kurzen Hundeleine. Elan und Befehlston. Sie solle hier einen herrenlosen Hund…. Elan und Befehl. Bis sie Bruno sah. Fertig Elan. Weiter vorne ein Pärchen. Mit einem Mops. Und einer Packung Hundekekse. Eigentlich für den Mops. Das Pärchen sprach die Dame von der VBZ an. Die, die immer noch Prinzip Salzsäule. Man könnte ja vielleicht mit den Hundekeksen versuchen. Das wollte die Dame aber nicht. Offensichtlich. Zum Glück kam dann Einer, der Bruno auch kennt. Leider. Der griff nach seiner Leine. Das Tram hielt den Atem an. Und führte einen etwas verdattert dreinschauenden, weissen, kalbsgrossen Mastino aus dem Tram.
Apropos Tiere. Letzte Woche in Bremen. An einem Abendessen. Es gab Schweinshaxe. Von einem iberischen Schwein. Welches nur Eicheln frisst. Und Wurzeln. Sagt der Kellner. Da tauchte die Frage auf. Ist so ein Schwein dann vegan? Und darf von einem Vegetarier gegessen werden?
Was meinen sie?

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Der Thron

Da schreibt man einmal etwas über seinen Vater. Nur zwei Sätze. Wirklich. Ich schwör. Vielleicht waren es auch drei. Kann sein. Einmal. Schreibt man was. Ein wenig sentimental. Aus Versehen. Ein klitze kleines bisschen nur. Schon geht’s los. Weich geworden aufs Alter. Nachsichtig. Sentimental. Zeigt ungewohnt Gefühle. Kaum wieder zu erkennen. Nicht nur Frauen. Nein. Viel schlimmer. Männer auch. Ich tu’s nie wieder. Versprochen. Ich schwör. Gefühle zeigen. In meinen Geschichten. Also persönliche. Und mehr als einmal «ich schwör» in einer Geschichte zu bringen, auch nicht mehr. Ehrenwort.
Hat aber vielleicht schon etwas mit dem Alter zu tun. Weil, nächste Geschichte auch. Mit der Altersempfindlichkeit. Die grösste Erfindung der Menschheit? Aus Ihrer Sicht? Aber gut überlegen! Kommen sie nie drauf. Vielleicht die, die einen haben. Und das entsprechende Alter. Wie ich. Sonst nicht. Früher. Früher war das anders. Als junger Mensch. So mit 20. Um den Dreh rum. Motorradfahrer. Mit zwei, drei Kumpels ständig unterwegs. Lange Wochenenden. Fahrt ins Blaue. Übernachten irgendwo. Meist im Freien. Oft ein Wald. Weil Hängematte ohne Bäume schwierig. Und Bäume trifft man meistens wo an? Eben. Wir hatten alles dabei, was es zum Überleben brauchte. Eine
Hängematte, einen Schlafsack, Alkohol und was zu Essen. Der Rest war fakultativ. Einen Grillrost. Einen Grillrost hatten wir auch immer dabei. Der war wichtig. Immens. WC Papier nicht. Für was WC Papier? Wir warten jung und harte Kerle und Biker. Und kein WC Papier. Im Wald da hatte es Blätter. Auch in einem Nadelwald. Und da es an einer Harley sowieso immer etwas zuschrauben gab. Die Hände daher meistens schwarz. Da fiel ein bisschen braun kaum auf. Mehr oder weniger. Jetzt, ein paar Jahre später? Saubere Hände. Und ein festes Zuhause. Hängematten nicht mehr. Dafür WC Papier. Die ultimative Steigerung. Dreilagig. Doppelt gepolstert und parfümiert. Mit Noppen. Kann es eine grössere Erfindung geben? Ich dachte nicht. Ehrlich gesagt. Bis zu diesem ominösen Tag. Unser WC war defekt. Und schon ziemlich alt. Anruf bei der Hausverwaltung. Die lies es umgehend ersetzen. Durch einen Closomat. Der Austausch ging schnell von statten. Ein riesen Teil. Unser ökologischer Fussabdruck wird dadurch wieder etwas grösser. Von wegen Strom und so. Als der montiert war meinte der Techniker, er müssen den jetzt noch konfigurieren. Konfigurieren! Er benutzte tatsächlich dieses Wort. Jetzt ist es ja nicht so, dass ich mir erst gestern frische Tannenzweige durch die Arschspalte gezogen hätte. Ich benutze nun schon seit Jahren normale WC. Da musste man noch nie etwas konfigurieren. Einen Closomat schon. Wie er denn den jetzt nun einstellen solle? Ob sanft oder eher hart? Dabei schaute er mich an. Mit einem süffisanten Lächeln. Bei hart. Ich
schwör. Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Hart. So hart wie möglich bitte. Der Techniker schraubte an dem Teil herum, murmelte dabei etwas in seinen Bart und meinte nach 5 Minuten, so, ich können ihn nun ausprobieren. Und wenn es dann doch zu hart sein sollte? Dann könne ich das hier und hier etwas weicher einstellen. Weicher! Ich! Der sich Tannenzweige durch den Hintern gezogen hat.
Jetzt weiss ich nicht, ob sie schon einmal eine hatten. Eine Darmspiegelung. Oder einen Einlauf. Einen Einlauf träft es eher. Hatten sie? Dann schliessen sie mal ihre Augen und holen sich die Erinnerung zurück. Die, die noch keinen hatten? Ich sitze also auf dem Thron. Der vor sich hin summt und pfeift. Und drücke auf die Taste. Zuerst passiert noch nix. Das Summen wird etwas lauter. Auf einmal zischt es. Mit Anlauf. Viel Anlauf. Direkt aus der Hölle. Von wegen der Stärke und der Hitze. Voll ins Schwarze. Im wahrsten Sinn
des Wortes. Ich weiss jetzt, wie sich eine Darmspülung anfühlt. Bis hoch zum Magen.
Vermutlich gab ein einen Laut der Überraschung von mir. Einen lauten Laut. Der Techniker fragte durch die geschlossene Türe, ob es ginge? Es ging. Danach. Als wir ihn etwas sanfter einstellten. Viel sanfter.
Beim Blick zurück, in die Schüssel. Ich schwör! Da schwamm eine 36 Jahre alten Tannennadel.

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Lange Rede kurzer Sinn

Schnell. Geduld? Keine. Also die wenigsten. Am liebsten schon gestern. Oder noch früher. Dass wertvollste, was man also schenken kann? Zeit. Und ein Ohr. Oder zwei. Leihweise. Nicht so van Gogh mässig. Der hat sein Ohr ja auch abgegeben. Quasi. Nein. Wirklich nur leihweise. Hin- oder zuhören. Ist wirklich wertvoll. Auf beide Seiten. Ich versuche zuzuhören, bin aber auch ganz dankbar. Wenn mir mal jemand zuhört. So wie sie es tun. Die Leser dieser Geschichten. Sie schenken mir auch. Immer wieder. Ihre Aufmerksamkeit. Das ist für mich Lohn und Ansporn. Ich, wir, bessere Hälfte und ich. Wir versuche daher auch ab und zu etwas zurückzugeben. Das nächste Mal am 23. Mai. Details später. Nur damit sie schon einmal vorgewarnt sind.
Zurück zum Thema. Zeit schenken. Weil, auch ich. Habe auch so eine Unart. Oder Tic. Also nicht, dass sie jetzt Angst haben müssen. Von wegen Tourette oder so. Wobei Angst etwas weit gegriffen. Einer meiner Schulfreunde hatte einen. War ganz lustig damals. Für uns. Seine Freunde. Weil wir wussten ja, wann ungefähr seine Eruptionen kamen. Im Gegensatz zu den anderen Menschen im öffentlichen Raum. Wir nahmen ihn trotzdem überall hin mit. War früher so. Auf dem Land. Auch ins Kino. Aber nur einmal in einen Kinderfilm. Danach nicht mehr. Respektive nur noch in Schnulzen. Wegen der romantischen Kussszenen. Die waren irgendwie der Auslöser. im dunklen Kino. Vorne auf der Leinwand ein sich küssendes Paar. Und auf einmal, aus der Dunkelheit. Die Eruption. Quasi. Hammer.
Mein Tic ist anders. Immer wenn ich eine Frage habe. Dann beginne ich mit „…hast du mal schnell eine Minute?“ Oder auch „….hast Du kurz eine Minute?“ Und dann ärgere ich mich über mich selber. Weil, erstens, bleibt es nie bei nur einer Minute. Schon gar nicht kurz. Und zweitens, setze ich schon in der Frage voraus, dass mein Gegenüber eine hat. Minute. Wobei. Noch schlimmer finde ich die „Sekündler!“ Wenn man durch die Strassen läuft. Und dann hat es da so einen Unterschriftenstand. Mit irgendwelchen unterbezahlten, aber übermotivierten Studenten. „Ey, Du, hast Du mal kurz eine Sekunde?“ Einundzwanzig und Tschüss. Es dauert genau eine Sekunde lang, einundzwanzig zu sagen. Können sie mal messen. Also sage ich einundzwanzig und laufe weiter. Er, oder Sie wollte ja nur kurz eine. Sekunde.
Letztens waren bessere Hälfte und ich beim Essen. In einem Restaurant. Trafen per Zufall Menschen die wir kennen. Und liehen gegenseitig Ohren. Weil erstens wertvoll und zweitens lernt man ja auch Neues dabei. Meistens. In diesem Fall zum Beispiel. Eine Unterform von „hast Du mal eine Minuten? Kurz!“ Und die ging so: Ich habe heute was unglaubliches erlebt. Eine meeeeeega Geschichte! Aber ich erzähl Dir nur die Kurzform. Kurzform. Wir hatten noch nicht mal die Vorspeise. Dann kam der Hauptgang. >Und zum Dessert war sie noch nicht ganz erzählt. Die Kurzform. Der Geschichte. Zwischen drin musste ich Nachfragen. Ob wir noch in der Geschichte sind. Weil irgendwie verloren. den Faden. Die Übersicht sowieso. Aber genial. Das merke ich mir. Ich beginne meine Fragen nun nicht mehr mit der nach einer kurzen Minute. Ich erzähle jetzt Geschichten. In Kurzform. Weil:
Hast Du mal eine Minute = umgerechnet max. 5 Minuten
Geschichte in Kurzform = umgerechnet? Stunden! Quasi
Lassen sie sich davon ja nicht abhalten etwas vom wertvollsten zu verschenken, was sie haben. Ihre Zeit. Und Aufmerksamkeit. Aber hüten sie sich. Wenn wir uns begegnen und ich ihnen „kurz“ etwas erzählen möchte.
Nur kurz! Ich nehme es ihnen nicht Übel. Ich schwör!

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Dingens

Es ist ja meistens so. Das man eine Erfahrung macht. Immer
wieder. Also ich. Nämlich, Dinge sind nicht konsequent zu Ende gedacht. Von
Anfang an. Darum gerät man mitunter ins Stolpern. Die, welche die Dinge ins Leben
gerufen, aber nicht ans Ende gedacht haben. Und die, die die ins Leben gerufene
Dinge benutzen. Und auch nicht ans Ende gedacht haben.
Wie zum Beispiel die EU. EU gründen? Aufnahmeritual? Alles
kein Problem. Schnell ausgedacht. Fertig. Rein kann man immer. Jetzt will aber
jemand raus. Daran hat keiner gedacht. Darum weiss man nicht wie. Warum schon
gar nicht. Auf der anderen Seite die Briten. Die wollen raus. Kurz angedacht
und beschlossen. Das Ende? Offen. Weil eben nicht. Bis dahin gedacht. Dafür
jetzt nackte Menschen im Unterhaus. Als Sinnbild des Chaos. Und vielleicht auch
Entsetzens.
Oder Auftragsvergaben beim Bund. Schnell angedacht und
umgesetzt. Wie die Briten. Raus kommt man nicht mehr. Darum gehen jetzt
Bundesaufträge nach Griechenland. Nix gegen Griechenland. Aber Arbeitsmoral?
Sagen wir mal, leicht konträr zu unserer. Daher zwar günstigster Anbieter. Aber
Projekt mittlerweile zig mal teurer als wenn in der Schweiz. Und ob überhaupt?
Offen. Weil auch hier. Nicht bis ans Ende gedacht.
Barber Shops. Früher Friseure. Oder Coiffeur. Jetzt etwas
trendiger und hipp. Darum Barber Shop. Trend aus USA. In New York, oder anderen
grossen Metropolen? Da hat es einige dieser Shops. Die laufen meistens gut. Es
hat aber auch zig Million Einwohner. In Zürich? Gefühlt noch mehr Barber Shops
als in New York. Fast jeden Monat eine Neueröffnung. Einwohnerzahl? Knapp 500‘000.
Die Hälfte davon Frauen. Kein Zutritt. Weil wo Männer Haare am Kinn, bei Frauen
an den Beinen. Oder sonst wo. Nochmals die Hälfte der Hälfte? Kinder. Auch kein
Zutritt. Weil kaum Bartwuchs. Und vom verbleibenden Rest auch noch mal die
Hälfte? Männer ohne Bart. Gewollt oder manchmal auch ungewollt. Zutritt
sinnlos. Wer jetzt noch einen neuen eröffnet? Trotz doch relativ beschränkter
Nutzer anzahl und mittlerweile grossem Angebot? 
Der hat das vielleicht nicht ganz zu Ende gedacht.
Dies nur einige Beispiele. Hätte noch ein paar mehr.
Unzählige. Aber dann wird’s zu lange. Die Geschichte. Weil. Selber ja auch. Nicht
zu Ende denken. Ich bin eigentlich ganz locker. So im Allgemeinen. Bis auf
wenige Ausnahmen. Die Nutzung persönlicher Hygieneartikel betreffend. Zum Beispiel.
Kürzlich auf Besuch bei meiner Schwester. Mit abendlichen Dinner. An und für
sich ja nichts ungewöhnliches. Kommt aber noch. Der Vogel nämlich, der war
etwas zäh. Eine Flugente, mit deutlich über der zulässigen Höchstanzahl an Flugstunden. Wirkt sich halt aus. Nach dem Verzehr begann jedenfalls die Suche.
Nach Zahnstocher. Welche nicht vorhanden. Ich kann einfach kein vernünftiges
Gespräch führen. Nicht so lange Menschen dabei ständig in ihren Zähnen rumfummeln.
Auf der Suche nach dem nicht vorhandenen Zahnstocher. Darum. Ich habe gewisse
Schweizer Eigenheiten. Zum Beispiel ein kleines Sackmesser im Hosensack. Daran
ein Zahnstocher. Zum absolut eigenen und persönlichen Gebrauch. Das nahm ich
heraus. Den Zahnstocher auch. Um unsere Überlegenheit zu demonstrieren. Und
dass wir gewisse Sachen auch zu Ende denken. Darum zeigte ich demonstrativ und
voller Stolz und geistiger Überlegenheit eben diesen Zahnstocher.
Und was macht meine Schwester? Reisst ihn mir aus den
Fingern und beginnt damit in IHREN Zähnen rumzustochern. Ich fiel nur ganz kurz
in Ohnmacht. Ich schwör. Und entgegen ihrer Behauptung, war ich das Messer in
eine Ecke. Und nicht gezielt auf sie. Weil benutzen kann ich das ja nie mehr.
Fremde Zähne. Wer denkt denn an so etwas.


Wohl auch nicht ganz zu Ende gedacht. Adieu, schönes Sackmesser….


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